Alles andere als Kaffeesatzleserei: Offene Wissenschaft. Christopher Michel, E=MC^2 (7852234992), CC BY 2.0

Das Ziel von Offener Wissenschaft (engl. Open Science) ist, die Forschung transparenter zu machen und damit die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit zu verbessern. Damit ist die Arbeitsweise gar nicht so weit entfernt von der gemeinsamen, kollaborativen Arbeit, wie sie auch in Wikipedia praktiziert wird – nur eben übertragen auf den Bereich der wissenschaftlichen Arbeit und Forschung.

Die Ansätze von Offener Wissenschaft umfassen dabei ganz unterschiedliche Ebenen. So können nicht nur Ergebnisse und Prozesse geteilt und weiter verarbeitet werden, sondern es werden auch die Theorien, Methoden, Anwendungsfelder und Zwischenergebnisse einer größeren Zahl von Menschen zugänglich gemacht. Darüber hinaus bietet die Offenlegung von Forschungsprozessen Einblicke in Versuchsabläufe – in solche, die zu Ergebnissen führten genauso wie in die, die nicht funktioniert haben. Das hilft anderen nachzuvollziehen, wie letztlich ein Ergebnis zustande gekommen ist, um z. B. nur Teile eines Versuches wiederholen zu müssen und relevante Ergebnisse für die eigene Forschung zu erhalten. Manchmal können wissenschaftliche Geräte sogar nachgebaut werden, weil die Anleitung und Materialnutzung zur Erstellung eines kostspieligen Gerätes offen zugänglich gemacht wird. Das spart Zeit, Mühe und räumt mehr Ressourcen für die Forschung selbst ein. Das Rad muss also nicht immer wieder neu erfunden werden.  

Was in den Ohren von Wikipedianerinnen und Wikipedianern ganz logisch klingt, stellt aber in der wissenschaftlichen Praxis immer noch die Ausnahme dar. Denn frei zugängliche Forschung ist zwar wünschenswert, bedeutet aber einen Mehraufwand, wenn es beispielsweise um die Veröffentlichung von sensiblen Forschungsdaten geht. Zudem herrscht in der akademischen Welt nach wie vor ein hoher Druck, Forschungsartikel mit einem hohen “Impact Factor” in Fachzeitschriften oder Monographien zu veröffentlichen, was  einen großen Teil des Renommees von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausmacht. Hier muss Offene Wissenschaft besser erklärt und erfahrbar gemacht werden, damit offene Forschungspraktiken innerhalb der Wissenschaftsinstitutionen ihre Vorteile entfalten können.  

Besonders der interdisziplinäre Austausch von Forscherinnen und Forschern mit unterschiedlichen Expertisen ist es, der oft bessere, manchmal sogar schneller Ansätze, Ideen und Forschungsergebnisse liefert. Deswegen bietet das Fellow-Programm Freies Wissen vom Stifterverband, der VolkswagenStiftung und Wikimedia Deutschland eine bisher einzigartige Möglichkeit, um Offene Wissenschaft und Freies Wissen zwischen den Disziplinen und innerhalb der Institutionen zu fördern. Das Programm befindet sich gerade im zweiten Jahr und der nächste Durchlauf ist bereits in Planung. Mehr dazu berichten wir bald an dieser Stelle. Im Vorfeld der diesjährig in Berlin stattfindenden Open Science Conference am 13. und 14. März 2018 richtet der Leibniz Forschungsverbund Science 2.0 am 12. März ein Open Science BarCamp aus.

Offene Wissenschaft als Goldstandard?

Alle, die der Frage nachgehen wollen, ob die Maxime “Je offener, desto besser” auch für den Bereich Offener Wissenschaft Bestand hat, sind herzlich zur nächsten Veranstaltung aus der Wikimedia-Salon-Reihe “Das ABC des Freien Wissens” am 13. März 2018 um 19:00 Uhr bei Alex Berlin eingeladen. Dr. Christina Riesenweber, Open-Access-Beauftragte der Freien Universität Berlin wird Fragen zur Qualität und Verlässlichkeit von Offener Wissenschaft stellen und mit der Soziologin Dr. Isabel Steinhardt,der Biotechnologie-Wissenschaftlerin Prof. Dr. Vera Meyer und weiteren Gästen diskutieren. Alle Details zum Dabeisein und zum Livestream auf der Seite des Wikimedia-Salons Q=Qualität.