Archiv für 2010



WissensWert-Ergebnis: Wir unterstützen acht mutige Projekte!


Als wir im Sommer die Idee hatten, einen Wettbewerb zur Förderung von Freiem Wissen auszuschreiben, haben wir kaum mit einem so großen Ansturm gerechnet. Mit „WissensWert“ wagten wir am 16. September ein Experiment:

Wir investieren in mutige Ideen zur Förderung Freien Wissens und stellen ausgewählten Initiativen Mittel in Höhe von 500 € bis zu 5.000 € zur Verfügung. Seid mutig! Mit unserem Ideenwettbewerb WissensWert fördern wir Projekte, die mit unseren Zielen übereinstimmen. Ideen zur Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freier Inhalte. Ideen, die den Zugang zu Wissen und Bildung fördern. Ideen zu Freien Lizenzen und Freier Software. Wir können mit einer Fördersumme helfen, aus mutigen Ideen außergewöhnliche Projekte zu machen!

Jury und öffentliche Bewertung

Im Laufe der einmonatigen Bewerbungsfrist wurden 93 Ideen und Projektvorschläge bei uns eingereicht; ein tolles Ergebnis für diese erste Runde! Aus dieser Vielfalt die besten Ideen auszuwählen war Aufgabe der Jury: Leonhard Dobusch von der FU Berlin, der Wikipedia-Benutzer Eschenmoser, unser Vorstandsmitglied Jürgen Lüdeke, Philipp Otto von iRights.info und Elke Wetzig aus der Wikipedia-Community und langjähriges Vereinsmitglied. An dieser Stelle eine großes Dankeschön an die Jury für ihre Unterstützung!

Neben dieser Jury-Bewertung haben wir auch die Öffentlichkeit abstimmen lassen: Über das Abstimmungsformular wurden innerhalb von nur vier Woche 1340 Stimmen abgegeben – Wow! Alle Ideen stehen auch weiterhin zur Diskussion und Bewertung online. Auf den Diskussionsseiten können Fragen und Kommentare hinterlassen werden und den Einreichern bietet sich die Möglichkeit, mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen.

Trommelwirbel: Die ausgewählten Projekte

Wir freuen uns, heute die acht Projekte vorstellen zu können, die von uns im kommenden Jahr finanziell unterstützt werden und gratulieren den Einreichern ganz herzlich:

Hier findet sich auch die entsprechende Pressemitteilung: Mutige Ideen für Freies Wissen Erfolgreiche Startrunde für Wikimedia Deutschlands ersten Ideenwettbewerb „WissensWert“

Zusätzlich zu diesen acht sind noch zwei weitere Ideen sehr gut bewertet worden, die allerdings vor Klärung wichtiger inhaltlicher Fragen noch keine Förderzusage bekommen. Mehr dazu im nächsten Jahr.

Parallel zu dieser Veröffentlichung haben wir auch die glücklichen Einreicher benachrichtigt. Die acht Projekte werden im kommenden Jahr von uns begleitet und wir werden euch laufend über den jeweiligen Stand der Dinge informieren. Dass die Projekte von uns unterstützt werden heißt nun nicht, dass wir einfach das jeweils im Budget aufgeführte Geld überweisen. Wir werden mit allen Einreichern ausführlich über die kommende Unterstützung und Umsetzung der Projekte sprechen und entsprechende Vereinbarungen ausarbeiten. Manche Förderung ist auch an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die sicherstellen, dass Budget überlegt und mit unseren Zielen konform eingesetzt wird. Für uns steht immer im Vordergrund, dass es sich bei den Fördersummen um Spendengelder handelt, die wir zielgerichtet zur Förderung Freien Wissens einsetzen.

Danke! Weitermachen!

Herzlichen Dank an alle Einreicher, Juroren, Unterstützer, Weitersager und Mitdiskutierer! Ihr habt mit uns gemeinsam dieses erste Experiment zu einem ersten erfolgreichen Abschluss gebracht. Nun sind wir gespannt, wie sich die Projekte entwickeln werden und ob unsere Förderung Früchte trägt.

Auch den Einreichern, die in dieser Runde leer ausgegangen sind, wünschen wir alles Gute und ermutigen dazu, sich bei weiteren Runden erneut zu beteiligen. Nutzt die Zwischenzeit, weiter an euren Ideen zu arbeiten, am Konzept zu feilen oder das Budget realistischer zu planen! Einige der Ideen sind zwar in diesem frühen Stadium von uns noch nicht förderbar, bieten aber Potential und lassen sich weiter entwickeln. Auf ein neues WissensWert im nächsten Jahr!

Update: Hier finden sich nun auch die Ergebnisse von Community-Abstimmung und Jury-Bewertung.

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Das Wikipedia-Buch zum 10. Geburtstag: Autoren gesucht!

Mein Name ist Boris und als neuer Mitarbeiter bei Wikimedia Deutschland bin ich für die Erstellung eines Wikipedia-Buchs verantwortlich. Ich habe Politik- und Kommunikationswissenschaft in Dresden studiert. Bisher war ich im PR-Bereich sowie bei einer Unternehmungsberatung tätig. Mein Interesse an Wikipedia geht bis auf das Jahr 2003 zurück, wobei ich zuerst als Nutzer und später – wenn auch im kleinen Umfang – als Autor, die Vorzüge von Freiem Wissen kennen lernen konnte.

Zum Anlass des zehnjährigen Bestehens von Wikipedia möchte Wikimedia Deutschland 2011 ein Buch veröffentlichen. Das Buch soll einer breiten Öffentlichkeit das Wikipedia-Projekt und seine Community näher bringen. Vor allem für Nicht-Wikipedianer sollen die Grundidee, die Geschichte und Entwicklung sowie das Innenleben der größten Enzyklopädie der Welt vorgestellt und erklärt werden.

Hintergrund und Ablauf

Die einzelnen Abschnitte des Buchs werden von Wikipedia-Autoren als Wiki-Kollaboration geschrieben. Der langjährige und engagierte Wikipedianer Marcus Cyron ist federführend an der Entstehung des Buchs beteiligt. Er wird die Zusammenarbeit mit den anderen Wikipedia-Autoren koordinieren.

Da wir neben den harten Fakten auch die Gesicher bzw. Macher von Wikipedia zeigen wollen, möchten wir zahlreiche Stimmen aus der Community zu Wort kommen lassen. Und dazu ist eure Hilfe gefragt: Wir rufen euch – die Wikipedia-Autoren, Mitarbeiter und Nutzer – dazu auf, aus euren persönlichen Erfahrungen mit dem Projekt zu berichten!

Habt ihr etwas zur Entwicklung und dem erstaunlichen Erfolg von Wikipedia zu erzählen? Wolltet ihr schon immer über ein bestimmtes Erlebnis berichten, das im Zusammenhang mit eurer Mitarbeit am Projekt steht? Oder habt ihr spannende, kuriose, lustige und unerwartete Anekdoten aus dem Alltag eines Autors bzw. Administrators bei Wikipedia parat? Dann stellt uns doch diese Geschichten zur Verfügung, um eure Sicht auf die vergangenen 10 Jahre publik zu machen (ca. eine A4-Seite, mehrere Beiträge pro Person sind möglich)!

Wir können nicht versprechen, dass alle Beiträge ins Buch einfließen werden. Aber wir haben vor, besonders spannende Geschichten und Anekdoten, die es nicht ins Buch geschafft haben, im Umfeld der Veröffentlichung zugänglich zu machen. Das Buch soll unter einer Freien Lizenz erscheinen und ihr werdet – natürlich mit eurem Einverständnis – namentlich als Co-Autoren angeführt. Zudem planen wir Verlosungen von Büchern und eine Book-Release-Party mit allen Beteiligten.

Das menschliche Gesicht von Wikipedia

Um Wikipedia tatsächlich ein Gesicht zu verleihen, möchten wir außerdem eine „Autoren-Wand“ im Anhang des Buches unterbringen. Entstehen soll eine Collage aus Fotos mit knappen Angaben zu den Menschen hinter dem Projekt. Wer mag, kann uns also auch ein Foto schicken – zusammen mit einer kurzen Beschreibung der eigenen Schwerpunkte bei Wikipedia, einer Darstellung der Motivation zur Mitarbeit oder einfach nur ein paar Worten zur Person (ca. eine halbe A4-Seite).

Sowohl die Anekdoten, als auch die Fotos und Kurzvorstellungen können unter dem Wikipedia-Benutzernamen verfasst werden. Wir freuen uns auf eure Einsendungen und hoffen, dass ihr diese Gelegenheit dazu nutzt, den Nicht-Wikipedianern da draußen einen Einblick in eines der spannendsten Experimente menschlicher Zusammenarbeit zu ermöglichen!

Projektseite im Wikipedia-Autorenportal: 10 Jahre Wikipedia: Wikipedia-Buch

Einsendungen bitte bis zum 31.01.2011 per E-Mail an: boris.marinov@wikimedia.de

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Vorstandsklausur im Taunus

Steinbach im Taunus liegt im flachen Taunus. Obwohl ich seit fünf Jahren im Taunus wohne, hatte ich keine Ahnung, dass der Taunus so flach sein könnte. Der Vorstand kam genau zur gleichen Zeit wie der erste Schnee. Wir hatten uns in der Bildungsstätte Steinbach einquartiert. Wir waren fast alleine in diesem riesen Gebäude, zusammen mit alten Fahnen von Gewerkschaften (ich kann mich nur an die Steinarbeiter errinern…) und komischen Pappleuten, die dem Ganzen ein bisschen Leben gaben.

Erster Schnee heißt auch, dass es zu kalt war, um draußen zu bleiben, und es eigentlich ganz gemütlich war, im Tagesraum zu sitzen und zu arbeiten. Was wir auch reichlich gemacht haben.

Operative Kernziele und Maßnahmen

Warm ging es am Samstag früh los, nach einem gemeinsamen Abendessen am Tag vorher. Die Tagesordnung war, wie immer bei der Klausuren, voll. Diese fing mit Pavels Vorstellung der operativen Kernziele und Maßnahmen an. Der Prozess wurde in der Geschäftsstelle begonnen, wo alle Mitarbeiter sich zusammengesetzt hatten, um Ideen und Schwerpunkte für das Jahr 2011 zu entwickeln. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wurde uns in der Form von einzelnen Projekte vorgestellt und den Zielen, die sie erreichen sollen. Wir haben da die üblichen Verdächtigen wie die Zedler-Medaille, das Support-Team-Treffen oder die Intensivierung des Schulprojekts und Silberwissens, aber auch ein paar spannende, ganz neue Ideen wie die Fortsetzung von WissensWert, das Projekt RENDER und eine Menge Projekte rund um das zehnjährige Jubiläum von Wikipedia. Diese werden am 15. Januar beginnen und das ganze Jahr hindurch laufen. Besonders interessant fand ich die Aussage, dass die Mitarbeiter dieses Jahr in ihrer Projektplanung auch die Aufgabe hatten, sich darüber Gedanken zu machen, wie Freiwillige sich an ihren Projekten beteiligen werden. Es ist hoch spannend zu bemerken, dass ohne Freiwillige irgendwie gar nichts geht, wenn wir wirklich erfolgreich werden wollen.

Haushaltplan

Der zweite Teil war voll Ziffern, als wir den Haushaltplan durchgegangen sind. Ich werde dazu nicht viel sagen, da Pavel in den nächsten Tagen das Ergebnis unserer Diskussionen veröffentlichen wird. Als Bemerkung will ich nur darauf hinweisen, dass es auch hochspannend ist, das Wachstum von unseren Vereinsfinanzen zu beobachten. Das Fundraising hat bis heute schon 50 % mehr als das vom letzten Jahr eingebracht … Was die Zukunft für uns bereit hält, ist noch unklar, aber trotzdem voll Möglichkeiten. Es ist auch ehrlich sehr schwierig, sich im November hinzusetzen und einen Haushaltsplan zu erarbeiten, wenn wir, im Gegenteil zu anderen Organisationen, die genauen Einahmen vom Jahr 2010 nur erahnen können. (Der Fundraiser ist nur halb durch und die Hälfte des Geldes, das wir virtuell „ausgegeben“ haben, ist noch theoretisch.)

Rechtsetzung

Wir haben dann darüber gesprochen, ob und wie Wikimedia Deutschland sich zur Rechtssetzung äußern sollte. Wir sind am Anfang unserer Überlegung, ob und wenn ja, dann wie, Wikimedia Deutschland die Klärung offener Rechtsfragen aktiv unterstützen sollte. Eine schwierige Frage, für die wir noch viel Zeit brauchen werden, um eine umfangreiche, aber auch sehr klare Position zu entwickeln, die im Sinne des Vereins und wichtiger, im Sinne freier Lizenzen sein kann.

Satzungsänderung und außerordentliche MV

Wir haben uns abschließend über die Satzungsänderungen unterhalten und über den Vorschlag der AG Verantwortungsstruktur diskutiert. Zunächst muss ich sagen, dass der Konsenz war, dass die AG einen sehr guten Job gemacht hat, die Fragen, die ihr gestellt wurden, zu beantworten. Dennoch haben wir ein paar Dinge besprochen, die aus unseren Erfahrung heraus vielleicht geklärt sein sollten. Diese werden wir im Forum vorschlagen. Wir brauchen aber viel mehr Feedback von unseren Mitglieder auf die bis jetzt vorgeschlagene Satzungsänderung, da die vorgesehenen Änderungen eine echte andere Struktur des Vereins schaffen werden.

Geschäftsführerbewertung und -vergütung

Am Sonntag haben wir mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppe Geschäftsführung angefangen. Deren Auftrag war sich Gedanken darüber zu machen, welche Rahmenbedingungen man entwickeln könnte um die Vergütung des Geschäftsführer für jetzige und künftige Vorstände, sowohl als für den Geschäftsführer, nachvollziehbar zu machen.
Bei diesem Thema ist es extrem interessant festzustellen, dass – obwohl das Spektrum der Vergütung sowohl im öffentlichen Dienst als auch im privaten Sektor eher bekannt sind (Es gibt eine Menge von Dokumenten und Artikeln, die darüber berichten.) – für die Vergütung von Führungskräften im Non-Profit-Sektor keine ordentlichen Vergleichszahlen vorliegen, was eine zusätzliche Herausforderung für die Arbeitsgruppe bedeutet.

METIS

Am Sonntag hat Achim dem Vorstand eine Zusammenstellung von Fakten und Argumenten zum Thema METIS präsentiert. Eine sehr interessante SWOT-Analyse. Nach der Präsentation waren wir alle genauso gespalten wie vorher. In der Diskussion wurde deutlich, dass wir eine Entscheidung dazu nur gemeinsam mit der Community treffen können. Daher haben wir beschlossen, die Diskussion in der Wikipedia aufzugreifen, aktiv zu begleiten und bei Bedarf externe Fachleute und Know-How einzubinden. Das Thema ist viel zu komplex, um schnell eine Position zu entwickeln.

Beziehung Vorstand–Geschäftstelle

Das letzte Thema auf unserer Agenda was die Fortsetzung einer Diskussion, die wir schon auf der letzten Klausur angefangen haben: Wie man die Beziehung zwischen Geschäftsstelle und Vorstand am besten definiert. Die Rolle des Vorstands hat sich in den letzten Jahren stark geändert, während sich auch die Geschäftsstelle stark entwickelt hat. Wie gehen wir damit um? Wie stellen wir sicher, dass sowohl Vorstände und Mitarbeiter der Geschäftsstelle einen gemeinsamen Arbeitsgrund finden, was Frustration (auf beiden Seiten) verhindert, und Synergie fördert? Schon wieder ein langfristiges Thema, und auch spannend, da die Art und Weise kollaborativer Arbeit, die man in einem Wiki findet, nicht immer angemessen für Beziehungen im realen Leben ist.

Das war es. Der Schnee war am Sonntag wieder weg. Ich habe alle anderen auf dem S-Bahn-Gleis verabschiedet und habe mich wieder auf den Weg gemacht in meinen hügeligen Teil des Taunus.

(vielen Dank an Maria, Jürgen et al. für die grammatikalische Korrektur!)

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Konferenzräume für März 2011 in Berlin gesucht

Wikimedia Deutschland ist erfreulicherweise auch im nächsten Jahr wieder Gastgeberin der internationalen Wikimedia Conference, einem Treffen von MediaWiki-Entwicklern, Vertretern der Chapter aus 29 Ländern und Mitarbeitern der Wikimedia Foundation. Außerdem trifft sich das Board of Trustees ebenfalls zu einer regulären Sitzung.

Für diese Veranstaltungen sind wir zur Zeit auf der Suche nach geeigneten Räumen in Berlin und bitten um eure Unterstützung.

Hier die Eckdaten:

  • 23.-27. März 2011
  • Platz für 100 Personen
  • 1 großer Raum für alle, 3 kleinere Workshop-Räume für Gruppen von 15 bis 30 Personen
  • Raum für Catering und Empfang
  • Mobiliar, technische Infrastruktur und ausreichend Stromanschlüsse vorhanden
  • stabiles, zuverlässiges W-Lan
  • innerhalb des S-Bahnrings gelegen

Kennt ihr geeignete Veranstaltungsorte oder habt Kontakte zu Organisationen, die uns ihre Räume zur Verfügung stellen würden? Wir freuen uns über Angebote, Ideen und Hinweise, entweder hier im Blog oder per Mail an wmcon@wikimedia.de conference@wikimedia.de. Vielen Dank!

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Bei den Deutschen funktioniert sogar die Wikipedia!

Vor einiger Zeit habe ich eine Karte veröffentlicht, die anzeigt, in welchen Ländern Europas welche Wikipedia-Sprachversionen gelesen werden. Das Kreisdiagramm pro Land informiert also über die Anteile der Sprachversionen nach Seitenaufrufen.

Wikipedia-Karte Europas, nach Ländern und Sprachversionen
Wikipedia-Karte Europas, nach Ländern und Sprachversionen

Leider hat sich herausgestellt, dass das Wikimedia-Zahlenmaterial für diese Karte noch einen strukturellen Fehler innehatte. Da Aufrufe durch Suchbots (von Suchmaschinen) nicht herausgefiltert waren, und Suchbots meist in den USA beheimatet sind, erschien der Anteil des Englischen bzw. der USA in den Zahlen oftmals zu hoch. Eine bereinigte Karte würde allerdings auch kein wesentlich anderes Bild ergeben.

Und diesem Bild zufolge spielen in den einzelnen Ländern meist nur zwei Sprachen eine Rolle: die eigene Nationalsprache (farbig oder schwarz) und Englisch (dunkelrot). Die Europäer suchen also Informationen am liebsten in der eigenen Sprache auf, und wenn sie dort nicht fündig werden, dann gehen sie zur englischsprachigen Wikipedia. In einigen Ländern wie Griechenland und Island weist das Englische einen weit höheren Anteil auf als die eigene Sprache. Beispielsweise in Schweden und den Niederlanden kann sich die Nationalsprache nur mit Mühe gegen das Englische behaupten.

Die deutschsprachige Wikipedia hat ihre Leser, wie zu erwarten, vor allem in den DACH-Ländern: Deutschland, Österreich und die Schweiz, hinzu kommt Liechtenstein. Dort, vom schweizerischen Sonderfall abgesehen, ist Deutsch die eindeutig dominierende Sprache. Obwohl Deutsch in vielen Ländern Europas als Fremdsprache unterrichtet wird, sind die dortigen Seitenaufrufe jedoch marginal. Nirgendwo außerhalb der deutschsprachigen Länder kommt die deutschsprachige Wikipedia über einen Anteil von drei Prozent, meist ist es deutlich weniger.

„Die Deutschen können halt kein Englisch“, schrieb jemand in einer Diskussion in der niederländischsprachigen Wikipedia zu dieser Karte. Allerdings hätten sie die englischsprachige Wikipedia nicht nötig, weil ihre eigene „viel besser“ sei. Ein anderer meinte, der Erfolg liege nicht nur daran, dass es viel mehr Deutsch- als Niederländischsprachige mit Internetanschluss gibt:

Dass die Deutschen genug an ihrer eigenen Sprachversion haben, verwundert übrigens diejenigen nicht, die sich die  Deutsche Sprachausgabe anschauen: diese Wikipedia hat eben total Hand und Fuß. Der einzige Nachteil ist, dass sie sehr allergisch auf Infoboxen reagieren und die in vielen Artikeln vermeiden wollen. Ansonsten haben sie über viele Gegenstände viel mehr Informationen als beispielsweise die englischsprachige, nur ist die Anzahl verschiedener Artikel in der englischsprachigen größer. Und alle Nebensächlichkeiten sind so durchdacht (Rechtschreibung, Format, Handhabung von Links und Weiterleitungen, Stil und Satzbau…). Die deutsche Gründlichkeit ist kein Märchen, das beweisen diese Zahlen auch.

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Das war die Wikipedia Academy 2010

Am vergangenen Wochenende fand die Wikipedia Academy in der Frankfurter Goethe-Universität statt. Wikimedia Deutschland hatte Wikipedianer, Wissenschaftler und interessierte Praktiker eingeladen, zum Thema „Energie des Wissens – was Wissen schafft, bewegt“ miteinander ins Gespräch zu kommen.

In der eindrucksvollen Atmosphäre der historischen Aula wurden wir durch die Vizepräsidentin der Universität, Prof. Dr. Maria-Roser Valenti, begrüßt:

Wir werden erfahren, was Wissenschaft bewegt und wie Wissen bewegt und wir werden erleben, dass Wissen Energie ist. Ich wünsche Ihnen recht viel davon in den nächsten zwei Tagen und inspirierende und informative Vorträge, Workshops und Gespräche. „Wer vorausschaut ist der Herr des Tages“ sagte Goethe. Wikipedianer haben vorausgeschaut, lassen Sie es uns gleich tun und gemeinsam an der Vision Freien Wissens arbeiten.

Pavel Richter hieß darauf hin die Teilnehmer im Namen von Wikimedia Deutschland Willkommen, gab einen Überblick über vergangene Academies und einen Ausblick auf die folgenden Vorträge und Workshops.

Schwerpunkte und Spannungsfelder

Inhaltlich bildeten sich während dieser beiden Tage verschiedene Schwerpunkte heraus. Im kurzen „Blick auf sich selbst“ eröffneten Vorstellungen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte durch Jonathan Groß und Martin Rulsch externen Besuchern erste Einblicke in die Wikimedia-Welt. Im weiteren Blick präsentierte Manuel Merz von der TU Ilmenau erste Ergebnisse seiner Umfrage aus dem Jahr 2009 über die Autoren der Wikipedia, darunter auch einige durchaus überraschende Ergebnisse, insbesondere zur Altersstruktur und dem Bildungsgrad. Weiterlesen »

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Die Zedler-Medaille im Jahr 2010: Rückblick, Einblick, Ausblick

Am Freitag letzter Woche haben wir in der Frankfurter Goethe-Universität die Zedler-Medaille für herausragende neue Lexikonbeiträge verliehen. Zur Preisverleihung in der historischen Aula waren etwa 120 interessierte Gäste erschienen, um gespannt der Podiumsdiskussion und der Bekanntgabe der Preisträger zu lauschen.

Auch in diesem Jahr wurde die Medaille in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz sowie dem Verlag Spektrum der Wissenschaft verliehen. Freundliche Unterstützung erhielten wir außerdem von BASF, welche das Preisgeld im Artikelwettbewerb stellten, sowie von der Carl Zeiss AG und dem Verein Reporter ohne Grenzen, welche die Sachpreise hinzu gaben.

Die Energien des Wissens

Foto © Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0


Pavel Richter, der Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, begrüßte die Gäste mit einer Einführung ins Thema und geleitete durch den weiteren Abend. In der anschließenden Diskussion sprachen Johannes Fried, Stefan Hradil, Johannes Janicka und Carsten Könneker mit Volker Panzer über die guten und schlechten Energien des Wissens und gingen der Frage nach, wohin sie uns führen können. Die spannende Diskussion setzte sich auch nach Öffnung des Saalmikrofons für das Publikum fort. Mit den anschließenden Wortbeiträgen hätten wir wohl noch weitere Stunden füllen können – wären da nicht noch einige Medaillen zu verleihen gewesen. :)

Ein enzyklopädischer Abendspaziergang

Zum Einstieg in die Verleihung nahm Philipp Birken sein Publikum mit auf einen „Abendspaziergang durch die freie Enzyklopädie“ und brachte damit auch den Gästen, denen die Wikipedia bisher wenig bekannt war, ein paar Fakten und vor allem den Qualitätsanspruch des Projektes näher. Anja Feldmann stellte dann die Motivation von BASF vor, sich dieses Jahr erstmalig an dem Wettbewerb zu beteiligten. Die Spannung war förmlich zu spüren, als Gernot Wilhelm, der Vizepräsident der Mainzer Akademie zum Rednerpult schritt und weitere feierliche Worte zur Zedler-Medaille vortrug. Weiterlesen »

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Niederlande: Fakten und Preise

Einen Tag nach der Zedler Medaille in Frankfurt wurden auch in Utrecht Preise vergeben. Wikimedia Nederland hatte für Samstag zu einer Wikiminiconferentie eingeladen, auf der unter anderem die Sieger des Wettbewerbs Wiki loves monument ihren Moment hatten.

Wegen eines Brands bei der niederländischen Bahn war Utrecht nur schwer erreichbar, von 50 Angemeldeten kamen nur etwa 30-35. Das betraf einen der geplanten Referenten und vermutlich auch einige Preisträger. Nachdem es 2009 gar keine Wikimedia Conferentie gegeben hatte, war man diesmal mit einer Miniausgabe sowieso bescheidener. 2008 kamen noch etwa hundert Gäste.

Die alte Frage: Atomium ablichten, ist das erlaubt?

Der Internetjurist Arnoud Engelfriet in Utrecht. Bild von Ziko van Dijk, CC-BY-SA

Zum Stammgast der Wikimedia Nederland avanciert Arnoud Engelfriet. Der Internetjurist sprach über die Fallstricke des Urheberrechts. Seit einer Gesetzesnovelle vor einigen Jahren heißt es, dass ein Kunstwerk auf einem Foto so gezeigt werden darf, wie es in der Öffentlichkeit da steht („zoals het zich daar bevindt“). Das Standardbeispiel dafür ist die Erasmusbrücke in Rotterdam.

Aber, so Engelfriet, wenn man aus dem Bildhintergrund ein störendes Gebäude wegretuschiert oder der Brücke eine andere Farbe verpasst, dann entspricht man damit dem Satz im Gesetz nicht mehr. Die Werkintegrität, und damit das Urheberrecht des Architekten, ist dann verletzt.

Das Atomium in Brüssel darf man fotografieren – zumindest aus dem Weltraum, wie GoogleMaps das macht. Schließlich steht man dann nicht auf belgischem Grund und Boden, wo das Urheberrecht Fotos vom Atomium untersagt, weil keine Panoramafreiheit herrscht. Außerdem sind die Satellitenfotos von GoogleMaps rein mechanisch gemacht. Sie sind damit keine kreative Schöpfung. Warum steht darunter dann aber „Copyright Google“? Engelfriet: „Das hat jemand bei Google einfach so hinzugefügt, weil es cool aussieht.“ Sie sind allerdings frei, genauso wie Fotos aus dem Passbildautomaten.

„Viel Wachstum ist nicht mehr zu erwarten“

„Ich hätte ihm noch zweihundert Fragen stellen können“, sagte ein junger Teilnehmer. Aber auch der zweite Hauptredner traf das Interesse der Wikimedianer ins Mark. Erik Zachte ist der chief analyst der Wikimedia Foundation, der seine Trends rond Wikipedia unter die Leitfrage stellte, ob wir einen Höhepunkt der Wikipedia-Beteiligung erreicht haben, oder ob es noch besser wird.

Erik Zachte. Bild von Sebastiaan ter Burg, CC-BY-SA

Allgemein spricht man von einem virtuous circle bei der Wikimedia, erklärt Zachte: bessere Inhalte führen zu mehr Lesern, mehr Leser führen zu mehr Mitmachern, und jene wiederum zu besseren Inhalten. Und am zweiten „führen zu“ notierte Zachte sich ein Fragezeichen. Denn auch wenn Leserzahlen steigen, bleiben die Mitmacherzahlen seit 2007 sehr stabil. „Viel Wachstum ist nicht mehr zu erwarten.“ Anders sieht es jedoch in Ländern wie Indien aus.

Der Fotograf Sebastiaan ter Burg arbeitet meist für Behörden oder Stiftungen. Seine Fotos veröffentlicht er unter einer freien Lizenz. Das erklärt er den Kunden, und die finden das meistens gut, weil es vieles so einfach macht.

André Kopal engagiert sich beim WikiProjekt über Windmühlen. Im Mai 2008 hat er damit angefangen, ein Tool für die Inventur und Struktur zu entwickeln. In Zukunft soll es eine entsprechende Datenbank geben.

Josq ist Promovendus und Wikipedianer, der an der Universität Leiden versucht, Experten für die Online-Enzyklopädie zu gewinnen. Das Unwissen von Kollegen und vor allem Studenten für grundlegende Regeln wie das Plagiatsverbot ist für ihn unbegreiflich. Einmal hat ein Student ihm eine interessante Hausarbeit vorgelegt, so Josq, der plötzlich begriff, dass er den Text selbst für die Wikipedia geschrieben hatte.

Ich selbst habe das Schulprojekt der Wikimedia Deutschland präsentiert. Das Interesse der Niederländer ist daran sehr groß, auch wenn die WMNL sich zunächst an Bibliotheken wendet.

Wettbewerb: konsequent enzyklopädisch

Von links: eine Gewinnerin, ein Sponsor, und Hay Kranen - dazu das gewonnene Smartphone. Bild von Sebastiaan ter Burg, CC-BY-SA

Hay Kranen präsentierte schließlich die Gewinner des Foto-Wettbewerbs Wiki loves monuments. Im September eingerichte Bilder von Reichsdenkmälern nahmen daran automatisch teil. Von 50.000 Reichsdenkmälern haben nun immerhin 8.000 ihre Fotos, insgesamt über 12.000 Fotos. Man konnte bei FlickR oder bei Wikimedia Commons hochladen.

Das Siegerfoto steht exemplarisch für die Auswahlpolitik der Jury. Nicht so sehr der technische oder ästhetische, sondern der enzyklopädische Wert stand im Vordergrund. Das Gebäude in Amsterdam aus dem 17. Jahrhundert dient heute als Laden. Alt und Neu stehen nebeneinander, und das Foto selbst ist mit dem Glühbirnen-Schlussverkauf und dem Herren in betont legerer Freizeitkleidung ein Dokument des Aufnahmezeitpunkts.

Die Wikiminiconferentie macht Lust auf mehr: Im Januar stehen bereits wieder einige Termine der Wikimedia Nederland an, und auch ein Thema für einen neuen Fotowettbewerb wird gesucht.

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Zedler-Medaille für „Dagobert Duck“ und die „Besselschen Elemente“

Foto: © Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0
Foto: © Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0

Gestern Abend haben wir zum vierten Mal die Zedler-Medaille verliehen. Mit diesem Preis werden Artikel prämiert, die wissenschaftliche Themen auch für Laien verständlich darstellen. Fachwissen wird so einer breiten Leserschaft zur Verfügung gestellt wird. Gemeinsam mit der Mainzer Akademie der Wissenschaft und der Literatur sowie dem Heidelberger Verlag Spektrum der Wissenschaft haben wir zur Preisverleihung in die historische Aula der Goethe Universität in Frankfurt am Main eingeladen.

Eine Jury aus Wissenschaftlern und Wikipedia-Autoren hat in diesem Jahr zwei Preisträger im Artikelwettbewerb gekürt. Im Bereich Naturwissenschaften wurde der Artikel „Besselsche Elemente“ von Jürgen Erbs ausgezeichnet. Im Bereich Geisteswissenschaften ging die Zedler-Medaille an Tobias Lutzi für den Artikel „Dagobert Duck“. Beide Preisträger erhalten neben der Zedler-Medaille von Wikimedia Deutschland ein Preisgeld von 2.000 Euro, welches in diesem Jahr erstmals von der Firma BASF zur Verfügung gestellt wurde.

Erstmals wurde die Auszeichnung auch für herausragende Bebilderung von Wikipedia-Artikeln vergeben. Die Jury prämierte das Bild einer Raupenfliege zum Thema „Focus stacking“ von Muhammad Mahdi Karim. Der Preisträger konnte selber nicht vor Ort sein, konnte die Veranstaltung aber im Livestream verfolgen und erhält die von der Carl Zeiss AG zur Verfügung gestellte Digitalkamera und den Fotoband von Reporter ohne Grenzen „Fotos für die Pressefreiheit“ per Post nach Indien übersendet.


Foto: Muhammad Mahdi Karim / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0.

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und ein großes Dankeschön an die Partner der Zedler-Medaille für die freundliche Unterstützung!

Ein ausführlicher Bericht samt Vorstellung der Gewinner und Bekanntgabe der Plätze 4. – 10. im Bilderwettbewerb folgen. Zur Überbrückung verweisen wir gerne auf den Live-Bericht zur Zedler-Verleihung bei Iperty.

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Wikimedium Nr. 4

Die neueste Ausgabe unserer Vereinszeitung Wikimedium ist da! Pünktlich zum Start der diesjährigen Spendenkampagne  ist auch hier das Thema Spenden für Freies Wissen ein Schwerpunkt.  Der Titelbeitrag „Saison für Spenden“ berichtet unter anderem über die Zusammenarbeit mit der Wikipedia-Gemeinschaft bei der Vorbereitung der Herbstkampagne 2010. Überhaupt ist dieser Herbst in jeder Hinsicht ereignisreich: Es gibt ein vielversprechendes Zwischenresüme des ersten Ideenwettbewerbs „WissensWert“ und einen weiteren Meilenstein für das Schulprojekt von Wikimedia Deutschland zu vermelden. Daneben porträtiert Wikimedium unter anderem den neuen ehrenamtlichen Vorstandsreferenten für Qualität, Achim Raschka.

Wie gewohnt finden Leser auch in der aktuellen Wikimedium wieder Hintergrundinformationen über laufende Projekte und Veranstaltungen. In dieser Ausgabe wird über das freie Medienarchiv Wikimedia Commons informiert, vom Projekt „Gesprochene Wikipedia“ berichtet oder aufgerufen, sich am geplanten Wikipedia-Jubiläumsbuch zum zehnten Geburtstag zu beteiligen.

Ich freue mich sehr über die Mitarbeit von Wikipedia-Autoren an dieser Ausgabe und fände es prima, wenn sich noch mehr beteiligen würden. Bin gespannt auf eure Themenvorschläge – die nächste Ausgabe erscheint im Februar (wird also im Januar erstellt!).

Die gedruckte Version der Wikimedium kann wie immer kostenlos unter redaktion@wikimedium.de abonniert werden. Viel Spaß beim Lesen!

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