Hacker bringen Kulturdaten zum Tanzen

Resümee zur Preisverleihung von Coding da Vinci 2017 in Berlin in Zusammenarbeit mit Lars Zimmermann

2017 hat Coding da Vinci wieder viele faszinierende Ergebnisse hervorgebracht. Nach dem Ausflug in die Region mit Coding da Vinci Nord 2016 kehrte der Kultur-Hackathon 2017 zurück nach Berlin mit einem Schwerpunkt auf die Region Berlin-Brandenburg. 19 namhafte Kulturinstitutionen aus Berlin und Umgebung stellten insgesamt 30 neue Datensätze in diesem Jahr zur Verfügung, woraus die 180 anwesenden Teilnehmer bei der Auftaktveranstaltung 25 Projektideen generierten. Bei der gestrigen Preisverleihung im Jüdischen Museum Berlin präsentierten 15 Teams originelle wie technisch hoch ausgereifte Lösungen, die von Spielen über Apps bis hin zu VR- und AR-Realisierungen reichten und sowohl unsere Fachjury als auch die über 200 Besucher der Preisverleihung begeisterten. Damit setzt Coding da Vinci seine Erfolgsgeschichte fort und beweist erneut, welches enorme Potential in offenen Kulturdaten steckt.

Die datengebenden Institutionen zeigten sich durch die Bank beeindruckt von den teils unerwarteten,immer innovativen und oft überraschenden Anwendungen. Neugierig vertieften sich mit den Teams an den Projekt-Vorführtischen in Details und Zukunftspläne. Der Kultursenator von Berlin Klaus Lederer betonte in seiner Rede zur Preisverleihung: „Hier wird deutlich, welchen Wert es hat, Kulturerbe zu digitalisieren und es in einem zweiten Schritt auch noch open zu machen.“ Bettina Gries vom Deutschen Technikmuseum freute sich: „Das war das erste Mal, dass wir als Deutsches Technikmuseum Daten unter einer so freien Lizenz veröffentlicht haben. Diese entstandenen Projekte sind ein Segen für unser Haus. Wir werden sie weiter vorantreiben!“ Mehrfachprojektteilnehmerin bei Coding da Vinci und Motion-Desginerin Sabine Redlich betonte: “Ich war beeindruckt, wie viel man in so kurzer Zeit in einem spontan gegründeten interdisziplinären Team realisieren kann.” 5 Gewinnerteams wurden von der fünfköpfigen Jury gekürt – den 6. Preis „Everybody’s Darling“ vergab das Publikum.

 

21 stolze Gewinner bei Coding da Vinci 2017.
Foto von Wladimir Raizberg (WMDE), CodingdaVinci2017 Preisverleihung, CC BY-SA 4.0.

 

Die Ergebnisse

In der Kategorie “Most Technical” ging der Preis an die Augmented Reality App BERLINER MauAR mit dem Team von Peter Kolski, Maimi von Mirbach, Jörg Reichert, Gottfried von Recum. Berlin Flaneure können mit Hilfe dieser App die Mauer in zeithistorischen Bildokumenten aufbauen und – besonders reizvoll – wieder wegwischen. Die Stiftung Berliner Mauer will die Anwendung mit dem Team gemeinsam weiterentwickeln.

Mit der Kategorie “Best Design” wurde das Online-Buchkreationspiel BERTUCHS BILDERSPIEL des multinationalen Teams mit Audrey Le Tiec, So Young Kim, Norman Mahendra, Niko Joop, und  J. Retman ausgezeichnet. Selten wurde eine so schöne Brücke von einer wundervollen Kinderenzyklopädie des 18. Jahrhunderts bereitgestellt von der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in die Digitale Kinderstube des 21. Jahrhunderts geschlagen.

Politisch aktuell, kreativ, vielfältig und witzig sind die Anwendungen  des HAXORPODE COLLECTIVE basierend auf den Insektenkästen des Museums für Naturkunde um Michael Scheuerl, Falko Krause und Olivier Wagener. Sie wurden damit zurecht zum “Funniest Hack” gekürt.

Die Kosmos-Vorträge von Alexander von Humboldt waren legendär. Doch für die Nachwelt haben sich nur einige Mitschriften erhalten. Die Textsammlung der  Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften erschließt nun auf unterschiedlichen Ebenen das Webprojekt EXPLORING THE HIDDEN KOSMOS von Petra Weschenfelder, Benjamin Schlüter und Carolin Otto und wurde dafür mit dem Preis “Most Useful” ausgezeichnet.

Es war eine Herausforderung der besonderen Art, der sich das Team zu  MARBLES OF REMEMBRANCE/ MURMELN DER ERINNERUNG mit Leonardo de Araújo, Nina Hentschel, Adrienn Kovács und Nicole Mayorga stellte. Die Daten zu dem Leid der im Nazi-Berlin verfolgten 1200 jüdischen Kinder könnten nicht nüchterner daher kommen. Das Team kombinierte hierfür Datensätze von dem International Tracing Service, der Zentral und Landesbibliothek und anderen. Die Daten für uns heute wieder in Geschichten vor Ort erfahrbar zu machen, ist ein Verdienst, das von der Jury wohl verdient mit der Kategorie “Out Of Competition” gewürdigt wurde.

Fast schon voraussehbar wurde die aufwändige Virtual Realty Anwendung SKELEX von Lisa Ihde, Sebastian Schulz und Joana Bergsiek mit Publikumspreis “Everybody’s Darling” ausgezeichnet. Fragile Schlangenköpfe spielerisch und digital auseinandernehmen und sich als Maus auf den dunklen Weg in die Reptiliengedärme zu begeben begeisterte die Massen. Das Museum für Naturkunde lädt das Projektteam ein, gemeinsam an der Anwendung weiterzuarbeiten.

Der Ausblick

Im nächsten Jahr setzen wir unsere Arbeit an Coding da Vinci als Veranstalter fort. Es wird weitere Ausflüge in die Region geben: Vom 14. April bis zum 16. Juni findet Coding da Vinci Ost an der UB Leipzig statt. Weitere Ausflüge sind in Vorbereitung. Für die Bereitstellung der Räume für die Abschlussveranstaltung danken die Veranstalter dem Jüdischen Museum Berlin. Das engagierte Publikum tat sein Übriges, um den Tag zu einem tollen Erfolg für das Gesamtprojekt Coding da Vinci werden zu lassen. Die positiven Reaktionen der Kulturinstitutionen, die kreativen Projektideen und der gemeinsame Schaffensprozess aller Beteiligten zeigen, wie attraktiv frei nutzbare Kulturdaten sind. Sie nützen letztendlich nicht nur den Entwickler/innen, den Designer/innen und Kulturinstitutionen – sondern bereichern unsere Gesellschaft auf erfrischende Weise.

 

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), der Open Knowledge Foundation Germany e.V. (OKF DE), der Servicestelle Digitalisierung Berlin (digiS) und Wikimedia Deutschland e.V. (WMDE) und ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland (SHARING HERITAGE des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz)

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Sonntag, Dezember 3rd, 2017 um 13:41 Uhr und ist zu finden unter Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sie können einen Kommentar hinterlassen.
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