Wikimedia:Woche 49/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia …

  • Cornelia Trefflich
  • 5. Dezember 2013
Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

= Wikimedia:Woche 49/2013 =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

Foundation und Organisationen

Wikimedia Foundation (WMF) erwirkt Urteil am OLG Stuttgart

In einem Blogpost feiert die WMF ein Gerichtsurteil des OLG Stuttgart als Sieg für die Meinungsfreiheit, in dem es um umstrittene Äußerungen in einem Personenartikel der deutschsprachigen Wikipedia ging. Der Kläger hatte auf die Entfernung gleich mehrerer Passagen bestanden, von denen das Gericht jedoch nur einen Teil als unzulässig wertete. Die Behauptung der WMF, erstmals sei damit auch das Haftungsprivileg von Wikimedia als Host Provider von einem deutschen Gericht gerichtlich bestätigt worden, ist insofern nur halb zutreffend, als Wikimedia Deutschland (WMDE) ähnliche Grundsatzurteile bereits in der Vergangenheit – etwa am LG Köln 2008 oder am LG Hamburg 2010 – erwirkt hat. Im Hinblick auf den deutschen Rechtsraum wird für den rechtsicheren Betrieb der Wikipedia die Frage spannend werden, inwieweit das Prinzip der Störerhaftung, die der BGH in seinem Blogspot-Urteil vom 25.10.2011 mit „zumutbaren Prüfpflichten“ verband, in Zukunft ausgestaltet wird. Im schwarz-roten Koaltionsvertrag finden sich dazu nur vage Ankündigungen.

Wikimedia Deutschland wählt neues Präsidium

Auf der 13. Mitgliederversammlung Wikimedia Deutschlands wurde am vergangenen Wochenende u.a. ein neues Präsidium gewählt. Nikolas Becker löst Ralf Liebau als Vorsitzenden des Präsidiums ab. Als seine Stellvertreter wurden Anja Ebersbach, die dieses Amt bereits im letzten Jahr innehatte und Tim Moritz Hector, der das erste Mal für das Präsidium kandidierte, gewählt. Als Schatzmeister wurde Steffen Prößdorf im Amt bestätigt, ebenfalls wurden die Kassenprüfer Olaf Kosinsky, Daniel Baur, Holger Motzkau und Thomas Goldammer wiedergewählt.

Internationale Spendenkampagne (Fundraiser) der Wikimedia Foundation (WMF) in englischsprachigen Ländern gestartet

Die zehnte, internationale Spendenkampagne der Wikimedia Foundation ist am 03. Dezember 2013 in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland angelaufen. Dort werden Spenden-Banner in der Wikipedia gezeigt, bis das Spendenziel von 20 Millionen US-Dollar erreicht ist. Andernfalls läuft die Kampagne bis zum Jahresende. Die Vereine aus Deutschland und der Schweiz organisieren ihre eigenen Fundraising-Kampagnen; die Spendenkampagne von Wikimedia Deutschland ist bereits Mitte November gestartet.

Projekte und Initiativen

EduWiki Conference Video

Im Nachgang zur zweiten EduWiki Conference hat Wikimedia UK jetzt ein Video mit Interviews von Teilnehmenden und Organisatoren online zur Verfügung gestellt.

Kleinvieh macht auch Mist! Commons-Bilder transkribieren

In seinem Blog beschreibt Andy Mabbett, wie einfach es ist, bereits auf Wikimedia Commons zur Verfügung gestellte Bilder in bestimmten Kategorien zu transkribieren und sie so besser nachnutzbar zu machen.

Thematische Edit-a-thons für mehr Diversität

John Andersson von Wikimedia Schweden hat einen Blogpost über die Diskussionen zu thematischen Edit-a-thons auf der Wikimedia Diversity Conference geschrieben, der auch auf deutsch verfügbar ist.

Start eines Bildungsprogramms für Wikinews

Mitwirkende der englischen Wikinews und die neue Wikimedia-Nutzergruppe The Wikinewsie Group haben ein formalisiertes Bildungsprogramm für Studierende an Universitäten gestartet, um angehenden Journalisten Best Practices beizubringen und die Nachrichtenproduktion auf Wikinews generell zu erhöhen. Im ersten Schritt wurden die Education Programm Extension installiert, unterstützende Materialien für Dozent*innen entwickelt und eine Plattform für Lehrende geschaffen.

Konferenz WikiSangamotsavam 2013

WikiSangamotsavam ist eine jährlich stattfindende Konferenz, die sich an Interessierte der Malayalam Wikimedia-Projekte wendet. In diesem Jahr wird die Konferenz in der Zeit vom 21.-23. Dezember in Alappuzha im Bundesstaat Kerala (Indien) stattfinden. Sessions werden in parallelen Tracks zu den übergreifenden Themen Technologie, Community, Outreach and Sprache organisiert. Die Konferenz wird durch einen Zuschuss von der WMF (WMF Grants Program) finanziell unterstützt.

Bericht aus Brüssel

Dimitar Dimitrov, Mitglied der Free Knowledge Advocacy Group EU, berichtet monatlich auf Meta-Wiki von den relevanten Aktivitäten auf EU-Ebene.

Technik

Ergebnisse des Review-Treffens mit dem WMF Multimedia-Team

Die Ergebnisse des vierteljährlichen Review-Treffens des WMF Multimedia-Teams können auf dem Meta-Wiki nachgelesen werden.

Multimedia-Erfahrungen in den Wikimedia-Projekten verbessern

Die WMF lädt am 09. Dezember 2013 zu einem Treffen ein, bei dem Community-Mitglieder und Entwickler aufgerufen sind, um über eine Zukunftsvision zum Einsatz von multimedialen Elementen in den Wikimedia-Projekten zu brainstormen. Durch den Einsatz von Bildern, Klängen und Videos sollen künftig die individuellen Lernerfahrungen der Nutzer*innen verbessert werden.

Presse und Webseiten

Zum Urteil des OLG Stuttgart

Die Artikel setzen sich mit dem oben genannten Urteil des OLG Stuttgart auseinander.

Signpost kommentiert Empfehlungen des Funds Dissemination Committee (FDC)

In der aktuellen Ausgabe der Community-Zeitung Signpost kommentieren die Autoren die Empfehlungen des FDC zu den eingereichten Jahresplänen der Wikimedia-Ländervertretungen, u.a. auch zu Wikimedia Deutschland.

Termine

Bewerbungsfrist für eine Mitgliedschaft im Affiliations Committee (AffCom) endet heute um Mitternacht

Bis zum 5. Dezember 2013 um 23:59 Uhr (UTC), das entspricht dem 06. Dezember 2013 um 1:00 Uhr (CET) in Deutschland, kannst du dich als Mitglied im Affiliations Committee (AffCom) bewerben! Das AffCom freut sich auf Bewerbungen, die an den stellvertretenden Vorsitzenden Carlos Colina (jewbask(at)wikimedia.org.ve) geschickt werden können.

Metrics and Activities Meeting der Wikimedia Foundation (WMF) am 05. Dezember 2013

Heute Abend um 20:00 Uhr (CET) wird das monatliche Metrics and Activities Meeting der WMF stattfinden. Online kann das Treffen über den IRC Kanal #wikimedia-office mitverfolgt werden. Die Bereiche der WMF stellen kurz den aktuellen Stand ihrer Arbeit vor.

  1. Oben – unter „Foundation und Organisationen“ im Beitrag „Wikimedia Foundation (WMF) erwirkt Urteil am OLG Stuttgart“ – steht die Wikimedia Foundation (WMF) behaupte, dass mit der Entscheidung des OLG Stuttgart erstmals auch das Haftungsprivileg der WMF als Host Provider (Diensteanbieter) von einem deutschen Gericht bestätigt worden sei. Das sei aber wiederum nur halb zutreffend, da Wikimedia Deutschland (WMDE) ähnliche Grundsatzurteile bereits in der Vergangenheit – etwa 2008 beim LG Köln oder 2010 beim LG Hamburg – erwirkt habe. Im Blogpost der WMF steht allerdings noch ein Wort mehr, das nicht erwähnt wird, nämlich dass mit der Entscheidung des OLG erstmals auch das Haftungsprivileg von einem deutschen „Berufungs“-Gericht („appellate court“) bestätigt worden sei. Genau auf diese Unterscheidung kommt es hier aber an, denn letztlich hat die Entscheidung eines Oberlandesgerichts deutlich mehr Gewicht als die eines Landgerichts, zumal das OLG Stuttgart seine Entscheidung nunmehr auch deutlich ausführlicher begründet hat als seinerzeit die Landgerichte. Das war erforderlich, da der Kläger in dem Verfahren versucht hat, Wikimedia als Content Provider darzustellen und nicht als Host Provider, um die WMF eben nicht in den Genuss des Haftungsprivilegs für Diensteanbieter gelangen zu lassen; in der ersten Instanz war das Landgericht Stuttgart dem Kläger dazu nämlich noch teilweise gefolgt, indem es entschieden hatte, die WMF würde die Inhalte nicht nur „verbreiten“, sondern auch „behaupten“, was das OLG Stuttgart zugunsten der WMF dann anders entschieden hat – auch dahingehend, dass die WMF bei der Veröffentlichung von Artikeln auf Wikipedia grundsätzlich hinsichtlich persönlichkeitsrechtsbeeinträchtigender Inhalte keine proaktiven Prüfungspflichten treffe. Eine Ausnahme stelle die sog. „Verdachtsberichterstattung“ dar, so das OLG Stuttgart. Nach Ansicht des OLG muss die WMF – wie jedes andere Medium auch – in diesen Fällen die vom Bundesverfassungsgericht entwickelten Grundsätze beachten. Danach kann auch eine wahre Darstellung das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen verletzen, wenn sie einen Persönlichkeitsschaden anzurichten droht, der außer Verhältnis zum öffentlichen Interesse an der Verbreitung der Wahrheit steht, so das OLG. Zudem muss bei einer solchen Berichterstattung in allen Medien noch ein „hinreichender Aktualitätsbezug“ gegeben sein, was zumindest nach etwa 5 Jahren nicht mehr der Fall ist.
    Offen ist noch, welche Anforderungen an den Hinweis des Betroffenen gegenüber Wikimedia gestellt werden, insbesondere bei angeblich falschen Tatsachenbehauptungen. Nach der BGH-Rechtsprechung muss der Hinweis so konkret gefasst sein, dass der Adressat des Hinweises (hier: Wikimedia) den Rechtsverstoß unschwer – d.h. ohne eingehende eigene rechtliche oder tatsächliche Prüfung – feststellen kann. In Zukunft könnte es daher die Aufgabe der deutschen Rechtsprechung (und nicht unbedingt der Gesetzgebung) sein, die Voraussetzungen für einen solchen Hinweis an Diensteanbieter wie Wikimedia herauszuarbeiten. Sofern der Hinweis jedenfalls konkret genug gefasst und auch zweifelsfrei belegt ist und der fragliche Eintrag auch beseitigt wird, dürfte die Frage der Pflicht zur weiteren Prüfung, ob es dann nicht erneut zu einer gleichartigen Rechtsverletzung kommt, eher einfach zu handhaben sein. Da ein gelöschte Eintrag regelmäßig nur einer bestimmten Person oder einem bestimmten Thema zugeordnet ist, dürfte es nicht allzu schwerfallen, einen erneuten Eintrag gleichen (rechtswidrigen) Inhalts zu verhindern, z.B. durch entsprechende artikelbezogene Hinweise an die Autoren, etwa im Zusammenhang mit der Versionsgeschichte.
    Der schwarz-rote Koalitionsvertrag übrigens, der am Ende des Beitrags erwähnt wird, bezieht sich nicht auf Diensteanbieter wie Wikimedia. Der Koalitionsvertrag behandelt vielmehr die Beschränkung des Haftungsprivilegs nur für solche Host Provider, auf denen z.B. illegale Raubkopien von Filmen getauscht werden können (siehe Seite 133 des Koalitionsvertrages: „Wir wollen die Rechtsdurchsetzung insbesondere gegenüber Plattformen verbessern, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen auf der Verletzung von Urheberrechten aufbaut. Wir werden dafür sorgen, dass sich solche Diensteanbieter nicht länger auf das Haftungsprivileg, das sie als sog. Host Provider genießen, zurückziehen können und insbesondere keine Werbeeinnahmen mehr erhalten.” Eine Veränderung der gesetzlichen Grundlagen in diesem Zusammenhang zulasten von Wikipedia steht also nicht zu erwarten und wird derzeit auch nicht diskutiert.

    Kommentar von Holger Müller am 6. Dezember 2013 um 22:03

Die Kommentare sind geschlossen.