Liebe Freunde des Freien Wissens,
hier unser Bericht aus der Geschäftsstelle für September 2010.

[[Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt]] – CPoV-Konferenz in Leipzig

Am letzten September-Wochenende fand in der Leipziger Universitätsbibliothek die Konferenz [[Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt]] statt. Ziel war es „Wikipedia-Forscher, Kritiker und Community-Mitglieder für eine produktive, interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Mainstream-Wissensmedium Wikipedia zusammenzubringen“. Nach Veranstaltungen in Bangalore und Amsterdam war dies die dritte Konferenz der Wikipedia-Forschungsinitiative „CPoV – Critical Point of View“. Auf Anfrage der CPoV-Organisatoren haben wir die Wikipedia-Workshops am Freitag organisiert und den Roundtable „Wikipedia und Wissenschaft“ am Samstag Abend vorbereitet. Mehreren freiwilligen Mitarbeitern der Wikipedia, sowie den Referenten der Workshops am Freitag haben wir durch die Unterstützung bei Reise- und Unterkunftskosten die Teilnahme an dieser Veranstaltung ermöglicht.

Das Eröffnungsreferat am Freitag Vormittag bot Grundlagenwissen über die Wikipedia; im anschließenden Workshop zu den Themenfeldern „Artikelrecherche“, „Bebilderung“ und „Administration“ vermittelten fünf Wikipedianer anhand praktischer Beispiele detaillierte Einblicke zum Arbeiten in und mit der Wikipedia. Leider kamen nicht so viele Teilnehmer wie erhofft, das Medienecho war dennoch enorm: Besonders gefreut haben wir uns über die ausführlichen Berichte in tagesschau und ARD-Nachtmagazin.

Der Roundtable am Samstag war mit über 70 Teilnehmern sehr gut besucht. Ziel dieses Treffens war, Wikipedisten und Wikipedianer in gemütlicher Atmosphäre zusammen zu bringen. Nach einem Impulsreferat von René König zum Thema „Wissenschaft und Wikipedia – eine konfliktreiche Zwangsehe“ gab es von beiden Seiten viele Fragen, Diskussionsbeiträge und Statements. Und auch wenn der Tisch eher eckig als rund war, war dies ein durchaus geglückter Versuch, den Dialog zwischen Forschern und Beforschten zu beleben und den ersten Konferenztag zu reflektieren.

Der Anspruch der gesamten Veranstaltung, Wikipedisten und Wikipedianer auch einmal außerhalb der virtuellen Welten zusammen zu bringen, ist in unseren Augen durchaus gelungen. Die Konferenz war vielstimmig und konstruktiv; sie zeigte viele gute und kritische Ansätze, die Grundlage für weitere Diskussionen und Auseinandersetzungen bieten werden.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an Tim Moritz Hector, Achim Raschka, Martin Rulsch, Gerd Seidel und Steffen Prößdorf, die sich kurzfristig zur Organisation und Durchführung der Workshops bereit erklärt hatten, an die Konferenz-Veranstalter Andreas Möllenkamp, Geert Lovink und Johanna Niesyto, sowie an die Sprecher und Teilnehmer für ihre Beteiligung!
Ausführliche Berichte finden sich auf der Website der Veranstaltung, aktuelle Meinungen und Informationen unter dem Hashtag #cpov bei Twitter, in einigen Blogs und in anderen Medien. Videomitschnitte und Redemanuskripte werden innerhalb der nächsten Wochen ebenfalls zur Verfügung gestellt.

WissensWert – Der Ideenwettbewerb

Am 16. September haben wir den Ideenwettbewerb WissensWert ins Leben gerufen. Dabei rufen wir Wikipedianer, Wikimedianer und andere Free Culture/Free Knowledge-Akteure auf, uns ihre Ideen zur Förderung Freien Wissens vorzustellen und finanzielle Unterstützung für deren Umsetzung bei uns zu beantragen. Wir möchten helfen, aus mutigen Ideen außergewöhnliche Projekte zu machen und stellen ausgewählten Initiativen dafür bis zu 5.000 Euro zur Verfügung. Wir stellen aktuell noch die Jury zusammen und nehmen noch weitere Vorschläge entgegen. Mit diesem Wettbewerb möchten wir besonders darauf aufmerksam machen, dass wir Initiativen mit ähnlichen Zielen gerne als Ansprechpartner und möglicher Unterstützer zur Verfügung stehen. Ideen zur Förderung Freien Wissens können jederzeit an uns herangetragen werden!
Die Nachricht über den Wettbewerb verbreitete sich sehr schnell, nicht zuletzt auch dank der Einträge auf netzpolitik und heise. In den ersten beiden Wochen wurden schon 30 Ideen eingereicht, am 15. Oktober endet die erste Bewerbungsphase. Wir freuen uns über die positive Resonanz dieses Experimentes und nehmen gerne Rückmeldungen und Optimierungsvorschläge für weitere Runden entgegen.
Teilnahmebedingungen und Bewerbungsformular finden sich auf der Vereinswebsite und auf der Projektseite in der Wikipedia.

Zedler-Medaille und Wikipedia Academy

Die Einreichungsfrist für die Zedler-Medaille endete am 30. September, die Beiträge werden nun an die Juroren weiter gegeben.  Bei der Preisverleihung am 19. November werden wir die Gewinnerinnen und Gewinner bekannt geben und ehren.

Die Vorbereitung für die Zedler-Verleihung und die Wikipedia Academy am 19. und 20. November in Frankfurt am Main sind in vollem Gange. Es wurden weitere Vorschläge für Programmpunkte gesammelt und erste Speaker angesprochen. Neue Ideen sind auch hier herzlich willkommen! Die Academy spricht – wie die CPoV – Wikipedianer und Wissenschaftler an, inhaltlich geht es aber weniger um Wissenschaften über die Wikipedia sondern Wissenschaften in der Wikipedia. In der nächsten Woche wird die Registrierung zu beiden Veranstaltungen eröffnet und das Programm wird in einer Beta-Version veröffentlicht.

Aus dem Maschinenraum

Im September ist nun endlich die Unterstützung für TIFF-Bilder auf allen Wikimedia-Projekten aktiviert worden – sie können jetzt direkt in Artikeln verwendet werden, genau wie JPEGs. Des weiteren haben wir das Pilotprojekt mit der DZB vorbereitet, die für alle Artikel des Tages im Oktober eine gesprochene Version bereit stellt. Hierfür haben wir den RSS-Feed der Artikel des Tages in einem Podcast umgewandelt, mit dem man täglich den Artikel als OGG-Datei empfangen kann. Aus dem Labor ist zu berichten, dass wir in einem Prototyp-Wiki die bibliographischen Daten des HBZ importiert haben. Damit ist es möglich, Einzelnachweise nur über die Angabe der ISBN einzubinden.

Literaturstipendium

Im Literaturstipendium konnten einige Stipendien vergeben bzw. versandt werden – Geschichte, Fußball und Musik waren diesmal die Bereiche, die damit in Zukunft vielleicht ein wenig besser gedeihen.

Eine besonders schöne Nachricht ist, dass mit der Hinzunahme des Wikiprojekts Philosophie das Literaturstipendium erneut gewachsen ist. Damit sind jetzt 15 Fachbereiche im Literaturstipendium vertreten. Das die Vergrößerung im Zuge des Relaunchs ein Erfolg ist, zeigen die Zahlen: Konnten wir am 31. Mai 2010, nach über 2 Jahren, den tausendsten Artikel feiern, so waren es am 31. August 2010 bereits mehr als 1200 Artikel – ein Zuwachs von rund 200 Artikeln in nur drei Monaten. Go, go, go!

Content-Befreiung

Die Deutsche Nationalbibliothek hat sich nun dafür entschieden, ihre überregionalen Normdateien (PND, GKD, SWD und EST) unter eine freie Lizenz zu stellen. Die Daten wurden bereits hier eingestellt und sind zum Download bereit, leider fehlt noch ein sehr wichtiges Element: Die Lizenz. Die DNB hat hier nur sich darauf festlegen lassen, dass die Lizenz den Bedingungen der Open Knowledge Definition
(OKD) entsprechen soll und ihrem Wesen an das Modell von cc-by-sa (also Sharealike und Attribution) angelehnt sein soll. Die OKD
ist vereinbar mit dem Konzept Freier Inhalte, wie sie bei Wikimedia-Projekten gepflegt werden.

Dritter Korb

Am 27. September fand die dritte von insgesamt vier Anhörungen zum „Dritten Korb“ im Urheberrecht statt, es ging hier um sehr konkrete Fragen der Rechtewahrnehmung durch Verwertungsgesellschaften, von denen Wikimedia Deutschland oder Wikipedia oder das Freie Wissen nicht betroffen sind.

Dialog Internet

Die Auftaktveranstaltung „Dialog Internet“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 28. September, zu der Wikimedia Deutschland eingeladen war und durch Mathias vertreten werden sollte, wurde leider aufgrund der Erkrankung der Bundesministerin kurzfristig abgesagt und soll im November wiederholt werden.

Europeana

Am 30. September nahm Mathias an einem Workshop des Europeana-Projektes zu Metadaten teil. Europeana ist hier noch in einer sehr unschönen Situation mit großen Unklarheiten über den Lizenzstatus der eingestellten Metadaten und ohne große Fortschritte seit der Plenary-Veranstaltung 2009. Wikimedia will hier mithelfen, Lösungen aufzuzeigen und die Teilnehmer zu ermutigen, alle verfügbaren Metadaten ohne lizenzrechtliche Barrieren auch Dritten zur Verfügung zu stellen.

Mitglieder

Im September 2010 erhielten wir 13 Mitgliedsanträge; davon haben 5 die aktive und 8 die Fördermitgliedschaft beantragt. Bedauerlicherweise erhielten wir auch 4 Kündigungen (ohne Angabe von Gründen). Der Verein zählt damit Ende September 479 aktive und 149 Fördermitglieder, also insgesamt 628 Mitglieder.

Community

Die Teilnehmer des am ersten Oktober-Wochenende in Köln stattfindenden „2. Limeskongress“ des Wikipedia-Projektes Römischer Limes fördern wir mit der Übernahme von Eintrittsgeldern für archäologische Fundstätten und einen Museumsbesuch, Übernachtungs- und Reisekosten. Wir hoffen damit zum guten Gelingen eines arbeitssamen Wochenendes beitragen zu können und wünschen den Teilnehmern eine spannendes Exkursionswochenende!

Fundraising

Der Monat September war geprägt durch die Vorbereitungen zur diesjährigen Herbstkampagne. Hierzu wurde sowohl auf Meta als auch in der deutschen Wikipedia eine Diskussion angestoßen. Welche Banner sollen getestet werden? Welche spiegeln die Philosophie der Wikimedia-Projekte am besten wider? Um nicht in einem luftleeren Raum zu argumentieren, finden seit August auch umfassende Tests von Bannern in der englischsprachigen Wikipedia statt. Die ersten Ergebnisse können hier eingesehen werden. Die Bannertests in der deutschsprachigen Wikipedia werden Anfang September beginnen. Hierzu gibt es schon eine erste Auswahl, die hier eingesehen und diskutiert werden kann und übrigens auch soll.

Zudem wurde mit Spendwerk eine Fundraising-Agentur gefunden, die unsere Vorbereitung für die Herbstkampagne konzeptionell unterstützen wird. Die Planungen, inwiefern die Spendenbanner auf de.wikipedia.org, mit anderen Online- und Offline-Aktivitäten ergänzt werden, haben insgesamt einen großen Teil der Arbeit im September ausgemacht.

Schließlich wurden zwei klassische Mailings verschickt. Das erste Mailing mit der aktuellen Wikimedium wurde an 800 ältere und neuere Spender verschickt. Der Fokus dieses Mailings war die Wikipedia Academy. Erfreulicherweise haben wir schon mehrere Fördermitglieder hierdurch gewonnen. Das zweite Mailing mit dem aktuellen Jahresbericht ging an 140 Berliner Richter. Damit erhoffen wir uns ein stärkeres Erscheinungsbild bei der Zuweisung von Geldauflagen.

Nachdem dieser Bericht leider etwas verzögert erschienen ist, wird der nächste wieder pünktlich am 4. November 2010