Jens Remer spricht Hörbeispiele für das Wiktionary ein

Foto: jeuwre, CC-BY-SA-4.0

Jens Remer (52) ist seit 10 Monaten unter dem Benutzernamen jeuwre beim deutschsprachigen Wiktionary, dem freien Wörterbuch, aktiv und hat seither über 4500 professionell eingesprochene Hörbeispiele beigetragen. Im Gespräch mit Wikimedia Deutschland erzählt er von seiner Tätigkeit, spricht Erfolge und Probleme des Projekts an und gibt Tipps wie gute Aufnahmen gelingen können.

 

Wie bist du auf das Wiktionary aufmerksam geworden?

Ich weiß es tatsächlich nicht mehr. Ich entsinne mich, mal in der Wikipedia:Schwesterprojekte-Seite gestöbert zu haben, das ist das Wahrscheinlichste.

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Hörbeispiele beizutragen?

Ich bin ziemlich häufig im englischsprachigen Wiktionary, aber nur für Recherche. Die Aussprache ist für Nichtmuttersprachler grundlegend. Ich suche häufig eine korrekte Aussprache, und zwar als Hörbeispiel, nicht IPA. Mir fiel auf, wieviele Hörbeispiele da fehlen. Meist wurde ich dann fündig auf der Online-Version von Oxfords Advanced Learner’s Dictionary oder dict.cc. Ich hatte dann zwar mein Problem einer englischen Aussprache gelöst, aber wirklich befriedigend fand ich es nicht, vom Wiktionary wegklicken zu müssen.

Warum Hörbeispiele wichtig sind, ist für mich klar: erst über viele Sinne findet die Bedeutung und Benutzung eines Wortes Eingang ins Hirn. Hörbeispiele sind deshalb elementar.

Anläßlich eines Radiobeitrags wegen eines Jubiläums eines der Goethe-Institute im letzten Jahr kam das Thema erneut bei mir hoch. Eine Zahl aus dem Radiobeitrag ist haften geblieben: weltweit gibt es ca. 15 Mio. Deutsch Lernende. 15 Mio. Kunden für das Wiktionary. Das ist also eine unserer wichtigen Zielgruppen. Für mich ist es sogar „die“ Zielgruppe. Wo werden die wohl nach Bedeutungen, Benutzung und Aussprache suchen? Vielleicht bei uns. Aber spätestens bei der Aussprache werden sie leider häufig – genau wie ich – bei dict.cc nachhören müssen. Ziemlich schade, finde ich. Dabei kann man bei uns sehr genau den Sinn und die Benutzung eines Wortes erfassen. Also kann ich das Wegklicken aus dem Wiktionary nur ändern, wenn ich mitarbeite.

 

Wie kann man sich bei der Aufnahme und Einbindung von Hörbeispielen beteiligen?

Eine Anleitung dafür habe ich nach dem Wiktionary-Treffen in Wien Anfang März überarbeitet, sie findet sich auf de.wiktionary.org unter Hilfe:Hörbeispiele. Wer irgendetwas nicht versteht: Unter Benutzer:jeuwre kann jeder angemeldete Benutzer, der eine Frage hat, über den Link E-mail an diesen Benutzer mich gerne kontaktieren. Ich werde versuchen, schnell zu antworten.

 

Welche konkreten Tipps hast du zur Einsprache von Audio-Aufnahmen?

Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Am Anfang habe ich überbetont, d.h. viel zu deutlich gesprochen. Ich zog die Silben auseinander, ich sprach überdeutlich die Endsilben, jeden einzelnen Buchstaben habe ich betont. Nun wollen wir in den Aussprachebeispielen aber die natürliche Sprache abbilden. Das Ergebnis ist auch heute noch, dass ich manches Wort zwei- oder dreimal einsprechen muss. Wenn ich das Gefühl habe, es „klingt nicht stimmig“, dann sehe ich mir die IPA an oder höre mir andere Sprecher an.

Ich spreche im Stehen ein, die Stimme klingt voller. Und es gibt weniger Reflektionen vom Bildschirm und den Wänden. Auf einem Notenständer liegt das Papier mit den einzusprechenden Worten, dann gibt es kein Papierrascheln. Es muss ruhig im Raum sein, Nebengeräusche hört man leider sofort.

Wichtig ist ein gutes technisches Equipment. Sonst rauscht die Aufnahme zu stark. Am Anfang habe ich mit einem zu billigen Headset gearbeitet. Das war verschwendete Zeit. Ende letzten Jahres hat mir dann Wikimedia ein gutes USB-Mikrophon zur Verfügung gestellt. Ich hoffe, man hört es … .

Ansonsten sehe ich das Technische als eher nebensächliches Thema, da arbeitet man sich zügig ein. Audacity, das ist das kostenlose Aufnahmeprogramm, was ich benutze, ist einfach und bei der Benutzung weitgehend selbsterklärend.

Wenn man sich entschieden hat, einzusprechen, dann sollte man erstmal klein anfangen. Eine pragmatische Herangehensweise ist, sich ein Thema vorzunehmen. Beispielsweise alle Begriffe aus einem Verzeichnis, auf dessen Gebiet man bewandert ist, nehmen wir das Verzeichnis:Deutsch/Musik. Es kann frustrierend sein, wieviel noch einzusprechen ist. Und es ist schönes Gefühl, ein Thema komplett eingesprochen zu haben.

 

Was machst Du bei schwierigen oder langen Worten, wie gehst Du genau vor?

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Wikimedia:Woche 23/2015

Hier kommt die 23. Ausgabe der Wikimedia:Woche im Jahr 2015.

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EnthusiastiCon vom 19.-21. Juni: Eine Konferenz zum Thema Begeisterung für das Programmieren

Nur noch wenige Tage bis zur EnthusiastiCon! Haltet euch das Wochenende frei!!!

Liebe Programmerinnen und Programmierer, liebe digital Interessierte,

nächstes Wochenende vom 19.-21 Juni ist es endlich soweit! Die erste EnthusiastiCon findet in den Räumen der Wikimedia Deutschland statt.
Be there or be
def square(x): print(x**2)

 

Eine Veranstaltung nur zum Thema Programmieren mit Vorträgen, Interaktion und viel Zeit zum persönlichen Austausch. Teilt eure Leidenschaft mit anderen und kommt vorbei. Auf SourceCode Berlin findet ihr den Ablaufplan und einen Sneak-Peak zu den Themen, die uns begeistern werden.

Zum Beispiel habt ihr euch schon einmal überlegt, dass Impro-Theater aus euch einen besseren Entwickler machen könnte? Wie es einfacher ist, wartbaren Code zu schreiben? Wie ein Betriebsystem aussehen kann, dass von Grund auf sauber entwickelt wird? Dies und viel viel mehr wird auf der EnthusiastiCon diskutiert.

Hier geht’s zum Ablaufplan: https://sourcecode.berlin/enthusiasticon/

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Wir freuen uns auf euch! Bis ganz bald…der Countdown läuft.

 

Euer EnthusiastiCon Team

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Wikimedia:Woche 22/2015

Liebe Leserinnen und Leser der Wikimedia-Woche,

vielen Dank für euer Interesse, das regelmäßige Feedback und alle Beiträge zu diesem wöchentlichen Newsletter.

In dieser Ausgabe möchten wir nochmal gesondert hervorheben, dass noch bis zum kommenden Sonntag die Inputphase zur WMDE-Jahresplanung läuft. Bis dahin werden im Meta-Wiki Themen, Anregungen und Fragen für den Jahreskompass des Präsidiums von Wikimedia Deutschland im Rahmen der partizipativen Jahresplanung 2016 gesammelt. Weitere Informationen siehe unten.

Aber jetzt erst mal viel Spaß mit der 22. Wikimedia-Woche im Jahr 2015.

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Geförderte Projekte aus den Communitys im Mai 2015

Die folgende Liste zeigt eine chronologische Übersicht ausgewählter umgesetzter Aktivitäten, sowie regelmäßige Veranstaltungen mit Unterstützung durch das Team Ideenförderung im Mai. Wer eigene Ideen und Projekte für die Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freier Inhalte mit Unterstützung von Wikimedia Deutschland umsetzen möchte, findet weitere Informationen unter Wikipedia:Förderung.

Festivalsommer

Festivalsommer-Aufnahme von Achim Raschka, CC-BY-SA 3.0

Bereits im Mai, also noch vor der Hochsaison, waren für den Festivalsommer 13 Veranstaltungen angemeldet. Die ersten Uploads kommen von dem Groezrock in Meerhout (Belgien), dem Impericon Festival in Leipzig, dem Holsten Brauereifest, dem Hafen Rock und dem Pirate Satellite Festival in Hamburg, sowie dem Rock Hard Festival in Gelsenkirchen. Der Festivalsommer ist ein Projekt von freiwilligen Wikipedianerinnen und Wikipedianern, um gezielt freie Bilder von Künstlern und Bands im Musikbereich zu schaffen. Hier befindet sich der Festivalplan für das ganze Jahr.

Lokales

Ein Überblick über Aktivitäten lokaler Grupen von Wikipedianerinnen und Wikipedianern ist über Wikipedia:Lokales zu finden.

Einige Communitys hinter den lokalen Räumen führen außerdem eigene Blogs, über die eine Auswahl dort stattgefundener Veranstaltungen und Aktionen nachgelesen werden kann:

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Konzept für ein freies Lexikon für Kinder fertiggestellt

Ein Gastbeitrag der Klexikon-Organisatoren:
Wikimedia Deutschland hat mit seinem Förderprogramm Freies Wissen das „Projekt Freies Kinderlexikon“ ermöglicht. Durchgeführt wurde das Projekt von Michael Schulte und Ziko van Dijk. Ziel war ein Konzept für eine „kindgerechte Wiki-Enzyklopädie“. Das Konzept liegt nun vor, das Modellwiki unter Klexikon.de ist seit Dezember 2014 aktiv. Fragen und Hinweise zum Konzept sind nun herzlich willkommen. Aber bitte bei Kommentaren zum Konzept und zum Modellwiki darauf achten, dass auch Kinder verstehen, worüber diskutiert wird :)
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Das ABC des Freien Wissens „I=Inhalt. Wer partizipiert wirklich an Open Culture?“

ABC-Logo. Markus Büsges, leomaria [CC BY-SA 3.0]

Am Donnerstag, den 25. Juni, 19 Uhr, findet das nächste “ABC des Freien Wissens” statt. Diesmal fragen wir, wer jenseits aller politischen und institutionellen Lippenbekenntnisse zu Open Culture wirklich teil an Entstehung und Inhalt freier Kultur hat.

Viele Köche verderben den Brei. – Eine Weisheit aus längst vergangener Zeit, wie es scheint. Ob im schulischen, akademischen oder beruflichen Kontext – Partizipation ist das Diktum der Stunde. Gerade für das Ziel, allen Menschen das Wissen der Welt zugänglich zu machen, gehören partizipative Strategien zum Kernkonzept. Doch führen all die Bemühungen, diese Vision für den Bereich Open Culture zu realisieren, wirklich zu der breiten Teilhabe an Kultur, die so oft beschworen wird?

Was können Kulturinstitutionen konkret tun, um nach der Digitalisierung ihres Kulturguts im nächsten Schritt den wirklichen Zugang dazu zu gewährleisten? Welche politischen Weichenstellungen müssen nach der Digitalisierung im Kulturbereich erfolgen, um das Mantra der Teilhabe in die gelebte Alltagsrealität zu übersetzen? Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion!

Wir laden herzlich ein zum ABC des Freien Wissens:


Content is king. Aber auch für alle zugänglich? Foto: Chris Dlugosz, https://flic.kr/p/5raMFX, CC-BY-SA 2.0

„I=Inhalt. Wer partizipiert wirklich an Open Culture?“

Donnerstag, 25. Juni, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24

Gäste:
Tim Renner, Kulturstaatssekretär von Berlin
Dr. Paula Marie Hildebrandt, Künstlerin und Stadtforscherin
Prof. Johannes Vogel, Direktor Museum für Naturkunde Berlin

Moderation: Barbara Fischer, Wikimedia Deutschland

Rauminszenierung: Performing Citizenship / Welcomecity

  • Der Eintritt ist frei. Um unsere Veranstaltungen noch besser zu machen, freuen wir uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de
  • Der Salon ist am Veranstaltungstag auf der Website als Livestream abzurufen.
  • Unter #wmdesalon kann mitdiskutiert werden.
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Eine Reise zum Mond

Museen entdecken ihre Besucher

Der Raum hatte keine Fenster. Zwischen der schräg abfallenden dunklen Funktionsdecke und dem schwarz gebeizten Fußboden standen ca. 200 schwarze Jacobsen Stühle mit roten Raketeemblemkissen (siehe Konferenzlogo) darauf, alles andere weiße Wände. Im Raum waren gut 150 Frauen und circa 50 Männer aus ganz Europa und darüber hinaus. Sie interessierten sich alle scheinbar nur für Eines: Wer besucht wann, warum, für wie lange und mit wem ein Museum?

Das Raketenemblemlogo der Konferenz

Ich war eingeladen auf der internationalen Museumskonferenz „We are Museums 2015“ vom 31. Mai bis 2. Juni 2015 in Berlin zusammen mit Dr. Ellen Euler (DDB) einen Workshop zu Freien Lizenzen zu geben. So hatte ich Gelegenheit zu hören und zu sehen, was die Museumswelt aktuell beschäftigt.

 Der vermessene Museumsbesucher

Die Reise zum Mond, public domain, via Wikimedia Commons

Shooting Star war Robert Stein aus Dallas. The charming Texas boy enttäuschte jedoch unsere stereotypen Erwartungen, denn er kam ohne den unvermeidlichen Stetson Hut. Er sprach von den Anstrengungen des Dallas Art Museum Big Data über ihre Besucher zu generieren. Dank der Übertragung des alten Pfadfinderprinzips, belohne gutes Benehmen mit einem „badge“, hier Prämienpunkten, gelingt es seinem Team, Museumsbesucher zu bereitwilligen Datenlieferanten zu machen. Auf der Jagd nach Prämien kommunizieren die Besucher über SMS die Codes zu den Artefakten und offenbaren, was sie sich anschauen, wie oft sie wieder kommen und ob sie im Laufe der Zeit ihre Besuchergewohnheiten ändern. Ziel war es, durch den geschickten Einsatz von Anreizen, die Publikumszahlen des Museums zu steigern und die Besucher zu „repeater“, aka Wiederholungstätern, zu machen. Nach zwei Jahren Laufzeit des Programms DAM Friends hatten sie über 1 Millionen Rohdaten und die Besucherzahlen waren beachtlich gestiegen. Schon träumt Stein von einem weltweiten Museumsnetzwerk, in dem auf ähnliche Weise Daten über Museumsbesucher zusammentragen werden und so endlich helfen, das Geheimnis zu lüften: Warum gehen Menschen in Museen? Denn die Software, mit der die Daten ausgewertet werden, steht unter einer offenen Lizenz anderen Museen zur Nachnutzung zur Verfügung. Ein sehr aufschlussreicher Vortrag. Besonders wenn man ihn vor dem Hintergrund des Gesamtprogramms der Konferenz betrachtet. Egal, ob Conxa Rodà vom Catalanischen Kunstmuseum oder die beiden New Yorker Sree Sreenivasan vom Metropolitan Museum of Art und Micah Walter vom Cooper Hewitt Design Museum oder Elise Albenque vom Schloss Versailles, sie alle suchen den Nahblick auf den Besucher. Sie wollen mehr über ihn wissen. Sie wollen erfahren, was ihn bewegt, um ihn zum Freund gewinnen. Freundschaft wird zur Kundenbindung und das Museum zum Supermarkt? Die Konferenzteilnehmer lauschten so intensiv, dass sie darüber selbst fast das Twittern vergaßen.

We chat on WeChat

Die Marketing-Abteilung des Schloss Versailles hatte entdeckt, dass der Besucheranteil chinesischer Individualtouristen in den letzten Jahren so zugenommen hatte, dass diese den US-Amerikanern den Rang abliefen. Doch die üblichen Social Media Kanäle zum Aufbau und Pflege von Kundenbeziehungen prallen an der Mauer der chinesischen Zensur ab. Albenque begab sich daher auf Forschungsreise in die Spiegelwelt des chinesisches Internets. Wo man nicht googelt, sondern auf Baidu sucht und der chinesische Twitter-Service Weibo in seiner Popularität vom Hybridservice WeChat abgelöst wird. Knapp eine halbe Milliarde WeChat-Nutzer in China und 70 Mio außerhalb in vier Jahren. Zur Vermeidung von Transkriptionsfehlern zwischen lateinischen Buchstaben und chinesischen Zeichen werden bei Namen tatsächlich QR Codes als Identifikatoren eingesetzt. Das Schloss Versailles ist vermutlich das erste europäische Museum mit einem offiziellen WeChat-Account und musste lernen, dass in China der „Palace of Versailles“ nicht einzigartig ist. Es gab bereits etliche ähnlich klingende WeChat-Konten. Markenrecht wirkt hier nicht.

 Der Pen

Einen anderen Weg ihren Besuchern tief in die Augen zu schauen, geht das Design Museum Cooper Hewitt. Sie kreierten einen übergroßen Stift: The Pen. Hätte ich geahnt, dass es noch kein Bild des Stiftes auf Wikimedia Commons gibt, hätte ich gewagt, ihn mit meinem dürftigen Handy zu fotografieren. Aber das Internet war überlastet, die Beleuchtung schlecht und der Stift wanderte weiter durch die Reihen. Diese Aufgabe ist noch offen! Sie lohnt es. Der Pen wird Museumsgeschichte schreiben. Mit ihm kann der Besucher seine Lieblingsstücke aus dem Museum quasi mit nach Hause nehmen. Nicht ein Handy-Schnappschuss durch Vitrinenglas, sondern eine professionelle Aufnahme mit Metadaten und Beschreibung. Denn mit dem Stift sammelt der Besucher versteckt hinter den Labels der Exponate Codes und kann sie anschließend nach einer Anmeldeprozedur per E-Mail auf seinen eigenen Computer geschickt bekommen. Im Austausch erfährt das Museum, was ihren Besuchern gefällt, wie lange sie im Haus verweilen und wie oft sie wieder kommen. Hier werden also Daten gegen Daten getauscht. Doch während das Museum die Besucherdaten weiter nutzen kann, kann der Besucher die Museumsdaten nur privat betrachten. Denn leider musste Walter einräumen, dass die Lizenzlage bei den meisten Objekten des Museums eine freie Nachnutzung der Digitalisate durch die Besucher verhindere. „We work on it!“, tröstete er. Sreenivasan vom Metropolitan hingegen versprach, dass sie noch bis zum Jahresende all ihr digitales Bildmaterial unter eine Freie Lizenz stellen werden. Das behalten wir im Auge.

 Mit J.F. Kennedy gesprochen

Bild von NASA/Bill Inglais, Public Domain via Wikimedia Commons

Die Reden zusammengefasst und hinzugenommen die Kommentare der Teilnehmer in den Q&A Runden und auf den Fluren verfestigten bei mir den Eindruck: Die Museen sind so damit beschäftigt, ihre Besucher überhaupt erst kennen zu lernen, dass sie über die Frage, ob sich durch die Digitalisierung und die Verbreitung der digitalisierten Inhalte die Rolle der Museen auch in Bezug auf ihre Beziehung zu ihren Besuchern verändern wird, noch kaum Gedanken machen. Außer Robert Stein! In Kennedy-Manier forderte er die Museen auf, sich aktiv in den gesellschaftlichen Diskurs einzumischen und Empathie als zentrale soziale Fähigkeit als Museumsaufgabe zu fördern. Begeisterter Applaus für seine Moonshot-Rede war die Reaktion des Publikums. Und wer sich mal anschauen möchte, was die Übersetzung der Stein-Rede in Ausstellungskonzeption bedeutet, dem empfehle ich die ebenso verstörende wie bewegende Greenaway-Ausstellung „Gehorsam“ aktuell im Berliner Jüdischen Museum.

Die Lizenz-Workshop Präsentation gibt es auf Commons.

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Wikimedia:Woche 21/2015

Hier kommt die 21. Ausgabe der Wikimedia:Woche im Jahr 2015.

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Monsters of Law Nr. 6 oder: Gibt es ein Recht am Bild der eigenen Katze?

Monster Bildrechte? Foto: By Gerrard St monster mural, by Aviva West, [CC BY-SA 2.0]

 Was müssen Fotografinnen und Fotografen beachten, wenn sie ihre Bilder bei Wikimedia Commons hochladen oder über eine andere Plattform unter einer freien Lizenz veröffentlichen möchten? Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich frei lizenzierte Bilder nutzen möchte? Ansgar Koreng, Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Urheber- und Medienrecht und passionierter Hobbyfotograf, der selbst aktiv bei Wikimedia Commons ist, führte bei der sechsten Veranstaltung der Reihe Monsters of Law durch das „Minenfeld Bildrechte„.

Stellen wir uns vor, wir möchten ein Bild eines öffentlichen Gebäudes machen, beispielsweise dem Brandenburger Tor, und dieses anschließend im Internet unter einer freien Lizenz veröffentlichen, damit es von allen Menschen für ihre jeweiligen Zwecke nachgenutzt werden kann. Zunächst unproblematisch, könnte man meinen, schließlich gestattet uns ja die Panoramafreiheit, urheberrechtlich geschützte Werke im öffentlichen Raum, wie eben Gebäude oder auch Kunstwerke, zu fotografieren und die Bilder weiterzuverbreiten, ohne dass wir dafür die Urheberin kontaktieren und um Erlaubnis ersuchen müssen. Jedoch ist die Panoramafreiheit strenger ausgelegt, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. So muss das, was fotografiert wird, nicht nur vom öffentlichen Raum aus abgelichtet werden, sondern es bedarf auch immer der Nennung der Urheberin, im genannten Fall der jeweiligen Architektin. Dies, so merkte Koreng an, geschehe bei den in Wikimedia Commons hochgeladenen Bildern so gut wie nie, obwohl die Nichtnennung der Urheberin streng genommen eine Urheberrechtsverletzung darstelle (die wohlgemerkt in den seltensten Fällen zu einem Rechtsstreit führt).

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