Kein Mensch ist irrelevant?!

Aktuell wird in der Wikipedia, in vielen Blogs und auf Twitter über eine wichtige und immer wiederkehrende Frage diskutiert: Was ist Relevanz? Welche Personen sollen einen eigenen Wikipedia-Artikel haben, welche Organisationen, welche Ereignisse sind so wichtig, dass sie in einer Enzyklopädie Aufnahme finden sollten?

Auf der einen Seite gibt es die „Inklusionisten“, die grundsätzlich dafür sind, möglichst viele Themen in der Wikipedia mit einem eigenen Artikel zu behandeln, solange diese Artikel den Grundprinzipien entsprechen: Neutralität im Inhalt und im Stil, verständlich und informativ und mit Belegen versehen. Hier wird also nicht der Artikelgegenstand als Maßgabe für die Aufnahme genommen, sondern die Qualität des Artikels.

Die „Exklusionisten“  hingegen berufen sich bei der Frage, ob etwas einen eigenen Artikel haben sollte oder nicht, auch auf die Wikipedia:Relevanzkriterien. In diesem umfangreichen Kriterienkatalog hat sich die deutschsprachige Community für eine Vielzahl von Themen auf Kennzahlen oder Merkmale geeinigt, die die Relevanz eines Themas messbar machen sollen.

Die aktuelle Debatte, die sich an der Löschung des Artikels „Missbrauchsopfer gegen Internetsperren“ (MOGIS) entfacht hat, zeigt aber auch etwas anderes: Es ist für jemanden ohne lange Erfahrung innerhalb der Wikipedia enorm schwierig, sich mit den dortigen Regeln und der Form der Diskussion Vertraut zu machen. Häufig reden die Parteien aneinander vorbei, Argumente für das Löschen werden als „Zensur“ beschimpft, Argumente für das Behalten eines Artikels als „Selbstdarstellung“ oder „Werbung“; gelegentlich entgleist die Diskussion auch völlig. Hier treffen unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Stile aufeinander – und es ist nicht immer leicht für Neulinge, sich da zurecht zu finden und die Nuancen einer solchen Diskussion zu erfassen. Zugleich ist es nicht immer einfach für erfahrenen Wikipedianer, sich auf die Sichtweise von „Externen“ einzulassen. Missverständnisse sind programmiert.

Der Verein Wikimedia Deutschland, dessen Ziel die Förderung und Verbreitung Freien Wissens ist, möchte dabei helfen, diese Missverständnisse auszuräumen. Wir laden daher kurzfristig für den 5.11. um 18.00 Uhr (der Termin kann sich aber eventuell noch ändern) in die Räumlichkeiten des Vereins in Berlin ein, um mit Vertretern der einzelnen Positionen zu diskutieren. Dazu laden wir auch Online-Journalisten und Redakteure von Blogs ein, die selbst nichts mit der Wikipedia zu tun haben. Möglichst unterschiedliche Perspektiven und Argumentationen sollen bei diesem Gesprächstermin berücksichtigt werden. Selbstverständlich sind Zuschauer ebenfalls willkommen, die Diskussion wird offen sein. Das Programm wird gerade von uns zusammengestellt und in den kommenden Tagen hier veröffentlicht, Tipps und Hinweise sind auch hier stets willkommen: info@wikimedia.de

Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Dienstag, Oktober 20th, 2009 um 17:16 Uhr und ist zu finden unter Allgemein. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (185 Bewertungen, Durchschnitt: 2,87 von 5)
Loading...

115 Responses to “Kein Mensch ist irrelevant?!”

  1. Wikileaks sagt:

    Ich möchte eben etwas zu zwei Artikel im Wikipedia-Kurier sagen, weil ich den starken Verdacht habe, dass die Wikipedianer wenig Ahnung von den Realitäten haben.

    Artikel: „Blogosphäre bitte draußen bleiben“
    « Im besten Fall werden Blogs von zweitklassigen Wissenschaftlern betrieben, im Normalfall vom Prekariat. »

    Erstens verwahre ich mich als Wissenschaftler und Vertreter der Aufklärung schärfstens dagegen, dass man sich hier in abwertender Weise des Begriffes des „Prekariats“ bedient. Das ist nichts anderes als eine Beleidigung. Zwei Dinge dazu: „Wissen“ ist keine Veranstaltung für Angeber. Und das meiste Wissen, das heute gelehrt wird an Akademien und Hochschulen, ist nie so komplex gewesen, dass man die Kernpunkte nicht auch Leuten ohne langen Bildungsweg beibringen kann (das gilt genaugenommen auch für die RT, man muss es nur richtig machen). Dem gegenüber bekomme ich als Wissenschaftler Studien und Theorien auf den Tisch, die jeder Beschreibung spotten und bei denen ich des Öfteren das Gefühl habe, ein gemütlicher Bauer hätte sie einfach frei erfunden, als er mal wieder auf seinem Donnerbalken philosophiert hat.

    Wenn man den Anspruch, der vom Artikelschreiber in seiner unsäglichen und inkompetenten Arroganz da demonstriert wird, dann der Wikipedia einmal ergebnisorientiert gegenüber stellt, dann kommt da allerdings etwas anderes heraus – ich übersetze das mal in MKs Sprache:

    Die Relevanzkriterien der aktuellen Wikipedia führen genau dazu, dass sie überwiegend „Konsumgüter“ darstellt, während Wissenschaft/Politik/Recht/Wirtschaft/Kunst/Kultur vollkommen unterbewertet und unterräpresentiert werden. Damit „unterschreitet“ man sogar die Anforderungen eines „Prekariats“ deutlich. Denn es ist nicht so, dass die WP nicht in Arbeiten für Universitäten und Fachhochschulen nicht zitiert werden darf, sondern sie darf sogar an „Schulen“ vielfach nicht zitiert werden. Das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen, wenn man sich mit seinen eingebildeten Ansprüchen weiterhin in der Öffentlichkeit nach Stich und Faden lächerlich macht!

    Artikel: „Wikipedia, öffne Dich!“
    « Wir müssen erklären können, wie Vorgänge funktionieren und warum wir uns für transparent und frei halten. Wir müssen auch erklären können, warum es bei uns Regeln, Vorgänge und Einigungen gibt, die es in der großen Schwester, der englischen Wikipedia, nicht gibt.»

    Daran hapert es ganz eindeutig nicht, die Vorgänge sind für Außenstehende in den Löschdiskussionen dokumentiert. Die Wikipedianer wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass die Relevanzkriterien gegenüber den fachlichen Anforderungen an eine freie Enzyklopädie als „klar fehlerhaft und schwer mangelhaft“ erkannt werden. Und die Vorgehensweise und Machtstrukturen sind ebenfalls mangelhaft, weil die Macht im Moment – für Außenstehende nachvollziehbar – von Personen ausgeübt wird, die mit der Betreuung einer freien Enzyklopädie in jeder Hinsicht überfordert sind.. Das demonstrieren sie in diversen Löschdiskussionen, in denen sie unfähig sind, argumentativ vor- und auf Andersmeinende einzugehen und den Standpunkt vertreten, ein „Diskurs“ würde mit hohlen Polemiken bestritten, die man sich wegen seiner langjährigen Zugehörigkeit „rausnehmen“ dürfe.

    Der verbliebene Rest an Qualität in der Wikipedia – und ihre Autoren – werden im Moment von einer Minderheit von „Relevanz-Inquisitoren“ an die Wand gedrückt in einer Weise, die man nur noch als „fortschreitende Verdummung“ (siehe Konsumgüter) bezeichnen kann.

    Für die Inquisitoren hier noch eine Glosse von Markus Kompa:
    „Ich kam schon in einer Zeit zurecht, als es noch gar keine Wikipedia gab.“
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31378/1.html
    (Für Interessierte: der Name „Driverman“ bezieht sich auf Eugen Drewermann)

  2. Kein Mensch ist irrelevant?! « Donutpiraten Blog sagt:

    […] Quelle […]

  3. Frank sagt:

    Liebe Wikimedia, bitte denkt ernsthaft darüber nach, die Diskussion in einen hinreichend großen Raum zu verlegen. 100+ ist sicher eine sinnvolle Planungsgrundlage. Wenn zu wenig Platz ist wird leider das Ziel verfehlt. Danke!

  4. SevenOfMine sagt:

    „Wenn das Gehirn so einfach wäre, daß wir es verstehen könnten, wären wir zu dumm, um es zu begreifen.“ (Jostein Gaarder)

    So ähnlich verhält es sich anscheinend auch mit der de-Wikipedia.
    Und wenn schon WP-Admins irgendwie irgendwann von irgendwem irgendwo gewählt wurden, sind sie dennoch keine Kanzler oder Präsidenten, die eine Macht auszuüben haben, sondern eher administrative Sozialpädagogen – im wahrsten Sinne des Wortes: sozial, da sie Mitglied einer Gemeinschaft sind, über die sie nicht zu bestimmen haben, sondern deren Teil sie sind; Pädagogen, weil es um Wissen und dessen Vermittlung und Form geht, die sie lediglich verwalten und nicht diktieren sollen.

    An der Relevanz kränkelt die de-WP ebenso lange wie therapieresistent, so daß die de-WP längst selbst beträchtlich an Relevanz verloren hat. Seit Jahren wird versucht, mit typisch deutsch- kleinbürgerlicher Beamten-Mentalität enzyklopädisches Wissen zu verwalten. Das ist vollends in die Sackgasse bis an die Wand gefahren und nun auch weithin sichtbar geworden. Der Schaden _ist_ bereits immens, zu viele solide Artikel wurden maßlos gelöscht, zu viele Autoren wurden sinnlos vergrault, zu viele Suchanfragen bleiben heute ohne Not ergebnislos. Wenn Relevanzkriterien derart destruktiv angewandt werden, daß nur das relevant ist, was ohnehin bereits jeder weiß, dann hat sich der Sinn und Zweck einer Enzyklopädie in sich selbst erschöpft.

    Ich machte mir einmal die Mühe, einen de-WP-Artikel zu erstellen, indem ich einen der en-WP übersetze und ausbaute, nachdem ich in der de-WP einfach nichts fand. Anklage, Ermittlungsergebnis und Urteil in einem Streich: irrelevant.
    „Mit Arroganz gegen die Irrelevanz“ wurde jahrelang stur und unbeirrbar ein Kreuzzug im Namen einer höher relevanzbeseelten Wissenselite geführt, und nun plötzlich ist die Entrüstung groß, daß sich eine Flutwelle massiven, breit wie lang und hoch angestauten Frustes entlädt? Das beweist doch nur die Borniertheit eines Löschregimes, welches sich da unjüngst etabliert und sich jahrelang gegen jegliche berechtigte Kritik gesperrt und anderen Argumenten völlig verweigert hat. Und sich nun immer noch ebenso arrogant wie ignorant entgegenstellt, weil es nun nicht gefälligst gelobpudelt, sondern blasphemisch kritisiert wird, da ja alle Kritiker keine Ahnung vom „System Wikipedia“ haben?!
    Ich muß auch keine Ahnung vom „System Auto“ haben und erst jahrelang studieren und Ingenieur werden, um es fahren zu können und bei Bedarf Sprit, Wasser und Öl nachzufüllen. Vor allem muß ich mir nicht arrogant von einem „System Auto“ sagen lassen, daß jede zweite meiner Fahrten einfach nicht relevant genug ist, um überhaupt erst anzuspringen, und wenn ich das dennoch meine, daß ich dann eben nur in englischsprachigen Gegenden fahren soll.

    Dieser Sturm, der da an MOGIS entfacht ist, kommt jedenfalls nicht von ungefähr, sondern aus gleich mehreren Richtungen: von frustrierten Autoren, deren Engagement als irrelevant abgetan wird, von frustierten Benutzern, deren Suchanfragen zunehmend nur noch in der en-WP zu einem Ergebnis führen, und von einer Schar selbstherrlicher Admins, die selber gern jegliches Augenmaß und Umgangsformen vermissen lassen, sie dann bei den anderen aber umso beharrlicher einfordern.

    „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt fühlen, sondern vielmehr dadurch, daß die Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“
    (Max Planck)

  5. AK's weblog sagt:

    Eine Zusammenfassung der gestrigen Chaosradio-Wikipedia-Diskussion…

    Gestern war ja Chaosradio zum Thema Wikipedia bzw. der derzeitigen Kontroverse von Exkludismus und Inkludismus. Ich habe mir erlaubt, den meisten Teil der Sendung per Twitter zu verfolgen (ausgenommen der Zeit, wo ich telefoniert hab), und möchte einig…

  6. Wikimedia Blog : Relevanz in der Diskussion – Was kommt eigentlich in die Wikipedia und was nicht? sagt:

    […] bereits kurz angekündigt laden wir interessierte Wikipedianer, Blogger, Journalisten und generell alle Freunde […]

  7. Zensurgegner sagt:

    Schönes Beispiel : der Artikel zum Exklusionismus wurde nach 21 Minuten gelöscht und sinnfrei nach Exklusion weitergeleitet.

    Quelle : http://anonymus.posterous.com/inklusionismus-und-exklusionismus

  8. Deutschland: Wikimedia lädt zur „Relevanz“-Diskussion nach Berlin ein « Wir sind das Internet sagt:

    […] bereits kurz angekündigt laden wir interessierte Wikipedianer, Blogger, Journalisten und generell alle Freunde […]

  9. Wikileaks sagt:

    Das ChaosRadio führte diese Woche eine Diskussion zum Thema Wikipedia, bei der auch der Admin „Sargoth“ anwesend war. Manche Äußerungen von Sargoth lassen mich vermuten, dass sowohl Wikimedia als auch Wikipedia einem grundlegenden Missverständnis aufsitzen, was „Relevanz“ und „Qualität“ betrifft:
    ______________________________________

    „Qualität“ in der Wissenschaft wird dadurch erreicht, dass man alle möglichen Theorien zulässt, und die falschen „widerlegt“. „Relevanz“ hat in der Wissenschaft jede solche Theorie, die wahr ist (also einen Ausschnitt der Wirklichkeit hinreichend nahe beschreibt) und die nicht trivial aus allen anderen, bereits akzeptierten Theorien ableitbar ist. Es ist dabei egal, ob diese Theorie irgendjemanden „konkret“ interessiert. Kurz: eine Theorie ist auch dann wissenschaftlich relevant, wenn sie über 100 Jahre nicht nur niemand anwendet, sondern sich auch niemand dafür interessiert, wenn aber die Punkte „wahr“ und „nichttrivial“ erfüllt sind. Demgegenüber gilt „Relevanz“ allerdings auch noch für alle widerlegten Theorien, weil sie methodische Fehler dokumentieren und charakterisieren. Für Theorien, die schwer oder gar nicht entscheidbar sind, gilt das Gebot des Meinungspluralismus bzw. der Meinungsvielfalt.

    Insbesondere aus den letzten beiden Punkten hat sich das Prinzip einer „grundsätzlichen Dokumentationsverpflichtung“ abgeleitet, das heute die Basis jeder Qualitätssicherung darstellt, beispielsweise auch in der Industrie. Industrielle Normen empfehlen außerdem, dass Informationen, deren Relevanz man nicht entscheiden kann, unbedingt aufzuheben sind: das heißt „in dubeo pro scripto“.

    Relevanzkriterien sind generell nicht qualitätsstiftend sondern qualitätsmindernd, weil sie ein Zugeständnis an Beschränkungen sind. Man muss sich immer dann mit Relevanz beschäftigen, wenn man Beschränkungen berücksichtigen muss. Die ersten Enzyklopädien sollten Werke sein, die dem Besitzer andere Bücher ersetzen und ihm eine Bildungsgrundlage anbieten. Man musste also darauf achten, dass sie nicht zu umfangreich wurden.
    ______________________________________

    Die Wikipedia dagegen unterliegt keinen solchen Beschränkungen mehr. Sie kann im Prinzip „unbeschränkt“ wachsen. Damit sind jegliche Relevanzkriterien aber hinfällig. Man könnte allenfalls überlegen, ob man die einzelnen Lemmata(WP-Artikel) gewichtet und kennzeichnet, um dem Leser eine schnelle Beurteilung des Inhaltes zu ermöglichen (z.B. einen Artikel zur Trigonometrie mit dem Kennzeichen „Mathematische Formelsammlung“ etc.).

    Viele Akademiker haben sich also nicht deshalb von der Wikipedia verabschiedet, weil es dort zu viele irrelevante Artikel gab, sondern weil die Qualität insgesamt zu schlecht ist. Und die Maßnahme, die von den Wikipedianern in Form von (teilweise völlig unsäglichen und von Inkompetenz geprägten) Relevanzkriterien ergriffen wurde, hat die Qualität zwangsläufig weiter verschlechtert, und zwar deutlich.

    Das Problem ist, dass die Wikipedianer grundsätzlich so gut wie nichts über Qualitätssicherung wissen und an völlig falschen Konzepten festhalten – und das gilt für alle Ebenen: von der Artikelbeurteilung bis hin zur Selbstorganisation.

  10. Stephan sagt:

    Die Beschränkung von Wikipedia auf relevante Artikel scheint mir aus mehreren Gründen zwingend:
    1. Das Funktionsprinzip der Wikipedia setzt voraus, daß eine hinreichend große Gruppe sich mit dem Inhalt jedes einzelnen Artikels aktiv auseinandersetzt. Wenn nur wenige Autoren an einem Artikel interessiert sind, ist in der Regel der Anteil derjenigen, die an dem _Gegenstand_ des Artikels ein bestimmtes Interesse haben, erkennbar höher. Dadurch bleiben Artikel oft den Fans/Hassern überlassen, ohne dass ein Korrektiv durch eine Zahl von neutralen, an der _Qualität_ des Artikels interessierten Autoren wirkt.
    2. Die Wikipedia dient nach ihrem Selbstverständnis dem Aufbau einer Enzyklopädie. Eine Enzyklopädie enthält nicht alle denkbaren _Informationen_ (dafür gibt es, zumal in der Zeit der elektronischen Medien, genügend andere Orte), sondern das _Wissen_ einer Zeit. Für mein Verständnis ist Wissen das, was auch in zehn Jahren noch interessant ist.
    3. Warum wird denn die Aufnahme eines Artikels in die Wikipedia überhaupt für so wichtig gehalten, daß es sich lohnt, seiten- und tagelang darüber zu streiten? Weil es eben doch etwas Besonderes ist, in einer Enzyklopädie erwähnt zu werden! Die meisten erbitterten Fehden über die Relevanz von bestimmten Artikeln werden von Leuten geführt, die sich die gewachsene Popularität und das Ansehen der Wikipedia zunutze machen wollen, um die Wichigkeit ihres persönlichen Anliegens durch den Hinweis darauf zu befördern, daß es „sogar“ einen „eigenen“ Artikel zum Gegenstand ihres Interesses gebe. Das darf aber nicht die vorherrschende Motivation für das Erstellen von Artikeln sein, sonst entwertet sich die Wikipedia selbst.

    Und darüber – nach genau den in Wikis üblichen Verfahrensweisen – zu streiten, _was_ nun wirklich die Kriterien für Relevanz sein sollen, scheint mir sehr richtig.

  11. Wikileaks sagt:

    @ Stephan

    Zu 1.) Generell gebe ich zu bedenken, dass man die Relevanz nicht deshalb verteidigen sollte, weil sozusagen mit der aktuellen Organisationsform der Wikipedia gar nichts anderes zu realisieren sei. Die Organisationsform ist ja nicht in Stein gemeißelt, muss also selbst auch Gegenstand der Diskussion sein. Man muss sich überlegen, wie eine Organisationsform aussehen kann, die weitgehend auf Relevanzkriterien verzichten kann.

    Zu 2.) Es ist relativ schwierig, das „Wissen einer Zeit“ festzulegen. Der Maßstab, dass es das sei, was noch in 10 Jahren interessant ist, ist eine ziemlich ungenaue Aussage(etwa für wen interessant?) und das ist sicher auch nicht der Leitsatz einer Redaktion, die eine Enzyklopädie zusammenstellt. Klar im Vordergrund steht auch bei der Enzyklopädie in meinem Bücherregal noch der Bildungsgedanke, daher hat man sich Grundlagen und Bemerkenswertes aus fast allen Fachdisziplinen eingesammelt und dargestellt (Mathematik, Physik, Chemie, Politik, Wirtschaft, Geschichte, Geographie, Philosophie, Kunst usw. usf).

    Wenn die Wikipedia sich vornehmlich als traditionelle Enzyklopädie sehen möchte, dann gibt es da meiner Meinung nach zwei Probleme. Erstens benötigt man dafür Wikipedianer, die sich in ihrem Bereich gut auskennen, entweder durch einen akademischen Bildungshintergrund oder großes Interesse – und da sieht es im Moment schon ziemlich desolat aus. Zweitens begründet sich die Popularität der Wikipedia auf eine Mischung aus traditioneller Enzyklopädie und stark erweitertem Konversationslexikon. Das liegt auch daran, dass die WP eben keinen Beschränkungen bzgl. des Umfangs unterliegt und dies möglich ist. Man sollte also keinen unüberlegten Rückschritt zur traditionellen Form machen, sondern sich überlegen, welche Teile man mit welcher Organisationsform umsetzen möchte. Das würde auch der Erscheinung im Internet Rechnung tragen.

    Zu 3.) Viele möchten deshalb in die Wikipedia, weil sie eben keine traditionelle Enzyklopädie ist. Jeder, der für seine Sache oder sein Anliegen eine gewisse Eigenartigkeit bzw. ein Alleinstellungsmerkmal sieht und darüber hinaus der Meinung ist, dass darüber weitergehend informiert werden kann und sollte, möchte es in der Wikipedia in Form eines Eintrages sehen. Das ist nachvollziehbar, weil gerade solche Dinge im WP-Verzeichnis ja sofort gefunden werden können.

    Und die Gründe für die Fehden sind sicher nicht Ehre und Ansehen, sondern die Mangelhaftigkeit von Relevanzkriterien und Teilen der Organisationsstruktur.

  12. poelzi.org: Entschuldigung daß sie eingeladen wurden ?!? sagt:

    […] hatte aufgrund des Aufrufs meine schon über längeren Zeitraum entwickelten Gedanken einmal niedergeschrieben und diese auch […]

  13. netsphere sagt:

    de-letepedia…

    “Wenn das Gehirn so einfach wäre, daß wir es verstehen könnten, wären wir zu dumm, um es zu begreifen.” (Jostein Gaarder) So ähnlich verhält es sich anscheinend auch mit der de-Wikipedia. An der Relevanz kränkelt die de-WP ebenso lange wie therapieresi…

  14. Wikipedia und Wikileaks: Auch Nonprofit braucht Geld | Medien-Ökonomie-Blog sagt:

    […] angesichts der Tatsache, dass zu Beginn der jährlichen Spendenkampagne der emotional ausgetragene Exklusionisten-vs.-Inklusionisten-Streit und die Querelen um die Löschtaliban-Nation Deutschland ihren Höhepunkt erreicht […]

Empfiehl diesen Beitrag