Archiv für die ‘Kultur’ Kategorie



#picnic on the carpet

Bericht über eine etwas andere GLAM Konferenz

 

Immer noch prägend. Der Kulturpalast in Warschau. Eine Monument aus einer Zeit in der „bits“ nur „pieces“ waren. Bild von Abu el mot CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Nach zwei langen Tagen in verschiedenen Sprachen, vielen Vorträgen und noch mehr Gesprächen sitze ich auf dem Flughafen in Warschau und überlege, was ist von dem Erlebten interessant für den Leser dieser Zeilen? Natürlich fährt man auf solche Konferenzen um neue Kontakte zu knüpfen, bestehende Kontakte zu vertiefen, um neue Projekte kennenzulernen, die einen in der eigenen Arbeit inspirieren können, und natürlich auch, um mit anderen über die eigene Arbeit zu sprechen. All das habe ich getan, und ich möchte alle Leser einladen, mittels der Linkliste am Ende des Beitrages ein paar der Projekte zu erforschen, die mir besonders gefallen haben. Auf der Konferenz „We are museums“ (WAM), die nun zum zweiten Mal stattfand, ging es mal wieder um das Verhältnis von Museum und Digitalem, das gern mit dem Akronym GLAM umschrieben wird. Dabei steht das englische GLAM für Ausstellungen, Bibliotheken, Archive und Museen. Nächstes Jahr kommt WAM nach Berlin. Daher ist es vielleicht geboten, sich intensiver mit dem Format dieser Konferenz im Verhältnis zur der GLAM-Konferenz „Zugang gestalten“, die Wikimedia Deutschland mit Partnern im November ausrichtet, zu befassen.

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Eine Biene im All

GLAM on Tour machte Station in Bonn

Diese Biene ist auf der Erde. Foto von Vera Buhl  CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

 

Seit dem 28. Mai 2014 befindet sich zumindest eine Biene im All. Wie kommt eine Biene ins Weltall? Alle Wikipedianer, die Mitte Mai in der Bonner Bundeskunsthalle auf GLAM on Tour Station waren, kennen die Antwort. Für die anderen ist dieser Artikel.

Das englische Akronym GLAM steht für Kunsthallen, Bibliotheken, Archive und Museen. GLAM on Tour ist eine Veranstaltungsreihe bei der sich Mitarbeiter eine GLAM-Einrichtung und Freiwillige der Wikimedia-Projekte treffen. Die Bonner Kunsthalle ist die dritte GLAM on Tour Station, die Wikimedia Deutschland unterstützt. Auf Initiative von Raimond und der Bibliothekarin der Kunsthalle, Laura Held, kamen ein Dutzend Wikimedianer und einige Mitarbeiter der Bundeskunsthalle am 17. und 18. Mai zusammen, um Wikipedia-Artikel über Weltraum-Themen zu schreiben. Sie erwartete ein umfangreiches und unterhaltsames Programm. Ziel war es, ausgehend von dem Stichwortverzeichnis des Kataloges zur Ausstellung „Outerspace“, die im Oktober eröffnet, Wikipedia-Artikel zu schreiben, zu aktualisieren oder zu ergänzen. Die Kuratoren der Ausstellung, Stephan Andreae und Claudia Dichter, präsentierten kurzweilig die Konzeption der umfassenden Ausstellung. Hier werden nicht nur Raumfahrtfans auf ihre Kosten kommen. Der Weltraum war und ist seit je her auch Thema in der Kunst. Film und Literatur bedienen sich des Weltraums als eindrucksvolle Kulisse für ihre Geschichten. Die Raumpatrouille Orion ist in Bonn ebenso vertreten wie Jules Verne. Outerspace bietet Antworten auf so krude Fragen wie: Wie besucht man im Weltraum die Toilette oder wie kommt eine Biene ins All?

Wie kommt eine Biene ins All?

Ach so, das wollen Sie ja wissen! Nun denn. Auf dem Dach der Bundeskunsthalle siedeln Bienen. Eine von ihnen, in Kunstharz eingeschlossen, hat der Astronaut Alexander Gerst mit in den Weltraum genommen. Wenn Sie im November die Ausstellung Outerspace der Bundeskunsthalle in Bonn besuchen, dann können Sie die Bundesbiene persönlich in Augenschein nehmen. Und nur dort, denn in der Wikipedia hat die Bundesbiene keinen Eintrag. Einstweilen sind Sie herzlich eingeladen, selbst an den Weltraum-Artikeln  in der Wikipedia weiter zu schreiben. Sollten Sie hierfür noch Unterstützung brauchen, dann besuchen Sie die Seite des Mentorenprogramms in der Wikipedia. Wer Lust bekommen hat, ebenfalls eine GLAM on Tour Station mitzumachen, hat schon bald in Braunschweig Gelegenheit. Hier findet ein Schreibwettbewerb zum Thema „Erster Weltkrieg“ statt. Start ist der 28. Juni 2014.

Weitere Blogbeiträge zur Veranstaltung GLAM on Tour Station in Bonn:
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Der Tod des Autors – nah wie nie?

An diesem Donnerstag, 22. Mai, geht es bei Wikimedia Deutschland um die Zukunft der Buchmarkts. Die zweite Veranstaltung des Wikimedia Salons “Das ABC des Freien Wissens” dreht sich um die Frage, ob auf dem Buchmarkt von morgen Erfolg auch mit offenen Systemen möglich ist.

Das Podium ist prominent besetzt mit der Journalistin und Autorin Kathrin Passig, Volker Oppmann (Initiator der digitalen Universalbibliothek log.os) und Uwe Naumann (Lektor und E-Book-Koordinator bei Rowohlt) und bildet damit ein breites Spektrum ab, von der klassischen Verlagsarbeit bis hin zu visionären Konzepten, die die Buchwirtschaft radikal verändern könnten.

Ein neues Literaturbetriebssystem?

Buchladen in London, 1942. Foto:By Ministry of Information Photo Division Photographer [Public domain], via Wikimedia Commons

Mit der Digitalisierung des Lesens scheint sich zugleich auch ein ganzes Feld an Medientechniken und Verteilungswegen neu zu sortieren: Löst sich bald die Buchwirtschaft vom Verlag, der Autor vom Buch? Verflüssigt sich die Kultur?

Neu ist die These von der Auflösung althergebrachter Autorenrollen, prominent geprägt durch Roland Barthes, nicht. Und doch erklingt der Leitspruch des literarischen Poststrukturalismus heute so aktuell wie nie. Denn mit der Stärkung des Lesers als zentraler sinngebender Instanz ging gleichzeitig eine Bedeutungsverschiebung des Mediums Buch und seiner Rezeption einher. Was erwarten wir von einem sehr alten Wissensträger, der sich einer fundamentalen Beschleunigung konkurrierender Medien gegenüber sieht? In diese Richtung zielte auch Sascha Lobo bei seinem re:publica-Talk “Betriebssystem Buch”: Er habe zunehmend das Gefühl, dass das Buch als kulturelle Technik verlernt werde. Ohne dies mit apokalyptischem Zittern in der Stimme vorzutragen, eher als nüchterne These.

Die Revolution frisst ihre Kindls

Was in der Literaturwissenschaft vor vielen Jahrzehnten zum neuen Status Quo wurde, gewinnt heute mit der digitalen Verfügbarkeit von Literatur, der Möglichkeit eigenständiger, beliebiger Verknüpfung, Adaption und Versionierung von Texten (siehe „Eine neue Version ist verfügbar“ von Dirk von Gehlen) neue Relevanz. Gerade anhand der Entwicklung des Online-Buchmarkts zeigt sich aktuell, dass mit dem einsamen Platzhirschen Amazon europaweit Verlage unter Druck gesetzt werden. Kein Wunder, dass die langsame Abkehr von der Gutenberg-Galaxis mit diffusen Ängsten, Verlustempfinden und Abwehr begleitet wird.

Im Rahmen des Salons interessiert uns, wie sich der Buchmarkt verändert, wenn Literaturkritik, Finanzierung und Lesepraxen in den kommenden Jahren einen beispiellosen, radikalen Wandel durchleben:

  • So spiegelt das Projekt log.os die Vision einer neuen Textkultur, die Konsumenten, Lektoren und Verlagsleute als gleichermaßen relevante Akteure bei der Realisierung von Textprojekten versteht. Wie könnte eine Plattform beschaffen sein, die freie und unfreie Inhalte mit der Funktion der klassischen Bibliothek mit der Rolle sozialer Netzwerke verbindet?
  •  Ebenso kann die Perspektive aus langjähriger Tätigkeit in der Verlagsbranche einen wichtigen Einblick geben, auch in die tatsächlichen Effekte bedeutender Umbrüche. So stieß Rowohlt in den 50er Jahren selbst mit der Distribution von rororo, der ersten Taschenbuch-Reihe Deutschlands, eine Branchenrevolution an, die ihrerseits zunächst als Untergang des Abendlandes gehandelt wurde.
  • Und schießlich: Wie beurteilt eine technophile Autorin wie Kathrin Passig jene Chancen, die neue Hardware und Kommentierungstechniken (social reading) für die Texterstellung und -rezeption bieten? Kommt dem eigenen Lesepublikum schleichend die Rolle zu, die traditionell Lektoren vorbehalten war?

Buchkunst abseits vom Grafikdesign

Book vending machine at a subway station in Busan, South Korea. Author: Yuyudevil, Public Domain / via Wikimedia Commons

Zwei künstlerischen Arbeiten geben den Rahmen für den 2. Wikimedia Salon. Der Tonkünstler The Rubicon Delta hat für den 22. Mai eine Klanglandschaft unter der Lizenz CC-BY 4.0 komponiert. (Hier ein Preview) Die einzelnen Soundspuren, die sich auf besondere Art mit dem Thema des Abends auseinandersetzen, sind bei diesem Open Source-Projekt als Projektdatei abrufbar und für alle frei nachnutz- und zusammenbastelbar. Zudem zeigen Nina Schuiki und Leon Eixenberger eine exklusive Arbeit, die auf die Haptik des Buches verweist. Ein Buchobjekt aus lichtempfindlichem Papier verändert sich mit der Zeit, die der Leser oder die Leserin auf der Seite verweilt. Wir haben zudem wieder eine Stimme des Internets, die Fragen und Kommentare bei Twitter unter #wmdesalon in die Runde wirft.

Wir laden herzlich am Donnerstag, 19 Uhr, in die Geschäftsstelle ein und freuen uns sehr auf diesen besonderen Abend!

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Zwischen Insektenkästen und Zille-Zitaten

“Coding da Vinci” startet fulminant

Auch analoge Techniken fanden am Hacker-Wochenende in Berlin Anwendung. Diese Wandzeitung hat alle Ideen festgehalten.
Mural von Julian Klücklich fotografiert von Nina Schuiki (WMDE) CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Michael von der Deutschen Digitalen Bibliothek stand die ersten drei Stunden des Kultur-Hackathons „Coding da Vinci“ im Eingang der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland und klickte. Einmal Plus-Klick für rein – einmal Minus-Klick für raus. Und weil so viele Entwicklerinnen und Coder beim Start von “Coding da Vinci” dabei waren, musste Michael ziemlich viel klicken. 148 Gäste gaben dem dichten Programm des ersten Kultur-Hackathons in Berlin vor dem schönen Wetter den Vorzug. Für Liebhaber von Metriken: Elf Kulturinstitutionen präsentierten 17 Datensets in 5 Räumen. Jede Viertelstunde ein neues Datenset. Die Coderinnen und Entwickler schweiften von Raum zu Raum, um ihre Datenlieblinge auszumachen.

 

Es gab viel zu entdecken. Die ersten 300 Tierstimmen und aufgespießten Krabbeltiere aus dem Archiv des Museums für Naturkunde. Hebräische Poesie übersetzt, maschinenlesbar und geogetagt auf jüdischen Grabsteinen. 185.000 hochauflösende Scans aus dem Herbarium des Botanischen Museums, Schulatlanten der Kaiserzeit, das Landesarchiv in Stuttgart brachte Quellenmaterial zur Militärgeschichte, zum Teil aus privaten Spenden des frühen 19. Jahrhunderts, also eine analoge Vorform von Wikimedia Commons. Alle Datensets findet man über Coding da Vinci. Und alle stehen, größtenteils erst durch den Hackathon motiviert, unter einer Freien Lizenz.

 

Riesenkäfer from Outer Space

Krabbeln tut dieser Käfer, ein Chalcosoma atlas, nicht mehr. 1837 fand er seine letzte Ruhestätte in einem Insektenkasten des Museums für Naturkunde. Beim Kultur-Hackathon „Coding da Vinci“ erwachte er zu neuem Leben.
Bild: von Museum für Naturkunde CC-BY-3.0, via Wikimedia Commons

An der langen Seitenwand des Raumes “Mosaik” am Tempelhofer Ufer 23 füllte sich die Wandzeitung mit Projektideen. Ungewöhnliche Kombinationen, ungewohnte Perspektiven und ein frischer Erfindergeist bestimmten die Atmosphäre. Mein Schlüsselerlebnis war ein Krabbeltier der IT-Bastlerin Kathi Hyyppä. Auf sechs Kupferbeinen und mit einer Platine verbunden, wackelte ein Riesenkäfer auf mich zu. Faszinierend, denn eben noch war er nur ein aufgespießter Käfer auf einem Bild. Aber Dank der hohen Auflösung des Scans konnte Kathi einen Atlas-Beetle isolieren, vergrößern, ausdrucken und schließlich aus dicker Plastikfolie ausschneiden. Du siehst jede einzelne Wimper.

Das so genannte Hack-Dash ist das “schwarze Brett” der Designer und Coderinnen zum Austausch ihrer Ideen. Mitstreiter werden gesucht und können sich vernetzen. Eine bunnte Mischung ist schon da. Ich bin gespannt, welche Konzerterlebnisse mir das „Tier – Welt – Orchester“ künftig verschaffen wird. Wird die Arbeit rund um Kai Teuber die von den Nazis verbrannten Bücher zu einer Wiederbegegnung mit den verfemten Texten führen? Und wird der Goethe-Tourismus mit Goethe2Go neue Höhen erfahren? Welches Projekt wird die meisten „Likes“ bekommen? Und schlussendlich: Welches Team steht den zehnwöchigen Sprint am besten durch?

Antworten auf diese Fragen wird es am 6. Juli geben. An diesem Tag berät sich in Berlin die Coding-da-Vinci-Jury und kürt die Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs.

„Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung Berlin, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Ein Wettbewerb für Programmierer um neue Anwendungen für Kulturdaten.

Pressestimmen:
Tweets: https://twitter.com/hashtag/codingdavinci

 

 

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GLAM Arbeit – Was bedeutet das eigentlich?

Ein Versuch einer Erklärung

Es gibt unendlich viel Wissen, aber frei zugänglich ist bisher nur ein Bruchteil. Dieses in den Kultur- und Gedächtnisinstitutionen zu entdecken, für die Zugänglichkeit zu werben und es u.a. für die Wikimedia-Projekte zu erschließen, darum geht es in der GLAM-Arbeit. Die englische Abkürzung “GLAM” meint Kunstsammlungen, Bibliotheken, Archiven und Museen, d.h. Gedächtnis-Institutionen im Kulturbereich. Das Akronym wird überall dort eingesetzt, wo der Kulturbereich in die digitale Welt eintritt.

Seit zwei Jahren gibt es bei Wikimedia Deutschland (WMDE) den GLAM-Bereich. Zeit für eine etwas längere Zwischenbilanz. Im Zentrum der GLAM-Arbeit steht der Vermittlungsgedanke. Die Institutionen stehen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stehen alle Wikimedia-Projekte, alias Wikiversum, und die Freiwilligen, die sie tragen. Meine Arbeit betrachte ich als Angebot, Brücken von der einen in die andere Welt zu schlagen. Aus der Sicht der GLAM-Einrichtungen sind die Wikimedia-Projekte eine spannende Plattform, um ihre Inhalte, ihre Arbeit und ihr Wissen in der Welt bekannter zu machen. Das Ziel der Wikimedia-Projekte ist es, Freies Wissen zu schaffen, das möglichst vielen Menschen einfach zugänglich und nachnutzbar ist. Wie diese Zielvorstellungen harmonieren?

Das Wikiversum auf der einen Seite

Auf dem GLAM-Treffen in Bremen. Bild von Jürgen Howaldt (Own work) [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Das Wikiversum ist eine Welt des ehrenamtlichen Engagement von vielen Individuen. Wikipedianer machen Wissen über die Artikel in der Wikipedia frei zugänglich. Sie erschließen in ihrer Freizeit publiziertes Material und formen es in kooperativer Arbeit in enzyklopädische Wikipedia-Einträge um. Bereichert wird ihre Arbeit durch das Medien-Archiv Wikimedia Commons. Vor allem Bilddateien werden gern genutzt, um Wikipedia-Artikel zu illustrieren. Oft sind es Werke von Fotografen, die ihre eigenen Aufnahmen hochladen, aber auch Abbildungen von gemeinfreien Kunstwerken oder autorisierte Abbildungen von urheberrechtlich geschützten Werken formen das inzwischen über 20 Millionen Dateien umfassende Wikimedia Commons-Archiv. Alle Wikimedia-Projekte leben aus dem gemeinschaftlichen Engagement von Menschen, die sich für die Vision des Freien Wissens einsetzen. Dieses konstante und überwiegend ehrenamtliche Engagement hat die Wikipedia als Ganzes auf weltweit Platz 6 der am häufigsten aufgesuchten Websites gebracht. Eine enorme Leistung, die Begehrlichkeiten weckt und Verantwortung mit sich bringt. Das allein ist aber noch nicht Freies Wissen. Wirklich frei wird es erst, indem Leser und Betrachter zu aktiven Nutzern werden. Sie können aufgrund der im Wikiversum verwendeten Freien Lizenzen, selber mitmachen. Sie können das Wissen weiterverwenden, indem sie es für ihre Bedarfe umformen. Ja, sogar Geld damit verdienen, wenn sie können oder wollen.

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Hep-Hep-GLAM! Kulturbegeisterte Wikipedianer trafen sich in Bremen

Ein Gastbeitrag von Conrad Nutschan

Bremer GLAM-Treffen 2014, By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Am Wochenende der Zeitumstellung Ende März 2014 trafen sich in Bremen 28 Wikipedianer und Vertreterinnen und Vertreter von Wikimedia Deutschland (WMDE) zum 3. Austausch zu GLAM-Projekten für den deutschsprachigen Raum. Das gemeinsam erarbeite Programm wurde umrahmt von interessanten Informationen der Bremer Wikipedianer in Form von Führungen durch die Stadt, einer Preisverleihung für besondere Verdienste im Rahmen der Vorbereitung und einer Führung durch die Ausstellung “Archivsplitter” im Weserburg-Museum für Moderne Kunst.

Das Programm bot die Möglichkeit, Einblicke in durchgeführte Veranstaltungen der Aktiven von WMDE und Wikipedianern zu bekommen, dazu Fragen zu stellen und Kritik zu äußern. In Vorträgen wurden einzelne Vorhaben und Ideen präsentiert. Zu den geplanten sowie möglichen Projekten der Zukunft gehörten beispielsweise die Idee einer Kartierung des Sprachwandels gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Roger Bamkin in Bremen, By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Es wurden Hilfsmittel wie QRpedia-Codes, interessante Werkzeuge zur Auswertung von Veranstaltungen und Freien Karten für die Zusammenarbeit mit GLAM-Institutionen vorgestellt, es gab eine Präsentation zu Softwareentwicklungen, etwa für die vereinfachte Nachnutzung von Bildern aus Wikimedia Commons und einen Stand der Dinge zu Wikidata. Einen größeren Raum nahm die Präsentation des Projektes BremenpediA ein, das Bremer Gebäude und Objekte mit QRpedia-Codes ausstattet, die zu Wikipedia-Artikeln führen. Ebenfalls initiiert von GLAM-Aktiven der Community und WMDE läuft das Programm “GLAM on Tour”. In den nächsten Monaten geht GLAM wieder auf Reisen und macht Ende April Station im Dreiländereck von Polen, Tschechien und Deutschland zum dortigen Arbeitstreffen zur Bebilderung von Umgebindehäusern.

Ebenfalls im Mai ist Station in Bonn zur Raumfahrtausstellung der Bundeskunsthalle “Outer Space”.  Weitere Stationen sind für Braunschweig, Brilon und Dessau geplant. Ende April treffen sich die Community der Entwickler und Coderinnen zum Startschuss des Kulturhackathon “Coding da Vinci” in Berlin, für den 15 Kultureinrichtungen eigens dafür umfängliche Datensets unter eine Freie Lizenz gestellt haben. Als gemeinsame Ressource für die Darstellung von GLAM-Projekten stellte Wikimedia Deutschland eine internationale Wikimedia-Initiative für einheitliche Templates für GLAM-Poster vor und holte bei den Freiwilligen Ideen zur Umsetzung und Wünsche ein. Weiterlesen »

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Ein Alpha-Tier legt sein Beta ab: Deutsche Digitale Bibliothek geht in Regelbetrieb

Begleitet von den freundlichen Worten der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU)  ist heute in Berlin der Beginn des Regelbetriebs der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) gefeiert worden. Grütters legte einige Emphase in die Unterscheidung zu großen Internet-Playern wie Google, die im Hinblick auf die Zugangserleichterung zum kulturellen Erbe bereits mit Siebenmeilenstiefeln vorangeschritten sind:

Die DDB ist eine öffentliche, staatliche Antwort auf privatwirtschaftliche Aktivitäten. Datenmonopole müssen verhindert werden, nicht zuletzt deshalb, weil sie – über ihre negativen ökonomischen Auswirkungen hinaus – zu Deutungsmonopolen werden können, die eine freiheitliche Gesellschaft nicht akzeptieren kann.

Aufmerksame Leserinnen dieses Blogs werden sich womöglich daran erinnern, dass wir bereits im November 2012 den Beta-Start der DDB begrüßten. Und Wikimedia Deutschland freut sich über die Reihe an Fortschritten der DDB, von denen nur ein Teil für Endnutzer unmittelbar sichtbar, für die beteiligten Kulturinstitutionen jedoch durchaus relevant sind. Einige davon möchte ich im Folgenden hervorheben:

Normdaten

Normdaten helfen, Inhalte zu gleichen Personen zusammenzuführen – auch dann, wenn diese zu Lebzeiten unter verschiedenen Namen auftraten (z.B. Herbert Frahm als Willy Brandt) – oder wenn zwei verschiedene Personen mit gleichem Namen zu differenzieren sind (Gerhard Schröder[1 und 2]). Mittels neuer Personendatenseiten auf der DDB könnten in Zukunft passgenau die Inhalte von und über Personen einheitlich dargestellt werden. Zudem verlinkt die DDB jetzt sehr konsequent auf Wikipedia-Einträge, sofern diese vorhanden sind. Der Nutzen dieser Funktion wird mit der Qualität der Metadaten zu den einzelnen Objekten der DDB steigen und fallen.

API

Diese gute Nachricht war uns schon 2013 eine kurze Notiz wert: Die API der DDB steht und sie liefert konsequent CC0-freigegebene Daten aus. Wir halten diesen Weg für richtig und gratulieren der DDB, sich bei dieser Entscheidung für eine konsequente Freigabepolitik entschieden zu haben. Mittels API können aus dem Metadatenbestand der DDB Daten übernommen und für eigene Vorhaben nachgenutzt werden.

Lizenzinformationen

Überall, wo dies schon als Information vorliegt, werden in der DDB die Informationen zum Lizenzstatus von via DDB auffindbaren Inhalten angezeigt. Dies ist eine nötige Vorstufe auf dem Weg zu einer Deutschen Digitalen Bibliothek nach Open Access-Kriterien, wie es seit Beginn des Projektes formuliert wurde.

Coding Da Vinci

Die Deutsche Digitale Bibliothek und Wikimedia Deutschland sind gemeinsam Partnerinnen einer Phalanx aus Einrichtungen, die Ende April den Kulturhackathon Coding Da Vinci veranstalten. Zu den bereitgestellten Daten zählen auch jene, die über die API der DDB nachnutzbar sind. Über diesen Beitrag freuen wir uns ganz besonders.

Vergleicht man die Neuerungen des letzten Jahres mit den Forderungen von Wikimedia Deutschland aus dem November 2012, kann man sicherlich erahnen, warum wir uns über den Eintritt in den Regelbetrieb der DDB freuen. Nach Angaben der Kulturstaatsministerin sind bislang über 20 Millionen Euro in die Entwicklung und den Betrieb der DDB geflossen, weiteres Geld wird nötig sein. Für den Frühjahr 2014 wird es zur Veröffentlichung eines Evaluationsberichtes kommen, der die Grundlage für eine dauerhafte Finanzierung der DDB durch Bund und Länder sein könnte.

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Free as in Closed: Das Getty-Beispiel

Ein von einer Kamera fehlerhaft abgespeichertes Bild, es bleiben JPEG-Artefakte

Seit Anfang März 2014 bewirbt die Firma Getty Images eine Funktion zur Einbindung von bestimmten Bildern aus dem Getty-Bildrepertoire in eigene Webseiten und Blogs. Die Nutzung dieser Einbindungsfunktion von Getty-Bildern ist kostenlos für nichtkommerzielle Zwecke. Wikimedia Deutschland e.V. wurden von verschiedenen Seiten um eine Stellungnahme oder Einschätzung dieses Dienstes gebeten.

Eingeschränkte Nutzungsrechte

Getty Images erlaubt in seinen Nutzungsbedingungen im Abschnitt „Embedded Viewer“ das Einbinden ausgewählter Bilder aus dem Getty-Gesamtbestand. Getty behält es sich jedoch vor, Bilder aus dieser Auswahl wieder herauszunehmen. Das Einbinden darf nur zu einem „redaktionellem Zweck“ erfolgen, nicht jedoch für kommerzielle, diffamierende, pornografische oder sonstige ungesetzliche Zwecke. Umgekehrt lässt sich Getty Images für sich und für beauftragte Dritte das Recht zur Erhebung von Nutzungsdaten einräumen sowie das Recht, Werbung am Einbindungsort zu schalten oder diese Technik auf andere Weise zu monetarisieren. Ein Anspruch auf Umsatzbeteiligung ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Hier werden bereits die Unterschiede gegenüber der Einbindung von Inhalten unter Freier Lizenz deutlich: Diese erlaubt das Speichern, Vervielfältigen, Veröffentlichen und Bearbeiten von Inhalten, auch zu kommerziellen Zwecken, ohne dazu eine Gegenleistung wie Nutzerdaten oder Werbeeinblendungen einzufordern.

Verborgene Risiken

Bei der Einbindung von Getty-Bildern sind Chancen und Risiken sehr ungleich auf beide Vertragspartner verteilt. Für die Möglichkeit, niedrig aufgelöste Versionen von handwerklich in der Regel sehr guten Bildern auf der eigenen Seite eingebettet darstellen zu können, verliert ein Seitenbetreiber ein großes Maß an Kontrolle über das, was auf seiner eigenen Seite abläuft, und wofür er im Zweifel auch juristisch geradestehen muss. Bedenklich ist der durch die technische Umsetzung erzeugte große Abfluss an Nutzungsdaten an eine Vielzahl an Firmen. Alleine hier sollten Seitenbetreiber ausführlich auf die Einhaltung anwendbaren Datenschutzrechts achten und auf mögliche Verpflichtungen, Besucher der eigenen Seite über diese Datenerhebung zu informieren oder ihnen gar die Option zum Widerspruch gegen diese Art der Datenerhebung und -verarbeitung einzuräumen.

Die Prüfung, ob ein Seitenbetreiber vom Verbot der Nutzung zu kommerziellen Zwecken betroffen ist, obliegt dem Seitenbetreiber selbst. Unterschiedliche Auffassungen zwischen Seitenbetreiber und Getty darüber, wo diese kommerzielle Nutzung anfängt, könnten indes Quelle künftiger Auseinandersetzungen werden. Dem gegenüber gibt es diese Unsicherheit nicht bei Lizenzen, die von vornherein auch die kommerzielle Nutzung erlauben und zudem nicht noch über moralisch auszulegende Verbote (diffamierend, pornografisch) Unsicherheit schaffen.

Geschichte wiederholt sich

Ebenfalls gravierend ist die mangelnde Nachhaltigkeit des Angebots, das ohne Fristen eingestellt oder verändert werden kann. Gerade bei Getty gibt es hier den Präzedenzfall einer fast baugleichen Anwendung namens „Picapp“, die ab 2008 die Einbindung unter anderem von Getty-Bildern für nichtkommerzielle Zwecke erlaubte. Dieses Angebot wurde nach der Übernahme der Picapp-Mutter “Picscout” eingestellt; alle Webseiten, die Bilder auf diese Weise eingebunden haben, sind mit dem Szenario konfrontiert, dass damals schön anmutende Seiten inzwischen von ungültiger Auszeichnungssprache verunstaltet werden (wie beispielsweise diese Seiten, die Picapp verwendeten und nun quasi trocken gelegt wurden). Es gibt bislang keine Hinweise von Getty, dass man bei dem aktuellen Angebot anders verfahren möchte als beim Picapp-Angebot.

Demgegenüber erlauben Inhalte unter Freier Lizenz das Speichern auf eigener Infrastruktur. Wird der ursprünglich bereitstellende Dienst eingestellt, reißt dies keine Löcher in die Webseiten dritter.

Die Tücke der Technik

Getty-Bilder werden dauerhaft über einen Dienst auf  embed.gettyimages.com eingebunden, neben dem Bild selbst werden je eine javascript-Datei, eine CSS-Datei und Buttons zum Teilen der Bilder über Tumblr und Twitter ausgeliefert. Die Bilddateien selbst kommen in fester Größer über einen Amazon-Dienst namens CloudFront. Technische Konsequenz: Es ist damit neben Getty auch Amazon, Yahoo, Twitter und Goolge grundsätzlich möglich, jeden Besuch eines Nutzers auf einer Seite nachzuvollziehen, die ihrerseits ein Getty-Bild eingebunden hat und möglicherweise auch mit anderen Nutzerinformationen, die bereits vorliegen, zu verknüpfen.

Kontrast zu Open Content

Das Getty-Angebot steht damit in starkem Kontrast zu den unter Freier Lizenz veröffentlichten Bildern von Wikimedia Commons, dem inzwischen beeindruckend großen freien Medienarchiv. Unter einer freien CC-Lizenz bereitgestellte Bilder dürfen lokal gespeichert werden, es findet kein Datenabfluss an Dritte statt, insbesondere bezüglich der Nutzungsdaten von Seitenbesuchern. Bei Verwendung unter Einhaltung der jeweiligen Lizenzbedingungen ist bei Wikimedia Commons eine zeitlich unbeschränkte Nutzung – auch zu kommerziellen Zwecken – erlaubt. Das Risiko nachträglicher, unerwünschter Effekte auf eigenen Webseiten, etwa unzugänglicher Getty-Bilder, entfällt damit. Ebenso wird das Risiko ausgeschlossen, dass Seitenbesucher mit Werbung konfrontiert werden, über die der Seitenbetreiber keine Auswahlmöglichkeit hat und an deren Schaltung er darüber hinaus nicht finanziell beteiligt ist.

Zusammenfassung

Beim Embedding-Werkzeug von Getty handelt es sich um ein Geschäftsmodell, das die verhältnismäßig einfache Nutzung von Bildern für bestimmte Seitenbetreiber verspricht. Gettys Angebot ist dabei “free” im Sinne der Kostenfreiheit, es sind jedoch keine Nutzungsfreiheiten damit verbunden, wie sie für Freie Inhalte gelten.

Wikimedia Deutschland e.V. rät zur Freigabe und Verwendung frei lizenzierter Inhalte. Projekte wie Wikimedia Commons können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Werkschaffende mit Nutzerinnen und Nutzern zusammenzuführen und den Zugang zu qualitativ hochwertigen Medieninhalten erheblich zu vereinfachen. Seit nunmehr 10 Jahren steht Wikimedia Commons für die Verfügbarmachung von Archivbeständen und leistet  einen wichtigen Beitrag für die Verbreitung von Bildungs- und Kulturinhalten. Projekte, die auf Freien Lizenzen basieren, sind auf Nachhaltigkeit ausgelegt und stehen nicht im Widerspruch zu kommerziell arbeitenden Unternehmungen. Es stünde Getty ausdrücklich frei, im Rahmen der freien Creative-Commons-Lizenzen auch die darunter lizenzierten Bilder zu verbreiten und sie gleichzeitig kommerziell zu verwerten.

Wir freuen uns über Rückmeldungen, Ergänzungen oder Hinweise auf unbeantwortete Fragen.

Literaturhinweise

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Wikifika.se

Auf Besuch bei Wikimedia Schweden

Draußen auf einer der Stockholmer Stadtinseln eiskalter Wind bei strahlend blauem Himmel – drinnen freundliche Gesichter von gut zwei Dutzend schwedischen Wikimedianern in der birkenhellen Atmosphäre des Hörsaales im Architektur und Designzentrum. Ich bin zu Besuch auf der Jahresversammlung des schwedischen Wikimedia-Chapters. Das Chapter ist zwar eines der kleineren in Europa, aber sehr aktiv. Die schwedische Wikipedia hat mehr als eine Millionen Einträge. Wikimedia Schweden hat 500 Mitglieder. Ein Teil von ihnen hört am vergangenen Samstag mit einer gewissen Lässigkeit doch konzentriert ihrem Vorsitzenden zu.

Konzentrierte Mitglieder auf der schwedischen Jahresversammlung von Wikimedia Sverige am 15. März 2014 in Stockholm. Bild von Arild Vågen via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA.

Fünf Programmlinien in Schweden

Knapp und konzise präsentiert Matthias Blomgren  das Jahr 2013 und die Pläne für 2014. Gut gefiel mir die klare Darstellung der Strategie, an der der Vereinsvorstand gemeinsam mit Mitgliedern im vergangenen Jahr weiter gearbeitet hatten. Auch wenn fünf Tätigkeitsfelder benannt werden, die klare Ausrichtung auf die Einbindung und Verzahnung der Wikimedia-Projekte in die und mit der Gesellschaft fällt auf. Man geht dezidiert auf die Gesellschaft zu. Ein Fünftel von den knapp 5 Millionen schwedischen Kronen Gesamtbudget geht auch im Norden in die Community-Förderung. Und dazu gehören in Schweden auch die Anstrengungen zur Diversifizierung. Ein Drittel der Mittel dienen der Gewinnung Freier Inhalte in der Zusammenarbeit mit den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Bildung und die politische Lobby-Arbeit für Freie Inhalte.

Die Leser im Fokus

Überraschend für mich war jedoch die klare Akzentuierung auf die Zielgruppe der Wikipedia-Leser, mehr noch auf die Allgemeinheit. Der Budgetansatz für dieses Programm ist der größte Einzelposten. Die Leser bzw. Anwender der Wikimedia-Projekte sollen niedrigschwellige Mitmach- und Informationsangebote bekommen, der Austausch mit ihnen gefördert werden und die Projekte insgesamt zugänglicher werden. Daher hat Wikimedia Schweden jetzt im Architektur- und Designzentrum Stockholm über vier Wochen eine Infowerkstatt für Museumsbesucher und Mitarbeiter gleichermaßen eingerichtet. Die Mitarbeiter von WMSE haben ihren Arbeitsplatz bis Ostern mal eben ins Museum verlegt. Freiwillige unterstützen sie vor Ort und nutzen die Gelegenheit zum Austausch. Träffa Wikimedia heißt die Aktion. „Natürlich bekommt man in dieser Zeit nicht so viel von dem gemacht, was man sonst im Büro schafft“, erzählt mir mein schwedischer GLAM-Kollege Axel Petterson, „aber wir sind gespannt auf die Fragen der Besucher und hoffen natürlich auf das Interesse der Mitarbeiter“. Ließe sich so ein temporärer Wiki-Stützpunkt auch sinnvoll in Deutschland umsetzen?

Konsens prägt die Versammlung

Überall folgen Vereinsversammlungen formellen Regeln um den Austausch in strukturierte Bahnen zu lenken. Entsprechend lang ist die Tagesordnung auch in Stockholm. Doch selten habe ich es auf Vereinssitzungen erlebt, dass man sich offenbar so einig ist. Es gab kaum Diskussionen und doch hatte ich nicht den Eindruck, dies sei Ausdruck einer desinteressierten Langeweile. Ein Blick auf die Bildschirme in den Zuhörerreihen belegte, alle folgten den Ausführungen am Rednerpult. Auch schien es mir als hätten sich alle Anwesenden gut auf die Tagesordnung vorbereitet. Folglich nicht verwunderlich, dass die Versammlung inklusive der obligatorischen Fika-Pause mit Kaffee und Zimtschnecken bereits nach drei Stunden vorbei war. Anschließend saß man im neuen gemütlichen Büro von Wikimedia Sverige auf Kungsholmen noch lange zusammen und ließ es sich wohl sein.

Mein Besuch in Stockholm galt vornehmlich dem kollegialen Austausch zu GLAM-Projekten in Schweden und Deutschland, aber jetzt bin ich ganz inspiriert vom konstruktiven Esprit der Wikinger. Und schaue entsprechend voller froher Erwartung auf das GLAMster-Treffen in Bremen am Ende des Monats.

Weiterführende Links zur Mitgliederversammlung und Jahresplanung von WMDE

Wer jetzt neugierig auf die entsprechende Jahresplanung von Wikimedia Deutschland (WMDE) geworden ist, der kann zusammenfassend den passenden Blog-Beitrag nachlesen. Die nächste WMDE-Mitgliederversammlung findet am 24. Mai in Frankfurt am Main statt und im Anschluss wird der Zedler-Preis, der „Oskar“ der deutschsprachigen Wikimedia-Bewegung, öffentlich verliehen.

 

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Des einen Bibel – des anderen Computerspiel

„Willkommen auf Europeana 1914-1918 – mit neuem Design! Wir haben die Inhalte auf dieser Website deutlich erweitert und verbessert“ so begrüßt Europeana seine Besucherinnen und Besucher zum Relaunch der Website seit gestern Abend. Mit großem Aplomb  –  Konferenz, Ausstellung „Unlocking sources in Berlin“ und feierlichem Empfang der geladenen Gäste durch gleich drei Herrinnen:  Barbara Schneider-Kempf, Direktorin der Staatsbibliothek, Monika Grüttters, Staatsministerin für Kultur, und Jill Cousins, Direktorin der Euopeana Foundation – geht die Plattform online. Sie lädt die interessierte Öffentlichkeit ein, sich mittels 500.000 Quellen aus Bibliotheken, Archiven und von Privatpersonen aus ganz Europa mit dem Ersten Weltkrieg  zu beschäftigen.

Diese Bibel rettete wörtlich einem jungen Soldaten im Ersten Weltkrieg das Leben. Ein Granatsplitter konnte das Buch nicht durchdringen. Von Gottfried Geiler via Europeana CC BY SA

Ein Portal mit enormer Vielfalt

Soldaten-Liedersammlungen und Noten für Märsche, Bilderbücher für Kinder in Comic-Anmutung und Filmmaterial, wie eine Wochenschau aus Österreich von 1915, belegen die heute befremdliche Kriegsverherrlichung der öffentlichen Einrichtungen und der Multiplikatoren wie Journalisten und Verleger. Kontrastiert wird dieses Material durch Quellen aus privaten Nachlässen, zum Beispiel einem Tagebuch mit handschriftlichen Einträgen und eingeklebten Zeitungsausschnitten. Aber nicht nur Material aus den Kriegsjahren 1914-18, sondern auch moderne Medien, die nur über die Kriegsthematik einen Bezug zum „Großen Krieg“ aufweisen, wurden in die Europeana 1914-1918 collections  aufgenommen, wie etwa ein Wahlplakat der SPD 1990. Ein wahrer virtueller Schatz, wie Kulturstaatsministerin Grütters gestern Abend lobte.

 Diversität ist gut, aber nicht immer

Die Diversität der Exponate setzt sich, zu unserem Bedauern, auch in den Lizenzen fort. Wie auch sonst in der Europeana hat das Zeigen Vorrang vor der Nachnutzung. Es finden sich gemeinfreie neben solchen Dateien, die unter der CC BY SA-Lizenz stehen. Sie sind also frei nachnutzbar, für kommerzielle Zwecke ebenso wie  für die Wikipedia. Aber ein mir vom Umfang nicht bekannter Anteil von Einträgen bleibt in der Lizenzfrage ambivalent, oder es wird vorgeschrieben, dass die Lizenzrechte abgefragt oder erworben werden müssen. Dabei weist das normale Template der Ergebnismaske den Button „Wikipedia“ auf. Was als eigener Service für Wikipedia gedacht ist, kann nicht umstandslos genutzt werden, wenn die Lizenzen nicht mit den Vorgaben von Wikimedia Commons kompatibel sind. D.h. Wikipedianer müssen sehr sorgfältig prüfen, ob sie das Material nur zitieren, oder tatsächlich das Bildmaterial verwenden können, ohne gegen proklamierte Lizenzen zu verstoßen.

Cui bono

Cui bono?, fragte der Römer und meinte: Wem nützt es? Ein Streifzug durch das immense Material lohnt sich. Einzigartig sind die in über 80.000 digitale Dateien zusammengetragenen mehr als 7.000 persönliche Geschichten, die man mittlerweile auf Europeana 1914-1918 finden kann. Jede und jeder kann jederzeit neue Inhalte hinzufügen. Dann das spannende Filmmaterial. Das Projekt European Film Gateway 1914 präsentiert rund 660 Stunden digitalisierte Filme und über 5.600 filmbezogene Materialien. Damit werden von dem erhaltenen Fünftel der damaligen Produktion wesentliche Teile leichter zugänglich gemacht. Womöglich inspiriert durch das Sammelprojekt der Europeana zu privaten Quellen des „Großen Krieges“ lanciert Ubisoft im Gedenkjahr 2014 ein neues Computerspiel. Das Spiel „Valiant hearts“ basiert auf realen Briefen von Beteiligten des Ersten Weltkriegs aus fünf verschiedenen Ländern.

Private Briefe aus dem Krieg bilden das Fundament für das ungewöhnliche Computerspiel „Valiant hearts“. Screenshot aus dem Trailer von Ubisoft.

Wer wird in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten, in denen  das 100. Gedenkjahr zum Beginn des Ersten Weltkriegs die Erinnerung wachrüttelt, das Material nutzen? Und wofür? Wird das Beispiel der Nationalbibliotheken aus acht europäischen Ländern andere GLAM-Einrichtungen motivieren, ihre Digitalisate ebenfalls freizugeben? Immerhin hat die Staatsbibliothek Berlin für dieses Portal ihre sonstige Politik der nicht-kommerziellen Beschränkung im großen Umfang aufgegeben und sich auf das Wagnis des Freien Wissens eingelassen. Ein beherzter Schritt, den Wikimedia Deutschland gern unterstützen möchte. Wer hat Interesse, dieses Material vielleicht in einer Schreibwerkstatt für die Wikipedia zu erschließen, und so die Quellen einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Erste Gespräche mit den Projektkoordinatoren an der Staatsbibliothek haben begonnen. Mehr Informationen unter kultur@wikimedia.de.

 

 

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