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Im polnischen Zabrze fand 2025 ein Edit-a-thon im Guido-Bergwerk statt – 320 Meter unter Tage. In den Räumen einer ehemaligen Kohlemine schrieben und verbesserten 84 Wikipedianer*innen gemeinsam Artikel über das Erbe Schlesiens. Und das gleich in vier Sprachen: Polnisch, Schlesisch, Tschechisch und Deutsch. Das Guido-Bergwerk sei ein Juwel des industriellen Erbes der Region, heißt es von den Organisator*innen von Wikimedia Polska. Ziel des Edit-a-thons war, das Wissen über das Erbe der Woiwodschaft Schlesien in Wikipedia zu erweitern: „Wikipedianerinnen und Wikipedianer dokumentieren das, was sonst oft übersehen wird – lokale Persönlichkeiten, alte Traditionen, verschwindende Ortsnamen. Dank ihnen wird das Wissen über die Region Teil des globalen Informationsflusses.“

Weit nach oben ging es für Wikipedia 2017, als der italienische ESA-Astronaut Paolo Nespoli, während er an Bord der Internationalen Raumstation die Erde umkreiste, eine Sprachnachricht für die Wikipedia aufnahm – der erste Beitrag für die Wikipedia aus dem Weltraum! Gar nicht so einfach bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 27.724 km/h! Ihm gelang es, gemeinsam mit seinen ESA-Kollegen die Aufnahme zu planen und die Dateien zur Erde zu übertragen (eine auf Englisch, die andere in seiner Muttersprache Italienisch). Zurück auf der Erde hat er sie auf Wikimedia Commons hochgeladen, wo sie unter einer offenen Lizenz frei verfügbar sind.

Die erste Bearbeitung der Wikipedia aus dem Weltraum erfolgte 2019 von der ASA-Astronautin Christina Koch von der Internationalen Raumstation ISS aus. Der Edit entstand während einer 328 Tage langen Mission. Dies war der bis dato längste ununterbrochene Weltraumflug einer Frau. Der Edit beinhaltete eine Beschreibung ihres eigenen Weltraumspaziergangs.

2024 organisierte der italienische Wikipedianer Francisco Ardini den ersten Wikipedia-Edit-a-thon aus der Antarktis. Auf dem Forschungseisbrecher RV Laura Bassi arbeiteten sechs Forschende an Artikeln über die Antarktis und den Klimawandel. Das Internet an Bord war allerdings begrenzt. Deshalb wurde teilweise offline gearbeitet und später veröffentlicht. Das Ergebnis: Mehr als 150 neue oder verbesserte Artikel in der italienischen Wikipedia.

Wikipedia-Arbeit kann auch mitten im öffentlichen Leben stattfinden – und genau dort Wissen über lokale Geschichte und Kultur sichtbar machen, Neugierige anziehen und über die Mitarbeit in der Wikipedia aufklären! So fand 2023 ein Edit-a-thon auf dem Platz vor dem Tien-Long-Tempel im Bezirk Xuejia in Tainan statt – und ist auf Wikimedia Commons mit zahlreichen Fotos dokumentiert.

5. Mitten in der Sahara

Auch die Wüste ist Teil der Wikimedia-Welt. So organisierten Ehrenamtliche aus der algerischen Wiki-Community bereits Wikipedia-Workshops in einem Flüchtlingscamp in der Povinz Tindouf.
Außerdem gibt es auf Wikimedia Commons zahlreiche Fotos aus der Sahara, die von Reisenden und Fotograf*innen hochgeladen wurden. Darunter etwa ein Foto eines Tuareg auf einer Düne in Algerien. Denn auch Bilder, die auf Reisen entstehen, können später Wikipedia-Artikel illustrieren.
Fotos und Reisetipps lassen sich übrigens auch prima in WikiVoyage, dem offenen Reiseführer, einbinden.

Gebäude

Manche Orte sind weniger idyllisch. 2007 sorgte der sogenannte Wikipedia Scanner für Schlagzeilen: Das Tool konnte anonyme Wikipedia-Edits anhand ihrer IP-Adressen bestimmten Organisationen zuordnen. Dabei wurden auch Bearbeitungen gefunden, die von Computern aus CIA- und FBI-Netzwerken stammten. Die Entdeckung löste eine breite Debatte über Interessenkonflikte beim Bearbeiten von Wikipedia aus.

Es geht auch anders: Beim Projekt „Wiki Loves Parliaments“ machen Ehrenamtliche Informationen und Bilder zu politischen Akteur*innen frei zugänglich. Seit 2009 besuchen sie deutsche und österreichische Landtage, den Bundestag und sogar das Europäische Parlament in Straßburg, um Fotos von Abgeordneten für Wikimedia Commons zu erstellen und Wikipedia-Artikel zu verbessern. Insgesamt sind so schon 25.022 Fotos entstanden, von denen 6.170 insgesamt 29.701 Mal in den Wikimedia-Projekten genutzt wurden.

Freskenzyklen, Dachterasse, Bibliotheka Hertziana! Wer bekommt keine Lust, in einer solchen Umgebung Wikipedia-Artikel über Kunst und Kultur zu schreiben? Im April diesen Jahres trafen sich zwölf Wikipedianer*innen in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo mit Kunsthistoriker*innen, um an Themen rund um Kunstgeschichte in Wikipedia, Wikidata und Wikimedia Commons zu arbeiten.
Übrigens müssen Wikipedianer*innen nicht bis nach Rom reisen, um Museumsluft zu schnuppern: Mit den Formaten GLAM on Tour, GLAM digital und der wikipedianischen KulTour arbeiten Museumsmitarbeitende auch auf lokaler Ebene seit vielen Jahren erfolgreich mit Wikipedianer*innen zusammen, unter anderem im Museum Barberini in Potsdam.

9. Auf dem roten Teppich

Wikipedianer*innen lieben Filme! Und deswegen verpassen sie keine Gelegenheit, Wikipedia-Artikel zu den neuesten Filmen und Filmemacher*innen zu schreiben. Seit einigen Jahren organisiert die Community zur Berlinale ein Foto-Projekt und einen Edit-a-thon in Berlin. So sind schon tausende Fotos von Stars und Sternchen vom roten Teppich entstanden und jährlich um die 60 neue Artikel zu dort gezeigten Filmen. Kein Wunder, dass Wikipedia-Artikel zu Filmen und Schauspieler*innen immer zu den meist aufgerufenen gehören.

Der vielleicht ungewöhnlichste unter den hier aufgelisteten Orten: ein historisches Toilettenhäuschen in Bochum. Dieses dient der Wikipedia-Community aus dem Ruhrgebiet seit diesem Jahr als Treffpunkt zum gemeinsamen Editieren. Es befindet sich am Stadtpark im denkmalgeschützten Haus des Bochumer Geschichtsvereins. Das unter Denkmalschutz stehende Häuschen wurde 1997 renoviert. Sehr praktisch für die Wikipedianer*innen: Im Haus befindet sich auch die Bibliothek des Heimatvereins mit über 1.500 Bänden.

Der wichtigste Ort zum Editieren der Wikipedia ist überall

Was all diese Beispiele verbindet? Menschen schreiben, verbessern oder dokumentieren Artikel dort, wo sie gerade sind. Und manchmal entsteht das Wissen sogar aus dem Ort heraus: Wer etwas selbst gesehen, erforscht oder erlebt hat, kann es dokumentieren und mit anderen teilen. Der nächste ungewöhnliche Wikipedia-Arbeitsplatz könnte also überall sein. Vielleicht sogar bei dir.

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