Archiv für die ‘Wikimania’ Kategorie



Warum Wikimania? – Vier Gründe für ein Mammutprojekt

Es berichtet der Wikipedia-Autor mit dem Benutzernamen toblu. Er ist einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

Angesichts hunderter Wikipedianer, die jedes Jahr hunderttausende Kilometer zurücklegen um auf der Wikimania vier Tage lang hunderte Mahlzeiten zu verspeisen, hunderte Liter Kaffee zu trinken und hunderte Powerpoint-Folien zu diskutieren, darf man durchaus einmal fragen, was diesen enormen Aufwand eigentlich rechtfertigt. Dass stets nur ein kleiner Teil der Wikipedia/Wikimedia-Community an der Konferenz teilnehmen kann, diese aber für Wochen und Monate die Arbeitskraft ganzer Chapter bindet, erhöht den Begründungsbedarf weiter.

 

Die folgenden vier Punkte gehen gleichwohl über der Versuch der Rechtfertigung hinaus. Sie sollen zeigen, warum es sich bei der Wikimania um einen elementaren Beitrag zur Mission „Freies Wissen für alle“ handelt.

 

1) Wikimania ist Austausch über Inhalte

"Thank You". Bildautor: toblu unter CC-BY-SA 3.0.


Keine Frage, Wikipedia und ihre Schwester-Projekte leben vom Austausch der an ihnen Beteiligten. Deren Zahl – wie auch die Zahl dieser Projekte – macht es dabei aber schon seit langem unmöglich, diesen Austausch kontinuierlich auch über Projekt- und Landesgrenzen hinweg zu betreiben. Kaum jemand hat Zeit und Energie, alle Projekte verfolgen – häufig nicht einmal jene, die seine eigene Arbeit unmittelbar betreffen.

 

Die Wikimania erlaubt und fördert gerade diesen Austausch. Die Vorstellung und Diskussion neuer und unbekannter Projekte und Ideen ist seit jeher integraler Bestandteil der Konferenz. Zahllose Anregungen und Vorschläge, die häufig auf der Erfahrung mit ähnlichen Projekten beruhen, wären ohne sie nie gemacht worden.

 

2) Wikimania ist Austausch mit Gleichgesinnten

 

Fülle und Wachstum von Projekten erschweren nicht nur die inhaltliche Beschäftigung mit Ihnen, sie machen es auch schwer, persönlichen Austausch zu organisieren; für viele lokal nicht begrenzte Projekte ist er gar von vorneherein unmöglich. In Anbetracht der (weitgehend) heterogenen Community, der vielen vorhandenen Erfahrungen mit unterschiedlichsten (häufig gemeinsamen) Problemen und dem Wert von Vernetzung insbesondere in einer unübersichtlichen Bewegung und Gemeinschaft ist dieser Austausch jedoch von besonderer Bedeutung.

 

Die Wikimania ist einzigartig darin, Menschen aus (nahezu) allen Teil der Welt mit unterschiedlichsten Hintergründen (aber dem gemeinsamen Ziel, freies Wissen zu schaffen und zu fördern) zusammenzubringen und den persönlichen Austausch zwischen ihnen zu ermöglichen – während der zahllosen Sessions und Diskussionen auf der Konferenz, aber auch im Abend-, Vor- und Anschlussprogramm. Das hat, neben den genannten Vorteilen auch einen enormen motivatorischen Effekt – für diejenigen, deren Projekte von anderen spontan unterstützt und bejubelte werden, aber auch für diejenigen, die jubeln.

 

3) Wikimania ist Kontinuität

 

Es ist nicht schwer, Informationen über Wikimedia – die Foundation, die Chapter, die Bewegung – zu finden. Aus diesen Informationen zentrale Fragen und Entwicklungen zu isolieren, ist in Anbetracht der schieren Flut an Informationen jedoch häufig genug unmöglich.

 

Die Wikimania ist einerseits Anlass für die Verantwortlichen, Ziele und Entwicklungen zu (re-)definieren und einem (partiell) gut informierten Publikum in konsistenter Form zu präsentieren.  Sie ist andererseits Gelegenheit für dieses Publikum – und dank frei verfügbarer Videos auch für jeden anderen Interessierten – jene Entwicklungen zu verfolgen und sich regelmäßig in einer strukturieren Form mit ihnen auseinanderzusetzen.

 

4) Wikimania ist Sichtbarkeit

Auch elf Jahre nach dem Start der ersten Sprachversionen Wikipedias herrscht in der Öffentlichkeit immer noch ein erstaunlich großes Informationsdefizit – über Wikipedia und ihre Funktionsweise, erst recht aber über ihre vielen Schwesterprojekte und die Bewegung insgesamt.

Die Wikimania leistet hier zunächst einen großen Beitrag am Veranstaltungsort. Sie erzeugt für etwa eine Woche eine enorme Sichtbarkeit, die immer wieder zu Gesprächen mit Gastgebern, Besuchern und gänzlich Unbeteiligten führt. Hinzu kommt die Berichterstattung in lokalen und nationalen Medien, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat sowie die Wahrnehmung im persönlichen Umfeld der Teilnehmer, deren häufig abstrakte und unverständliche (Neben-)Beschäftigung auf diesem Weg eine konkrete Gestalt bekommt.

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Zwei Wikimaniacs – Ein Rückblick

Es berichten der Wikipedia-Autor Tim Moritz Hector, einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt und Elly Köpf, Mitarbeiterin von Wikimedia Deutschland im Bereich „Bildung und Wissen“.

By FelixH, CC-BY-SA-3.0

Die Wikimania 2012 ist fast vorbei und Tim Moritz und Elly stellen fest: Es gab eine Reihe an Begriffen, welche uns durch die gesamte Veranstaltung begleitet haben:

Neulinge – Unterstützung –  Hilfe – Usability – Umgangsformen – Feedback – …

Alle beschäftigen sich mit der Frage, wie die Einstiegshürden für Neulinge gesenkt werden können und was die Community dazu beitragen kann. Auch Sue Gardner (Executive Director Wikimedia Foundation) brachte in ihrer Abschlusssession die Aufgabe an die Community zum Ausdruck,  eine freundlichere Athmosphäre für Neulinge zu schaffen und bezog sich dabei auf die sinkende Anzahl an Neuautoren.

Es gibt viele Ansätze und Ideen, wie diesem Problem begegnet werden kann, daher möchten wir unsere Highlights dazu mit euch teilen:

  • Hilfeseitenprojekt in Wikipedia von Peter Coombe (Fellow Wikimedia Foundation): Den „Wildwuchs“ der Hilfeseiten neu zu strukturieren.
  • Teahouse  initiiert von Sara Stierch (Fellow Wikimedia Foundation): Ein Ort in der Wikipedia, an dem Neuautoren auf freundliche Art und Weise Unterstützung bekommen und sich im Bereich „Guests“ auch einander vorstellen können.
  • Feedback-Tools, Templates und Moodbars: wie Tim Moritz bereits in seinem Blogpost berichtete. Auch die Foundation berichtete in ihrem Blog über den Moodbar.
  • Bildungsprojekte: Wie Elly bereits in ihrem Blogpost berichtete. Zudem fand im Rahmen der Wikimania gestern abend ein Education Meetup statt, auf dem sich Wikimedia-Bildungsprojekte aus der ganzen Welt vernetzte.
  • und vieles mehr!

Es wird sich zeigen, welche dieser Ansätze von der deutschsprachigen Community Unterstützung finden. Sie bieten in jedem Fall ausreichend Spielraum für individuelle Anpassungen und laden zu dem ein, was den Unterstützern Freien Wissens im Blut liegt: Dem Remix!

 

 

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Ein besonderer Ort für eine Rede

Fotograf: Rock drum
Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Nachdem die Eröffnungszeremonie in der Library of Congress bereits kurz beschrieben wurde, möchte ich gern in Ergänzung zu den ersten hier im Blog beschriebenen Eindrücken die Rede von Pavel veröffentlichen.

Die Library of Congress ist ein überwältigender Ort – die Bilder sprechen für sich. Noch überwältigender ist es, in einer der bedeutendsten und größten Bibliotheken der Welt eine Rede vor Hunderten Wikipedianern und geladenen Gästen aus aller Welt zu halten. Der Wermutstropfen: Die Akkustik war so schlecht, dass die Rede nur mit viel Mühe zu verstehen war….und selbst dann, haben sicherlich viele kaum hören können, was Pavel Richter zum Verhältnis zwischen der World Digital Library und Wikipedia zu sagen hatte:

Wow, what a place. I am sure I speak fore very Wikipedian in this room when I say thank you for having us here, at the Library of Congress.

When I was asked to speak about the values the World Digital Library and Wikimedia share, and that I would have just 5 minutes for it, I thought to myself: That is impossible! So let me focus on some key aspects:

The Library of Congress was build as a place to gather, to share and to produce knowledge and make it accessible to everyone. Similar places have been build around the world for thousands of years, to further the progress of knowledge and
creativity. Wikipedia would not be possible without such places.

On the website of the World Digital Library, it says:

The basic idea was to create an Internet-based, easily-accessible collection of the world’s cultural riches that would tell the stories and highlight the achievements of all countries and cultures, thereby promoting cross-cultural awareness and understanding.

You do not have to change a single world to describe Wikipedia!

The World Digital Library and Wikipedia are both places that are not bound by physical boundaries, making it even easier to participate in the production and the exchange of knowledge. Yet, for the same end, we use different means: The World Digital Library pursues its mission by making available cultural treasures, in the form of images, maps, or documents.

Wikipedia is an encyclopedia, and therefor a summary of knowledge, written by the very same people that use it. And since Jimmy Wales started Wikipedia – just 11 years ago – hundreds of millions of people got access to knowledge they never had before.

The mission of the World Digital Library is to promote international and intercultural understanding; it provides information to everyone on the internet; and and so does Wikipedia. But Wikipedia is more than just a website, it is the result of international and intercultural collaboration.

We are doing the same thing, for the same reasons, for the same people in the same medium, so we should be doing it together.

Cooperation with cultural institutions such as Galleries, Libraries, Archives and Museums is an important part of the Wikimedia movement. Worldwide, Wikipedia volunteers engage with local partners to work together to produce open-access, freely-reusable content for the public. Wikipedians in Residence are working side by side with researchers and scientists in cultural and scientific institutions, acting both as advisers within and as spokespersons for “their” museum, their archive or their library.

Wikipedia and its community can bring skills, experience and abilities to such cooperation, which could not be found anyplace else. These examples show how the curating role of institutions changes in the information age. The future lies within the cooperation of established institutions and Wikipedia with its global community. Together they form a model of what has been termed “open authority”.

And in this monument to knowledge which is the Library of Congress, hundreds and hundreds of Wikipedians from around the world came together tonight – and you are a perfect fit for this place. The personal involvement and a deep  understanding is what drives us, what we all have in common and what we stand for. For we all share the same idea, the same passion and the same mission: to transform information into knowledge, to make it available to every person on the planet.

Thank you.

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Zur Wikimania auf dem Gender-Ticket

Es berichtet die Wikipedia-Autorin Poupou l’quourouce. Sie ist eine von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

In letzter Zeit habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass ich die Tatsache, dass ich eine der 10% weiblichen Wikipedianer bin, stärker reflektieren sollte. Eigentlich hat mich die ganze Genderthematik nicht sonderlich gekümmert – ich bin schließlich schon da und fühle mich wohl, brauche also kein Frauenunterstützungsprogramm um in der Wikipedia aktiv zu sein. Es hat mich sogar eher genervt, immer häufiger auf dieses Thema angesprochen zu werden, schließlich ist nicht einzusehen, weshalb die wenigen Frauen die schon da sind, das Problem der vielen die nicht da sind, ausgerechnet auch noch lösen sollten.

Andererseits bin ich aber tatsächlich überzeugt, dass jeder Wikipedianer es nicht vermeiden kann, aus seinem persönlichen Blickwinkel heraus zu agieren – das ist vollkommen normal und menschlich. Genauso einleuchtend ist mir, dass die Gesamtheit aller Männer als Gruppe einen anderen Blickwinkel einnimmt als die Gesamtheit aller Frauen – natürlich hat innerhalb jeder Gruppe jedere einzelne möglicherweise noch einmal eine ganz andere Sicht auf die Welt. 10% Frauenanteil bedeuten deshalb m.E. tatsächlich einen verzerrten Blick und ich meine, dass wir Wikipedianer uns Gedanken machen sollten, woran dies liegt und was wir dagegen tun könnten.

Ich habe deshalb für Wikimania einen Vortrag zu einem Gender-Aspekt eingereicht (A Room of One’s Own – Virginia Woolf and Female Wikipedia Editing) und versuche, mir bei dieser Veranstaltung immer wieder bewusst zu machen, wie ich die Veranstaltung nicht nur als Wikipedianerin erlebe sondern eben als weibliche Wikipedianerin. Natürlich aus meiner sehr subjektiven Sicht.

Passender Weise begann Wikimania mit der ersten WP-Veranstaltung, bei der ich tatsächlich länger darüber nachgedacht habe, was ich anziehen soll: mit der Opening Reception in  der Library of Congress, dress code: semi-formal. Ich entscheide mich für ein langes schwarzes Kleid, das sich schließlich als nicht overdressed erweisen wird. Auf der Veranstaltung dann: jede Menge Frauen, ich schätze 30-40% und in der Tat fühlt man sich dann weniger als „die Frau“ auf der Veranstaltung, sondern als eine von vielen, und das ist angenehm. Von den Reden von Pavel und Jimbo bekomme ich wegen der schlechten Akustik leider nichts mit, trotzdem ein schöner und angenehmer Abend in einem großartigen Gebäude, aus dem wir viel zu früh hinauskomplimentiert werden.

Heute früh dann die Eröffnungsrede von Mary Gardiner – ebenfalls zur Genderthematik. Ich notierte mir einige Sätze, die ich vielleicht in meinen eigenen Vortrag integrieren werde: „Nothing about us without us“ – man kann Frauen nicht integrieren/fördern, ohne sie zu beteiligen, so etwas funktioniert nicht von oben herab. Sie bestätigt außerdem meinen Eindruck von gestern, dass ab ca 40% Frauenanteil, Frauen beginnen, sich als „normal“ und nicht als „die einzige“ oder „eine von wenigen“ Frauen zu fühlen. Außerdem: die Frauen, die schon da sind, sind vielleicht nicht die richtigen Ansprechpartner, denn sie kommen mit den „Verhältnissen“ offensichtlich irgendwie zurecht, auch hier fühle ich mich durchaus bestätigt. Konkrete Vorschläge was Wikipedia tun kann, bringt der Vortrag leider nicht. Trotzdem für mich eine nachvollziehbare und intelligente Darstellung der Problematik. Ich merke, dass es Stellen im Vortrag gibt, bei denen nur die Frauen im Auditorium gelacht haben – ein weiterer Hinweis auf unterschiedliche Sichtweisen.

Seltsamerweise habe ich nachmittags den Eindruck, der Frauenanteil nehme ab. Ich höre lohnende Präsentationen zu Message Walls und zu besser formulierten Templates.  Frauenanteil im Raum (ca 100 Personen) bei nur noch ca 10-20%. Die Fragen im Anschluss nur von Männern. Trauen sich die anwesenden Frauen nicht? Haben Sie keine Fragen? Ich habe auch keine und nehme deshalb zugunsten der anwesenden Frauen letzteres an.

Anschließend spreche ich beim Speeddating am Stand von Wikimedia Deutschland mit Anja aus dem Präsidium zum Gender Gap. Schnell gleiten wir ab und erzählen uns gegenseitig unsere jeweiligen Wiki-Biographien. Um den Gap trotzdem ein bisschen zu verkleinern, versuche ich, Anja zum Artikel schreiben zu motivieren. Vielleicht erstmal mit einer unauffälligen Socke? Wir diskutieren Fantasie vs realname bei Frauen. Da ich keinen Realname account habe, kann ich nur mutmaßen, Anja ebenso, denn bei ihr ist es umgekehrt.

Fazit für heute: inspirierend und anregend, ich freue mich, dass ich hier sein kann und bin gespannt auf die nächsten Tage.

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And the winner is…

(Die deutsche Version dieses Eintrags ist hier.)

Pavel Richter and Arun Ganesh after the announcement of the winner (cc-by-sa by Stepro)

3 and a half months ago Wikidata development started. As a new Wikimedia project it obviously also needs a logo. We have asked people in the community to submit logo proposals and then to vote on them. Voting time is now over and we have a winner! It was a tough choice between the 33 excellent submissions that made the voting list. Thanks to everyone who submitted a proposal. We were delighted by all the submissions that all expressed the ideas behind Wikidata in their own way.

And here is the winner:

This logo was created by Arun Ganesh (User:Planemad) and received 89 of the nearly 1000 votes. Congratulations!

Oh and of course we’ll be creating some swag like t-shirts and stickers with the new logo soon. Let us know what you’d like to have.

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Und der Gewinner ist…

Pavel Richter und Arun Ganesh nach der Bekanntgabe des Gewinners (cc-by-sa by Stepro)

Vor 3,5 Monaten begann die Entwicklung von Wikidata. Als neues Wikimedia Projekt braucht es natürlich auch ein Logo. Wir haben die Community gebeten Logovorschläge einzureichen und dann zu wählen. Die Abstimmung ist jetzt beendet und wir haben einen Gewinner! Die Entscheidung zwischen den 33 hervorragenden Einreichungen, die es auf die Wahlliste geschafft haben, war nicht einfach. Vielen Dank an alle, die am Wettbewerb teilgenommen haben. Wir haben uns sehr über die Vorschläge gefreut, die die Ideen hinter Wikidata alle auf ihre eigene Art ausdrücken.

Und hier ist der Gewinner:

Dieses Logo wurde von Arun Ganesh (User:Planemad) gestaltet und hat 89 der fast 1000 Stimmen bekommen. Herzlichen Glückwunsch!

Oh und es wird natürlich Promomaterial wie zum Beispiel T-Shirts und Sticker mit dem neuen Logo geben. Lasst uns wissen was ihr gern hättet.

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„Wikipedia und Bildung“ – Eine Reise durch die Wikimedia-Welt

By Rock drum, CC-BY-SA 3.0

In Washington dreht sich derzeit einiges um die Frage, wie man neue Unterstützer für die Idee Freien Wissens gewinnen kann. Auf der Wikimania, dem größten Treffen der Wikipedia- und Wikimediabewegung, wird neben technischen Aspekten der Usability auch über die Rolle von Bildungsprojekten für die Gewinnung neuer Autoren diskutiert.

So viele Projekte gibt es in den unterschiedlichen Ländern, dass man kaum einen Überblick über alle Aktivitäten haben kann. Eine Konferenz von dieser Größe bietet hier den perfekten Einstieg in die Recherche internationaler Projekte und Aktivitäten. Da beginnt sie also, meine „Reise“in die Wikimedia-Bildungswelt:

Den Anfang findet meine Reise  – natürlich –  in den USA. In einer Session zum Thema „College Students‘ Perceptions of the Wikipedia-Assignment Experience“ berichtet Mona Ibrahim von Ihren Erfahrungen, die sie als Psychologieprofessorin am Concordia College in Minnesota gemacht hat. Sie hat einen genauen Ablauf eines Wikipedia-Projekts formuliert. In diesem beschreibt sie genau, worauf ein Dozent achten sollte. Besonders wichtig ist aus ihrer Sicht das direkte Vorführen des Bearbeitens eines Artikels im Kurs und der Hinweis auf fehlende Seiten, die in der Wikipedia noch benötigt weden. Dennoch beschreibt sie das Feedback der Studenten wie folgt:

Ich hatte das Gefühl mehr Schaden anrichten zu können, als Gutes tun zu können.

Meine zweite Station führte mich direkt nach Mexiko. Leigh Thelmadatter berichtete von Ihren Erfahrungen mit Wikipedia in der Universität. Ihr Ansatz in den Sozialwissenschafen ist es, die Vielsprachigkeit ihrer Studenten zu nutzen. „Wikipedia als fremde Kultur“ einzuführen, hilft ihr dabei, den Studenten die Eigenheiten zu vermitteln, die bei diesem Kulturschock auftreten können. Sehr spannender Ansatz, der das Schreiben eher als kulturelle Praxis wahnimmt und die Kommunikation in den Vordergrund stellt. Verbunden mit GLAM-Aktionen sieht sie ein großes Potential darin, Studenten durch soziale Aktivitäten zum aktiven Mitmachen zu gewinnen. Ihr Fazit: Schreiben muß Spaß machen und die Studenten persönlich und direkt ansprechen!

Persönliche Ansprache ist wichtig, da konnte ich das „Speed-Dating“ gleich dazu nutzen, mit einem Dozenten der Polytechnic of Namibia ins Gespräch zu kommen: Er arbeitet in seinen Seminaren bereits seit 2010 mit Wikipedia. In diesem Kontext beschäftigt er sich mit der Einbindung indigener Sprachen und gesprochenen Quellen. Sein Problem dabei liegt in der schwierigen Belegbarkeit mündlicher Überlieferunen und der Frage, wie er Studenten motiviren kann, weiterhin aktiv zu bleiben. Eine Frage, die in diesem Bereich immer wieder aufkommt.

Next stop: England! Sehr spannend, neben den vielen Aktivitäten rund um Monmouthpedia, ist die Zusammenarbeit von Wikimedia UK mit den Manchester Girl Geek Dinners. Das Konzept dahinter: Frauen treffen sich zum gemeinsamen Abendessen und lernen anschließend gemeinsam, wie man selbst aktiv wird in Wikipedia. Im September wird es zudem in Leicester eine Konferenz zu Wikipedia in Education geben.

Ich lege einen Zwischenstop auf meiner Reise rund um das Wikipedia-Bildungs- Universum ein. Bei unserem „Education Meetup“ stellen Denis und ich die Arbeit des Bereiches Bildung und Wissen vor und gemeinsam diskutierten wir Fragen rund um einzelne Aktionen zu Wikipedia im Bildungsbereich. Faszinierend, wie viele Initiativen es gibt! Erfreulicher Weise nutzten alle Teilnehmer diese Gelegenheit dazu, sich gemeinsam über Motivation und Hürden in der Arbeit mit neuen Autoren auszutauschen und zu vernetzen. Zeit für ein Zwischenfazit: Allen Programmen und Initiativen gemeinsam scheint die Erfahrung des negativen (oder gar fehlenden) Fedbacks zu sein und zur gleichen Zeit die Stärker der persönlichen Einladung und Unterstützung. Jedoch, die Reise hat gerde erst begonnen …

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Sei willkommen. Wirklich. Besser reden mit Neulingen.

Es berichtet der Wikipedia-Autor Tim Moritz Hector. Er ist einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

Wikimania! Was für eine Vielzahl von Themen!
Um mehr mitzubekommen als ein allgemeines Wikimedia-Rauschen fokussiere ich mich bei meinem diesjährigen Wikimania-Aufenthalt auf mein Lieblingsthema: Die Neulingsfrage – wie können wir motivieren, erklären und nachhaltig neue Autorinnen und Autoren für Wikimedia-Projekte gewinnen?
Der meines Erachtens wichtigste Vortrag zu diesem Thema am Donnerstag wurde von Steven Walling und und Maryana Pinchuk gehalten. Der vielversprechende Titel lautete „Welcome to Wikipedia, now please go away: improving how we communicate with new editors“ und ich war sehr gespannt, was für Lösungsansätze man mir präsentieren würde.
Tatsächlich thematisierten die beiden die Ergebnisse einer statistisch hochwertigen Studie, in der die Wirkung von Vorlagen untersucht wurde, mit denen Neulinge angesprochen wurden. Dabei fokussierten sie sich auf die Sprachversionen auf Englisch, Deutsch und Portugiesisch.
Besonders interessant waren die Ergebnisse für mich, weil ich schon 2009 auf einem Mentorentreffen und im Mai diesen Jahres auf dem Treffen des WikiProjekts Vandalismusbekämpfung jeweils Workshops zur Überarbeitung der Begrüßungs- und Warnungsvorlagen initiiert hatte. Regelmäßig standen wir dabei vor der Frage: Was wirkt besser – eine kurze und knappe Ansprache oder eine sehr ausführliche? Wo ist der schmale Grat, der dem Angesprochenen die Kernaussage unmissverständlich deutlich macht und ihn dennoch nicht als Neuautoren abschreckt, sondern im Gegenteil sogar motiviert?
Die Zusammengefassten Resultate waren nicht besonders überraschend, sondern mehr eine Bestätigung: Kürzere Vorlagen sind effektiver als lange; Vorlagen, aus denen hervorgeht, dass die schreibende Person auch nur ein Benutzer ist, motivieren stärker als solche, die stark am Regularium entlang formuliert sind; je mehr Vorlagen sich auf einer Benutzerdiskussionsseite sammeln, desto weniger Reaktion zeigen die angesprochenen Benutzer. Gut zu wissen ist aber: Etwa die Hälfte der Nachrichten, die auf einer Benutzerdiskussion hinterlassen werden, werden auch von den Benutzern gelesen – hier sind anoyme Benutzer eingeschlossen.
Die Ergebnisse liegen für die drei unterschiedlichen Sprachversionen jeweils einzeln vor (wer interessiert ist: http://meta.wikimedia.org/wiki/Template_A/B_testing/Results). Spannend, wenn auch gleichfalls nicht überraschend, finde ich, dass die einzelnen Sprachversionen deutliche Abweichungen voneinander aufweisen sollen. Das motiviert mich, weiter verschiedene Projekte zu vergleichen: Wie reagieren Neulinge auf Ansprachen in unterschiedlichen Wikimedia-Projekten? Was wünschen sie sich an Support – was nicht? Gut an Wikimanias ist ja, dass über ein Thema so viele Leute Bescheid wissen. So erzählte mir Erik Möller von einem Tool auf der englischsprachigen Wikipedia, das sich „MoodBar“ nennt und über dessen Einsatz nun erste Ergebnisse vorliegen: Eine Funktion, mit dem Neulinge seit Sommer 2011 ihre ersten Erfahrungen zum Editieren über einen Smiley und seit Oktober 2011 einen Kommentar zur ihren ersten Erfahrungen abgeben können, auf den erfahrene Benutzer reagieren können. Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv (wer interessiert ist: http://blog.wikimedia.org/tag/moodbar/). Ein anderer spannender Vortrag beschäftigte sich am Freitag mit der Schnittstelle zwischen Leserinnen und Lesern und Autorinnen und Autoren – „Lessons from Article feedback v5“, ein weiteres Tool, das auf der englischsprachigen Wikipedia zum Einsatz kommt und Lesern die Möglichkeit gibt, einen Feedback-Kommentar zum Artikel abzugeben. Auch hier gibt es überwiegend positive Ergebnisse, die eine genauere Untersuchung wert sind.
Von dieser Vielfalt der Teilbereiche, selbst wenn man sich nur auf nur ein einzelnes Thema beschränkt, kann ich mich immer wieder begeistern lassen und werde in diesem Sinne auch die nächsten beiden Tage Wikimania 2012 genießen.

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Hallo Washington. 5 Bilder.

Ein paar Fotos, zusammengesucht aus Commons, damit sich die daheimgebliebenen ein Bild machen können.

 

Wikimania 2012 - Chase me 04
Wikimania 2012 - Chase me 04

Dritter Stock des Conventon Centers der George Washington University. Gang mit den Seminarräumen, in denen die meisten Veranstaltungn stattfinden.

 

Wikimania 2012 Hackathon P1160476
Wikimania 2012 Hackathon P1160476

Hackathon in einem der großen Säle. Die Bestuhlug in diesen ist für Vorträge nicht ganz optimal.

Google Reception, Wikimania 2012 P1160566
Google Reception, Wikimania 2012 P1160566

Mittwoch-Abend-Empfang in der Library of Congress. Die unnerdigste Nerd-Veranstaltung der ich bisher teilhaftig wurde.

 

Newseumreception21
Newseumreception21

Donnerstag-Abend-Ausklang auf dem Dach des Newseums nahe der National Mal.

Wikimania 2012 - Rock drum - Opening ceremony 1
Wikimania 2012 - Rock drum - Opening ceremony 1

Eröffnung im Lisner-Auditorium, dem Hörsaal für Anfang und Ende und ganz große Veranstaltungen. Grußworte.

Die deutschen Fotografen sind auch fleißig. NetActions Fotos sind auch schon in der Blogzentrale angekommen; die Blogzentrale ist aber noch mit deren Format technisch überfordert.

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Jimmy’s talkin‘

Same procedure as every Year. Jimmy hat seinen Haifa-Vortrag recyclet. Unterschied zu Israel: aufgrund seines „Ada-Projektes“ (das auch das recyclen etwas entschuldigt, für die Uneingeweihten – Ada ist seine noch recht kleine Tochter) hielt er seine Rede zum „State of the Wiki“ dieses Mal zum Auftakt der Veranstaltung, nicht Am Ende. Und alles hörte sich schön an. Ein bischen Afrika, ein bischen persönliche Preisverleihung – der „Jimbo-Award“ geht dieses Jahr nicht nur an einen Bot-Betreiber, der fast im Alleingang eine Wikipedia mit 30.000 Einträgen zu einer weit verbreiteten afrikanischen Sprache anlegte -, sondern auch an zwei Angestellte der Foundation in einer eigens neu kreierten Kategorie. Sie bekommen abgelegte Luxusuhren das Meisters…. Aber diese Socializing-Sachen sind ja meist ganz nett, wenn auch manchmal etwas seltsam. Auch daß wir mal wieder von seinem kenianischen 8-Dollar-Handy hören mussten, dessen Akku 2 Tage hält….

Jimmy Wales - "State at the Wiki" Rede 2012
Jimmy Wales - "State at the Wiki" Rede 2012

Problematisch wird es, wenn man sich den wenigen harten Inhalten der Rede nähert. Jimmy Wales sprach über die Freiheit des Wortes, über Zensur etc. Und stilisierte sich und die Wikimedia-Bewegung als als Träger einer Gemeinschaft, die sich diesen Werten verpflichtet sieht. Das teile ich. Und ich denke auch, dass ein Großteil der Wikimedia-Bewegung das so sieht. Aber Jimbo Wales? Ich muß gestehen, dass diese Rede mir im Laufe der Zeit nicht nur immer mehr Unbehagen bei mir erzeugte, sondern auch Ärger. Da sprach der Großmeister der Wikimedia-Projekte von der Freiheit des Wortes und des Internets, die verteidigt werden müssen. Und ich begann mich zu erinnern… – war es nicht dieser Jimbo Wales, der nach schlechter Presse bei Fox News damit begann missliebige Bilder ohne jede Grundlage auf Wikimedia-Commons zu löschen? War nicht dieser Jimmy Wales einer der Protagonisten, die den Bildfilter für die Wikimedia-Projekte wollte? Ist es nicht dieser Jimmy Wales, der uns hier erzählen wollte, dass die Lage der Wikimedia-Projekte in China mittlerweile „stabil“ sind, weil man uns nicht mehr sperrt? Und am Rande oder in Nebensätzen die Kompromisse dafür andeutet? Ist es nicht der Jimmy Wales, der seinen angekündigten und zur Verleihung seines Privatpreises gehörenden Besuch bei seinem letztjährigen „Wikipedian of the Year“ noch nicht antrat, sich aber dazu heute äußerte? Zur Erinnerung: letztes Jahr gewann ein kasachischer Autor (soweit, so gut und überhaupt nicht zu kritisieren!). Der Preis des letzten Jahres soll aber möglichst im Beisein des „Präsidenten“ Kasachstans vergeben werden und man werkelt noch am passenden Termin…. Wir erinnern – „Präsident“ von Kasachstan ist der Altkommunist und mittlerweile autoritär regierende Nursultan Nasarbajew. Meinungsfreiheit ist eingeschränkt, das Internet wird zensiert. Und Jimmy Wales scheint sich gerne in der Sonne der Großen zu zeigen. Egal wofür sie stehen. Jimmy – du willst mir wirklich von der Freiheit des Wortes und des Internets erzählen? Wie soll ich das denn ernst nehmen?

Und das Volk jubelt seinem Herrn zu. Ohne zu denken. Ein Trauerspiel, bei den eigentlich so vielen klugen Leuten hier. Nicht dass es falsch ankommt – bis zu einem gewissen Punkt schätze ich Jimmy durchaus. Aber die Apotheose, die gottgleiche Verehrung geht wirklich zu weit. Er ist ein Mensch mit diversen Schwächen. Und er selbst würde das wohl als Letzter bestreiten.

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