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Die 22. MV im Rückblick: Wer nicht wagt…

Mit der 22. Mitgliederversammlung haben wir Neues gewagt und viel gewonnen: das Zentrum des Freien Wissens hat als größtes Rahmenprogramm bisher zahlreiche Besucherinnen und Besucher und Mitglieder in die Welt hinter der Wikipedia eingeladen und begeistert.

WMDE allgemein

28. Mai 2018

Dass uns die 22. Mitgliederversammlung nach Karlsruhe geführt hat, war kein Zufall. Die Stadt ist gleich zweifach von besonderer Bedeutung für Wikimedia Deutschland: Die Idee einer freien Wissensdatenbank, heute mit Wikidata eines der zukunftsweisenden Wikimedia-Projekte, entstand am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

In nächster Zeit wird zudem anhand des Reiss-Engelhorn-Falls vor dem Bundesgerichtshof entschieden, was Gemeinfreiheit kultureller Werke im digitalen Zeitalter konkret bedeutet. Viele Institutionen wie auch unser Gastgeber, das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, öffnen sich zunehmend für die vernetzte Welt oder erkunden sie sogar aktiv aus Kulturperspektive wie in der aktuellen Ausstellung Open Codes. Denn die Digitalisierung verändert nicht nur unser Alltagsleben in rasantem Tempo, sie stellt auch Kulturinstitutionen vor neue Herausforderungen. Der Wille zur Öffnung ist allerdings noch lange nicht selbstverständlich. Grund für uns die Diskussion zu suchen und ganz Karlsruhe und Großraum einzuladen, sich unter der Leitfrage „Wem gehört die Kunst?“ mit spannenden Fragen rund um Offenheit, Zugang und den Grenzen des Freien Wissens zu beschäftigen.

Dass es lohnt, neue Wege und Kooperationen zu erproben, wurde für uns gleich mehrfach deutlich. Los ging es schon am Freitagabend mit einem Science Slam, bei dem sechs junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter drei Stipendiaten des Fellow-Programms Freies Wissen, mit spannenden Erklärungen und viel Witz um die Gunst des Publikums warben. Wer vorher nicht geglaubt hätte, dass man Künstliche Intelligenz und ihre aktuellen Grenzen in zehn Minuten auf den Punkt bringen kann (eine sportliche Zahl an La-Ola-Wellen für die besten Witze mit eingeschlossen), durfte staunen.

Zentrum des Freien Wissens

Mit Skelex virtuell Schlangen entdecken. Foto: Lisa Dittmer für WMDE. CC by-SA 4.0

Am Samstag lud das Zentrum des Freien Wissens zu einer Entdeckungstour durch die Welt des Freien Wissens ein. Wie genau entsteht ein Wikipedia-Artikel? Was ist eine Wissensdatenbank und was hat Wikimedia mit all dem zu tun? Diese und viele weitere Fragen wurden in Kurzvorträgen, offenen Runden mit Freiwilligen und als Spiel am Glücksrad beantwortet. Skelex, eine Virtual-Reality-Anwendung und preisgekröntes Coding da Vinci-Projekt, gab einen Einblick in das Museum der Zukunft, in dem Anfassen sehr wohl erlaubt ist. Freiwillige des Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments führten Interessierte in die 360-Grad-Fotografie ein, die Bau- und Kulturdenkmäler digital auf neue Weise erfahrbar macht. Und ein Spiel zur Erkundung von Wikidata begeisterte Groß und Klein mit anschaulichen Beispielen dafür, wie die freie Wissensdatenbank Informationen für Mensch und Maschine aufbereitet und nutzbar macht.

Lisa Dittmer für WMDE. CC by-SA 4.0

Rund 250 Besucherinnen und Besucher erkundeten bei sommerlichen 30 Grad in Karlsruhe Wikimedias interaktive Ausstellungsfläche im ZKM. Auch viele der 170 anwesenden Vereinsmitglieder freuten sich über das vielfältige Angebot. Denn viele kommen über ihre Begeisterung für Wikipedia zum Verein und beginnen erst dann, sich näher mit den Hintergründen zu beschäftigen und sich an den ersten eigenen Beitrag zu einem Wikimedia-Projekt zu trauen.

Christoph, zum ersten Mal bei einer Mitgliederversammlung, war überrascht, wie einfach man einen Beitrag zur freien Enzyklopädie leisten kann, in dem man schlicht einen Fehler korrigiert oder einen nicht mehr funktionierenden Link ersetzt. Doch auch der Trend hin zu einer immer größeren Einbindung von Wikipedia-Informationen als Service ohne Kennzeichnung als solche zum Beispiel durch Sprachassistenten, überraschte ihn. Diese und weitere Herausforderungen, denen sich Wikipedia in den nächsten Jahren stellen muss, waren viel diskutierte Themen des Tages.

Lisa Dittmer für WMDE. CC by-SA 4.0

 

Der formelle Teil

Im Fokus dieser Frühjahrsversammlung stand der Rückblick auf das vergangene Jahr 2017. Es berichteten das Präsidium, der Geschäftsführende Vorstand sowie die ehrenamtlichen Kassenprüfer jeweils aus ihren Perspektiven:

Lisa Dittmer für WMDE. CC by-SA 4.0

Für das Präsidium fasste Tim Moritz Hector die Beschlüsse der Gremiums 2017 kurz zusammen, und stellte noch einmal die beiden erfolgreich kooptierten zusätzlichen Präsidiumsmitglieder Peter Dewald und Gabriele Theren vor. WMDE-Vorstand Abraham Taherivand blickte auf die Ziele des Jahres 2017 zurück, inklusive Finanzbericht. Er wurde nach einer Aussprache über alle Berichte von der Mitgliederversammlung entlastet. Auch der Bericht der Kassenprüfer fiel positiv aus.

Zwei Anträge an die Mitgliederversammlung kamen zur Abstimmung. Beide wurden auch angenommen: Die Geschäftsordnung für den Vorstand wurde aktualisiert, um einen permanenten Vertreter des Vorstands für unerwartete Ausfälle zu benennen. Außerdem wurde die Finanzordnung aktualisiert, um eine detailliertere Darstellung für Wirtschaftspläne zu definieren, die der Mitgliederversammlung zukünftig vorgelegt werden.

Das Protokoll der Versammlung wurde am 22. Juni 2018 im Vereinsforum veröffentlicht.

Where next?

Über die Berichterstattung hinaus, ging es vor allem auch um offene Gespräche mit den Mitgliedern des Vereins. Der Wikimedia-Bewegung und -projekte genießen großes Vertrauen, stehen damit aber mehr denn je auch in der Verantwortung, den Zugang zum Freien Wissen zu erweitern und die Verlässlichkeit der Informationen für die Zukunft zu garantieren. Abraham Taherivand und Tim Moritz Hector unterstrichen einmal mehr die Bedeutung der Freiwilligen-Community und riefen zur aktiven Mitarbeit auf. Darüber hinaus wird sich die Wikimedia-Bewegung globalen Entwicklungen, z.B. dem Trend hin zur mobilen Internetnutzung und dem Bevölkerungswachstum in noch unterrepräsentierten Communitys stellen müssen. Der Zukunftstalk war auch ein Appell, die daraus entstehenden Herausforderungen und Chancen gemeinsam aktiv anzugehen und als Community offen zu diskutieren.

ABC Salon: R = Reproduktion: Wem gehört die Kunst?

Denis Schröder für WMDE. CC by-SA 4.0

Welche Rolle spielen Museen im digitalen Zeitalter? Bewahrer, Gatekeeper, Wissensvermittler? Bedeutet Gemeinfreiheit im analogen Raum nicht auch Gemeinfreiheit im digitalen? Der Rechtsstreit um die Rechte am Digitalisat eines Richard-Wagner-Gemäldes, der in Karlsruhe am BGH verhandelt wird, wirft wichtige gesellschaftliche Fragen auf. In einer facettenreichen Debatte zwischen Expertinnen und Experten der Kultur- und Open-Netzweltszene zeigte der gut besuchte ABC-Salon die Komplexität dieser Fragen und einige spannende Antworten auf.

Eine ausführliche Zusammenfassung sowie das Video der Veranstaltung findest du unter https://blog.wikimedia.de/2018/06/07/wem-gehoert-der-digitale-wagner-im-wikimedia-salon-wurde-ueber-kunst-und-gemeinfreiheit-diskutiert/

Kurz gesagt

Die erste MV des Jahres war ein Experiment der Öffnung: eine neue Kooperation, neue Formate, neue Ideen. Sie war die größte, meistbesuchte, aufwandsreichste und für viele die spannendste MV, die wir je gestemmt haben. Bleibt nur, danke zu sagen, an Karlsruhe, an engagierte Mitglieder und Freiwillige, tolle Redner, mutige Slammer und ein ziemlich geschafftes Wikimedia-Team!

Bis zum nächsten Mal!

Lisa Dittmer für WMDE. CC by-SA 4.0

Kommentare

  1. Jürgen Friedrich
    8. Juni 2018 um 12:19 Uhr

    Die Welt verbessern,
    indem wir Wüsten bewässern,
    vorbeugend zur Flüchtlingsflut,
    das tut der ganzen Welt so gut !

    WEM GEHÖRT DIE KUNST ? zu reduzieren “auf den digitalen Wagner” verführt mich zur Frage WEM GEHÖRT DAS LEBEN ?

    Eine Antwort liefere ich gleich mit :

    LEBEN, denkt der Mensch beschränkt,
    das Leben sei ihm doch geschenkt. —
    Dieser Irrtum wird verziehen,
    wenn wir einseh’n NUR GELIEHEN.

  2. Udo Lenhardt
    30. Mai 2018 um 11:49 Uhr

    Kann mich dem Resümee nur anschließen: War supi!

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