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Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen…
Ludwig van Beethoven, Lizenz: public Domain
Während im Märchen der Protagonist in drei furchterregenden Situationen bestehen kann, kommt Gastautor und Professor für Musiktheorie Dr. Ulrich Kaiser mit der fehlerhaft arbeitenden Filtersoftware auf YouTube immer wieder an seine Grenzen. Sein Abenteuer deutet an, welche Konsequenzen die Einführung flächendeckender automatischer Upload-Filter für Freiwilligen-getragene Projekte hätte.
WMDE allgemein
6. August 2018
[…] Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen… […]
@all danke für die inspirierenden Kommentare @C'est la vie der Vorwurf gilt nicht nur google und seiner fehlerhaft arbeitenden Software, sondern a) den Rechteinhabern (nicht alle!), die zu viel als ihr Eigentum reklamieren, selbst wenn das Gegenteil bewiesen ist --> siehe Prof. Kaisers Website für Weiteres und b) denen, die solch einen Mechanismus europaweit flächendeckend einführen wollen. Geschichten wie diese zeigen, was uns allen blühen könnte, wenn die Uploadfilter in der von der Kommission vorgesehenen Form (Art. 13) kommen.
Nur ein weiterer Gedanke. Eine Urheberrechtsverletzung muss vom Betreiber der Seite erhoben werden, bevor Komsequenzen eingeleitet werden. Der Unschuldsbeweis muss doch nicht durch den Benutzer erbracht werden. Wenn google keine Interesse zum antworten hat, könnte mir ja einfallen, wegen Verleumdung und übler Nachrede §§ 185 ff StGb anzuzeigen. Ob google ein paar Millionen Klagen in Deutschland haben will ?
@ Bernd . gute Idee - Klage bei Nichtvorhandensein von Schutzrechten - sollte man sofort umsetzen, damit diese Geschäftelobby keine Zeit hat, sich fest zu setzen und den zu erwartenden Erfolg zu prüfen ... . @ Autor des Artikels . da Sie in der Lehre an einer wiss. Institution tätig sind, haben Sie auch beste Gründe und Argumente neben dem bereits Erlebten gegen dieses Problem - stellen Sie doch (oder lassen Sie stellen) eine Anfrage an die obersten Gerichte (BGH, BVerfG, EUGH, IGH, ...) und natürlich auch öffentliche Anfragen an die Politik - besonders dort, wo man demnächst Wahlen hat ... :-)
Ich habe meine Videos mit am PC selbsterstellten Musik unterlegt. Da ich mit den Videos kei Geld verdiene, brauch ich bei Magix keine Extralizenzen erwerbe, Ich hatte von Magix Music Maker dafür genutzt. Google jubelte mir trotzdem Urheberrechtsverstöße vor!? War meine Komposition so gut oder arbeitet Google so schlecht? Wird wohl Letzteres sein. Wenn die Technik noch nicht ausgereft ist, sollte man die nicht auf die Menschheit loslassen.
Ein inspirierender Artikel, gut und sachlich fundiert geschrieben, vielen Dank. In einer "geiz ist geil"-Welt zeigen sich langsam immer deutlicher Anzeichen dafür, dass die nationalen Regeln und Gesetze aus einer Zeit von vor 70 Jahren mit der technologischen und weltpolitischen Entwicklung von heute nicht mehr mithalten können. Es gibt inzwischen de facto eine parallele Exekutive globaler Unternehmen, die sich um die Durchsetzung der Ihnen passenden Gesetze akribisch kümmert. Eine Instanz, die diese Exekutive kontrolliert und Fehler korrigiert, fehlt hingegen. Wer nicht für Leistungen zahlt ... direkt oder indirekt, z.B. durch Steuern bei staatlicher Unterstützung, wird früher oder später unfreiwillig zum Produkt oder zum Kunden eines dieser großen Unternehmen. Dass diese Unternehmen zur Gewinnmaximierung dabei nicht zimperlich vorgehen und sich nur bedingt eine "Wikimedia Commons"-Philosophie unterstützen, sollte auch klar sein.
Ich finde die Geschichte sehr amüsant, weil der Vorwurf in eine falsche Richtung geht. Einem Unternehmen wie Youtube, etc. kann man nicht vorwerfen, daß es sich zu 100% absichert und eben auch Ausnahmen ganz klar rausfiltet. Warum? Was würde es wohl für einen Aufschrei geben, wenn ungewollt eben doch mal urhebergeschütze Werke frei abrufbar wären? Dann wäre das Unternehmen mindestens mitschuldig und dürfte kräftig zahlen. Das Urheberrecht an sich ist doch die Ausgeburt staatlicher Dekadenz; für ein Industriepatent gilt nach §16 Patentgesetz 20 Jahre Schutz .... und bei Künstlern aller Art gibt es dann Sonderrechte in Bezug auf Urheberrechtsschutz ? Aber das stört natürlich niemanden!
YouTube schiebt eben pragmatisch die Last des Urheber/Lizenznachweises auf den User. Im Zweifellfall werden erst einmal Ansprüche Dritter unterstellt und der User muss die Sache nachweisen bzw. durch seine Erklärung die Verantwortung übernehmen. In diesem Zusammenhang trainiert der User vermute ich gleichzeitig die Google KI (analog zum Google-Bilderkennungs-Captcha). Ich führe diese "ehrenamtliche Tätigkeit" für YouTube nun schon seit ein paar Jahren im Bereich traditioneller Folk-Musik durch. Ist eben der Preis für einen "Umsonstdienst". Und ich habe auch keine Idee, wie es Google/Alphabet sonst machen könnte/sollte.
Unsere globalisierte Welt wird immer konfuser, der einzelne Mensch hat keinen Durchblick mehr. Den angemaßten Durchblick beanspruchen gewisse Menschen, u.a. Politiker, produzieren jedoch in der Regel postfaktischen Klimbim. Nun sollen es Computerprogramme richten, auch so eine Schnapsidee.
Der Schlossher bleibt Herr seines Schlosses. Das sollte jeder Reisende verstehen. Man kann zwar den Kaiser zur Hilfe rufen und Recht ergehen lassen, doch solange der König auf seinem Throne sitzt und die anderen Könige im Lande keinen Krieg hervorrufen, solange wird auch der Kaiser nur eine Stimme sein, die vor dem Burggraben verhallen wird. Gegen einen König hilft nur sein Volk. Wenn das aufbegehrt, dann kann der König stürzen und das Schloss erlebt einen Nachfolger. Ein eigenes Reich zu gründen und dem König seinem Volk abspinstig zu machen ist dabei eine Lösung, doch wird man dann stehts von den Mächtigeren behindert. Königreiche gibt es noch in großer Zahl, also hilft allein die Wanderslust bis das richtige Heim einem einläd zu rasten und zu weilen und vielleicht auch selber heimisch zu werden, sodass andere es gleich tun mögen. Doch ein Prediger im fremden Reich wird niemals heimisch. Denn da steht allein die Macht entgegen, die sich benutzen lässt für einen selbst, ganz, wie es zugeschnitten ist in der menschlichen Gesellschaft. Wer keine Lust hat auf Metaphern, dem kann ich nur raten weiter zu suchen. Im Netz gibts noch genügend Uploadseiten, auch für Videos. Die Bekanntheit machen die Teilnehmer und Gäste, nicht die Eigentümer und Unternehmer. Wer keine Lust hat auf die Scharade mit Youtube, der kann auch auf russische Websites mail.ru und dergleichen ausweichen. Sicher gibt es auch noch sehr kleine deutsche Websiten oder so manch aus Österreich. Die Russen sind übrigens bekannt dafür auf Lizenzen zu scheißen und veröffentlichen alles mögliche. Allerdings sollte man auch keine Probleme damit haben aktiv ausgespäht zu werden. Nun gut, dass machen die westlicheren Websiten auch. Trotzdem ist zu empfehlen nicht auf seinen Arbeitsrechner die Uploads auf russischen Websiten zu machen sondern eine Zwischenstation einzuschieben. Und schönen Dank für den Artikel. Hat mich gefreut mal wieder inspiriert zu werden. :)
Interessant ist auch, daß, während Google keine Zeit zum Lesen aller emails hat, der Scan nach Urheberrechtsverletzungen pausenlos am Arbeiten ist.
Vielleicht könnte hier der Artikel zu Schutzrechtsberühmung unteressant sein: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schutzrechtsberühmung Offenbar handelt es sich ja hier um zahlreiche Fälle von Copyfraud. Verantwortlich und haftbar ist m.M.n. derjenige, der den ContentID Filter mit dem Referenzmaterial trainiert hat, Sei es aus Unwissenheit oder vorsätzlich und wohlwissend, dass er eigentlich gar keine Verwertungsrechte (mehr) an den Werken besitzt. Eigentlich sollte der Gesetzgeber bei unrechtmäßiger Anmaßung von Schutzrechten keinen Spass verstehen, da diese ja eine Einschränkung in die Freiheit des Nutzers darstellen. Wer Rechtsdurchsetzung durch Algorithmen und Programme automatisiert muß auch persönlich dafür haftbar sein, was diese Programme in seinem Namen tun. Bei Mißbrauch o. Fahrlässigjeut müssten den Unternehmen empfindliche Strafen (x% vom Jahresumsatz)+Schadensersatz drohen, damit solche Filter nur mit größter Sorgfalt eingesetzt werden.
Ich glaub es gruselt mir! Echt jetzt, wirklich eine Gruselige Geschichte!