Das Schlaue Buch

Die Open Knowledge Foundation UK hat über die vergangenen Monate ein Open Education Handbook erstellt – im Rahmen einer Reihe von Book Sprints, einem komplett kollaborativen Arbeitsprozess. Auch Wikimedia Deutschland hat beim Sprint mitgearbeitet. Fertig ist das Buch noch nicht, es lässt sich jedoch bereits gut lesen. Und im Netz kann es nicht nur bestaunt, sondern auch weiter bearbeitet werden.

Bei so manchem Sprint ist der Weg das eigentliche Ziel. Bild: Ed Schipul CC-BY-SA 2.0 via flickr.com

In einem Book Sprint erstellt ein Team innerhalb von drei bis fünf Tagen kollaborativ ein Buch. Klingt schwer möglich? Mitnichten! Mehrere erfolgreiche Beispiele zeigen, dass es geht, so zum Beispiel das frei lizensierte L3T – Lehrbuch für Lehren und Lernen mit neuen Technologien, das 2013 in einem Book Sprint runderneuert wurde. Und über dessen Runderneuerung ebenfalls ein Buch geschrieben wurde. Letzteres steht allerdings unter der nicht-freien CC-BY-NC-ND-Lizenz, die weder Bearbeitung noch kommerzielle Weiterverbreitung erlaubt.

Ein anderes aktuelles Projekt ist das Handbuch Gemeinsam Forschen und Publizieren mit dem Netz, das im März im Rahmen der CeBit entstehen soll. Beteiligt sind in erster Linie Angehörige des Leibniz-Forschungsverbunds Science 2.0.

“Book Marathon” – der lange Sprint zum Open Education Handbook

Momentan entsteht in einer Serie von Book Sprints ein Open Education Handbook. Leitende Organisation ist die Open Knowledge Foundation. Ziel ist, ein umfassendes Handbuch zu schaffen, das sich in erster Linie (aber nicht ausschließlich) mit Freien Bildungsmaterialien beschäftigt. Einer der Book Sprints fand im November 2013 in Kooperation mit Wikimedia Deutschland in Berlin statt. Mit dabei: Etwa 25 Teilnehmende aus Großbritannien, Indien, Polen, den Niederlanden und Deutschland. Hier berichtet die Open Knowledge Foundation in ihrem Blog über den Sprint.

Dabei wäre das Wort “Marathon” passender: Der Prozess läuft bereits seit September 2013 und ist bis zum Oktober 2014 geplant. Bis zum ersten fertigen Buch wird also noch viel Wasser die Spree hinabfließen. Der Vorteil dabei ist allerdings, dass so eine große Zahl an Personen an dem Buch mitwirken kann. Dabei ist es nicht einmal nötig, zu einem der Sprints zu erscheinen: Wer an dem Buch weiter arbeiten möchte, kann dies hier einfach online tun.

Das Buch wird mit der Open-Source-Plattform Booktype erstellt. Und: Es steht unter der CC-BY 3.0-Lizenz und ist damit frei lizensiert. Das heißt: Alle können das Buch weiter verwenden und bearbeiten, solange sie Autorenname(n), Quelle und Lizenz nennen. Mehr Einschränkungen gibt es nicht.

Das Buch ist noch lange nicht fertig, auch wenn bereits sehr viele Inhalte zusammen gekommen sind – hier das bisherige Ergebnis. Und die Arbeit geht weiter: Zuletzt wurde eine portugiesische Version des Buches in Angriff genommen.

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Wikimedia:Woche 01/2014

Nach einer kurzen Unterbrechung melden wir uns heute zurück mit der ersten Ausgabe der Wikimedia:Woche im Jahr 2014. Der donnerstägliche Newsletter wird gemeinschaftlich von Projektaktiven und Wikimedia Deutschland erstellt, serviert in kleinen Häppchen Aktuelles und Brisantes aus der internationalen Wikimedia-Welt und möchte zum Weiterlesen anregen.

Die Woche entsteht in einem offenen Redaktionsprozess: Wenn ihr über die internationalen Kanäle auf Links oder Storys stoßt, die für die lokale Arbeit der deutschsprachigen Community von Relevanz sein können, hinterlasst einen Hinweis in der Woche! Ihr könnt entweder selber einen Teaser-Text vorbereiten, oder einfach nur einen Link setzen, den wir dann vor Versand mit einer Zusammenfassung dekorieren.

Wenn ihr Wünsche zur Woche im Allgemeinen oder Anregungen zur Abdeckung spezieller Themen habt, meldet euch gerne in den Kommentaren.

Viel Vergnügen beim Lesen!

Wikimedia:Woche 01/2014

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

Foundation und Organisationen

Multimedia-Vision für 2016

Fabrice Florin, Produktmanager Multimedia bei der Wikimedia Foundation beschreibt in seiner Multimedia-Vision 2016 zwei Nutzerszenarien, einmal für eine neue Nutzerin und einmal für einen Alten Hasen und demonstriert, wie die Multimedia-Experience in Wikipedia und Wikimedia Commons in der Zukunft einmal aussehen könnte.

WMF-Boardmitglieder bloggen ab jetzt regelmäßig

Mitglieder des Board of Trustees werden ab jetzt regelmäßig über ihre Aufgaben, über aktuelle Themen und offene Fragen bloggen, um die Arbeit des Gremiums einem breiteren Publikum verständlich zu machen.

Wikimedia Deutschland sucht Projektmanager Kommunikation

Wikimedia Deutschland sucht einen Projektmanager Kommunikation (Schwerpunkt Technik), um zur Verbesserung der technischen und sozialen Rahmenbedingungen in den aktiven Communitys beizutragen:

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Wissenschaftsjahr 2014: Digitale Gesellschaft

Offizielles Logo zum Wissenschaftsjahr 2014, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Wikimedia Deutschland ist offizieller Partner des Wissenschaftsjahres 2014 zum Thema “Digitale Gesellschaft”.  Das Wissenschaftsjahr ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog. Seit dem Jahr 2000 fördern sie den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft. Ziel ist es, die Öffentlichkeit zu informieren und gesellschaftliche Debatten über Entwicklungen in Wissenschaft und Forschung vorantreiben.

 

Das Wissenschaftsjahr 2014 stellt die Frage, wie wir uns durch die Digitalisierung als Einzelne und als Gesellschaft verändern und lädt dazu ein, die Auswirkungen der Digitalen Revolution und die zentralen Herausforderungen für die Zukunft der vernetzten Gesellschaft gemeinsam zu diskutieren. Die Debatten werden entlang von drei Handlungsfeldern geführt: Digitales Miteinander, Digitale Wirtschaft und Digitales Wissen.

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Freie Bildungsmaterialien: Berlin geht voran

Jetzt bloß nicht wackeln! Berlin macht die Bildungslandschaft bunter. Foto: CC-BY 2.0 Nicki Varkevisser via flickr.com

Berlin könnte als erstes Bundesland Freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, kurz OER) zum Teil seiner Bildungspolitik machen. Ein entsprechender Antrag passierte im Februar das Abgeordnetenhaus Berlin. Ein schöner Erfolg – auch für Wikimedia Deutschland. [Update 24. Februar: Bei Erscheinen des Artikels stand die Abstimmung des Abgeordnetenhauses noch aus. Der Artikel wurde nun entsprechend angepasst]

Wird Berlin das erste Bundesland, das OER zum Teil des Unterrichts macht? Es sieht so aus. Denn am 30. Januar beschloss der Ausschuss für Digitale Verwaltung des Berliner Abgeordnetenhauses mit den Stimmen von aller Fraktionen den Berliner Senat aufzufordern, “das Prinzip von offenen digitalen Bildungsressourcen (sog. „Open Educational Resources“) in der schulischen Bildung umzusetzen” – hier der Antrag als PDF). Am 20. Februar bestätigte das Abgeordnetenhaus den Beschluss.

Ein Erfolg für die OER-Bewegung – und für Wikimedia Deutschland

Die Initiative zur Einführung von OER geht auf einen Antrag der Piratenfraktion zurück, den die Regierungsparteien SPD und CDU inhaltlich aufgriffen (wir berichteten hier im Blog im Dezember 2013). Als Vertreter von Wikimedia sprach ich Ende 2013 als Sachverständiger im Ausschuss (hier das Wortprotokoll). In meiner Stellungnahme lobte ich den Regierungsantrag – und mahnte zwei Dinge an:

  • Die Verwendung wirklich freier Lizenzen – also solcher, die freie Nachnutzung und Veränderung der Materialien ermöglichen, wozu auch eine kommerzielle Nachnutzung zählt. Im ursprünglichen Antrag war nur vage von “Creative Commons Lizenzen” die Rede gewesen.
  • Die Inklusion von Bildungsträgern und -institutionen sowie zivilgesellschaftlicher Organisationen (wie Wikimedia Deutschland) in den Beratungsprozess. Im Antrag von SPD und CDU wurden lediglich Verlage und lokale Unternehmen explizit genannt.

Das in unseren Augen größte Problem war dabei die Lizensierung: Als erstes Bundesland, das ernsthaft die Einführung von OER in den Unterricht vorantreibt, hat Berlin Vorbildcharakter. Würden hier “unfreie” Lizenzen genutzt, wäre dies ein schlechter Start für die Rahmenbedingungen für frei lizensierte Bildungsmaterialien in Deutschland insgesamt gewesen.

Auf unsere beide Punkte wurde in der Tat eingegangen, obgleich nicht in dem Ausmaß, das wir uns erhofft hätten: Im finalen Antrag ist von “CC by sa [sic]”-Lizenzen die Rede, die “anzustreben” seien. Eine schwache Formulierung, aber besser als keine. Und: Der beschlossene Antrag benennt nun neben den Verlagen auch “bestehende öffentlich geförderte Institutionen” sowie “Bildungsträger und -einrichtungen” als miteinzubeziehende Partner. Die Zivilgesellschaft fehlt aber nach wie vor.

Insgesamt sind wir dennoch zufrieden: Unsere Vorschläge wurden aufgenommen. Und Berlin hat eine erste Hürde Richtung OER genommen. So zeigt sich auch Martin Delius von den Piraten höchst erfreut über den Erfolg.

Ein OER-Portal für Berlin?

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CatGraph

Im Maschinenraum der Softwareentwicklung von Wikimedia Deutschland entstehen nicht nur riesige Projekte wie Wikidata, sondern auch eine Menge kleinere Werkzeuge und Programme, die oft zu Unrecht unter dem Radar fliegen. In loser Folge wollen wir diese Projekte vorstellen.

Für den Anfang haben wir uns Johannes Kroll und das Projekt CatGraph vorgenommen. Johannes arbeitet seit Juni 2012 bei uns als Software-Entwickler und hat uns etwas dazu erzählt. Weiterlesen »

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Zedler-Preisverleihung 2014 in Frankfurt am Main

Bild: Wikimedia Deutschland, CC-BY-SA 3.0

Zum insgesamt achten Mal vergibt Wikimedia Deutschland im Jahr 2014 den Zedler-Preis für Freies Wissen. Durch den Preis würdigt Wikimedia herausragendes Engagement für Freies Wissen im Allgemeinen und die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte im Besonderen. Preisträger im letzten Jahr waren Artikel über den Maler El Greco, das Wikipedia-interne WikiProjekt Osttimor sowie Wheelmap.org – eine Online-Karte zum Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte.

Derzeit sammelt die Community der Wikimedia-Projekte verschiedene Artikel und Projekte des letzten Jahres als potentielle Preisträger, und wählt aus ihren Reihen die Jurymitglieder. Die Preisverleihung wird am 24. Mai im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Frankfurt am Main stattfinden. Der Zedler-Preis ist benannt nach Johann Heinrich Zedler. Er war Herausgeber des Grossen vollständigen Universal-Lexicons Aller Wissenschafften und Künste und gehört damit zu den Pionieren der kollaborativen Enzyklopädieerstellung

 

 

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Monatsbericht Januar 2014

TEAM COMMUNITYS

Förderprogramme

Zu Beginn des Jahres konnte Wikimedia Deutschland einen Editier-Workshop unterstützen, der praktisches Wissen zum einfachen Mitmachen in der Wikipedia vermittelte. Das Besondere an diesem Workshop war, dass es nicht allein um die deutsche, sondern auch um die gälische Wikipedia ging. Grundlage waren bereits im Sprachkurs  verfasste, vorab entworfene Artikel und Korrekturen mit einer Ausrichtung auf Schottland und Irland, die dann in die gälische und die deutsche Wikipedia übertragen wurden. Interessante Hintergründe zum Workshop finden sich im Wikipedia Kurier.

WikiDACH, die ehrenamtlich organisierte Kongressmesse für deutschsprachige Wikiprojekte, wird bereits seit 2013 vorbereitet. Im Januar ging es mit Absprachen und Treffen des Orga-Teams, die von Wikimedia Deutschland unterstützt wurden, für die Veranstaltung vom 29. Mai bis 1. Juni weiter.

Dank der finanziellen Unterstützung durch Wikimedia Deutschland konnte der Geburtstagsempfang für Thomas Bach dokumentiert werden, an dem viele Persönlichkeiten der Zeitgeschichte teilnahmen und deren Bilder nun unter freier Lizenz verfügbar sind.

Viele weitere Veranstaltungsdokumentationen konnten durch Reisekostenunterstützung und organisatorische Hilfe von Wikimedia Deutschland umgesetzt werden: Schüler Rockfestival Wuppertal, Demonstration “Wir haben es satt” oder die Einkleidung der Deutschen Olympioniken. Einigen Freiwilligen aus dem GLAM-Bereich konnte die Reise zur Denkmalmesse Monumento ermöglicht werden, um Kontakte mit Institutionen zu festigen und neu zu knüpfen. Weiterlesen »

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Der öffentlich nachnutzbare Rundfunk

“D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt” ist ein der SPD nahestehender Verein zu neuland-, bzw. netzpolitischen Themen, der in den letzten Monaten intensiv die Lizenzierung urheberrechtlich geschützter Werke unter Creative Commons-Lizenzen beleuchtet hat. Die aufmerksame Lektüre von http://cc.d-64.org/ kann daher ausdrücklich empfohlen werden.

Zu den vorhanden Texten zu Creative Commons auf der D64-Seite gesellt sich nun ein White Paper zur  Nutzung von Creative Commons im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk, geschrieben vom Austro-Berliner Wissenschaftler Leonhard Dobusch.

Das White Paper listet die Vorteile der Verwendung von CC-Lizenzen auf und versucht zu erklären, warum dies bislang nur in einigen Ausnahmefällen bereits im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk passiert. Im Empfehlungsteil wird eher pragmatisch festgehalten, dass jede CC-Lizenz besser sei als keine CC-Lizenz. Gleichzeitig wird korrekterweise auf die Unvereinbarkeit zwischen den unfreien Creative Commons-Lizenzen und Seiten wie beispielweise Wikipedia hingewiesen: Wer seine Inhalte unter CC-Lizenzvarianten mit nichtkommerzieller Einschränkung oder Veränderungsverbot stellt, verhindert auf breiter Strecke die Nachnutzung.

Das White Paper deckt sich mit unseren eigenen Erfahrungen, beispielsweise bei dem Unterfangen ZDFcheck, das aufmerksamen Leserinnen und Lesern dieses Blogs bekannt sein dürfte. Diese Zusammenarbeit zwischen ZDF und Wikimedia wurde erst möglich durch die Freigabe der dabei erstellten Inhalte unter Creative Commons cc-by.

Aus unserer Sicht ist die Zeit reif für die Freigabe größerer Teile von Öffentlich-rechtlichen Inhalten. Dass nicht alle Inhalte gleichermaßen von heute auf morgen unter CC-by gestellt werden können, ist unbestritten – zu komplex ist manchmal die hoch fragmentierte Rechtelage des Ausgangsmaterials oder die fehlende Möglichkeit zur Freigabe von Musik, die ihr Repertoire durch CC-ablehnende Verwertungsgesellschaften wie die GEMA vertreten lassen.

Erste Freigaben könnten bei selbst produzierten Inhalten erfolgen, insbesondere aus dem Kernbereich des Öffentlich-rechtlichen Auftrages, angefangen bei der Parlamentsberichterstattung oder selbst erstellten Nachrichtentexten der programmbegleitenden Webseiteninhalte.

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Des einen Bibel – des anderen Computerspiel

„Willkommen auf Europeana 1914-1918 – mit neuem Design! Wir haben die Inhalte auf dieser Website deutlich erweitert und verbessert“ so begrüßt Europeana seine Besucherinnen und Besucher zum Relaunch der Website seit gestern Abend. Mit großem Aplomb  –  Konferenz, Ausstellung „Unlocking sources in Berlin“ und feierlichem Empfang der geladenen Gäste durch gleich drei Herrinnen:  Barbara Schneider-Kempf, Direktorin der Staatsbibliothek, Monika Grüttters, Staatsministerin für Kultur, und Jill Cousins, Direktorin der Euopeana Foundation - geht die Plattform online. Sie lädt die interessierte Öffentlichkeit ein, sich mittels 500.000 Quellen aus Bibliotheken, Archiven und von Privatpersonen aus ganz Europa mit dem Ersten Weltkrieg  zu beschäftigen.

Diese Bibel rettete wörtlich einem jungen Soldaten im Ersten Weltkrieg das Leben. Ein Granatsplitter konnte das Buch nicht durchdringen. Von Gottfried Geiler via Europeana CC BY SA

Ein Portal mit enormer Vielfalt

Soldaten-Liedersammlungen und Noten für Märsche, Bilderbücher für Kinder in Comic-Anmutung und Filmmaterial, wie eine Wochenschau aus Österreich von 1915, belegen die heute befremdliche Kriegsverherrlichung der öffentlichen Einrichtungen und der Multiplikatoren wie Journalisten und Verleger. Kontrastiert wird dieses Material durch Quellen aus privaten Nachlässen, zum Beispiel einem Tagebuch mit handschriftlichen Einträgen und eingeklebten Zeitungsausschnitten. Aber nicht nur Material aus den Kriegsjahren 1914-18, sondern auch moderne Medien, die nur über die Kriegsthematik einen Bezug zum „Großen Krieg“ aufweisen, wurden in die Europeana 1914-1918 collections  aufgenommen, wie etwa ein Wahlplakat der SPD 1990. Ein wahrer virtueller Schatz, wie Kulturstaatsministerin Grütters gestern Abend lobte.

 Diversität ist gut, aber nicht immer

Die Diversität der Exponate setzt sich, zu unserem Bedauern, auch in den Lizenzen fort. Wie auch sonst in der Europeana hat das Zeigen Vorrang vor der Nachnutzung. Es finden sich gemeinfreie neben solchen Dateien, die unter der CC BY SA-Lizenz stehen. Sie sind also frei nachnutzbar, für kommerzielle Zwecke ebenso wie  für die Wikipedia. Aber ein mir vom Umfang nicht bekannter Anteil von Einträgen bleibt in der Lizenzfrage ambivalent, oder es wird vorgeschrieben, dass die Lizenzrechte abgefragt oder erworben werden müssen. Dabei weist das normale Template der Ergebnismaske den Button „Wikipedia“ auf. Was als eigener Service für Wikipedia gedacht ist, kann nicht umstandslos genutzt werden, wenn die Lizenzen nicht mit den Vorgaben von Wikimedia Commons kompatibel sind. D.h. Wikipedianer müssen sehr sorgfältig prüfen, ob sie das Material nur zitieren, oder tatsächlich das Bildmaterial verwenden können, ohne gegen proklamierte Lizenzen zu verstoßen.

Cui bono

Cui bono?, fragte der Römer und meinte: Wem nützt es? Ein Streifzug durch das immense Material lohnt sich. Einzigartig sind die in über 80.000 digitale Dateien zusammengetragenen mehr als 7.000 persönliche Geschichten, die man mittlerweile auf Europeana 1914-1918 finden kann. Jede und jeder kann jederzeit neue Inhalte hinzufügen. Dann das spannende Filmmaterial. Das Projekt European Film Gateway 1914 präsentiert rund 660 Stunden digitalisierte Filme und über 5.600 filmbezogene Materialien. Damit werden von dem erhaltenen Fünftel der damaligen Produktion wesentliche Teile leichter zugänglich gemacht. Womöglich inspiriert durch das Sammelprojekt der Europeana zu privaten Quellen des „Großen Krieges“ lanciert Ubisoft im Gedenkjahr 2014 ein neues Computerspiel. Das Spiel „Valiant hearts“ basiert auf realen Briefen von Beteiligten des Ersten Weltkriegs aus fünf verschiedenen Ländern.

Private Briefe aus dem Krieg bilden das Fundament für das ungewöhnliche Computerspiel “Valiant hearts”. Screenshot aus dem Trailer von Ubisoft.

Wer wird in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten, in denen  das 100. Gedenkjahr zum Beginn des Ersten Weltkriegs die Erinnerung wachrüttelt, das Material nutzen? Und wofür? Wird das Beispiel der Nationalbibliotheken aus acht europäischen Ländern andere GLAM-Einrichtungen motivieren, ihre Digitalisate ebenfalls freizugeben? Immerhin hat die Staatsbibliothek Berlin für dieses Portal ihre sonstige Politik der nicht-kommerziellen Beschränkung im großen Umfang aufgegeben und sich auf das Wagnis des Freien Wissens eingelassen. Ein beherzter Schritt, den Wikimedia Deutschland gern unterstützen möchte. Wer hat Interesse, dieses Material vielleicht in einer Schreibwerkstatt für die Wikipedia zu erschließen, und so die Quellen einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Erste Gespräche mit den Projektkoordinatoren an der Staatsbibliothek haben begonnen. Mehr Informationen unter kultur@wikimedia.de.

 

 

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Achtung extralang: Herzlich willkommen, Tjane Hartenstein!

Ich mache etwas Ungewöhnliches mit diesem Willkommensbeitrag: Er ist sehr lang und es dauert einige Absätze, bis ich überhaupt auf Tjane zu sprechen komme. Klingt wie das genaue Gegenteil aller Ratschläge übers Bloggen? Ist es auch. Manchmal muss man aber Mut zum Kontext haben, finde ich. Für Alle, die es ganz kurz mögen: Juhu, Tjane Hartenstein verstärkt das Kommunikationsteam von Wikimedia Deutschland! Für Alle, die mehr wissen wollen: Los geht’s…

Tjane Hartenstein (Foto: Lisa Kirchner, CC-BY-SA 3.0)

Viele Themen, viel zu sagen

Was Wikimedia Deutschland tut, wird auf die eine oder andere Art verschriftlicht. Mit Texten informieren wir, klären auf, nehmen Positionen ein oder berichten. Das kann in vielen Formen und über ganz unterschiedliche Kanäle passieren: Broschüren, Newsletter, Webseiten, Blogs, Handreichungen, Social-Media-Posts, Flyer, Magazine, Anschreiben, Banner, Bücher – und so weiter und so fort.

Das ist nicht neu. In den drei Jahren, in denen ich jetzt Teil von Wikimedia Deutschland bin, ist die Bandbreite an Themen, die wir vermitteln wollen, allerdings sehr gewachsen. Die Arbeit der Bereiche dreht sich unter anderem um Community-Unterstützung, freie Lehr- und Lernmaterialien, Software-Projekte wie Wikidata, um Kulturinitiativen, Stellungnahmen und Empfehlungen zu Lizenzfragen oder auch um internationalen Austausch mit anderen Wikimedia-Organisationen. Noch vor zwei Jahren gab es überdies keine Quartalsberichte (zweisprachig) und auch nur halb so viele Blogbeiträge wie heute.

Für mich unterstreicht das, wie weitläufig Freies Wissen wirklich ist. Es kann nicht isoliert betrachtet werden. Wie wir mit Wissen umgehen, lässt sich einfach nicht auf einzelne Themenbereiche eindämmen. Nur, wie entsteht aus vielfältigen Themen und vielen Stimmen bei Wikimedia Deutschland ein klares, intuitives und wiedererkennbares Bild für die Öffentlichkeit? Für mich ist das eine zentrale Frage, die das Kommunikationsteam beantworten muss.

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