Frei wie in Freibier, Freistaat und Freies Wissen

Wir haben heute Antworten auf die Fragen in unseren Wahlprüfsteinen veröffentlicht, die wir an die in Bayern zur Landtagswahl kandidierenden Parteien verschickt haben – nebst einer kleinen Auswertung zu Inhalt und Form.

Geantwortet haben innerhalb der gesetzen Frist die Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), FREIE WÄHLER Bayern (FREIE WÄHLER), Freie Demokratische Partei (FDP), DIE LINKE (DIE LINKE), Piratenpartei Deutschland (PIRATEN), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE), DIE REPUBLIKANER (REP) und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Wenn gewünscht, haben wir auf Nachfrage zusätzliche Tage für die Beantwortung der Wahlprüfsteinfragen eingeräumt, davon haben zwei Parteien Gebrauch gemacht.

Wie in einem früheren Blogeintrag geschrieben, sind die Fragen zur Bayerischen Landtagswahl identisch zu den Wahlprüfsteinfragen, die wir am Anfang des Jahres nach Niedersachsen und quasi zeitgleich mit Bayern an die hessischen Parteien geschickt haben. Damit haben wir zum ersten Mal drei Bundesländer mit drei im gleichen Kalenderjahr stattfindenden Landtagswahlen und vergleichbarer Ausgangslage. Es galt, je zwei Fragen aus fünf Themenbereichen zu beantworten, von denen eine eher allgemein gehalten und eine andere möglichst konkret formuliert war. Im Einzelnen:

Open Data:

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Wikimedia:Woche 34/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags – aufgrund des Feiertags ausnahmsweise diese Woche am Freitag – in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

= Wikimedia:Woche 34/2013 =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

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Wikidata und andere Technik auf der Wikimania

Denny, Lydia und Daniel (von Fabrice Florin, CC-by-sa 2.0)

Ich bin zurück von einer großartigen Wikimania. Zunächst einmal vielen Dank an alle, die geholfen haben die Veranstaltung zu organisieren. Es war sehr gut organisiert und eine nützliche und produktive Veranstaltung. Ich war dort, um alles rund um Wikidata sowie neue Technik wie den VisualEditor und Flow und ihre Auswirkungen auf die deutschsprachige Wikipedia zu diskutieren.

Ich hatte den Eindruck, dass Wikidata und der Visual Editor in aller Munde waren während dieser Wikimania. Egal zu welchem Vortrag, welcher Diskussionsrunde oder welchem Abendessen ich ging – jedes einzelne von ihnen hatte Wikidata und den VisualEditor zum in irgendeiner Form zum Thema. Es ist großartig zu sehen wie die Wikimedia-Gemeinschaft Wikidata in seine Reihen aufnimmt. Und der VisualEditor – auch wenn noch unfertig – scheint auch sehr schnell zu diesem Punkt zu kommen.
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Wikidata and other technical bits at Wikimania

Denny, Lydia and Daniel (by Fabrice Florin, CC-by-sa 2.0)

I’m back from an amazing Wikimania. First of all thank you to everyone who helped make the event happen. It was very well organized and an overall useful and productive event. I was there to discuss everything Wikidata as well as new technology like the Visual Editor and Flow and how they affect the German language Wikipedia.

It felt like Wikidata and the Visual Editor were on everyone’s mind during this Wikimania. No matter which talk or panel or dinner I went to – every single one of them mentioned Wikidata and the Visual Editor in some way. It’s great to see the Wikimedia community embrace Wikidata as its sister project. And the VisualEditor – while still rough – it seems is getting to that point very quickly too.
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Chapters Dialogue beginnt!

Auf der Wikimania in Hong Kong waren unglaubliche viele Menschen des Wikiversums vertreten (von Qweaz, CC-by-sa 3.0, via Wikimedia Commons)

Für das Kick-Off des Chapters Dialogue hätten wir – die Stabsstelle Internationales – uns keinen besseren Ort als die Wikimania 2013 in Hong Kong wünschen können: Zahlreiche Menschen der Wikimedia-Chapter aus aller Welt sowie Mitglieder der Wikimedia Foundation, des Boards of Trustees, des Funds Dissemination Committees (FDC) und des Affiliation Committees (AffCom) kamen zusammen, um fünf Tage lang das breite Themenspektrum des Wikimedia-Universums zu diskutieren. Die perfekte Gelegenheit für Nicole Ebber und Kira Krämer also, um mit möglichst vielen Leuten über unser neues Projekt „Chapters Dialogue“ zu sprechen. Für Kira bot sich sogar die Möglichkeit, bereits erste Interviews führen zu können.

Was ist Chapters Dialogue nochmal?

Bei dem Projekt Chapters Dialogue geht es darum, Bedürfnisse, Ziele und persönlichen Geschichten von allen Wikimedia-Chaptern und weiteren Organisationen strukturiert zu sammeln und auszuwerten, um ein gemeinsames Verständnis der momentanen Situation des Wikimedia-Universums zu schaffen. Und was könnte einen Dialog besser starten, als ein persönliches Gespräch? Hierfür gab es auf der Wikimania genügend Gelegenheiten.

Vorstellung des Projekts auf der Pre-Conference der Wikimania

Gestartet sind wir mit einer zweistündigen Session auf der sogenannten Pre-Conference, welche die zwei Tage vor der eigentlichen Konferenz stattfand: Nicole Ebber und Kira Krämer stellten das Projekt und die geplante Vorgehensweise vor, um anschließend die Diskussionsrunde zu eröffnen und Feedback von den Teilnehmern einzusammeln. Gerade bei den Fragen, die wir vorab auf Meta-Wiki veröffentlicht haben, gab es viel Diskussionsbedarf:

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Blogpostreihe – Höhepunkte aus dem Programm der OER-Konferenz 2013

Vom 14.-15. September 2013 werden wir in Berlin die erste OER-Konferenz für den deutschsprachigen Raum veranstalten. In loser Folge werden daher ab jetzt bis zur Konferenz die Highlights im Programm der Konferenz (#OERde13)  durch die Mitglieder des Review-Teams vorgestellt. Den Anfang macht Jöran Muuß-Merholz, Programmkoordinatoer der Konferenz. Sein Favorit ist der vielleicht kontroverseste Talk des Programms: “Das CC-Debakel – eine Bilanz nach 10 Jahren CC-Lizenzen”.

Bereits vor einigen Wochen haben wir über den ersten Entwurf des Programms und das Bündnis der Partner berichtet, die wesentlich zur Umsetzung der Konferenz beitragen. Im Juli hat die Deutsche UNESCO-Kommission die Schirmherrschaft zur Konferenz übernommen. Nun ist das Programm fertig und wir möchten die Hinghlights vorstellen. Die OER-Konferenz setzt sich zusammen aus einem kuratierten Teil und einem offenen Konferenzteil, der in Form eines BarCamps organisiert ist. Zur Ausgestaltung des kuratierten Konferenzteil gab es ein Review-Team, das unter den vielen Einreichungen das Programm zusammengestellt hat. Es zeichnet sich aus durch die unterschiedlichen Ebenen von OER (von Lizenzen bis hin zur Praxis) und den internationalen Input für die Bewegung im deutschsprachigen Raum. Im Folgenden wird nun das erste Highlight des Programms von Jöran Muuß-Merholz. vorgestellt.

“Das CC-Debakel – Eine Bilanz nach 10 Jahren CC-Lizenzen”

3 Schichten der Creative Commons Lizenz , Creative Commons,CC-BY 3.0

“Ich habe für meine persönliche Empfehlung den Talk ”Das CC-Debakel – Eine Bilanz nach 10 Jahren CC-Lizenzen” von Michael Seemann und Mathias Schindler gewählt. Für mich ist der Talk zunächst einmal außergewöhnlich, weil er unter 50 Einreichungen beim Call for Participation zur Konferenz den Beitrag, der die kritische Grundhaltung am deutlichsten darstellt. Wenn es nach mir geht, könnten wir noch deutlich mehr davon haben! Zu einer großen OER-Debatte gehört auch die Auseinandersetzung mit der Kritik – von den kleinen Details bis zur großen Polemik. Es ist ja nicht so, dass wir für OER in Deutschland ein fertiges Konzept in der Schublade haben, das nur noch umgesetzt werden muss. Ich hoffe, dass es bei der Konferenz auch neben dieser Diskussion viele kontroverse Diskussionen geben wird.”

Zu den Speakern

Michael Seemann Kulturwissenschaftler und Blogger. Zu finden unter http://mspr0.de/, podcastet unter http://wir.muessenreden.de/ und twittert unter https://twitter.com/mspro. Anlässlich des zehnten Geburtstags der Creative Commons Lizenzen 2012 veröffentlichte er auf ZEIT online eine Kritik, in der er die CC-Lizenzen als “Ökoladen der Nerd-Elite” bezeichnet. Seine Kritikpunkte: Die Lizenzen sind ein Nischenphänomen, zu kompliziert, in den meisten Varianten zu stark einschränkend und zu kompiziert für ein professionelles Arbeiten.

Mathias Schindler ist seit 2003 Autor bei Wikipedia und gründete 2004 gemeinsam mit anderen Freiwilligen den Verein Wikimedia Deutschland e.V., dem er drei Jahre lang als ehrenamtliches Vorstandsmitglied angehörte. Er ist seit 2009 Projektmanager bei Wikimedia Deutschland im Bereich Politik und Gesellschaft. In seiner Freizeit bloggt er bei netzpolitik.org. Twittert unter https://twitter.com/presroi.

PS: Auf pb21.de – Medienpartner der #OERde13 – wurde auch ein Podcast von Michael Seemann und Jöran Muuß-Merholz veröffentlicht.

Weitere Vorstellungen werden in den nächsten Wochen folgen. Näheres zum Programm findet sich hier.

Jöran Muuß-Merholz ist Diplom-Pädagoge und mit seiner Agentur J&K – Jöran und Konsorten an den Schnittstellen von Bildungswelt und digitaler Welt aktiv. Er ist Co-Autor des Whitepaper zu OER an Schulen in Deutschland, organisierte 2012 das erste OERcamp und  ist in diesem Programmkoordinator der OER-Konferenz. Zudem koordiniert die Redaktionsarbeit von pb21.de – Medienpartner der #OERde13 – wo in den Wochen vor der Konferenz ein Schwerpunkt zum Thema OER gesetzt wird.

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Wikimania 2013 – Rückblick und Ausblick

Prof. Dr. Ilona Buchem ist Gastprofessorin an der Beuth Hochschule für Digital Media & Diversity und kooperiert mit Wikimedia Deutschland im Rahmen des Projekts „Diversität für Wikipedia“. In diesem Gastbeitrag berichtet sie über ihre Eindrücke von der Wikimania.

 

Die Wikimania 2013 in Hong Kong war meine erste Wikimania. Mit einem Gaststipendium von Wikimedia Deutschland ausgestattet konnte ich an allen Sessions des Hauptprogramms teilnehmen und durfte am Samstag im Track “Community III – Women” zu unserem Projekt “Wikipedia Diversity” vortragen (siehe: Einreichung und Folien) sowie zwei Meet-ups zum Thema Diversity gemeinsam mit Cornelia Trefflich aus dem Bereich Bildung & Wissen veranstalten.

Im Gespräch beim Gender-Diversity Meet-Up, Foto: Ilona Buchem (cc-by-sa 3.0)

Für mich als Newcomerin in der Wikimedia/Wikipedia-Szene war die Wikimania 2013 eine wahre Offenbarung – von dem Ausmaß und der Stärke dieser aufgeschlossenen, international vernetzten und engagierten Gemeinschaft hatte ich vorher nicht die geringste Ahnung. Es ist einfach faszinierend und beispielhaft, wie sich Wikimedia als eine Graswurzelbewegung aus der eigenen Kraft heraus entwickelt und mit der eigenen Philosophie und Aktivitäten in verschiedenen Bereichen, angefangen mit dem offenen Zugang zum Wissen und zu digitalen Ressourcen über  internationale Zusammenarbeit hin zum sozial-politischen Engagement, die Gesellschaft beeinflusst.

Überrascht hat mich auch die Themenbreite und die diversen Teilprojekte, die sich um die Wikipedia herum entwickeln, bzw. entwickelt haben, u.a. die Bemühungen um verschiedene Sprachversionen (z.B. Beitrag zu indigenen Sprachen), die verschiedenen Ausrichtungen der Wikipedia-Forschung (siehe z.B. Überblick zu Forschung 2012), die zahlreichen Aktivitäten zur Förderung des freien und offenen Zugangs zur digitalen Kulturerbe (z.B. Überblick zu GLAM Aktivitäten), die Entstehung der Schwesterprojekte (z.B. Wikivoyage) und die Diversitätsförderung auf verschiedenen Ebenen, u.a. Erhöhung der Beteiligung in der Südhemisphäre (siehe z.B. WMF Strategie „Global South“) und eine ausgewogenere Geschlechterbeteiligung (siehe z.B. Beteiligung von Frauen an der Wikipedia in Indien).

 Auch das von mir vorgestellte Projekt zu (Gender-)Diversität in der deutschsprachigen Wikipedia (siehe Projektsteckbrief) hat eine positive Resonanz erhalten. Eine der Reaktionen war z.B. die Frage eines (männlichen) Teilnehmers in einem Pausengespräch: “How can I help?”. Viele Teilnehmenden haben auch Vorschläge zu den einzelnen Aspekten gemacht, z.B. Wie können wir einen freundlichen Umgang miteinander fördern? Wie können wir Frauen für verschiedene Wikipedia-Projekte begeistern?

Für alle, die eigene Meinungen und Ideen mit uns teilen wollen, gibt es eine Umfrage im  Google Formular und eine kollaborative MindMap in denen jede und jeder Vorschläge, Meinungen und Hinweise zur Gender Diversity abgeben kann. Die bereits eingereichten Ideen sind sehr aufschlussreich und helfen uns sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen, die von der Wikipedia-Community gesehen werden, besser zu verstehen. Ich freue mich auf alle Beiträge – sowohl aus der internationalen als auch aus der deutschsprachigen Wikipedia-Community, gerne auch per E-Mail an: buchem@beuth-hochschule.de

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Wikimedia:Woche 33/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags – aufgrund des Feiertags ausnahmsweise diese Woche am Freitag – in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Wikimedia:Woche 33/2013

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

Die Ausgabe ist eine Sonderausgabe aufgrund der zahlreichen Informationen, die auf, um und während der Wikimania 2013 in Hongkong veröffentlicht wurden. Soweit es sich einrichten ließ, sind auch diese Informationen in den üblichen Kategorien einsortiert. Für weitere Information bzgl. der vergangenen Wikimania empfiehlt sich eine Lektüre des Wikimania-Wikis (wikimania2013.wikimedia.org).

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Wikimania, WCA und Wahnsinn

Ein weiteres Kapitel in der WCA geht zu Ende. Zunächst standen die Zeichen für die Vereinigung und ihre Projekte gar nicht schlecht, wir hatten ein Seminar für Organisationen angeboten und dies war gut und hochkarätig besucht. Die Themen Vereinsstrukturen, Verhältnis zur Wikimedia-Welt und Finanzierung wurden in jeweils einer Session ausführlich diskutiert. Als Panel-Teilnehmer hatten wir unter anderem Mitglieder der Foundation, Geschäftsführer von Chaptern, das Affiliations Committee, und das FDC an Bord.

Dann allerdings überschlugen sich die Ereignisse. Am Mittwoch nach dem Seminar machte das Gerücht die Runde, dass Wikimedia Frankreich aus der WCA aussteigen wird. Es war einigermaßen klar, dass dies der WCA nicht gerade nützen, sondern vielmehr zumindest  die inhaltlichen Workshops, die für den nächsten Tag geplant waren, sprengen würde. Wie also reagieren? In einer eilig einberufenen Präsidiumssitzung, vielen Gesprächen mit WCA Ratsmitgliedern in der Hausbar und einem gemeinsamen Frühstück mit Ziko van Dijk, meinem Stellvertreter, wurde sehr deutlich, dass die WCA allgemein nicht als Erfolgsprojekt gesehen wird und noch geschwächter aus dieser Situation herausgehen würde:

  • Die WCA findet in den Präsidien der Chapter keine mehrheitliche Unterstützung.
  • Viele Chapter haben sich mit ihrer passiven Haltung faktisch aus der WCA zurückgezogen.
  • Es stehen Erwartungen im Raum, die mit den vorhandenen Ressourcen nicht erfüllt werden können.
  • Wir schaffen es nicht, die Strukturdebatten hinter uns zu lassen.

Manchmal muss man Entscheidungen schnell treffen, wenn die Zeit reif ist. Für Ziko und mich war klar, dass wir nicht weiter als Frontfiguren für eine Organisation stehen können und wollen, die keine Unterstützung in der Wikimedia Welt findet. Die Entscheidung, den Vorsitz des Rates abzugeben, war daher für uns beide nur eine logische Konsequenz.

In der auf die Aus- und Rücktritte folgenden Debatte wurde vieles gesagt. Sehr bezeichnend fand ich die Szene, als wir in einem Blitzlicht über den Fortbestand der WCA abstimmten. Das Ergebnis, eine schwache Mehrheit für die Beibehaltung, wurde kommentiert mit dem Vorschlag, jetzt müsse also nur noch eine neue Verfassung der WCA ausgearbeitet werden, dann wären wir ja wieder auf einem guten Weg. Mei, da kann man nicht mehr helfen.

Dabei ist der Austausch und die gemeinsame Arbeit der Chapter und Thematischen Organisationen ungemein wichtig, wenn wir uns als internationale Wikimedia zusammenfinden und weiterentwickeln wollen. Ich werde daher zukünftig meine Energie in den Aufbau von Projekten stecken, die diesem Ziel dienen. Ein paar Ansätze gibt es schon:

Jede Hilfe ist dabei willkommen!

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„My beautiful life thanks to PLV“ bei 91 Dezibel

Auf der diesjährigen Wikimania in Hongkong war die Zukunft der Wikipedia eines der großen Themen. Unter dem Titel “Imagine the Wikipedia in 2022” luden Dirk Franke und die Autorin die anwesenden Zukunftsforscher unter den Wikipedianern ein zu visionieren.

Rote Plüschsitze, goldene Tressen, Marmor und auf Hochglanz lackiertes Holz. Wir befinden uns im kühlen Jockey Auditorium der Politechnischen Universität in Hongkong. So scheint es. In Wirklichkeit ist dies die geheime Starbahn der Wikimania Zeitmaschine. Denn 10 Sekunden nach Beginn des Countdown landen geschätzt 200 Menschen im Jahr 2022.

Drei dominante Trends prägen die Online Welt: Personalisierung, Vernetzung und Visualisierung. Dabei steht Personalisierung für die tatsächliche oder scheinbare am User orientierte Ausrichtung aller IT gestützten Dienstleistungen und Produkte. Vernetzung umfasst nicht nur Personen und Institutionen, sondern auch in exponentieller Weise die Vernetzung mit dem Internet der Dinge. Ob Auto oder Fernseher, alle Dinge um uns interagieren mit uns. Sie senden Informationen, die wiederum unmittelbar auf unsere Umgebung zurückwirken. Schließlich wird das unbedingte Visualisierungsdiktat dazuführen, dass die Wikipedia in 10 Jahren 70% Bildanteil zu 30% Textanteil aufweisen und die Fähigkeit sich auf Texte einzulassen, die zwei Tweetlängen überschreiten, gegen Null tendieren wird.

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P für Personalisierung. Als einer der großen Online-trends.

Die Vision des Organisationssoziologen Benjamin Mako Hill

Das große Online Projekt in 2022 ist die NEWPEDIA. Nachdem in der Wikipedia ein siebenstufigen Wizard eingeführt wurde, dem jeder folgen muss, bevor er/sie  einen Artikel editieren darf, starteten ein paar Open Knowledge Fans ein neues Projekt: die NEWpedia. Hier kann jeder beitragen in der Art, wie er will. Die Wikipedia ist in die Bedeutungslosigkeit abgesunken und alle nutzen nur noch NEWpedia. Etwaige Parallelen zur Nupedia sind ganz zufällig.

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The Wikipedia Ltd. nach Christophe Henner

Als Reaktion auf sinkenden Spendeneinnahmen in Folge der steigenden Lebensmittelpreise nach den Turbulenzen auf den Finanzmärkten und Mißernten im Zuge der globalen Klimaveränderung beschloss die Wikimedia Foundation sich in ein kommerzielles Unternehmen umzuwandeln und verkaufte Werbeflächen in der Wikipedia. Dies war erst der Anfang des erfolgreichsten Medienunternehmens des vergangen Jahrzehnts. Im Jahr 2022 zahlt man nicht nur dafür, die Wikipedia werbefrei zu lesen, man zahlt auch dafür in der Wikipedia editieren zu dürfen, man zahlt für die Nutzung der Wikipedia und natürlich sind die Möglichkeiten der Werbung viel ausgefeilter als einfache Clips am Rande der Artikel. Der Börsengang steht unmittelbar bevor.

“Back to the Roots and have fun” meint Melissa Parisi

Die Wikipedia ist zu ihren Anfängen zurückgekehrt. Jeder kann einfach sich auf das Editieren konzentrieren, die Edit-Wars haben aufgehört und man hat einfach wieder Spaß daran in der Wikipedia mitzuarbeiten.

L für Linking up, der 2. große Online Trend. Hier dargestellt durch eine Kunstinstallation im Stromnetz von San Franzisko.

Alle Museen sind wikifiziert orakelt Glambora

GLAM Institutionen im Jahr 2022 begrüßen längst keine Besucher mehr, sondern interagieren mit Usern über die präsentierten Inhalte. Die gesellschaftliche Relevanz des kulturellen Erbes definiert sich nahezu ausschließlich über die Publikumsinteressen. Sinneserfahrungen, emotionale Narrative und Authenzitität sind zentrale Motive für einen Ausstellungsbesuch. Raumerfahrung und Kontextualisierung sind die entscheidenden Kriterien zum Erleben der Sammlungen vor Ort. Unterstützen lässt sich der emanzipierte User hierin durch einerseits seine sozialen Netzwerke, die ihm / ihr Orientierung im enormen Kultur- und Informationsangebot versprechen, andererseits durch Wissensaggregatoren wie die Wikipedia, die ihn / sie über geeignete Schnittstellen auf seine /ihre Bedarfe zugeschnittene Hintergrundinformation zum Objekt bieten. Im Netz stellt er / sie ganz individuell digitale Inhalte zusammen und generiert daraus neue Interpretationsansätze. Die Mitarbeiter der GLAM-Einrichtungen diskutieren in den jeweiligen Foren diese Interpretationen mit den Usern. Forschung im akademischen Sinne stellt nur einen Bruchteil der Arbeit dar, das Befüllen der Wikipedia Plattformen ist in das Zentrum gerückt. Entscheidend für die Wikipedia war es, dass interaktive Anwendungen sich einfach in die Wikipedia integrieren ließen.

Die Wikipedia wandert in den Untergrund glaubt Dirk Franke

In zehn Jahren editiert nur noch eine Elite tatsächlich in der Wikipedia. An der quirligen Oberfläche buhlen unzählige Apps ( ) und APIs um die Gunst des Lesers. Sie alle speisen sich aus der Wikipedia. Zum Beispiel: Bots lesen Artikelinhalte aus und lesen sie vor, wenn man etwa vor einem Denkmal steht. Den meisten Anwendern ist gar nicht bewusst, dass sie die Wikipedia-Inhalte nutzen und die meisten Wikipedia-Autoren sind darüber auch nicht unglücklich. So können sie ungestört von den immer wilderen und schrilleren Inhalten ihren Mikrokosmos der komplexen Regularien der Wikipedia pflegen. Es ist nur eine kleine Schar von Savants, die so zusagen im Keller des Wissens die Wikipedia in Reinkultur fortführen.

Stimmen aus dem Auditorium

Aus Indien: Es gibt nur noch eine Wikipedia und ein Übersetzungsprogramm für alle Sprachen dieser Welt.

Aus Hongkong: Wiki wird zum allumfassenden Lebensstil. Selbst das reale Leben ist wikifiziert.

Aus Südafrika: Der Regionalität des Wissens wird mehr Rechnung getragen und aus der Gegenwart fallendes Wissen wird multimedial in der Wikipedia konserviert.

Aus Deutschland: Wikipedia wird es zwar noch geben, aber der Bildungsaspekt wird sehr viel wichtiger sein als heute.

Aus Niederlanden: Wikipedia findet Eingang in die Grundschulen. Das Problem der nur kurzzeitig relevanten Artikel, die nicht aktualisiert werden, wird gelöst sein.

Aus Hongkong: Durch exzessives Crowd Sourcing werden alle verfügbaren Daten in die Wikipedia integriert und über entsprechende Schnittstellen so aufgearbeitet, dass ich mich über jedes Ding oder Thema meiner Wahl auf dem Niveau informieren kann, wie ich es in diesem Augenblick wünsche.

Aus den USA: Das Vorbild der Wikipedia als riesiges globales Projekt der Zusammenarbeit strahlt auf andere gesellschaftliche Bereiche aus.

Aus Deutschland: In der Zukunft werden nicht aktualisierte Artikel automatisch gelöscht.

Aus Argentinien: In zehn Jahren gibt es entweder eine chinesische Wikipedia oder gar keine mehr.

Aus Südafrika: Die Wikimedia Foundation muss gegebenenfalls in eine Region umziehen, wo Pressefreiheit wirklich garantiert wird.

Aus unbekannt: In der Zukunft können wir auch das verborgene Wissen auf den Diskussionsseiten für die Wikipedia nutzen.

V für Visualisierung. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, sprach Napoleon. Der 3. der Online Trends.

Jetzt kam der Applausometer zum Einsatz. Zwei Tendenzen standen zur Wahl.

Option A: Die Wikipedia bewahrt ihre Qualität und ihre Grundsätze.

Option B: Die Wikipedia öffnet sich. Sie wird bunt, multimedial und schließt interaktive Anwendung ein.

Ein Brausen, Trampeln, Klatschen und Johlen ließ den Staub der Ehrwürdigkeit des Jokey Auditoriums im Saal tanzen und dann stand das Ergebnis fest. 91 Dezibel wurden für die Option B gemessen. Das war doppelt so laut wie für Option A. Eine Mehrheit der Zukunftsforscher im Saal sieht die Zukunft der Wikipedia demnach in der Öffnung.

Und wie sehen Sie die Zukunft der Wikipedia? Schreiben Sie uns Ihren Kommentar oder nehmen Sie teil an der Umfrage “Predict Wikipedia’s future”.

Bildnachweise:

Bild 1: Katja Ullrich via Wikimedia Commons CC BY SA
Bild 2 Katja Ullrich vie Wikimedia Commons CC BY SA
Bild 3 Napoleon traversing the Alpes. Painting by J.L. David, Schloss 
Charlottenburg Berlin via Wikimedia Commons CC BY SA

 

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