Das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft wurde 2017 vom BMBF als Verbundprojekt des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin, der Universität der Künste Berlin – sowie der Universität Potsdam und des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) gegründet.  Seine Forschung betrachtet aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung abzeichnen und versucht künftige politische und wirtschaftliche Handlungsoptionen zu skizzieren.

Dr. Sonja Schimmler, Leiterin der Forschungsgruppe 11 “Digitalisierung der wissenschaftlichen Wertschöpfung” des Weizenbaum-Instituts zeigte den Teilnehmenden auf, das Offene Wissenschaft im Selbstverständnis der jungen Forschungsinstitution künftig eine wichtige Rolle spielen soll, Foto: Esra Eres, CC BY-SA 4.0

Als neu gegründetes Forschungsinstitut befindet sich das Weizenbaum-Institut derzeit in einer Phase der Selbstfindung und der Etablierung einer eigenen Institutskultur. Eine Besonderheit ist die personelle Struktur: ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen noch am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere und ist somit noch offener für neue Ansätze in der wissenschaftlichen Arbeit.

Vor diesem Hintergrund waren die Mitglieder der Forschungsgruppe 11 “Digitalisierung der wissenschaftlichen Wertschöpfung” an Wikimedia Deutschland mit der Bitte herangetreten, gemeinsam einen einführenden Workshop zum Thema Offene Wissenschaft für die Mitarbeitenden des Instituts zu organisieren. Wikimedia Deutschland arbeitet bereits seit 2016 zum Thema Offene Wissenschaft, unter anderem im Rahmen des  Fellow-Programm Freies Wissen, und unterstützt in diesem Zusammenhang Wissenschaftsinstitutionen dabei, in ihrem Einflussbereich förderliche Rahmenbedingungen für Freies Wissen zu schaffen, etwa durch die Vermittlung entsprechender Kompetenzen. Dementsprechend groß war auf beiden Seiten das Interesse an einer gemeinsamen Veranstaltung.

Zu Beginn des Workshops führte Prof. Dr. Claudia Müller-Birn, Juniorprofessorin für Human-Centered Computing am Institut für Informatik an der Freien Universität Berlin und seit 2016 Mentorin im Fellow-Programm Freies Wissen, mit ihrer inspirierenden Keynote  “Open Science – From our Values to our Research Practicein das Thema Offene Wissenschaft ein.

In ihrer Keynote ermutigte Prof. Dr. Claudia Müller Birn von der Freien Universität Berlin die Teilnehmenden, Offenheit in ihrer Forschungspraxis als integralen Bestandteil zu betrachten, Foto: Foto: Esra Eres, CC BY-SA 4.0

Zwar sei das Wissenschaftssystem gegenwärtig stark derart geprägt, dass offenes wissenschaftliches Arbeiten kaum honoriert werde. Noch immer seien Kriterien wie die Anzahl an Publikationen und angeworbene Drittmittel für die Vergabe von begehrten Positionen im Wissenschaftsbereich ausschlaggebend, während die Transparenz der eigenen Forschung hierfür kaum eine Rolle spiele. Das Selbstverständnis der Wissenschaft sei jedoch geprägt von zentralen Prinzipien wie Uneigennützigkeit, Gemeinschaftlichkeit, organisiertem Skeptizismus und Universalität. Die eigene Arbeit offen(er) zu gestalten sollte, so Müller-Birn, daher im ureigenen Interesse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern liegen. Nachdem sie aufgezeigt hatte, wie verschiedene Prinzipien Offener Wissenschaft in der Praxis funktionieren, gab sie den Teilnehmenden als Appell mit auf den Weg:

“We need a cultural change, which starts with you. But it must include the scientific system as a whole.”

Prof. Dr. Müller Birn erinnert an die zentralen Prinzipien der Wissenschaft, die deren Selbstverständnis besimmen sollten, Foto: Esra Eres, CC BY-SA 4.0

Anschließend hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, an mehreren Themen-Tischen mit den anwesenden Expertinnen und Experten zu verschiedenen Aspekten und Prinzipien Offener Wissenschaft zu diskutieren und über konkrete Fragen in Bezug auf ihre eigene wissenschaftliche Arbeit zu sprechen. Dabei ging es unter anderem um das Thema “Open Methodology”, also die Offenlegung der verwendeten Forschungsmethoden. Isabel Steinhardt (INCHER-Kassel, Universität Kassel), die im vergangenen Jahr als Stipendiatin im Fellow-Programms gefördert wurde, sprach mit den Teilnehmenden über die Frage danach, warum es für Forschende gewinnbringend sein kann, den eigenen Forschungsprozess selbst größtmöglich zu öffnen. Weitere Themen, die im Rahmen des Workshops behandelt wurden, waren Offene Peer Review-Verfahren (Dr. Johanna Havemann, Access 2 Perspectives), Open Access (Agnieszka Wenninger, Freie Universität Berlin) und Open FAIR Data (Dr. Julien Colomb, Friedrich-Schiller-Universität Jena). Außerdem sprachen die beiden aktuellen Stipendiaten des Fellow-Programms Dr. Moritz Schubotz (Universität Wuppertal) und Simon Hirsbrunner (Universität Siegen) mit den Teilnehmenden über das Thema Transdisziplinarität und Digitalität in einer Offenen Wissenschaft. Die Themen, die dabei diskutiert wurden, reichten von Möglichkeiten der Finanzierung von Open Access-Publikationen über Möglichkeiten der Qualitätskontrolle durch Offene Peer-Review-Verfahren bis hin zu Überlegungen dazu, wie der Austausch zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen verbessert werden kann.

Über die einzelnen Themen-Tische konnten die Teilnehmenden direkte Einblick in offene Forschungspraxis gewinnen. Dabei wurde aber auch klar, dass neben der eigenen Motivation die Institutionellen Rahmenbedingungen eine große Herausforderung für offenes Arbeiten darstellen. Ein Kulturwandel ist auch auf die anderen im Wissenschaftssystem beteiligten Akteure angewiesen. Die an den Workshop anschließende Podiumsdiskussion „Open Science Policy und gute wissenschaftliche Praxis“ nahm diese in den Blick. Wir werden zeitnah in einem zweiten Beitrag über die Veranstaltung berichten.


Mehr Informationen zum Fellow-Programm Freies Wissen sind zu finden unter: www.fellowsfreieswissen.de oder bei Twitter unter dem Hashtag #fellowsfreieswissen