Wikidata-Wochenende: Die Community traf sich zum virtuellen Hacken

Im Juni fand das virtuelle Wikidata-Wochenende statt, bei dem sich 30 Community-Mitglieder trafen um Wikidata kennenzulernen und sich gegenseitig beim Programmieren mit offenen Daten zu unterstützen. Wir stellen einige der Teilnehmer*innen und ihre Projekte vor.

  • Elisabeth Giesemann
  • 9. Juli 2020

Aufgrund der Corona-Krise wurde das Wochenende, das normalerweise im Ulmer Verschwörhaus stattgefunden hätte, virtuell abgehalten. Gemeinsam mit Merle von Wittich, Projektmanagerin Ideenförderung, hat Léa Lacroix, Community Managerin für Wikidata, die Organisation des Wochenendes von einer analogen hin zu einer virtuellen Veranstaltung übernommen: „Auch wenn klar war, dass wir nicht in Ulm vor Ort sein können, wollten wir das Wochenende stattfinden lassen. Also haben wir uns gefragt, was die Community braucht, um am besten virtuell zusammenzuarbeiten und wie wir die sozialen Elemente des Events in die digitale Welt bringen können.”

Auf der Plattform venueless konnten sich die Teilnehmer*innen Einführungen zu Wikidata, Wikidata-Abfragen mit der Programmiersprache SPARQL, Hacking mit Wikidata und der Verbindung von Wikidata mit anderen Wikimedia-Projekten ansehen.

Der Fokus des Wochenendes lag jedoch darauf, gemeinsam an Projekten zu arbeiten und die Unterstützung der Community bei Fragen und Problemen zu erhalten. Freitag Abend und auch Samstag morgens konnten die Teilnehmer*innen von ihren Ideen berichten und Mitstreiter*innen oder auch Unterstützung von erfahrenen Wikidata-Aktiven und Entwickler*innen von Wikimedia erhalten. Hierfür konnten sie auf der Plattform digitale Räume eröffnen und sich einfach und spontan in Videocalls treffen. 

Julia, Christian und Robert haben uns von ihren Projekten und Erfahrungen auf dem Wikidata-Wochenende erzählt: 

Christian: Wikidata für eine bessere Covid-19 Visualisierung

Bild: Christian Haider

„Informatik ist meine Leidenschaft” sagt Christian, der zum ersten mal am Wikidata-Wochenende teilgenommen hat. Christian entwickelt Datenvisualisierungen für Wirtschaftszeitungen und hat außerdem ein großes Herz für Open Data und Open Source. Da er die Visualisierung der Corona-Fälle in den Medien nicht übersichtlich und aufschlussreich genug fand, hat er seine eigene Visualisierung auf Basis von Daten der Johns Hopkins Universität und des Robert Koch-Instituts entwickelt. Die Browser-App soll die Fallzahlen vor allem über den Zeitverlauf darstellen, sodass man sich Entwicklungen selbst ansehen und analysieren kann. 

Mit Wikidata hat Christian seine App verbessert. Unter anderem konnte er die Flaggen der Länder aus Wikidata abrufen. In Zukunft soll auch die Einwohnerzahl aus Wikidata entnommen werden, um auch eine prozentuale Veranschaulichung von Erkrankung und Genesung über den Zeitverlauf zu ermöglichen. Außerdem plant Christian die Namen der Länder in der jeweiligen Browsersprache anzeigen zu lassen.  

Seine App war für ihn vor allem ein Hobbyprojekt um neue Technologien und die Möglichkeiten von Wikidata besser kennenzulernen. Daher war es für ihn praktisch, dass das Wochenende virtuell stattgefunden hat, denn er wäre wahrscheinlich nicht aus Lübeck angereist. Gleichzeitig war das virtuelle Event auch für ihn eine Herausforderung. “Wenn ich hacke, muss ich mich konzentrieren. Da ist es schwierig, so viel am Computer zu kommunizieren um mitzubekommen, was in einzelnen Räumen passiert.” Die überschaubare Teilnehmerzahl war hier im Vergleich zu seiner Erfahrung beim WirVsVirus-Hackathon der Bundesregierung jedoch sehr hilfreich. 

Außerdem hat sich Christian mit anderen aus der Community ausgetauscht, um die Struktur von Wikidata zu verstehen. “Ich programmiere ja schon seit zwanzig Jahren und bin daher eher ein alter Hase. Um mich schnell auf Wikidata zurechtzufinden, war es trotzdem gut, dass es das Wochenende gab. Ich musste noch nicht mal um Hilfe fragen, sondern bin direkt auf Telegram angesprochen worden.”

Die Browser-App CoVID-19 Charts zeigt Corona-Fälle im Zeitverlauf. Die Flaggen sowie Landesnamen stammen aus Wikidata

Julia: Für mich als Autodidaktin war das Format ideal”

Bild: CC-BY 4.0 Jugend hackt,
Foto: Jacob Waak (jacob-waak.de)

Julia hat 2019 bereits am Wikidata-Wochenende im Verschwörhaus teilgenommen und kennt Hackathons vor allem von ihrer Rolle als Mentorin bei Jugend Hackt. Sie hat sich das coden selbst beigebracht und hatte sich im Vorfeld ein eigenes Projekt überlegt, an welchem sie im Laufe des Wochenendes gebastelt hat. Das virtuelle Format hat ihr gut gefallen, da sie sich vor allem als Autodidaktin sieht und außerdem viele der Teilnehmer*innen bereits kannte. „Letztes Jahr war Wikidata noch neu für mich, da wäre es wohl ein bisschen schwieriger gewesen reinzukommen. Dieses Jahr wusste ich aber schon, wen ich bei Fragen ansprechen kann und habe sehr hilfreiche Tipps erhalten.”

Julias Projekt ist eine Visualisierung des Einflusses von Städtepartnerschaften auf die Verbreitung von Fremdsprachen. „Ich habe selbst eine hohe Affinität zu Frankreich und wollte mal wissen, ob das an der Region liegt, aus der ich komme, oder ob es noch weitere Gründe gibt. Ich will deshalb durch Datenvisualisierung herausfinden, ob es da Zusammenhänge gibt. 

Während des Wochenendes hat sie die JavaScript Library D3.js für eine interaktive Darstellung der Zusammenhänge mit den Abfragen bei Wikidata verbunden. „Ich bin noch nicht ganz zufrieden mit meiner Visualisierung, aber ich bin einen großen Schritt weitergekommen und bleibe dran. Seid gespannt!”

Work in progress: Julias Anwendung wird durch Visualisierung aufzeigen, ob Städtepartnerschaften einen Einfluss auf Fremdsprachenerwerb haben.

Robert: Community to the rescue! Forschung trifft Wikidata

„Mit dieser Formel habe ich viele Jahre meines Lebens verbracht.” So begann Robert seinen Vortrag und sein Hilfegesuch an die Wikidata-Community. Robert will die Forschungsdaten, die er selbst für seine Promotion in der Bioverfahrenstechnik erhoben hat, bei Wikidata einstellen. Außerdem möchte er andere Forscherinnen und Forscher dazu auffordern, dies ebenfalls zu tun. Er findet es problematisch, dass die Aufzeichnungen der Experimente in Form von Laborbüchern kaum veröffentlicht, sondern nur die fertigen Forschungsergebnisse in Form von Papern publiziert werden. In diesen sind die Daten jedoch nur in seltenen Fällen frei zugänglich. 

„Ich bekomme die Art und Weise, wie mit Daten in der Wissenschaft umgegangen wird, nicht mit meinen persönlichen Prinzipien zusammen. Deshalb will ich Forscher*innen zusammenbringen und die Interoperabilität verbessern.” 

Auf dem Wikidata-Wochenende hat er die Community um Hilfe gebeten, und den Tipp erhalten, eine Projektseite auf der Seite „Science – Chemistry” zu erstellen. Hier können Properties, also die Eigenschaften eines Datensatzes, eingetragen werden, doch der Inhalt von Roberts Forschungl war noch nicht vertreten. Daher hat er eine Diskussion gestartet warum „seine” Formel gelistet werden sollte. Noch während des Wochenendes hat er eine erste Antwort erhalten. Er hofft nun im Gespräch weitere Forscherinnen und Forscher kennenzulernen und so mehr Daten auf Wikidata bringen zu können. Das soll nicht nur als isolierte Initiative eines Einzelnen, sondern im Community-Konsens geschehen.

„Für mich war das Wochenende super interessant. Ich hab viel gelernt und habe gemerkt, dass es noch viel mehr gibt, was ich lernen könnte. Es gibt auf Wikidata unzählige Seiten, die entdeckt werden wollen. Ich hoffe, dass ich gemeinsam mit der Community in der nächsten Zeit ein bisschen vorankomme!”

Robert will einen thermodynamischen Parameter (nämlich die Gleichgewichtskonstante) für diese Reaktion (eine Nukleosidphosphorolyse von Thymidin) bei Wikidata eintragen und hat sich dafür den Rat der Community geholt.

Hackathon-Gefühl auf einem virtuellen Event

Für die Organisatorin Léa Lacroix war das digitale Wikidata-Wochenende eine neue Herausforderung: “Wir wollten die Zusammenarbeit zwischen Menschen fördern, die in Gruppen an Projekten arbeiten. Die Bildung von Projektgruppen, eine Aufgabe, die auch bei einer Veranstaltung vor Ort eine Herausforderung sein kann, war aus der Ferne noch schwieriger.”

Deshalb wurden digitale Tools und Formate verwendet, um auch Raum für informelle Gespräche und Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, zum Beispiel durch den Austausch von Bildern der Umgebung oder Mahlzeiten. Mehrere Personen nutzten auch die Möglichkeit, spontane Workshops zu organisieren und zusätzliche Inhalte zu präsentieren oder Diskussionen zu führen.

Um das “Hackathon-Feeling” auch im digitalen Format zu ermöglichen, gab es ein offenes Abendprogramm, bei dem am ersten Abend ein Spieleabend im Channel “Partykeller” stattfand. Am zweiten Abend wurde dann zu einem Klavierkonzert eingeladen, auf dem auch das Wikidata Logo musikalisch dargeboten wurde. 

Zum Abschluss des Wochenendes konnten die Teilnehmer*innen die Projekte in Showcases vorstellen. Die Wikidata-Projekte von Julia, Christian und Robert sowie weitere Projekte wie ein TelegramWikidata Bot, Modellierung von Daten des Kulturhackathons Coding Da Vinci mit OpenRefine und noch viele weitere sind hier dokumentiert

Léa Lacroix und Merle von Wittich haben viel aus dem Wikidata-Wochenende gelernt: “Bei den nächsten digitalen Events wollen wir noch mehr darauf achten, den Austausch und die Zusammenarbeit der Teilnehmer*innen zu ermöglichen. Außerdem wollen wir das Thema Diversität und Inklusivität stärker in den Blick nehmen, damit auch auf den digitalen Kanälen alle Stimmen gleich vertreten sind.”

  1. Offenbar war das eine Veranstaltung für Spezialisten mit fortgeschrittenen Programmierkenntnissen.
    Bereits die Vorstellung der Projekte ist für Laien unverständlich („Identifikatoren“ ohne zu sagen, wozu die dienen und Weiteres.) Der Ausdruck „Hackathon“ sagt ja schon alles.

    Die Fertigung einer Suchmaske für Abfragen klingt interessant vor allem für Nicht-Programmierer. Das Projekt wird jedoch nicht weiter vorgestellt und nicht verlinkt.

    Das ist für die Insider sicher alles sehr nützlich und interessant. Nur weiß ich nicht, was der Normal-User damit soll. Man sieht es im Vorbeigehen, murmelt „sehr kompliziert“ und geht weiter.

    Die Probleme der Normal-User mit Wikidata kommen offenbar auf solchen Veranstaltungen nicht vor. (das Gegenstück sind die primitiven und langweiligen „Einführungen“ bei BarCamps und dergleichen, bei denen immer dasselbe erzählt wird. (schlimm sind auch die Online „Einführungen“ bei Wikidata selbst, die überwiegend in einem schwer verständlichen Englisch gehalten sind, und bei denen nichts wirklich ausprobiert oder gar gelernt werden kann, vor allem nicht das, was man braucht, also etwas komplexere Abfragen, ohne dass man eine Programmiersprache lernen will oder kann). Veranstaltungen von „Nerds für Nerds“. So lange die Verhältnisse bei Wikimedia und Wikidata so sind, wie sie sind, werdet Ihr wohl weiter in eurem Saft schmoren und die Außenwelt nicht erreichen. (Die Außenwelt außerhalb der Bubble-Grenzen wahrzunehmen wäre schon mal der erste gute und notwendige Schritt).
    Was ich hier jetzt gesehen habe, hat mich nur abgeschreckt. Da mache ich liebe weiter meine Projekte ohne Wikidata. Schade, es hätte alles spannend sein können, ist es aber leider nicht. Danke für die Einblicke. Und Euch allen viel Spaß beim Programmieren.

    Kommentar von Ingo Habeck am 14. Juli 2020 um 02:57

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