Franziska Kelch
8. Juli 2026
Unklare Besitzverhältnisse
Das ganze Internet ist von Google, Meta, Amazon und anderen Tech-Giganten besetzt. Das ganze Internet? Nein. Auch in Zeiten des Plattformkapitalismus gibt es die gallischen Dörfer der digitalen Revolution. „Das Internet funktioniert, weil viele Menschen zusammen daran arbeiten.“ So hat Jon Postel, Computerwissenschaftler und Internet-Pionier es einmal zusammengefasst. Es sind technische Communities auf der ganzen Welt, Expert*innen und gemeinnützige oder Nichtregierungsorganisationen, die dafür sorgen, dass die grundlegenden Mechanismen des Internets existieren, funktionieren und weiter entwickelt werden.
Aber wer sind sie, was tun sie und wie funktionieren sie? Testen Sie Ihr Internet-Wissen!
Frage 1
Wem gehört das Internet?
Wer schafft die Grundlagen für das Internet?
Das Internet ist ein Netzwerk aus Netzwerken. Daher der Namen: INTERconnected NETworks. Damit die Elemente vom Satelliten bis zum Computer miteinander kommunizieren können, braucht es eine universelle Sprache. Sie ist in Form von einheitlichen technischen Standards definiert. Dazu gehört das Internet Protocol (IP). Es sorgt dafür, dass jeder Computer eine eindeutige und erreichbare Adresse hat. Oder das Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS), das definiert, wie sichere Kommunikation zwischen einem Webserver und dem Browser funktioniert. Diese Standards prüft, entwickelt und beschließt die Internet Engineering Task Force (IETF) in thematischen Arbeitsgruppen. An denen kann sich jede*r beteiligen. Wenn eine Arbeitsgruppe für einen Standard gestimmt hat, geht der Vorschlag in die Internet Engineering Steering Group. Dort wird er begutachtet und dann angenommen oder abgelehnt.
Wie wird bei der IETF über die Einführung eines technischen Standards abgestimmt?
Empfänger unbekannt verzogen
Kommunen und Behörden, Unternehmen oder Medienhäuser, Universitäten und Schulen, Vereine oder Verbände, Kunstschaffende, Politiker*innen und viele mehr betreiben Webseiten. Damit deren Internetadressen eindeutig zuzuordnen sind, braucht es eine globale Adressverwaltung. Dafür ist die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zuständig. Sie ist eine Nichtregierungsorganisation, in der Technologieexpert*innen, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Regierungen zusammenarbeiten. Da IP-Adressen aus Zahlenfolgen bestehen und schwer zu merken sind, werden sie nach dem Domain Name System (DNS) in Buchstaben und Worte umgewandelt. Wir alle kennen sogenannte Top Level Domains wie .org für Webseiten von gemeinnützigen Organisationen oder .de und .uk für länderspezifische Seiten. Dieses System verwaltet und sichert die ICANN und registriert neue Domains.
Wem gehört die Top Level Domain .ai?
Der sprichwörtliche Pudding
Regeln für das Internet festzulegen ist ein bisschen so, als würde man einen Wackelpudding an die Wand nageln wollen. Die Infrastruktur gehört niemandem wirklich. Die Weiterentwicklung von Codes und technischen Normen betreiben verschiedene Organisationen. Und die verschiedenen Interessen von Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen sowie die Einflussnahme von Konzerne machen es extra kompliziert. Die Frage, wie das Internet ein offener und sicherer Raum für alle wird, ist aber zu wichtig. Denn zwei Drittel der Weltbevölkerung nutzen das Internet, alle unsere Lebensbereiche sind eng mit dem Internet verbunden. Es ist die zentrale Infrastruktur unserer globalisierten Welt.