And the winner is…

(Die deutsche Version dieses Eintrags ist hier.)

Pavel Richter and Arun Ganesh after the announcement of the winner (cc-by-sa by Stepro)

3 and a half months ago Wikidata development started. As a new Wikimedia project it obviously also needs a logo. We have asked people in the community to submit logo proposals and then to vote on them. Voting time is now over and we have a winner! It was a tough choice between the 33 excellent submissions that made the voting list. Thanks to everyone who submitted a proposal. We were delighted by all the submissions that all expressed the ideas behind Wikidata in their own way.

And here is the winner:

This logo was created by Arun Ganesh (User:Planemad) and received 89 of the nearly 1000 votes. Congratulations!

Oh and of course we’ll be creating some swag like t-shirts and stickers with the new logo soon. Let us know what you’d like to have.

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Und der Gewinner ist…

Pavel Richter und Arun Ganesh nach der Bekanntgabe des Gewinners (cc-by-sa by Stepro)

Vor 3,5 Monaten begann die Entwicklung von Wikidata. Als neues Wikimedia Projekt braucht es natürlich auch ein Logo. Wir haben die Community gebeten Logovorschläge einzureichen und dann zu wählen. Die Abstimmung ist jetzt beendet und wir haben einen Gewinner! Die Entscheidung zwischen den 33 hervorragenden Einreichungen, die es auf die Wahlliste geschafft haben, war nicht einfach. Vielen Dank an alle, die am Wettbewerb teilgenommen haben. Wir haben uns sehr über die Vorschläge gefreut, die die Ideen hinter Wikidata alle auf ihre eigene Art ausdrücken.

Und hier ist der Gewinner:

Dieses Logo wurde von Arun Ganesh (User:Planemad) gestaltet und hat 89 der fast 1000 Stimmen bekommen. Herzlichen Glückwunsch!

Oh und es wird natürlich Promomaterial wie zum Beispiel T-Shirts und Sticker mit dem neuen Logo geben. Lasst uns wissen was ihr gern hättet.

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“Wikipedia und Bildung” – Eine Reise durch die Wikimedia-Welt

By Rock drum, CC-BY-SA 3.0

In Washington dreht sich derzeit einiges um die Frage, wie man neue Unterstützer für die Idee Freien Wissens gewinnen kann. Auf der Wikimania, dem größten Treffen der Wikipedia- und Wikimediabewegung, wird neben technischen Aspekten der Usability auch über die Rolle von Bildungsprojekten für die Gewinnung neuer Autoren diskutiert.

So viele Projekte gibt es in den unterschiedlichen Ländern, dass man kaum einen Überblick über alle Aktivitäten haben kann. Eine Konferenz von dieser Größe bietet hier den perfekten Einstieg in die Recherche internationaler Projekte und Aktivitäten. Da beginnt sie also, meine “Reise”in die Wikimedia-Bildungswelt:

Den Anfang findet meine Reise  – natürlich -  in den USA. In einer Session zum Thema “College Students’ Perceptions of the Wikipedia-Assignment Experience” berichtet Mona Ibrahim von Ihren Erfahrungen, die sie als Psychologieprofessorin am Concordia College in Minnesota gemacht hat. Sie hat einen genauen Ablauf eines Wikipedia-Projekts formuliert. In diesem beschreibt sie genau, worauf ein Dozent achten sollte. Besonders wichtig ist aus ihrer Sicht das direkte Vorführen des Bearbeitens eines Artikels im Kurs und der Hinweis auf fehlende Seiten, die in der Wikipedia noch benötigt weden. Dennoch beschreibt sie das Feedback der Studenten wie folgt:

Ich hatte das Gefühl mehr Schaden anrichten zu können, als Gutes tun zu können.

Meine zweite Station führte mich direkt nach Mexiko. Leigh Thelmadatter berichtete von Ihren Erfahrungen mit Wikipedia in der Universität. Ihr Ansatz in den Sozialwissenschafen ist es, die Vielsprachigkeit ihrer Studenten zu nutzen. “Wikipedia als fremde Kultur” einzuführen, hilft ihr dabei, den Studenten die Eigenheiten zu vermitteln, die bei diesem Kulturschock auftreten können. Sehr spannender Ansatz, der das Schreiben eher als kulturelle Praxis wahnimmt und die Kommunikation in den Vordergrund stellt. Verbunden mit GLAM-Aktionen sieht sie ein großes Potential darin, Studenten durch soziale Aktivitäten zum aktiven Mitmachen zu gewinnen. Ihr Fazit: Schreiben muß Spaß machen und die Studenten persönlich und direkt ansprechen!

Persönliche Ansprache ist wichtig, da konnte ich das “Speed-Dating” gleich dazu nutzen, mit einem Dozenten der Polytechnic of Namibia ins Gespräch zu kommen: Er arbeitet in seinen Seminaren bereits seit 2010 mit Wikipedia. In diesem Kontext beschäftigt er sich mit der Einbindung indigener Sprachen und gesprochenen Quellen. Sein Problem dabei liegt in der schwierigen Belegbarkeit mündlicher Überlieferunen und der Frage, wie er Studenten motiviren kann, weiterhin aktiv zu bleiben. Eine Frage, die in diesem Bereich immer wieder aufkommt.

Next stop: England! Sehr spannend, neben den vielen Aktivitäten rund um Monmouthpedia, ist die Zusammenarbeit von Wikimedia UK mit den Manchester Girl Geek Dinners. Das Konzept dahinter: Frauen treffen sich zum gemeinsamen Abendessen und lernen anschließend gemeinsam, wie man selbst aktiv wird in Wikipedia. Im September wird es zudem in Leicester eine Konferenz zu Wikipedia in Education geben.

Ich lege einen Zwischenstop auf meiner Reise rund um das Wikipedia-Bildungs- Universum ein. Bei unserem “Education Meetup” stellen Denis und ich die Arbeit des Bereiches Bildung und Wissen vor und gemeinsam diskutierten wir Fragen rund um einzelne Aktionen zu Wikipedia im Bildungsbereich. Faszinierend, wie viele Initiativen es gibt! Erfreulicher Weise nutzten alle Teilnehmer diese Gelegenheit dazu, sich gemeinsam über Motivation und Hürden in der Arbeit mit neuen Autoren auszutauschen und zu vernetzen. Zeit für ein Zwischenfazit: Allen Programmen und Initiativen gemeinsam scheint die Erfahrung des negativen (oder gar fehlenden) Fedbacks zu sein und zur gleichen Zeit die Stärker der persönlichen Einladung und Unterstützung. Jedoch, die Reise hat gerde erst begonnen …

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Sei willkommen. Wirklich. Besser reden mit Neulingen.

Es berichtet der Wikipedia-Autor Tim Moritz Hector. Er ist einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

Wikimania! Was für eine Vielzahl von Themen!
Um mehr mitzubekommen als ein allgemeines Wikimedia-Rauschen fokussiere ich mich bei meinem diesjährigen Wikimania-Aufenthalt auf mein Lieblingsthema: Die Neulingsfrage – wie können wir motivieren, erklären und nachhaltig neue Autorinnen und Autoren für Wikimedia-Projekte gewinnen?
Der meines Erachtens wichtigste Vortrag zu diesem Thema am Donnerstag wurde von Steven Walling und und Maryana Pinchuk gehalten. Der vielversprechende Titel lautete “Welcome to Wikipedia, now please go away: improving how we communicate with new editors” und ich war sehr gespannt, was für Lösungsansätze man mir präsentieren würde.
Tatsächlich thematisierten die beiden die Ergebnisse einer statistisch hochwertigen Studie, in der die Wirkung von Vorlagen untersucht wurde, mit denen Neulinge angesprochen wurden. Dabei fokussierten sie sich auf die Sprachversionen auf Englisch, Deutsch und Portugiesisch.
Besonders interessant waren die Ergebnisse für mich, weil ich schon 2009 auf einem Mentorentreffen und im Mai diesen Jahres auf dem Treffen des WikiProjekts Vandalismusbekämpfung jeweils Workshops zur Überarbeitung der Begrüßungs- und Warnungsvorlagen initiiert hatte. Regelmäßig standen wir dabei vor der Frage: Was wirkt besser – eine kurze und knappe Ansprache oder eine sehr ausführliche? Wo ist der schmale Grat, der dem Angesprochenen die Kernaussage unmissverständlich deutlich macht und ihn dennoch nicht als Neuautoren abschreckt, sondern im Gegenteil sogar motiviert?
Die Zusammengefassten Resultate waren nicht besonders überraschend, sondern mehr eine Bestätigung: Kürzere Vorlagen sind effektiver als lange; Vorlagen, aus denen hervorgeht, dass die schreibende Person auch nur ein Benutzer ist, motivieren stärker als solche, die stark am Regularium entlang formuliert sind; je mehr Vorlagen sich auf einer Benutzerdiskussionsseite sammeln, desto weniger Reaktion zeigen die angesprochenen Benutzer. Gut zu wissen ist aber: Etwa die Hälfte der Nachrichten, die auf einer Benutzerdiskussion hinterlassen werden, werden auch von den Benutzern gelesen – hier sind anoyme Benutzer eingeschlossen.
Die Ergebnisse liegen für die drei unterschiedlichen Sprachversionen jeweils einzeln vor (wer interessiert ist: http://meta.wikimedia.org/wiki/Template_A/B_testing/Results). Spannend, wenn auch gleichfalls nicht überraschend, finde ich, dass die einzelnen Sprachversionen deutliche Abweichungen voneinander aufweisen sollen. Das motiviert mich, weiter verschiedene Projekte zu vergleichen: Wie reagieren Neulinge auf Ansprachen in unterschiedlichen Wikimedia-Projekten? Was wünschen sie sich an Support – was nicht? Gut an Wikimanias ist ja, dass über ein Thema so viele Leute Bescheid wissen. So erzählte mir Erik Möller von einem Tool auf der englischsprachigen Wikipedia, das sich “MoodBar” nennt und über dessen Einsatz nun erste Ergebnisse vorliegen: Eine Funktion, mit dem Neulinge seit Sommer 2011 ihre ersten Erfahrungen zum Editieren über einen Smiley und seit Oktober 2011 einen Kommentar zur ihren ersten Erfahrungen abgeben können, auf den erfahrene Benutzer reagieren können. Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv (wer interessiert ist: http://blog.wikimedia.org/tag/moodbar/). Ein anderer spannender Vortrag beschäftigte sich am Freitag mit der Schnittstelle zwischen Leserinnen und Lesern und Autorinnen und Autoren – “Lessons from Article feedback v5″, ein weiteres Tool, das auf der englischsprachigen Wikipedia zum Einsatz kommt und Lesern die Möglichkeit gibt, einen Feedback-Kommentar zum Artikel abzugeben. Auch hier gibt es überwiegend positive Ergebnisse, die eine genauere Untersuchung wert sind.
Von dieser Vielfalt der Teilbereiche, selbst wenn man sich nur auf nur ein einzelnes Thema beschränkt, kann ich mich immer wieder begeistern lassen und werde in diesem Sinne auch die nächsten beiden Tage Wikimania 2012 genießen.

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Hallo Washington. 5 Bilder.

Ein paar Fotos, zusammengesucht aus Commons, damit sich die daheimgebliebenen ein Bild machen können.

 

Wikimania 2012 - Chase me 04
Wikimania 2012 - Chase me 04

Dritter Stock des Conventon Centers der George Washington University. Gang mit den Seminarräumen, in denen die meisten Veranstaltungn stattfinden.

 

Wikimania 2012 Hackathon P1160476
Wikimania 2012 Hackathon P1160476

Hackathon in einem der großen Säle. Die Bestuhlug in diesen ist für Vorträge nicht ganz optimal.

Google Reception, Wikimania 2012 P1160566
Google Reception, Wikimania 2012 P1160566

Mittwoch-Abend-Empfang in der Library of Congress. Die unnerdigste Nerd-Veranstaltung der ich bisher teilhaftig wurde.

 

Newseumreception21
Newseumreception21

Donnerstag-Abend-Ausklang auf dem Dach des Newseums nahe der National Mal.

Wikimania 2012 - Rock drum - Opening ceremony 1
Wikimania 2012 - Rock drum - Opening ceremony 1

Eröffnung im Lisner-Auditorium, dem Hörsaal für Anfang und Ende und ganz große Veranstaltungen. Grußworte.

Die deutschen Fotografen sind auch fleißig. NetActions Fotos sind auch schon in der Blogzentrale angekommen; die Blogzentrale ist aber noch mit deren Format technisch überfordert.

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Wiedervereinigung unter grossem Dach? Eure Stimme zählt!

Die Wikimania ist nicht nur ein Ort anregender Vortrage, Ankündigungen und Begegnungen. Manchmal bietet sie auch Ereignissen Raum, die in kein Schema passen und in dieser Weise doch nur hier geschehen können. So hatte ich gestern (gestern? ;)) um die Mittagszeit Gelegenheit, an einer aussergewöhnlichen Runde teilzunehmen, in der verschiedene Communities ihr Zusammengehen vorbereiteten.

Zum Hintergrund: Im Juli 2003 ging wikitravel.org online, Ziel war die kollaborative Erschaffung eines Reiseführers unter Freier Lizenz. Insgesamt bringt es Wikitravel heute auf 19 Sprachversionen mit jeweils bis zu 26.000 Reiseführern, seit 2004 auch einer Version auf Deutsch. 2006 entschieden sich die Gründer, die Marke “Wikitravel” an die Firma Internetbrands zu verkaufen, um Wikitravel ein solides Fundament zu geben. Internetbrands gewährleistete den dauerhaften Betrieb von Wikitravel und die Unabhängigkeit der Communities in inhaltlichen Fragen. Erste Probleme allerdings gab es, als die Firma entschied, Werbung zu schalten. Das führte zu Grundsatzdiskussionen und letztendlich zu einem Fork: die deutschsprachige Community wollte sich nicht in einem kommerziellen Umfeld bewegen. So entstand Wikivoyage, bis heute getragen von einem Verein mit Sitz in Deutschland. Wikivoyage hat in Deutsch den deutlich größeren Artikelbestand (~12.000 zu ~5.000 bei Wikitravel) und eine sehr aktive und gut organisierte Community. Außerdem gibt es noch eine italienische Sprachversion und gemeinsam genutzte Datenbestände für Bilder ähnlich Wikimedia Commons und “Locations”, eine Art WikiData für Ortsangaben.

Aber nach diesen Entscheidungen kehrte nicht dauerhaft Ruhe ein. Auf Dauer gab es Unzufriedenheiten bei der Wikitravel-Community, Vorwürfe standen im Raum, Internetbrands kümmere sich nur unzureichend um das Projekt. Die Entfremdung wuchs und 2012 begann die Community nach neuen Wegen zu suchen. Der kanadische Wikipedianer und Wikimedianer James Heilman nahm diese Bestrebungen auf und bündelte sie, indem er Kontakt zu Wikivoyage wie zur Wikimedia Foundation aufnahm und den Vorschlag aufbrachte, Wikivoyage und Wikitravel sollten sich wiedervereinigen als Projekt unter dem Dach der Wikimedia Foundation.

Hier in Washington trafen nun alle aufeinander: Vertreter von Wikitravel, Wikivoyage und Internetbrands waren ebenso anwesend wie Vertreter des Boards of Trustees der Wikimedia Foundation; Mitarbeiter der Foundation und von Wikimedia Deutschland und natürlich auch Aktive vieler Sprachen und Projekte des Wikimedia-Universums. Der Sprecher von Wikitravel brachte das annähernd einhellige Votum der aktiven Wikitraveller mit, Stefan Fussan hatte zusätzlich den entsprechenden Beschluss der Mitgliederversammlung von Wikivoyage in der Tasche. Die Vertreter der Wikimedia Foundation allerdings machten deutlich, dass dies noch nicht reiche, denn trotz der allgemeinen, bisherigen Übereinstimmung fehle noch eine wichtige Stimme – die der Wikimedia-Communities. Es ist also eure Stimme, die nun zählt. Das entsprechende Meinungsbild läuft bereits und mit Site-Notices in allen betroffenen Sprachen und Hinweisen in internen Medien soll darauf aufmerksam gemacht werden, denn eine hohe Beteiligung der Communities ist ebenso erforderlich wie ein klares Votum. Erst danach werde das Board eine entsprechende Entscheidung treffen können.

Also heisst es nun Wählen gehen! Entscheidet euch bei der Frage nach einem “neuen” Schwesterprojekt, Eure Stimme hier: Requests_for_comment/Travel_Guide

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Jimmy’s talkin’

Same procedure as every Year. Jimmy hat seinen Haifa-Vortrag recyclet. Unterschied zu Israel: aufgrund seines “Ada-Projektes” (das auch das recyclen etwas entschuldigt, für die Uneingeweihten – Ada ist seine noch recht kleine Tochter) hielt er seine Rede zum “State of the Wiki” dieses Mal zum Auftakt der Veranstaltung, nicht Am Ende. Und alles hörte sich schön an. Ein bischen Afrika, ein bischen persönliche Preisverleihung – der “Jimbo-Award” geht dieses Jahr nicht nur an einen Bot-Betreiber, der fast im Alleingang eine Wikipedia mit 30.000 Einträgen zu einer weit verbreiteten afrikanischen Sprache anlegte -, sondern auch an zwei Angestellte der Foundation in einer eigens neu kreierten Kategorie. Sie bekommen abgelegte Luxusuhren das Meisters…. Aber diese Socializing-Sachen sind ja meist ganz nett, wenn auch manchmal etwas seltsam. Auch daß wir mal wieder von seinem kenianischen 8-Dollar-Handy hören mussten, dessen Akku 2 Tage hält….

Jimmy Wales - "State at the Wiki" Rede 2012
Jimmy Wales - "State at the Wiki" Rede 2012

Problematisch wird es, wenn man sich den wenigen harten Inhalten der Rede nähert. Jimmy Wales sprach über die Freiheit des Wortes, über Zensur etc. Und stilisierte sich und die Wikimedia-Bewegung als als Träger einer Gemeinschaft, die sich diesen Werten verpflichtet sieht. Das teile ich. Und ich denke auch, dass ein Großteil der Wikimedia-Bewegung das so sieht. Aber Jimbo Wales? Ich muß gestehen, dass diese Rede mir im Laufe der Zeit nicht nur immer mehr Unbehagen bei mir erzeugte, sondern auch Ärger. Da sprach der Großmeister der Wikimedia-Projekte von der Freiheit des Wortes und des Internets, die verteidigt werden müssen. Und ich begann mich zu erinnern… – war es nicht dieser Jimbo Wales, der nach schlechter Presse bei Fox News damit begann missliebige Bilder ohne jede Grundlage auf Wikimedia-Commons zu löschen? War nicht dieser Jimmy Wales einer der Protagonisten, die den Bildfilter für die Wikimedia-Projekte wollte? Ist es nicht dieser Jimmy Wales, der uns hier erzählen wollte, dass die Lage der Wikimedia-Projekte in China mittlerweile “stabil” sind, weil man uns nicht mehr sperrt? Und am Rande oder in Nebensätzen die Kompromisse dafür andeutet? Ist es nicht der Jimmy Wales, der seinen angekündigten und zur Verleihung seines Privatpreises gehörenden Besuch bei seinem letztjährigen “Wikipedian of the Year” noch nicht antrat, sich aber dazu heute äußerte? Zur Erinnerung: letztes Jahr gewann ein kasachischer Autor (soweit, so gut und überhaupt nicht zu kritisieren!). Der Preis des letzten Jahres soll aber möglichst im Beisein des “Präsidenten” Kasachstans vergeben werden und man werkelt noch am passenden Termin…. Wir erinnern – “Präsident” von Kasachstan ist der Altkommunist und mittlerweile autoritär regierende Nursultan Nasarbajew. Meinungsfreiheit ist eingeschränkt, das Internet wird zensiert. Und Jimmy Wales scheint sich gerne in der Sonne der Großen zu zeigen. Egal wofür sie stehen. Jimmy – du willst mir wirklich von der Freiheit des Wortes und des Internets erzählen? Wie soll ich das denn ernst nehmen?

Und das Volk jubelt seinem Herrn zu. Ohne zu denken. Ein Trauerspiel, bei den eigentlich so vielen klugen Leuten hier. Nicht dass es falsch ankommt – bis zu einem gewissen Punkt schätze ich Jimmy durchaus. Aber die Apotheose, die gottgleiche Verehrung geht wirklich zu weit. Er ist ein Mensch mit diversen Schwächen. Und er selbst würde das wohl als Letzter bestreiten.

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​Im Land des lächelnden Regierungshandelns

Beth Noveck by Joi Ito, CC-BY 2.0

Wenn man eine Reise tut, verbinden sich mit dem Zielort häufig Bilder im Kopf, die dann nur allzu gerne bestätigt werden. Wer an Washington D.C. denkt, assoziiert damit vermutlich die klassizistische Architektur des Capitols und die reißbrettartigen Straßenverläufe, die dem funktionalen Zusammenhang einer Hauptstadt gehorchen. Schließlich muss hier die geölte Maschinerie des Regierungshandelns mit den zeremoniellen Anforderungen einer präsidentiellen Demokratie versöhnt werden. Und tatsächlich meint man, in jedem Schlipsträger sofort einen hohen Regierungsbeamten oder zumindest einen slicken Lobbyisten zu erkennen. Wer sich – wie einige mir bekannte Wikipedianer – im narrativen Strudel der ultimativen Polit-Serie „The West Wing“ verirrt hat, wird jetzt wohl schmunzeln.

Im Stadtteil „Foggy Bottom“, wo auch das von Hillary Clinton geführte U.S. Department of State seinen Sitz hat, geht es indes legerer zu als erwartet. Khakihosenträger und Jogger säumen die Straßen rings um die George Washington University, die die diesjährige Wikimania beherbergt.  Und bereits in der Opening Session des Tracks Tech@State, der unter der Ägide des Außenministeriums entstand, wird deutlich, warum Washington D.C. eben nicht nur ein architektonische Symbol für staatliche (Selbst-)Repräsentation, sondern eben auch ein politisches Ideenlabor allererster Güte ist.

Beth Simone Noveck, die im Weißen Haus die Stabschefin für Technologie war, spricht über die Open Government Initiative, die sie von 2009-2011 für die Obama-Administration ins Leben gerufen hat. Und Noveck spricht dabei über die Freigabe staatlicher Daten in einer Weise, wie man sie in Good Ol‘ Europe nur allzu häufig vermisst: enthusiastisch. Die Autorin des Buchs „WikiGovernment: How Technology Can Make Government Better, Democracy Stronger  and Citizens More Powerful“ (2009) glaubt nämlich fest an die Erneuerungskraft “smarter” Instiutionen – mithilfe der Leidenschaft und fachlichen Expertise von interessierten Bürgern.

In ihrem Konzept eines „hybriden Wiki“ denkt sie die Freigabe von Verwaltungsdaten und die Partizipationsmöglichkeiten von User Generated Content zusammen. Dabei macht sie nicht bei der aktiven Weiterverarbeitung z.B. von Geodaten Halt, sondern denkt diese Struktur als Grundlage für ein „crowd sourcing of the drafting of politics“. Nicht auszudenken, ein deutscher Staatssekretär würde eine solche Beta-Version von kollaborativer Gesetzesgebung an die Wand malen. Wie erst kürzlich im Open-Data-Papier von Wikimedia Deutschland beschrieben, ist man über zögerliche Mitwirkungsmöglichkeiten wie z.B. virtuellen Sachverständigen in der stärker beamtengeprägten Bundesrepublik noch nicht hinausgekommen.

Bei der sich anschließenden Townhall-Debatte regt sich leiser Widerstand. Wo blieben denn in einem System des „nicht-gewählten Flashmobs“ die notwendigen Checks & Balance, die das natürliche Machtmobile des US-amerikanischen Systems bilden? Noveck muss grinsen. Natürlich kennt sie die Vorbehalte auch ihrer Landsleute: „Government“ ist praktisch ein Schimpfwort, „Demokratie“ steht mindestens unter Generalverdacht. „Wir brauchen ein neues Vokabular“, fordert sie lächelnd. Und neue Bilder im Kopf.

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„Nothing about us without us“ – Mary Gardiners Keynote auf der Wikimania

Mary Gardiner Bildautor: Mary and Andrew @Flickr unter CC-BY-SA 2.0

Gleich am ersten Tag der Wikimania 2012 bekommt ein wichtiges Thema prominenten Raum: “Fostering diversity: not a boring chore, a critical opportunity” lautete die diesjährige Keynote, gehalten von Mary Gardiner. Mary ist die Mitbegründerin der Ada Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen in Open Technology zu unterstützen. Die Initiative wurde nach Ada Lovelace benannt und ehrt damit die erste Programmiererin der Welt. Mary gehört außerdem zum Organisatoren-Team des AdaCamps, welches vor der Wikimania in Washington D.C. stattfand und auf denen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zum Wirken von Frauen in Open Culture austauschten. Weit über 250 Sprachversionen zeigen die Vielfalt der Wikipedia auf. In ihrer Keynote wies Mary aber auch auf jene Bereiche hin, die nach mehr Diversität verlangen.

Die Zahl der weiblichen Autorinnen in Wikipedia liegt bei unter 10 Prozent, wenig Vielfalt also unter der Autorenschaft, zumindest was den weiblichen Beitrag angeht. Dass nicht über jene Köpfe hinweg gesprochen und entschieden werden sollte, um die es sich handelt, stellte Mary insbesondere heraus. Auf die kurze Formel gebracht: „Nothing about us without us“. So müssen Fehler identifiziert werden, gleichzeitig aber auch Fragen gestellt und auf die Antworten gehört werden. Mit dem Ziel: Das mehr Vielfalt allen zu Gute kommt, insbesondere dem Projekt Wikipedia.

 

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Hallo Washington!

So, die Wikimania hat begonnen. Die große Eröffnungsveranstaltung ist vorbei, und gerade laufen die ersten Session des regulären Programms. Alle Anwesenden sind sehr hilfreich, und wie immer verbreiten die Teilneher die gute Laune einer Schullandheimfahrt.

Ein paar erste Eindrücke aus Washington und von der Wikimania:

* Washington ist nicht ganz so heiß und schwül wie befürchtet.

* Anscheinend haben alle Teilnehmer aus Deutschland die Einreiseprozedur gut überstanden.

*Die Organisation wirkt bisher gut und professionell, auch wenn es erste Kaffee-Engpässe gibt. Dafür funktioniert das Wlan meistens.

* Der Wikimedia-Deutschland-Stand ist im großen Pausen/Essens/Aufenthaltsraum; etwas arg in die Ecke gedrängt, aber soweit ich hier von schräg gegenüber aus sehen kann, ist der Stand durchaus besucht.

* Die gestrige Reception war eine eindrucksvolle Veranstaltung. Die Räume in der Library of Congress sind schon sehr beeindruckend, ein Haufen Wikipedianer in Hemden, Anzügen und Abendkleidern ein einmaliges Erlebnis. Viele Wikipedianer auf einmal können richtig gut aussehen.

* Die Jimmy-Wales-Rede ist halt die Jimmy-Wales-Rede. Aber Jimbo hatte einen eher guten Tag.

* Die Keynote von Mary Gardiner war inhaltlich sehr spannend, wenn auch etwas unter der Vortragstechnik leidend. Ich hoffe sehr, dass eine schriftiche Fassung existiert.

* Ja, liebe Deutsche, in Washington trifft man Radfahrer und der öffentliche Nahverkehr existiert. Nur ist mir noch unklar, warum die Washingtoner die U-Bahnhöfe im Dämmerlicht halten.

* Als Speaker hat man rot/goldene-Bordüren am Namensschild.

* Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht.

 

 

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