Visueller Editor für Wikipedia – erster Prototyp veröffentlicht

Wer einen Wikpedia-Artikel ändern möchte, muss ein Bearbeitungsfenster öffnen und dort mit der so genannten Wiki-Syntax arbeiten. Das ist seit Wikpedias Gründung vor zehn Jahren so. In Blogs und sozialen Netzwerken sind Internetnutzer heute allerdings gewohnt, völlig ohne Programmierkenntnisse oder spezielle Auszeichnungssprachen Texte, Bilder, Videos und sonstige Inhalte veröffentlichen zu können. Bei Wikipedia geht das nicht. Bislang gibt es keine Möglichkeit, Artikel direkt im Browser zu bearbeiten, das heißt so wie sie sich dem Leser präsentieren. Mit der Entwicklung eines “Visuellen Editors” will die Wikimedia Foundation das ändern und damit mögliche Barrieren für ehrenamtliche Mitarbeiter weiter reduzieren. Ab sofort steht ein Prototyp des geplanten Editors zur Verfügung. Ausprobieren kann man den Editor auf www.mediawiki.org.

Dieser neue Prototyp ist eine Testversion, der entscheidende Merkmale wie die Speicherung und der Zugriff auf echte Wikipedia-Artikel fehlen. Es gibt keine Datenbankverbindung. Es handelt sich um eine Spielwiese und Kommentare und hilfreiche Tipps sind hier sehr erwünscht!

Warum die ganze Entwicklung des neuen Editors aus vielen kleinen Schritten bestehen muss und warum es für diese erste Version nur einen bewusst kleinen Funktionsumfang geben kann, hat die Foundation in einem eigenen Blogpost beschrieben. Im Folgenden haben wir die Kernpunkte übersetzt:

Die Entwicklung eines Visuellen Editors ist eine der wichtigsten Aufgaben der Wikimedia Foundation für das Jahr 2012. Es gibt eine ganze Reihe von Belegen dafür, dass die Wiki-Syntax eine erhebliche Barriere ist, die viele Menschen von einer Mitarbeit abhält. Formale Benutzertests und direktes Feedback von neuen Autoren haben in den letzen Jahren verdeutlicht, dass das Bedürfnis für einen Visuellen Editor groß ist.

Die Entwicklung eines Web-basierten Editors ist eine sehr komplexe Angelegenheit. In der Geschichte der MediaWiki-Entwicklung ist es womöglich das herausfordernste Projekt. Folgende Eckpunkte charakterisieren das Projekt: Bearbeitungen müssen sowohl in der bisherigen Wiki-Syntax möglich sein, als auch auf die neue Weise. Die Art, wie in den Communitys über die letzten zehn Jahre gearbeitet worden ist, kann nicht mit einem Mal geändert werden. Gleichzeitig müssen potenzielle Autoren unterstützt werden, die mit der Wiki-Syntax nicht gut umgehen können. Das heißt also, das zu entwickelnde Editor-System muss zwischen dem Visuellen Editor und der Wiki-Syntax hin und her wechseln können, und zwar möglichst ohne ersichtliche Störungen für den Nutzer. Außerdem darf es bei diesen Wechseln keine Fehler im System verursachen. Wer Erfahrung mit Editoren hat, die sowohl einen visuellen als auch einen HTML-Modus anbieten, der kennt die Probleme, die entstehen können. Und die Wiki-Syntax ist in dieser Hinsicht ausgesprochen umfangreich und kompliziert. Noch dazu gibt es jede Menge Inhalte, die alle Möglichkeiten dieser Syntax bis zum Letzten ausreizen. Wären Wikipedia-Artikel einfach formatierte Text-Dokumente, dann wäre die rückwärtige Kompatibilität recht einfach zu erreichen. Tatsächlich verwenden die Artikel aber eine ganze Palette von Layout-Funktionen wie Bilder, Links, Tabellen, Infoboxen und andere dynamisch zu ladende Vorlagen. Ein Beispiel aus der englischen Sprachversion. Kompatibilität ist bei dieser Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten technisch sehr herausfordernd.

Über die letzten Monate hat das Programmiererteam der Wikimedia Foundation viele Fortschritte bei der Entwicklung des Visuellen Editors gemacht. Heute möchten wir den Prototyp einer einfachen Bearbeitungsoberfläche vorstellen, die das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, in Wiki-Syntax übersetzt. Diese Demoversion, die bislang weder das Bearbeiten noch das Speichern von Dokumenten erlaubt, unterstützt grundlegende Formatierungsfunktionen wie Fett-Auszeichnung, Kursiv oder Zwischenüberschriften. Außerdem unterstützt sie eine Reihe von Funktionen, die als selbstverständlich erwartet werden, wie Kopieren und Einfügen oder Rückgängig/Wiederherstellen. Im Idealfall kann es genutzt werden, um damit einen Text in funktionierender Wiki-Syntax zu erstellen, der anschließend einfach per Copy & Paste in das Bearbeitungsfenster eines Wikis eingefügt werden kann.

Diese Version des Visuellen Editors sollte die meisten modernen Browser unterstützen, wurde aber hauptsächlich für Firefox, Chrome und den Internet Explorer 9 getestet. Unterstützt wird außerdem IE8, nicht aber IE7. Es gibt keine an die Wikipedia-Sprachversionen angepasste Version, was aber mit dem nächsten Update nachgeholt werden soll.

Die Demoversion samt Übersetzung in Wiki-Syntax kann auf dieser Spielwiese angesehen werden. Sie kann mit allen dafür hochgeladenen Artikeln ausprobiert werden

Nächste Schritte und Beteiligung

Was kommt als nächstes? Zunächst sollen nacheinander neue Funktionen freigeschaltet werden, Fehler behoben und Updates veröffentlicht werden. Ziel: Der Editor soll nach und nach anwendbarer für tatsächliche Wikipedia-Bearbeitungen werden. Dafür soll ermöglicht werden, Seiten anzulegen und diese auch speichern zu können, vorhandene Seiten oder Abschnitte zu bearbeiten, Bilder einfügen oder entfernen sowie Informationen in Vorlagen oder Tabellen ändern zu können.

Geplant ist, kurzfristig “echte” Bearbeitungen einem (sehr) kleinen Nutzerkreis zu ermöglichen. Bis allerdings selbst eine nur kleine Gruppe von Bearbeitern mit vollumfänglichen Funktionen des Editors versorgt werden kann, wird es noch eine Weile dauern. Wie oben bereits gesagt, die Foundation ist dankbar für jede Hilfe bei diesem Großprojekt. Direktes Feedback kann zum Beispiel oben rechts auf der Seite des Prototyps gegeben werden. Nachrichten sind ansonsten auch hier willkommen.

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Abschied nehmen ist immer schwer – bei Wikimedia umso mehr!

Über ein Jahr ist inzwischen vergangen, seitdem meine Arbeit bei Wikimedia Deutschland begann. Diese Zeit gehörte zu den spannendsten Abschnitten meines Lebens – sowohl in beruflicher, als auch in persönlicher Hinsicht. Als Zuständiger für die Verwirklichung des Buches “Alles über Wikipedia – und die Menschen hinter der größten Enzyklopädie der Welt” war es mit vergönnt, weit über 100 Wikipedianer kennen zu lernen. Viele dieser Bekanntschaften vertieften sich bei den verschiedenen Veranstaltungen im Anschluss an die Buchveröffentlichung – angefangen bei der Buchvorstellung in Berlin, über die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse, bis hin zu den Lesungen in Hannover, Dresden, Kassel und in anderen Städten.

Wikipedia hat nun auch die Welt des "toten Holzes" betreten... (Foto: Wolfgang Sauber, CC-BY-SA 3.0)

Neben den Kontakten zu einer unglaublichen Bandbreite sehr verschiedener Wikipedia-Autoren, Commons-Fotografen, OSM-Kartografen, Wikipedisten und anderen Community-Mitgliedern, aber auch Verlagsvertretern, Redaktoren und Lektoren, wird mir auch die hervorragende Kollegialität aus dieser Zeit positiv in Erinnerung bleiben. Das Team von Wikimedia Deutschland hat mich wohlwollend aufgenommen, schnell integriert und an seinem Wachstum, an zahlreichen Erfolgen, an bangen und spannenden Momenten teilhaben lassen. Sie alle haben dafür gesorgt, dass ich im vergangen Jahr nicht nur einer interessanten Arbeit nachging, sondern ein kleiner Teil der weltweiten Wikimedia-Bewegung werden konnte. Dieser Bewegung und ihren Idealen werde ich auch in Zukunft erhalten bleiben.

Was aber sind die konkreten Beweggründe für meinen Abschied von Wikimedia Deutschland, wo es doch mehr als genug Arbeit gibt? Es ist eine private Motivation, die mich zu diesem Schritt bewegt hat. In der Folge einiger Veränderungen in meinem Leben werde ich versuchen, in meinen Geburtsland Bulgarien, wo ich seit über 20 Jahren nur sehr sporadisch gewesen bin, erneut Fuß zu fassen. Und wie es der Zufall will, hat die überaus lebendige bulgarische Wikipedia-Community noch kein eigenes Wikimedia Chapter etabliert. Wer weiß, vielleicht bietet sich mir bald eine Gelegenheit, in Erfahrung zu bringen, welche Gründe dafür verantwortlich sein könnten…

Mein Arbeitsverhältnis mit Wikimedia Deutschland endet offiziell zum Jahresende und ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mich seit 2010 bei meiner Arbeit unterstützt haben – bei meinen Kollegen in Berlin, bei allen Autoren des Wikipedia-Buches, bei den vielen freundlichen Wikipedianern auf Stammtischen und bei Lesungen! Mein Dank gilt nicht zuletzt auch allen Interessierten, die durch die Lektüre von  “Alles über Wikipedia” mehr über die weltgrößte Enzyklopädie erfahren möchten!

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WissensWert-Jurysitzung: Der Wert des Austauschs

Was ich an dieser ganzen Wikimedia-Welt liebe ist, dass es immer wieder Überraschungen gibt. Die letzte dieser Überraschungen war die Jurysitzung von WissensWert-Wettbewerb, die am letzten Mittwoch in Berlin stattfand. Kurz gesagt: Ich kannte in der Jury niemanden. Es ist nicht immer leicht, wenn man neue Leute “freiwilligt” an einem solchen Gremium zu arbeiten, die richtige Stimmung zu finden. Man tagt nur ganz kurz und in wenigen Stunden muss man sich einigen, welches die besten Projekte sind. Wir hatten 4 (vier!) Stunden, um durch 30 Projekte durch zu gehen. Wir hatten schon vorher Punkte für anhand verschiedener Kriterien verteilt und haben bei der Sitzung aufgrund dieser ersten und persönlichen Einschätzung diskutiert.

Und diskutiert haben wir reichlich! Aber in so einer Art, die ich mir bei Wikimedia öfter wünsche: Vernünftig, respektvoll, lustig auch, seriös und konstruktiv. Diese Sitzung war einfach toll!

Die WissensWert-Juroren kommen aus alle mögliche Ecken, und die Bereicherung bei den Gesprächen war einfach klasse. Wir waren uns oft nicht auf Anhieb einig, was spezifische Projekte angeht. Aber in der Diskussion hatten wir Gelegenheit, uns alle Projekte in so vielen Details wie möglich und von allen Richtungen anzukucken. Kulturblickwinkel, Wikimediablickwinkel, Aktivismusblickwinkel, Projektmanagementblinkwinkel – so viele Richtungen, in die wir alle gegangen sind, um einander zu verstehen und Projekte mit neuen Augen zu begreifen. Herzlichen Dank dafür an die anderen Juroren und Jurorinnen, das hat wirklich Spaß gemacht!

Der Konsens hat sich ganz natürlich gefunden, und am Ende waren die Ergebnisse da! Die bekommt ihr aber erst am 15. Dezember, wenn der ganze Prozess abgeschlossen ist. In der Zwischenzeit könnt ihr euer Lieblingsprojekt für den Publikumspreis (Übersicht aller Projekte) wählen. Und glaubt ihr mir, es gibt eine Menge Projekte, die eure Lieblingsprojekte sein könnten!

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Erstes RENDER Review Meeting in Luxemburg

Im Forschungsprojekt RENDER haben wir gerade das erste Projektjahr abgeschlossen. Vor einiger Zeit hatten wir hier über unseren Beitrag im Projekt sowie die geplanten Ergebnisse und den Nutzen für Wikipedia berichtet.

Zur Überprüfung der Entwicklung des Projektes findet am Ende jedes Projektjahres ein Review-Treffen vor der Europäischen Kommission statt.

Das Review zum ersten Projektjahr fand letzte Woche in Luxemburg statt. Dabei waren Vertreter der Europäischen Kommission anwesend sowie zwei Forscher als Reviewer, die gegenüber der Kommission die fachliche Leistung des Konsortiums beurteilen. Das heißt, es wurden die inhaltlichen Arbeiten überprüft, die in den jeweiligen Arbeitspaketen vereinbart waren und deren Berichte im ersten Projektjahr veröffentlicht wurden. Die Kommission interessierte sich darüber hinaus aber auch für Details des Finanzreportings der einzelnen Partner.

Die Anwesenheit für alle Projektpartner ist bei diesem Treffen verpflichtend. Mathias Schindler und ich waren für Wikimedia Deutschland vor Ort.

Bereits am Dienstag, den 29. November, haben wir uns mit Vertretern aller Projektpartner in Luxemburg getroffen. Wir haben gemeinsam die letzten technischen Arbeiten erledigt, die Präsentationsfolien durchgesehen und finalisiert. Am Mittwoch wurde der Review-Tag in Echtzeit “geprobt”. Dabei gaben wir uns gegenseitig Vorschläge und Hinweise zur Optimierung.

Der eigentliche Review fand am Donnerstag den 1. Dezember statt. Alle Partner präsentierten ihre Arbeiten und standen für Rückfragen zur Verfügung. Am Ende des Tages gaben die Reviewer den Projektpartnern eine kurze, erste Einschätzung: das Gesamtprojekt wurde als positiv und fortsetzungswürdig bewertet. Zusätzlich bekam das gesamte Projektkonsortium eine Reihe von Empfehlungen und Verbesserungsvorschlägen für das kommende Jahr. Der offizielle und ausführliche Bewertungsbericht steht noch aus und wird in den nächsten Wochen zugestellt.

Wer einen kurzen Eindruck gewinnen möchte, kann sich unsere Präsentationsfolien zur Wikipedia Fallstudie auf Commons ansehen. Dieses Folienset beinhaltet sowohl unsere Arbeiten und Ansätze, als auch die Untersuchungen unserer Partner vom Institute Jožef Stefan (JSI) und Karlsruher Institute für Technologie (KIT) innerhalb der Wikipedia Fallstudie. Delia Rusu vom JSI stellte die aktuellen Untersuchungen zu nicht-neutralen Artikeln vor. Fabian Flöck vom KIT berichtete über die Entwicklungen seiner Arbeit zum Thema Editorenverhalten.

Bei weiteren Fragen und Anregungen wendet euch gerne an angelika.adam@wikimedia.de bzw. render@wikimedia.de.

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Post für Dich! Wikimedia vergibt E-Mail-Adressen für Projektmitarbeiter

Wikipedia ist schon eine besondere Veranstaltung: Als fünftpopulärste Website weltweit ist sie eines der reichweitenstärksten Medien in den Weiten des WorldWideWeb. Doch anders als Redakteur von Spiegel, Focus und Co. haben es Wikipedianer, Commons-Fotografen oder Wikinews-Autoren schwer, wenn sie zu hochkarätigen Veranstaltungen akkreditiert werden wollen. Denn meist werden sie als einfache Privatpersonen wahrgenommen.  Doch jetzt ist Abhilfe in Sicht: Für mehrere Projekte hat Wikimedia Deutschland die entsprechenden .de-Domains registriert und ist ab sofort in der Lage, an Projektmitarbeiter E-Mail-Adressen und Visitenkarten zu vergeben. Alle Einzelheiten und die Möglichkeit zur Beantragung findet man unter de.wikipedia.org/wiki/WP:@

 

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Projekte und Aktivitäten von Wikimedia Deutschland im November 2011

POLITIK UND GESELLSCHAFT

Positionspapier zum Urheberrecht

Ein Namensbeitrag der EU-Kommissarin Neelie Kroes gab uns die Steilvorlage, um die gegenwärtige Legitimationskrise des Urheberrechts öffentlichkeitswirksam zu adressieren. Ein gemeinsames Positionspapier von Wikimedia Deutschland e.V., Digitale Gesellschaft e.V. und Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. wurde von dpa aufgegriffen und fand in zahlreichen Medien und Blogs zustimmende Kommentare und kritische Würdigungen. Mittlerweile möchte auch die Free Software Foundation Europe e.V. das Papier mitunterzeichnen. Neben einer Fair-Use-Klausel für den rechtssicheren Betrieb von User-Generated-Content-Projekten wie z.B. Wikipedia fordert die Erklärung eine Koppelung von Schutzfristen an ein Werkregister für urheberrechtlich geschützte Werke. Ist ein aktueller Rechteinhaber auf eine eindeutige und automatisierbare Weise nicht ermittelbar, sollte dadurch eine umfassende Nachnutzung möglich werden. In diesem Zusammenhang befürworten wir den Aufbau einer frei zugänglichen Datenbank für Werke und Rechteinhaber auf europäischer Ebene.

Die Ente bleibt draußen! Streit um Loriot-Briefmarken

Kaum ein anderes Thema erhitzte die Gemüter in diesem Monat so sehr wie die Löschung der Wohlfahrtsmarken mit den Loriot-Motiven „Das Frühstücksei“, „Herren im Bad“, „Auf der Rennbahn“ und „Der Sprechende Hund“ am 8.11.2011 über eine “Office Action”. Dieser außergewöhnliche Eingriff war notwendig geworden, da die Tochter des großen Komödianten Victor v. Bülow alias Loriot am Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen die Wikimedia Foundation erwirkt hatte, nachdem sie die Urheberrechte ihres Vaters vorsätzlich verletzt sah. Das Gericht hat damit die Qualifikation der Briefmarken als amtliche und damit gemeinfreie Werke ausdrücklich verneint. Dies geschah in Kenntnis der Entscheidung des Landgerichts München vom 10.3.1987 (21 S 20861/86), die für die WP-Community bislang maßgeblich war. Der Fall Bülow vs. Wikimedia Foundation wurde – wohl aufgrund des prominenten Namens der Klägerin – in zahlreichen Medien, u.a. bei Spiegel Online und auf heise.de, aufgegriffen.

Tagung zur Digitalisierung von Kulturerbe

Es ist ein Flickenteppich: Allein 915 Projekte mit 633 beteiligten deutschen Institutionen verzeichnet eine Überblicks-Website zum Thema Digitales Kulturerbe. Kein Wunder, dass zentrale staatliche Plattformen wie Europeana, gemeinnützige Projekte wie Wikipedia oder privatwirtschaftliche Initiativen wie Google Books immer stärker als Sprungbrett zu spannenden Werken genutzt und auch problematisiert werden. Bei der hochkarätig besetzten Tagung “Ins Netz gegangen – Neue Wege zum kulturellen Erbe” am 17./18. November in der Deutschen Kinemathek stand denn auch Wikipedia gleich mehrfach im Fokus: Während Pavel Richter in seinem Vortrag anhand der Wikipedia-Einträge zu “Rating-Agenturen”, “Abtreibung” und “The Simpsons” die Zeitgebundenheit und kulturelle Relativität der Online-Enzyklopädie in den Vordergrund stellte, warb Mathias Schindler für mehr Mut seitens der Kultureinrichtungen, sich dem digitalen Wandel offensiv zu stellen. Dr. Oliver Sander vom Bundesarchiv rekapitulierte die Kooperation mit Wikimedia Deutschland, wobei er sein ehrliches Bedauern über die große Zahl nicht-lizenzkonformer Nachnutzung von Bundesarchiv-Fotos auf Wikimedia Commons nicht verbarg. Insgesamt, so wurde deutlich, muss seitens des Vereins noch viel mehr Aufklärung über die beabsichtigten und unbeabsichtigten Effekte freier Lizenzen geleistet werden, um kulturelle Einrichtungen in ihrer Innovationspolitik zu bestärken.

Wikipedianer in GLAMsterdam

Während es für die “kulturinteressierten” Leute in der deutschsprachigen Wikipedia-Community nun auch eine zentrale Austauschplattform gibt, peilt die internationale GLAM-Bewegung (Akronym für “Galleries, Libraries, Archives, Museums) nun den nächsten Schritt beim Erfahrungstransfer an: Vom 2. bis 4. Dezember treffen sich ca. 60 Aktivisten aus aller Welt beim GLAMCamp in Amsterdam, um u.a. über die durch “Wiki loves Monuments” generierten Neukontakte, die Verbesserung von Upload-Tools bei Digitalisierungsprojekten oder die QR-Code-Nutzung im Ausstellungskontext zu sprechen. Von deutscher Seite erhoffen wir uns insbesondere Aufschlüsse über die bisherigen “Wikipedian-in-Residence”-Modelle, die einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Nachahmungseffekte im Kulturbetrieb darstellen. Ein halbes Dutzend engagierter Wikipedianer wird, gefördert durch Wikimedia Deutschland, vor Ort sein; von der WMDE-Belegschaft wird Nicole teilnehmen.

CC-freundliche internationale Nachrichtensender

Al Jazeera, der Heimatsender der Revolutionen im arabischen Raum, hat eine lange Tradition der Freigabe von Inhalten unter (freien) CC-Lizenzen, insbesondere bei Videos, die unter cc.aljazeera.net freigegeben sind. Nach einer Intervention von Liam Wyatt und Mathias Schindler hat Al Jazeera nun auch seinen Bilderfeed auf Flickr (http://www.flickr.com/photos/aljazeeraenglish) unter CC-by-sa 2.0 freigegeben.

PUBLIC RELATIONS & ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Wikimedium

Pünktlich zur Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland erschien die letzte Ausgabe 2011 unserer Vereinszeitung Wikimedium. Die Zeitung ist dieses Mal vier Seiten an Inhalt dicker, darunter eine Doppelseite, auf der einmal alle Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle in Wort und Bild vorgestellt werden. Im Oktober lag die Zahl der abonnierten Exemplare der Zeitung bei über 2.500 Stück. Zwischenzeitlich haben wieder viele Interessierte das kostenlose Blatt angefordert, so dass wir mittlerweile bei rund 2.800 abonnierten Exemplare liegen! Wir freuen uns über neue Abonnenten oder eure Anforderung von Ausgaben für Wikipedia-Stammtische oder andere Community-Treffen! Schickt dafür einfach eine E-Mail redaktion@wikimedium.de.

Pressemitteilungen

Im November setzten wir vier Pressemitteilungen auf, die über den Verteiler unserer Pressekontakte verbreitet wurden. Mehr über die erzielte Wirkung ist im nächsten Absatz zu lesen. Hier sei eine systematische Umstellung erwähnt, mit der wir die Lesbarkeit und damit die Verfügbarkeit unserer versendeten Pressemittungen in Zukunft verbessern wollen. Zusätzlich zum bisherigen Angebot aller unserer Mitteilungen in PDF-Form bieten wir ab sofort das Nachlesen auch in direkter Textform auf unserer Vereinswebseite an. Hintergrund: Der Zugriff auf Wikimedia-Inhalte über mobile Endgeräte nimmt stark zu. Auf das PDF-Format kann in vielen Fällen so nicht mobil zugegriffen werden, wohl aber auf die direkte Verlinkung auf eine URL. In unserem Blog und über sonstige Verbreitungswege teilen wir deshalb seit November unsere Pressemitteilung auf diese Weise. PDFs stehen zusätzlich nach wie vor zur Verfügung. Hier unsere Text-Versionen der Pressemitteilung zur Spendenkampagne 2011, zur Veranstaltung “Ins Netz gegangen”, zur Kooperation mit der Deutschen Seniorenliga für das Projekt Silberwissen, und zum Positionspapier zum Urheberrecht.

Pressegespräche / Medienkooperationen

Sue Gardner, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, erklärte sich neben ihrem Besuch im Anschluss der Mitgliederversammlung auch zu einem “Pressetag” in Berlin bereit. Dafür mussten in der Vorbereitung Pressekontakte geknüpft und ein möglichst effektiver wie effizienter Interviewtag geplant und organisiert werden. Nach Abstimmung zwischen beteiligten Journalisten, Sue und ihrem Team in San Francisco, konnte hier in Berlin ein reibungsloser und aus Sicht der Pressearbeit höchst erfolgreicher Tag voller Fragen und Antworten gewährleistet werden. Zu den Kernthemen der Pressegespräche gehörten technische Entwicklungen zur vereinfachten Nutzung von Wikipedia, der geringe Anteil von Frauen innerhalb von Wikipedia oder auch die wichtige Suche nach neuen Autoren. Das Ergebnis: Die Verbreitung verschiedener Version eines dpa-Interviews führte allein zu etwa der Hälfte von insgesamt über 350 Berichterstattungen. Ein Einzelinterview mit der ZEIT resultierte in einem dreiseitigen Gespräch inklusive verschiedener Videostatements. Außerdem wurden Radiobeiträge über rbb und Deutschlandradio gesendet. Dies und, wie immer, eine weitergehende Auswahl der Berichterstattung in unserem Pressespiegel.

Im letzten Monatsbericht haben wir als grafisches Anschauungsbeispiel die Berichterstattung für Wiki Loves Monuments nach Zielgruppen dargestellt. Dieses Mal: ein Vergleich des reinen Presseumfangs zu den Themen (von links nach rechts) Spendenkampagne 2011, Berichterstattung über die Entfernung von Loriot-Briefmarken aus Wikipedia, Sue Gardners Interviewtag sowie das gemeinsame Positionspapier von Wikimedia Deutschland, der Digitalen Gesellschaft und der Open Knowledge Foundation. Die Menge an Berichten bezüglich Sue Gardners Besuch sticht aus dieser Reihe deutlich hervor, aber auch die drei anderen Themen zeigen mit ihren jeweils über 100 Berichten eine sehr große lokale wie überregionale Verbreitung.

Grafik mit freundlicher Genehmigung von Meltwater News

Informationsmaterial

Der Druck der Infobroschüre über Wikisource war für November vorgesehen, musste aber aufgrund der vielen Aufgaben rund um die Mitgliederversammlung, der geballten Pressearbeit in diesem Monat und der Produktion der vorgezogenen Ausgabe der Wikimedium verschoben werden.

Wikipedia-Buch

Mehrere Lesungen von “Alles über Wikipedia” fanden im November statt. Ein ausführlicher Rückblick auf die einzelnen Veranstaltungen ist in diesem Blogbeitrag zu finden.

Initiative “Wikipedia muss Weltkulturerbe werden”

Langsam geht es in den Endspurt. Noch bis 15. Januar läuft die Sammlung von Mitzeichnungen zur Petition “Wikipdia muss Weltkulturerbe werden!”. In Berlin hingen dank einer Pro-Bono-Aktion von Leo Burnett im November Plakate, die auf die Petition aufmerksam machten. Bei der Verteilung passender Postkarten dazu hat uns pickme-berlin.de unterstützt.

BILDUNGSPROJEKTE

Allgemein

Der Bildungsbereich “Bildung und Wissen” hat sich in diesem Monat in seiner zukünftigen Form für 2012 im Blog vorgestellt.

Schulprojekt

In diesem Monat hat das “Wikipedia-Schulprojekt” sich verstärkt um weitere Kooperationen bemüht und sich um die strategische Ausrichtung für das nächste Jahr gekümmert. Erfreulicherweise konnten wir in diesem Zusammenhang bereits einen Workshop mit Studenten der Universität Tübingen am 14.11.2011 wahrnehmen. Dort bietet Johannes Moskaliuk in diesem Semester ein Seminar in der pädagogischen Psychologie an, in dem er mit Studierenden Konzepte für die Einbindung von Wikipedia in den Unterricht erarbeitet. In diesem Kontext haben die Studierenden Zugriff auf die Inhalte der Materialien des Schulprojekts bekommen und werden diese in einem Wiki erweitern und um ihre Inhalte erweitern. Außerdem werden die Studenten eine standardisierte Form der Evaluation der Inhalte erarbeiten und Wikimedia im Anschluss an das Semester zur Verfügung stellen.

Das Wikipedia-Schulprojekt hatte im November insgesamt 13 Veranstaltungen und konnte dabei über 400 Menschen erreichen. Besonders wichtig für das Schulprojekt war in diesem Monat zum einen die “Fachtagung der Gesellschaft für Informatik” mit etwa 150 Teilnehmern, welche zum Großteil aus Informatiklehrern bestand, und die Veranstaltung “Von der Kreide zum Whiteboard” in Meuselwitz, wo das Schulprojekt mit einem Stand vertreten war und es direkt im Anschluss direkt zwei Anfragen gab, die sich auf die Veranstaltung bezogen. Diese Entwicklung ist überaus erfreulich und zeigt das steigende Interesse der Lehrer.

Vom 18.-20.11.2011 fand in Bielefeld das zweite EduCamp in diesem Jahr statt. Wikimedia Deutschland nahm an zwei von drei Tagen teil. Als Unterstützer des Camps freute es uns besonders, dass die Debatte um Freie Lerninhalte, der derzeit unter den Begriff “OER” (“Open Educational Ressources”) gefasst wird, während des Camps so viele begeisterte Unterstützer fand. Zu den genauen Inhalten der Debatte und den bereits verabredeten Initiativen wird in Kürze noch ein eigener Beitrag im Vereinsblog folgen. Wikimedia Deutschland unterstützt die Bewegung um Freie Lerninhalte und steht hierzu gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

Arbeitsmaterial für Lehrer

Ende November fand in Köln ein Arbeitswochenende statt, an dem Lehrer, Wikipedianer, Vertreter von Wikimedia Deutschland sowie Referenten im Schulprojekt sich persönlich wie virtuell begegneten, um miteinander intensiv und konzentriert zwei Tage lang Struktur und Inhalte des Arbeitsmaterials “Wikipedia in der Schule” zu überarbeiten. Dieses natürlich unter freier Lizenz stehende Lehrbuch wird derzeit unter Begleitung zahlreicher Fachleute kollaborativ auf Wikibooks entwickelt und lädt hier zur weiteren Mitarbeit ein.

Am Montag darauf trafen sich Elly und Denis in Ludwigshafen mit Vertretern von klicksafe.de. Im Rahmen dieser Begegnung kamen beide Seiten überein, in Zukunft stärker zusammenzuarbeiten. Die Kooperation wird bereits bei der Erstellung des Arbeitsmaterials für Lehrer wirksam, dessen Erstellung klicksafe in den kommenden Monaten fachlich begleiten wird. Die Zusammenarbeit soll danach kontinuierlich weiter fortgesetzt werden.

“Wikipedia Ambassador”

Das Wikipedia Ambassador Programm nimmt Fahrt auf: Ein erstes Treffen mit Vertretern von Universitäten wird am 2. Dezember in Göttingen stattfinden, wo das Programm vorgestellt und diskutiert werden wird. Parallel wurde die Ausschreibung für die Referenten des Programms erfolgreich im Kurier platziert, die Interessenten werden am 17./18. Dezember in Köln durch erfahrene Vertreter der Wikimedia Foundation geschult.

Silberwissen / TAO

In der Zeit vom 15. bis 17. November trafen sich die Partner des TAO-Projekts in Bern, um Bilanz nach einem Jahr zu ziehen und die nächsten gemeinsamen Schritte zu beraten. Elvira vertrat Wikimedia Deutschland – einer der Community-Partner –  mit dem Projekt „Silberwissen“. Mit rund 20 Veranstaltungen und insgesamt rund 130 Teilnehmern, dazu einige von den „Neu-Wikipedianern“ eingestellten Artikeln und Fotos kann sich unsere Bilanz durchaus sehen lassen. Auch beteiligten sich Ortschronisten des Landkreises Potsdam-Mittelmark mit Fotos von Baudenkmälern an dem Fotowettbewerb „Wiki Loves Monuments“. Im Ergebnis wurden die Bauenkmäler von 2 Gemeinden vollständig hochgeladen.

Mit Patrick Kenel haben die Schweizer Community-Partner einen neuen Projektleiter. Die Aktivitäten zur Gewinnung von Senioren für Wikipedia begannen in der Schweiz im November. Demnächst wird also auch ein Erfahrungsaustausch zwischen Wikimedia Deutschland und Wikimedia CH bei der Gewinnung von Senioren für die Wikipedia möglich sein.

Elvira nahm außerdem an der Abschlusskonferenz des bundesweiten Projekts „Internet erfahren“ in Berlin teil. In den Workshops wurden interessante Erfahrungen zu erfolgversprechenden und in der Praxis erprobten Vorgehensweisen bei der Gewinnung von Senioren für das Web 2.0 vorgestellt. Sie sollen für das Referentennetzwerk aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden.

FUNDRAISING

Lange hat sich das Fundraising-Team darauf vorbereitet. Nun ist sie bereits im vollen Gange: Seit dem 14. November läuft unsere diesjährige Spendenkampagne und nach den ersten zwei Wochen kann man festhalten: dies ist der bisher erfolgreichste Start einer Spendenkampagne von Wikimedia Deutschland. Über 53.000 Spender haben in den ersten zwei Wochen mehr als 1.213.000 Euro gespendet. Zum Vergleich: letztes Jahr hatten wir während der gesamten Kampagne 73.000 Spender, wie man hier nachschauen kann. Übrigens: auch die Wikimedia Foundation hat einen unglaublichen Start hingelegt, was ihre Statistiken deutlich zeigen.

Rund um die Spendenkampagne haben wir im November zahlreiche Neuerungen für das Fundraising fertig stellen können. Wir haben nun eine Spendenseite, mit der wir sämtliche Inhalte und Layouts testen und einfach variieren können, wir haben mit VEWA eine neue Spendensoftware, in die wir uns eingearbeitet haben, wir haben ein neues Frontend, mit der wir auch für Überweisungen und PayPal-Zahlungen Adressen von Spender erhalten, und wir haben zahlreiche Tests auch während der Kampagne durchgeführt, mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. Die derzeitige Spendenseite ist also Resultat zahlreicher Tests. Schließlich haben wir intern viele Vorbereitungen getroffen, so dass unter anderem die vielen hundert E-Mails, die uns täglich erreichen, effizient bearbeitet werden.

Was steht in den nächsten Wochen an? Wir haben in den ersten zwei Wochen Jimmy Wales geschaltet, doch wir arbeiten intensiv daran, sobald wie möglich andere Aufrufe zu publizieren. Also seid gespannt. Wenn jemand Interesse hat, einen persönlichen Aufruf zu schreiben, kann er/sie sich jederzeit bei uns melden: till.mletzko@wikimedia.de.

FREIWILLIGENFÖRDERUNG / COMMUNITY-BEZIEHUNGEN

9. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland

Am 19. und 20. November 2011 fand in der Dr.-Buhmann-Schule in Hannover die 9. ordentliche Mitlgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt. Mit dieser Versammlung beendete der bisherige ehrenamtliche Vorstand seine Arbeit und wurde durch ein zehnköpfiges ehrenamtliches Präsidium ersetzt, das sich durch eine Reihe neuer Gesichter auszeichnet. Mit der Wahl hat die Vereinsmitgliedschaft das Kunststück vollbracht, gleichzeitig den Frauenanteil und den Anteil aktiver Wikipedia-Autoren an dem Leitungsgremium klar zu steigern.
Vor logistische Herausforderungen wurde die Organisation durch die Wahl des Veranstaltungsorts gestellt: Durch die Gleichzeitigkeit mit der weltgrößten Agrarmesse Agritechnica war das verfügbare Angebot an Veranstaltungsräumen, Unterbringungsmöglichkeiten und sonstigen Dienstleistung sehr eingeschränkt. Dennoch verlief die Mitgliederversammlung ohne größere Pannen.
Eine Premiere war die Live-Übertragung der Diskussion mit Sue Gardner, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, bei der die aktuellen Themen Bildfilder, Autorenschwund und Frauenanteil lebhaft diskutiert wurden. Neben den Anwesenden hatten auch die Betrachter des Live-Streams über die Plattform debatto.org die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzuschalten, was auch wiederholt genutzt wurde. Herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen beigetragen haben, insbesondere an Manuel Schneider für das Zähmen der etwas herausfordernden Hannoveraner Videotechnik!
Die nächste Versammlung wird in Berlin stattfinden, nämlich am 21.-22. April 2012. Alle Interessierten sind eingeladen, am laufenden Online-Brainstorming teilzunehmen.

Mitgliederumfrage: Auf Du und Du

In der Woche vor der Mitgliederversammlung wurde die diesjährige Mitgliederbefragung durchgeführt. Ein herzlicher Dank geht an alle, die sich beteiligt haben und an onlineumfragen.com für die Unterstützung! Eine detaillierte Auswertung der Umfrageergebnisse wird im Mitgliederforum folgen. Wir freuen uns sehr, dass die Arbeit von Verein, (ehemaligem) Vorstand und hauptamtlichen Mitarbeitern sehr positiv beurteilt wird. Vielen Dank für die Blumen! Eine Frage, die gestellt wurde, bezog sich auf die bevorzugten Umgangsformen: “Du” oder “Sie”. Das Ergebnis hat uns in seiner Eindeutigkeit überrascht: Nur 3% der Mitgliedschaft lehnen das “Du” klar ab, aber 22% nehmen an einem “Sie” Anstoß. Insgesamt kommt die Duz-Fraktion auf eine klare absolute Mehrheit, während nur 14% das “Sie” präferieren.

Community-Projektbudget (CPB)

Beim Sichten der 33 eingegangenen Anträge der zweiten Runde, der Vorbereitung des CPB-Berichtes auf der Mitgliederversammlung und bei der Vorbereitung des nächsten Ausschusstreffens hat Sebastian Sooth den CPB-Ausschuss im November unterstützt. Aus der ersten Runde ist inzwischen ein Projekt komplett abgeschlossen und hat die Abrechnung zur Prüfung eingereicht. Aktuelle Infos auf der Projektseite.

Community-Budget

Mit dem Bibliotheksstipendium ist ein neues Förderprogramm für Wikipedianer & Mitarbeiter der Schwesterprojekte an den Start gegangen. Wikipedianer, die zu Recherchezwecken Bibliothekszugänge benötigen, sei es zu Uni-, Fach- oder Stadtbibliotheken, können sich die Kosten auf Antrag erstatten lassen. Auch Kosten für Fernleihen können übernommen werden.

Das Programm ist die Umsetzung einer Projektidee von Anneke Wolf und Southpark. Vielen Dank für die tolle Idee, die eine sehr passende Ergänzung für das Literaturstipendium (siehe unten) darstellt und gleichzeitig für Benutzer geeignet ist, die im Rahmen von Wikipedia:Bibliotheksrecherche Unterstützung für andere Wikipedianer leisten!

CommunitySpace

Wir führen weiterhin viele Gespräche und Verhandlungen, um den Berliner CommunitySpace im nächsten Jahr einrichten zu können. Über Tipps für Partner/Orte in weiteren Städten freut sich Sebastian Sooth. In Hannover fand eine Buchlesung von “Alles über Wikipedia” (siehe oben) als Auftakt für eine vertiefende Zusammenarbeit in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek statt.

Literaturstipendium

Die Freigabe des Literaturstipendiums für alle Fachbereiche zahlt sich aus: Seit der Öffnung konnten durchschnittlich gut drei Stipendien pro Woche vergeben werden, verglichen mit knapp einem Stipendium pro Woche in der Zeit der Beschränkung auf Redaktionen, ist das ein großer Schritt nach vorn, um deutlich mehr Autoren als bisher zu fördern.

WissensWert

Vom 17. Oktober bis 24. November konnten im Rahmen von WissensWert Projektvorschläge bei uns eingereicht werden, die wir mit bis zu 5.000 Euro fördern. Nicole war zu Gast bei Trackback (Radio Fritz) und FluxFM, wir haben viel über unsere Kanäle Twitter, Facebook und das Blog getrommelt, eine Pressemitteilung versendet und den Aufruf zum Mitmachen an Freunde, Bekannte und Fans von Freiem Wissen weiter geleitet. Insgesamt sind 50 Projekte eingereicht worden, die zur Zeit von der Jury begutachtet und bewertet werden. Öffentlichkeit und Community können außerdem ihr Lieblingsprojekt wählen, der Gewinner erhält den Publikumspreis von 2.000 Euro. Im Meta-Wiki gibt es eine Übersicht über alle förderbaren und nicht förderbaren Projektideen, und hier noch einige Hintergrundinformationen zum Auswahlverfahren.

Neben inhaltlichen Fragen galt es mit vielen Einreichern zu klären, ob wirklich freie Lizenzen (und nicht Lizenzen, die kommerzielle Verwendung oder Bearbeitung ausschließen) zum Einsatz kommen. Hier ist nach wie vor noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, wie auch aktuelle Debatten (zum Beispiel zum Thema Freie Bildungsinhalte oder die Reformdebatte zum Urheberrecht) zeigen.

Wiki Loves Monuments

Die Gewinner des deutschen Wettbewerbes haben wir schon im letzten Bericht angekündigt, spannend war dann vor allem, zu verfolgen, wie die Jurys der anderen Länder entschieden haben. Auf http://www.wikilovesmonuments.eu/ finden sich die Finalisten der teilnehmenden Länder, Anfang Dezember wählt die europäische Jury die Gewinner. Wir sind gespannt auf die Entscheidung, sieht man doch bei den Ergebnissen der Länderwettbewerbe deutlich, nach welch unterschiedlichen die Kriterien die Juroren jeweils entschieden haben.

Am 1. Dezember fand in Amsterdam ein Evalutationstreffen statt, bei dem der Wettbewerb rückblickend analysiert und neue Pläne für 2012 geschmiedet werden. Dort wurde unter anderem beschlossen, dass der Fotowettbewerb in 2012 erneut stattfinden wird – diesmal sogar mit weltweiter Beteiligung!

Zedler-Preis 2012

Nach intensiven Diskussionen mit der Community und intern bei WMDE haben wir nun endlich das neue Zedler-Konzept vorgestellt und zur öffentlichen Vorschlagsrunde aufgerufen. Mit dem neuen Zedler-Preis für Freies Wissen zeichnen wir zukünftig Personen, Gruppen oder Projekte aus, die sich im vergangenen Jahr ganz besonders für Freies Wissen engagiert haben. Damit schaffen wir den ersten Preis im deutschsprachigen Raum, der die unermüdliche, ehrenamtliche Arbeit für Freies Wissen würdigt. In einen ausführlichen Blogbeitrag laden wir ein, Vorschläge für die Projekte und Artikel des Jahres 2011 beizusteuern. Für alle Fragen und Anregungen steht Nicole Ebber gerne zur Verfügung.

Toolserver

Diverse Softwarewartungen und Hardwarereparaturen zur Performanceverbesserung des Toolservers wurden von Daniel Baur und Marlen Caemmerer durchgeführt. Weil mit dem Wachsen der Wikimedia-Projekte auch der Toolserver mehr Platz benötigt, wird aktuell eine größere Festplattenerweiterung für die Datenbankserver beschafft. Den OpenStreetMap-Server im Toolservercluster unterstützt Kai Krüger aus der OSM-Community seit November. Sebastian Sooth unterstützt die Admins bei der Verwaltung der Infrastruktur und steht bei Fragen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.

 

WISSENSCHAFT

RENDER

In den letzten Wochen waren wir im Forschungsprojekt RENDER besonders mit der intensiven Vorbereitung des EU Review Meetings beschäftigt. Bei diesem stellen wir einem Gutachter-Konsortium unsere Tätigkeiten des ersten Projektjahres vor. Wir arbeiteten dafür an der Erstellung umfassender Präsentationsmaterialien in Abstimmung mit den anderen Projektpartnern, insbesondere bezüglich der definierten Anwendungsszenarien, der Metriken und der ersten Entwürfe zu den geplanten Unterstützungswerkzeugen. Dabei arbeiteten wir auch intensiv an Datenimporttests mit den technischen Partnern JSI und Ontotext.
Am 29. und 30.11. haben wir uns bereits mit den anderen Partnern in Luxemburg getroffen und letzte Details abgesprochen, gemeinsam die geplanten Demos und Präsentationen bearbeitet und “geprobt”. Der Review selbst fand am 01.12.2011 statt. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt!

Eine gute Neuigkeit: Anselm Metzger wird ab sofort, aktuell in Teilzeit, das RENDER-Team bei Wikimedia Deutschland unterstützen. Denn im zweiten Projektjahr werden wir Prototypen für Werkzeuge zur Nutzerunterstützung entwickeln und testen.

Wikipedia Academy 2012

Nicole, Denis und Angelika haben erste Kandidaten für das Programme Committee der Wikipedia Academy kontaktiert. Am 12.12.2011 wird sich das Komitee zu einem konstituierendem Workshop im Club Office Berlin treffen. Ziel des Workshops ist es, sich über das Format der Veranstaltung einig zu werden, die thematischen Schwerpunkte und das Verfahren für die Auswahl von Speakern (Call for Papers, Auswahl durch PC, o.ä.) festzulegen und mögliche Partner zu identifizieren. Zum Komitee gehören bisher: Claudia Müller-Birn, Michelle Thorne, Daniel Mietchen, Leonhard Dobusch, Dirk Franke, David Ludwig und Lars Fischer.

GESCHÄFTSSTELLENARBEIT

Stellenausschreibungen

Auf der Webseite von Wikimedia Deutschland finden sich aktuell u.a. spannende Stellen-Ausschreibungen zum Wikidata-Projekt.

Interessante Termine im Dezember

GLAM-Camp Amsterdam
Chaos Communication Congress (#28c3)

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“Ein bisschen Aufklärung würde schon reichen”

Das Gemeinschaftsprojekt zur Erstellung einer Enzyklopädie startete erst vor 10 Jahren. Die größte Wissenssammlung der Menschheit ist Wikipedia bereits heute.

“Millionen Freiwillige haben ihr kostenlos zugearbeitet, haben Artikel verfasst, redigiert, korrigiert, überarbeitet, in ihrer Freizeit wieder und wieder überprüft. Deshalb steht Wikipedia wie kein anderes Projekt des vergangenen Jahrzehnts für die guten Seiten des Internets und für den Drang des Menschen, etwas fürs Gemeinwohl zu tun,”

so schreibt Zeit online zum 10-jährigen Geburtstag von Wikipedia. Aber Wikipedia ist nicht perfekt. Viele Bereiche sind noch nicht oder unzulänglich abgedeckt. Das weiß die Wikipedia-Autorengemeinschaft wie auch Wikimedia Deutschland. Darum gibt es zahlreiche Bemühungen, die freie Enzyklopädie zu verbessern. Dies war auch das Ziel des 2007 vom nova-Institut und Wikimedia Deutschland realisierten Projekts „Nachwachsende Rohstoffe in der Wikipedia“. Begleitet und unterstützt wurde das Projekt durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es war das erste und bislang einzige öffentlich geförderte Vorhaben zum inhaltlichen Aufbau eines Themenbereichs in der Wikipedia. Nach einer Bestandsaufnahme und der Strukturierung des Artikelbestands wurden Experten zu Nachwachsenden Rohstoffen gesucht, die zur Ergänzung und Verbesserung der Inhalte beitragen sollten. Innerhalb und außerhalb der Wikipedia-Community sollten Fachleute gefunden werden, die  kompetente Recherchen zu diesem Themenbereich durchführen und qualitativ hochwertige Artikel verfassen. Beabsichtigt war, die Projektlaufzeit über drei Jahre zu nutzen, um die Artikel dieses Feldes zu optimieren bzw. zu aktualisieren und somit die Öffentlichkeit umfassend zur breiten Palette der „Nachwachsenden Rohstoffe“ informieren zu können. Zusammenfassend sei erwähnt: Im Verlauf des Projektes:Nachwachsende Rohstoffe konnte das Projektteam über 500 Stichworte aufarbeiten bzw. ganz neu hinzufügen und zahlreiche Aufklärungsveranstaltungen und Workshops mit Interessierten durchführen. Das Themenspektrum erstreckt sich von einzelnen Rohstoffpflanzen über zahlreiche Themen im Umfeld der Bioenergie bis hin zu den vielfältigen Optionen der stofflichen Nutzung. Der Wikipedia-Leser findet heute alle relevanten Informationen zu Ackerfrüchten wie Raps, Mais und Rüben oder Nischenkulturen wie Miscanthus und Hanf – aber auch zentrale Stichworte aus den Bereichen Holzwirtschaft, Bioenergie, Biotechnologie, Verbundwerkstoffe, Papier oder Holzwerkstoffen. Durch die aktive Beteiligung der Wikipedia-Community am Projekt, deren Experten sich vor allem in den Bereichen Chemie, Biologie und Forstwissenschaften aktiv einbrachten, wurde das Projekt konstruktiv und kritisch begleitet.

2010 wurde das Projekt abgeschlossen. Überraschend, dass es nun eine Seite in der aktuellen Ausgabe der ZEIT füllt. Aber leider geht es in dem ZEIT-Artikel nicht um Qualitätsverbesserung oder richtigen und kritischen Umgang mit Wikipedia, sondern vielmehr um  Anschuldigungen gegen einen einzelnen ehrenamtlichen Wikipedia-Autor, der im Rahmen des Projektes “Nachwachsende Rohstoffe” tätig war.

Immer wieder erleben wir, wie erklärungsbedürftig Prinzip und Arbeitsweise von Wikipedia sind. Deshalb gehört Aufklärung zu einer unserer wichtigsten Aufgaben. Auch auf die Anfrage des freien Journalisten (der Autor des ZEIT-Artikels ist) zum Projekt “Nachwachsende Rohstoffe” haben Wikipedia-Autoren (allen voran Achim Raschka) wie auch Wikimedia Deutschland zahlreiche Fragen beantwortet und informative Links zur Verfügung gestellt (siehe unten).

Was hat es also mit dem aktuellen ZEIT-Artikel ‘Wikipedia oder Wahrheit’ auf sich? Wurde hier wirklich gründlich recherchiert? Warum sind die zahlreichen verfügbaren Informationen nicht in den Artikel eingeflossen? Warum werden aus dem Zusammenhang entnommene Zitate nur gestückelt wiedergegeben?

Die Projektseiten in Wikipedia wie auch die ausführlichen Darstellungen des nova-instituts geben umfassend Auskunft. Darüber hinaus berichtete der Verein in seinen Tätigkeitsberichten von 2007-2010 und in zahlreichen Blogbeiträgen über das Projekt. An Transparenz mangelte es diesem Projekt nicht. So handelt es sich bei dem ZEIT-Artikel auch nicht um eine Enthüllungsgeschichte, sondern um Informationen, die bereits vor Jahren kommuniziert und publiziert wurden.

Wir möchten im Folgenden einiges ergänzen und in den richtigen Zusammenhang stellen:

Der ZEIT-Artikel setzt die Leistung und aktive Mitarbeit des ehrenamtlich tätigen Wikipedia-Autors Achim Raschka stark herab. Raschka erstellte zahlreiche lesenswerte und exzellente Artikel und engagierte sich darüber hinaus in verschiedenen ehrenamtlichen Positionen im Bereich der Qualitätssteigerung für Wikipedia. Als erfahrener Wikipedianer genießt er Vertrauen in der Community, was auch dazu führte, dass er von der Wikipedia-Autorengemeinschaft mehrfach zum Administrator gewählt wurde. Dieses bis heute unermüdliche Engagement verdient Anerkennung statt Anschuldigung.

Mit Bezug auf den Abschlussbericht von Nawaro wird zitiert, “bezahlte Mitarbeiter” von “interessierten Einrichtungen” hätten an der Erstellung von Artikeln mitgewirkt. Richtig ist: Von Beginn an machte es sich das Projekt zum Ziel, Experten zur Mitarbeit zu bewegen. Richtig ist auch, dass dieser Anspruch freiwilliger Hilfe Wikipedia zwar bis heute so erfolgreich macht, gleiches im Nawaro-Projekt aber leider nicht gelang. Die nötige Zahl an Experten konnte nicht gewonnen werden, daher wurden Universitäten angesprochen. Die “bezahlten Mitarbeiter” waren wissenschaftliche Hilfskräfte, die “interessierten Einrichtungen” Universitäten.

Auch moniert der Verfasser des ZEIT-Artikels, dass Bildmaterial der FKuR (Hersteller für Bioplaste-Produkte) in Wikipedia-Artikel eingebaut wurde. Das stimmt: Fast alle Bilder des Artikels Polyactide sind von der FKuR gestellt worden. Sie sind in der deutschsprachigen Wikipedia zahlreich eingebunden und werden auch außerhalb von Nawaro-Artikeln weltweit genutzt. Diese unabhängige Nutzung verdeutlicht den Wert der Bild-Freigaben. Und genau das entspricht unseren Zielen: Wir wollen Inhalte befreien, die Mitarbeit an Wikipedia steigern und Informationen frei zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund klären wir (bis heute) Unternehmen, Verbände und Institutionen auf, wie sie sich beteiligen können, ohne dabei die Wikipedia als verlängerte Homepage zu missbrauchen. Daneben geben wir in zahlreichen Veranstaltungen und Workshops Hilfestellungen zur richtigen Nutzung von Wikipedia. Hierfür stehen unter anderem auch unser Schulprojekt und das Projekt Silberwissen, in denen sich Mitarbeiter von Wikimedia ebenso wie ehrenamtliche Wikipedia-Aktive engagieren. Wir freuen uns jederzeit über Anfragen zu Schulungen und Workshops.

Darum ging es auch im Vortrag “Wikipedia als PR-Instrument?” Hier wurde, entgegen der Behauptung des ZEIT-Artikels, gerade davor gewarnt, Werbetexte als Inhalte einzustellen. Vielmehr klärte der Referent über korrekte Wege der Mitarbeit auf. Denn: Mitmachen kann jeder, auch Pressestellen, nur sollten sie sich als solche zu erkennen geben und die Regeln und Grundprinzipien von Wikipedia einhalten. Das Nawaro-Projektteam koordinierte und organisierte im Rahmen des Projektes innerhalb der Community “Schreibwettbewerbe” und führte Workshops durch, um die richtige enzyklopädische Mitarbeit zu gewährleisten. Im ZEIT-Artikel scheint es verwerflich, dass diese Schulungen auch zu Wikipedia-Artikeln führten. Das sehen wir anders und so sei nochmals ausdrücklich betont, dass die Information und Aufklärung über Wikipedia eine unserer wichtigsten Aufgaben ist.

Und so bleibt die Frage, ob der Ruf des freien Journalisten nach ein “bisschen Aufklärung” nicht auch dem ZEIT-Artikel gut gestanden hätte….

 Die Transparenz des Projektes ist hier nachzuvollziehen:

Wikimedia Deutschland Tätigkeitsberichte:

http://www.wikimedia.de/images/1/14/Taetigkeitsbericht_2007.pdf

http://www.wikimedia.de/images/c/c0/Taetigkeitsbericht_2008.pdf

http://www.wikimedia.de/images/7/7b/Taetigkeitsbericht_2009.pdf

http://www.wikimedia.de/images/3/3c/T%C3%A4tigkeitsbericht_2010_online.pdf

Links der nova-instituts GmbH:

Zwischenbericht 1/2008: http://www.nova-institut.de/wikipedia/data/File/08-01-18%20Zwischenbericht%20Wikipedia.pdf

Zwischenbericht 2/2008: http://www.nova-institut.de/wikipedia/data/File/08-06-23%20Zwischenbericht%20Wikipedia%20.pdf

Zwischenbericht 2009: http://www.nova-institut.de/wikipedia/data/File/09-06-30%20Zwischenbericht%20Wikipedia.pdf

Abschlussbericht 2010 http://www.fnr-server.de/ftp/pdf/berichte/22028206.pdf

In Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Nachwachsende_Rohstoffe

http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Nachwachsende_Rohstoffe

Zur Communitybeteiligung exemplarisch:

erster Marathon mit 56 Artikeln: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:WikiProjekt_Nachwachsende_Rohstoffe/Nawaro-Marathon&oldid=60205142

zweiter Marathon mit 46 Artikeln: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Nachwachsende_Rohstoffe/Nawaro-Marathon

Veranstaltungen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Nachwachsende_Rohstoffe/Erster_Workshop

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Nachwachsende_Rohstoffe/Workshop

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WissensWert 2011: Vorstellung der Projekte und Wahl zum Publikumsliebling

 

 

Hier klicken, um direkt für den Publikumspreis abzustimmen!

 

Heute haben wir die bei WissensWert eingereichten Projektideen im Meta-Wiki veröffentlicht (Kurzübersicht, Übersicht), gruppiert nach förderbaren und in dieser Runde nicht förderbaren Projekten. Wir freuen uns sehr, dass so viele schöne und neue Ideen dabei sind! Wie im letzten Jahr haben wir die Projekte zunächst überprüft auf die Einhaltung der Teilnahmebedingungen und die Übereinstimmung mit unserem Ziel der Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freien Wissens.

Förderbar – ja oder nein?

Die Entscheidung fiel nicht immer leicht. Wir haben mit vielen der Einreicher Kontakt aufgenommen, um neben inhaltlichen Fragen auch zu prüfen, ob wirklich freie Lizenzen (und nicht Lizenzen, die kommerzielle Verwendung oder Bearbeitung ausschließen) zum Einsatz kommen. Hier ist nach wie vor noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, wie auch aktuellen Debatten (z.B. zum Thema Freie Bildungsinhalte oder die Reformdebatte zum Urheberrecht) zeigen.

Die 30 als “förderbar” gekennzeichneten Projekte geben wir nun an die Jury weiter. Diese tagt am 7. Dezember und wertet dort abschließend aus, welche Projekte eine Förderung erhalten sollen. Bei der Förderung selber ist es dann nochmal an uns, mit den Einreichern über die konkrete Umsetzung zu sprechen. Nicht alle Anträge können 1:1 so umgesetzt werden, nicht alle Einzelleistungen sind durch uns förderbar. Hier gilt es z.B. zu klären, in welchem Rahmen wir Technikanschaffungen, Honorarkosten oder Softwareentwicklung fördern. Und natürlich werden wir nochmal besonderes Augenmerk darauf legen, dass in der Umsetzung wirklich ausnahmslos Freie Lizenzen zum Einsatz kommen. Wie angekündigt werden wir die Projektleiter der ausgewählten Ideen Anfang 2012 zu einem eintägigen Workshop einladen. Die Themen des Workshops umfassen z.B. Projektmanagement, Budgetplanung, Urheberrecht und Öffentlichkeitsarbeit und orientieren sich außerdem an besonderen Wünschen der Projektleiter. Die Teilnahme am Workshop ist Voraussetzung für die Förderung.

Mit den Einreichern der 20 als “nicht förderbar” gekennzeichneten Projekte setzen wir uns in den nächsten Tagen in Verbindung und legen dar, warum wir ihr Projekt in dieser Runde (noch) nicht fördern können. In vielen Projekten steckt wirklich Potential, und mit mehr Zeit und Beratung lassen sich einige in Zukunft sicher in die Tat umsetzen. Der Wettbewerb soll ja auch als Plattform dienen, an den Ideen weiter zu feilen oder sich mit anderen Menschen zusammen zu tun, die an ähnlichen Aufgaben arbeiten. Es spricht also bei vielen Projekten nichts dagegen, in der nächsten Runde wieder dabei zu sein.

Auf den Diskussionsseiten können Fragen und Kommentare zu den einzelnen Projekten hinterlassen werden und den Einreichern bietet sich die Möglichkeit, mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen.

Der Publikumspreis

In diesem Jahr haben wir uns – gemeinsam mit der Jury – einen Publikumspreis einfallen lassen: Öffentlichkeit und Community küren ihr Lieblingsprojekt und dieses erhält von uns 2.000 Euro extra für die Umsetzung der Idee. Der Einreicher, der die meisten Leute begeistert, bekommt damit die Chance, seine Idee noch schöner und wirkungsvoller zu machen. Dieser Publikumspreis ist unabhängig von der Entscheidung der Jury. Er wird auch für Projekte zur Verfügung gestellt, die nicht unter den von der Jury ausgewählten Gewinnern des Wettbewerbes sind.

Selbstverständlich darf dieser Bonus nur den Förderrichtlinien entsprechend eingesetzt werden. Die Jury behält sich vor, Teilnehmer bei offensichtlicher Manipulation zu disqualifizieren. Automatisch rückt dann das zweitbeste Projekt nach.

Hier findet ihr das Formular für die Wahl eures Lieblingsprojektes. Bis zum 13. Dezember habt ihr dafür Zeit. Spread the message!

Alle Fragen zum Wettbewerb beantworte ich gerne, am liebsten per Mail an nicole.ebber@wikimedia.de oder hier in den Kommentaren.

Update: Erstes Zwischenergebnis der Publikumsabstimmung

Innerhalb der ersten 1,5 Tage wurden schon 226 Stimmen abgegeben, hier der aktuelle Zwischenstand (2.12.2011, 10:30 Uhr):

Publikumspreis WissensWert, Stand 02.12.2011
Publikumspreis WissensWert, Stand 02.12.2011

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“Bildung und Wissen” – ein neuer Bereich stellt sich vor

Im kommenden Jahr wird die Geschäftststelle von Wikimedia Deutschland eine neue Organisationsstruktur erhalten. In loser Folge stellen sich im Blog die neuen Schwerpunkte vor. Den Anfang macht der formal erst mit der neuen Organisationsstruktur neu angelegte Bereich “Bildung und Wissen”.

Inhaltlich ist dieser Schwerpunkt schon deutlich älter, 2006 begann er mit einer Veranstaltung am Hildesheimer Gymnasium Andreanum. Abgehalten durch Vorstände von Wikimedia Deutschland fand hier erstmals ein Aktionstag für Schüler, Lehrer und interessierte Eltern statt. Vorträge und Workshops thematisierten grundlegende Fragen um die noch junge Online-Enzyklopädie hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit, ihres korrekten Gebrauchs und des Verständnisses für ihre Besonderheiten.

Aus dieser Premiere wuchs über die Jahre das Schulprojekt Wikipedia macht Schule mit spezifischen Angeboten für Schüler und Lehrer, seit 2010 getragen durch ein Referentennetzwerk aus Wikipedia-Autoren und Medienpädagogen und mit inzwischen weit über 100 Veranstaltungen und mehreren Tausend Teilnehmern. Vor diesem Erfahrungshintergrund steht bei Wikimedia Deutschland derzeit die Entwicklung von freiem Lehrmaterial in Buchform zum Thema “Wikipedia in der Schule” im Fokus (hier kann auf Wikibooks mitgearbeitet werden).

Schulen sind aber nicht die einzigen Adressaten für Bildungsangebote bei Wikimedia Deutschland. Bereits 2008 wurde das Projekt Silberwissen ins Leben gerufen. Hier geht WMDE seit 2010 im Rahmen des europaweit agierenden TAO-Konsortiums (Third-Age-Online) auf ältere Mitbürger mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen zu, um sie als aktive Autoren für Wikipedia zu werben. Neu steht für 2012 das Wikipedia Ambassador Programm auf dem Plan, mit dem das Verfassen von Wikipedia-Artikeln in systematischer Weise an Universitäten eingeführt wird. Und nicht zuletzt werden in Zukunft stärker als bisher zusammen mit dem Bereich “Politik und Gesellschaft” auch bildungspolitische Ziele verfolgt.

All diese Aufgaben waren hausintern bisher bei verschiedenen Personen und Ressorts angesiedelt, nach dem Wachstum der letzten Jahre war es nun Zeit für eine Konsolidierung. Mit der bereits auf der Mitgliederversammlung vorgestellten Neugliederung des Vereins zum 1. Januar 2012 werden alle Bildungsprogramme in Zukunft in einem Bereich “Bildung und Wissen” zusammengefasst. So können Gelegenheiten zur Zusammenarbeit in Zukunft besser genutzt und verschiedene Programme inhaltlich enger aufeinander abgestimmt werden.

Von besonderer Bedeutung ist dabei das Referentennetzwerk. Um der zunehmenden Zahl der Anfragen für Veranstaltungen gerecht zu werden, soll es für Schulprojekt, Silberwissen und Ambassador-Programm gleichermaßen zur Verfügung stehen. Die bisher direkt von den Bildungsinstitutionen honorierten Referenten werden den Verein nun als freie Mitarbeiter in allen Projekten intensiv unterstützen, sowohl im Bereich der Autorengewinnung wie auch bei der Vermittlung von Wikipedia und Freiem Wissen.

Verantwortet wird der neue Bereich von Denis Barthel und Elly Köpf, Elvira Schmidt ist als Projektleiterin Ansprechpartnerin für das Projekt Silberwissen. Unterstützt wird der Bereich von Merle von Wittich als Werkstudentin, noch gesucht wird eine Projektassistenz, die den neuen Bereich bei den Herausforderungen des kommenden Jahres begleitet und mitgestaltet.

Wir freuen uns auf diese und kommende Projekte und darauf, Wikipedia und Freies Wissen im Kontext “Bildung und Wissen” zu unterstützen.

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Status, quo vadis? Die Reformdebatte zum Urheberrecht

Kein Zweifel: Das Urheberrecht hat sich mittlerweile von einer hoch komplizierten Spezialmaterie für Juristen zu einem Dauerbrenner in der politischen Arena entwickelt. Nicht nur behandelte die Enquete-Kommission “Internet und Digitale Gesellschaft” das kontroverse Thema mit besonderer Dringlichkeit, auch die im Bundestag vertretenen Parteien treten in schöner Regelmäßigkeit mit z.T. sehr weitreichenden Reformideen an die interessierte Öffentlichkeit. Nach den Modernisierungsvorschlägen der Partei DIE LINKE vor der Sommerpause gibt es nun auch eine ständige Web-Präsenz der Union, wo ebenso eine faire Ausbalancierung der Interessen von Urhebern, Verwertern und Nutzern gefordert wird.

Diese Trias angemessen zu berücksichtigen, hatte sich auch ein Leitantrag des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen zur Aufgabe gemacht, der vergangenes Wochenende auf dem Kieler Parteitag mit einigen Veränderungen verabschiedet wurde. Zuvor hatte es parteiintern erbitterten Streit vor allem über eine Passage gegeben, die statt der 70 Jahre post mortem auctoris im geltenden Urheberrecht eine fünfjährige Schutzfrist ab Veröffentlichung mit anschließender, gebührenpflichtiger mehrmaliger Verlängerungsoption vorsah. Viele Branchenverbände hatten daraufhin protestiert und den Grünen eine gezielte “Enteignung” der Urheber vorgeworfen. Bevor es zum öffentlichen Eklat zwischen Kultur- und Netzgrünen kam, entschied man sich, die Passage zu streichen und stattdessen eine weichere Formulierung aufzunehmen, wonach man bis 2013 die “Möglichkeiten der Veränderung und Flexibilisierung der gegenwärtig sehr langen urheberrechtlichen Schutzfristen” zumindest prüfen wolle.

In dem langen, 16-seitigen Antragstext gibt es einige Passagen, die für Wikipedia relevant sind.  Für die “transformatorische” Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte, also dem generischen Prinzip der freien Online-Enzyklopädie, empfehlen die Grünen eine Regelung analog dem US-Copyright, wo es statt einer Vielzahl von Schrankenbestimmungen eine Fair-Use-Klausel gibt, die einen rechtssicheren Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material – auch bei neuen Technologien und Nutzungsarten – ermöglicht.

Ein explizites Lob der Creative-Commons-Lizenzen als privater Regulierungsform innerhalb des geltenden Urheberrechts darf freilich nicht fehlen. Auch wird der Einsatz von freien Lehrinhalten nach dem Ansatz der Open Educational Resources (OER) im Bildungsbereich klar befürwortet. Doch insgesamt, so der sich aufdrängende Eindruck, sträuben sich die Grünen vor der Konsequenz, über wirklich freie Lizenzen auch kommerzielle Formen der Nachnutzung zu erlauben. So nehmen sie zwar Anstoß an der Depublizierung gebührenfinanzierter Inhalte des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, fordern aber deren Zugänglichmachung lediglich unter einer CC-NC-Lizenz. Aus Sicht von Wikimedia Deutschland ist eine solche Beschränkung auf Privatpersonen oder gemeinnützige Zwecke systematisch nicht gerechtfertigt. Denn auch Unternehmen tragen über ihre steuerlichen Abgaben und Gebührenbeiträge schließlich etwas zum Erhalt des dualen Rundfunkystems bei. Ein kluges Geschäftsmodell für die Nachnutzung von gebührenfinanzierten Inhalten (was nicht nur konfektionierte Sendungen, sondern auch Rohdaten, Grafiken und Statistiken einschließen könnte) sollte daher nicht behindert werden.

Selbst im Hinblick auf die eigenen Inhalte der Grünen ist wohl noch ein wenig Überzeugungsarbeit vonnöten: So sollen deren Wahlprogramme, Broschüren, Fotos oder Videos künftig unter eine CC-BY-NC-SA  “oder freier” gestellt werden. Letzteres wäre als Standardbestimmung gerade auch für die leichtere archivarische Erschließung und Zugänglichmachung wünschenswert, worauf Wikimedia Deutschland bereits in direkten Gesprächen mit dem Archiv Grünes Gedächtnis hingewiesen hat.

Die Problematik der verwaisten Werke, die mangels geklärter Rechteinhaber der digitalen Allmende vorenthalten werden, fand leider keinen Eingang in das grüne Grundsatzpapier. Dabei ist diese Frage für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wissensgesellschaft essenziell. Ein gemeinsames Positionspapier von Wikimedia Deutschland e.V., Digitale Gesellschaft e.V. und Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. , das im Vorfeld der Bundesdelegiertenkonferenz veröffentlicht wurde, fordert in diesem Zusammengang eine Koppelung von Schutzfristen an ein Werkregister für urheberrechtlich geschützte Werke. Ist ein aktueller Rechteinhaber auf eine eindeutige und automatisierbare Weise nicht ermittelbar, sollte dadurch eine umfassende Nachnutzung möglich werden. In diesem Zusammenhang befürworten wir den Aufbau einer frei zugänglichen Datenbank für Werke und Rechteinhaber auf europäischer Ebene.

Malte Spitz, als Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen massiv an der Orientierung der netzpolitischen Debatte innerhalb seiner Partei beteiligt, freute sich in einem Interview über den Debattenbeitrag der drei gemeinnützigen Vereine: “Ich finde es gut, dass sich die Debatte verbreitert und auch viele Organisationen daran teilnehmen, die für eine Einbindung der Zivilgesellschaft stehen und damit auch Nutzerinnen und Nutzer vertreten.”

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