Wikimedia Commons
Mythos Einhorn: Wikipedianer*innen auf den Spuren des Fabeltiers
Hanna Klein
5. Februar 2026
Das Einhorn als jahrtausendealtes Motiv der Kunst
„Gott muss alles erschaffen haben – auch das Einhorn“: Dieser Satz ziert einen um 1500 entstandenen gewebten Teppich mit dem Titel ‘Allegorische Tiere’ und steht beispielhaft für die jahrtausendealte Faszination, die das Fabelwesen auslöst. Entgegen seines heutigen, oft bunten und glitzernden Images blickt das Einhorn auf eine rund 4000-jährige Geschichte in Mythen, Religion und Kunst zurück. Dieser Vielschichtigkeit widmete das Museum- Barberini in Potsdam die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“. Ende Januar hatten elf Wikimedia-Aktive im Rahmen einer KulTour die Gelegenheit, sich dem Phänomen Einhorn exklusiv und aus wikipedianischer Perspektive zu nähern.
Zwischen Glücksbringer und Todesallegorie
Ob als japanischer Glücksbringer, als Darstellung für den Tod zum Beispiel bei der Enthauptung des Johannes oder als Apothekenzeichen mit Narwalzahn im niederösterreichischen Zwettl: Seine Zuschreibungen reichen von sanftmütig über eigenwillig bis kampfstark. Ein Wundertier, das bis heute nicht einzufangen ist – so beschreibt es das Museum-Barberini.
Einer der Teilnehmenden an der Wikipedianischen KulTour ist Schlesinger. Während der KulTour erhielten er und die anderen Freiwilligen eine kunsthistorische Führung durch die Ausstellung – Fotografieren ausdrücklich erlaubt. Dabei ließ sich Schlesinger ganz in den Bann des Fabeltiers ziehen: „[..] fast neigte man sogar dazu, an dieses fantastische Wesen zu glauben und sich wie viele Kinder neben das Wärme ausstrahlende präparierte pferdeähnliche Einhornexponat mit echtem Fell zu legen, schließlich werden ihm alle möglichen Wunderkräfte zugeschrieben“, so der langjährige Wikipedianer in seinem Bericht.
Nach der Führung erhielten die Ehrenamtlichen Einblicke in die organisatorische Arbeit, die für die Ausstellung gestemmt werden musste: denn die Ausstellung versammelt rund 150 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, illuminierte Manuskripte, Plastiken und Tapisserien, die von 80 Leihgebern aus 16 Ländern ausgeliehen wurden.
Einhorn-Wissen für alle
Die rund um den Besuch entstandenen Fotos und das neu erworbene Wissen rund um den Mythos Einhorn werden in die Wikipedia, Wikimedia Commons und Wikidata eingearbeitet. Dies ist das Konzept der Wikipedianischen KulTour, von der Wiki-Aktive wie Museen gleichermaßen profitieren: Ehrenamtliche erhalten exklusive Einblicke in die Museen. Indem sie diese in den Wiki-Projekten verarbeiten, helfen sie den Museen, ihre Inhalte zu öffnen, also zu digitalisieren und frei verfügbar zu machen. Mit dem Barberini arbeitet die Wikipedia-Community schon seit 2021 zusammen, zuletzt bei der GLAM on Tour 2023. GLAM on Tour ist ein mehrtägiges und erweitertes Austauschformat, das auch eine Einführung in die Wikimedia-Projekte für Museumsmitarbeitende beinhaltet.
Die Ergebnisse der jüngsten KulTour können sich schon sehen lassen: Bis jetzt wurden bereits 356 Bilder in Wikimedia Commons und 159 Einträge in Wikidata eingefügt – und die Ehrenamtlichen sind noch lange nicht fertig.
Wir freuen uns, die Zusammenarbeit mit dem Museum-Barberini in den letzten Jahren verstetigt zu haben. Langfristige Kooperationen wie diese sind besonders lohnend. Sie ermöglichen es den GLAM-Institutionen, sich als wegweisende Akteur*innen in der digitalen Wissensgesellschaft zu positionieren.Holger Plickert Referent für Kultur- und Gedächtnisinstitutionen und GLAM-Organisator bei Wikimedia Deutschland
GLAM on Tour: So geht’s weiter
Für die Zukunft ist noch viel geplant. So sollen Kooperationen mit Gedenk- und Erinnerungsstätten in den Fokus rücken. Bei GLAM können Ehrenamtliche und Institutionen gemeinsam die Qualität und Reichweite des Geschichtswissens in der Wikipedia steigern. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Erweiterung des kollektiven Gedächtnisses und zum Schutz vor Geschichtsmythen und Desinformation.