Jugendliche für Grundrechte im Digitalen sensibilisieren – Wir zeigen, wie’s geht!
Franziska Kelch
28. Mai 2026
Was ist das Kartenset Grundrechte im Digitalen und für wen habt ihr das Lernmaterial entwickelt?
Caroline Boos: Das Kartenset ist ein Lernmaterial, das wir zum Buch „Grundrechte im Digitalen“ entwickelt haben. Das Buch ist frei verfügbar, aber eher für Erwachsene geeignet.
Das Kartenset ist für Schüler*innen ab der 9. Klasse, also ab etwa 14 Jahren, gemacht. Weil es das Kartenset als offene Datei und frei lizenziert gibt, kann man es aber verändern und für unterschiedliche Altersgruppen und Lernkontexte anpassen.
Mindestens 12 Personen sollten sich beteiligen, damit Interaktion möglich ist. Nach oben gibt es keine Grenze – bei mehr als 32 Personen braucht man einfach ein zweites Set.
Das Schöne ist: Das Kartenset ist auch in der Jugendarbeit, an Projekttagen und in Lehrkräftefortbildungen einsetzbar.
Bei Workshops mit Lehrkräften und Schüler*innen, bei denen wir das Material getestet haben, haben wir immer wieder gehört: Es gibt bisher wenig bis kein Material zu dem Thema, das Kartenset trifft daher offenbar auf eine Lücke.
Wir wollen die Schüler*innen auf dem Weg zu mündigen Bürger*innen unterstützen – und da ist es wichtig, dass sie sich mit ihren Grundrechten auseinandersetzen. Das Thema Grundrechte im Digitalen ist für sie aber oft abstrakt. Daher fand ich die Arbeit mit dem Kartenset wegen der beschriebenen Alltagssituationen hilfreich.Carina Leifgen Lehrerin an der Thomas-Edison-Realschule in Düsseldorf
Caroline Boss ist Managerin für Bildungspolitik und Expertin für digitale Medienbildung. Gemeinsam mit Partner*innen hat sie das Kartenset entwickelt.
Warum ist es aus Deiner Sicht wichtig, dass Lehrkräfte und Jugendliche sich nicht nur mit dem Thema Grundrechte, sondern mit Grundrechten in digitalen Räumen befassen?
Caroline Boos: Weil sich gerade Jugendliche sehr viel und aktiv in digitalen Räumen bewegen. Mit den digitalen Technologien sind neue Möglichkeiten entstanden, zu kommunizieren, kreativ zu sein oder zu konsumieren. Aber in digitalen Räumen werden immer wieder Grundrechte verletzt und es sind auch ganz neue Probleme entstanden – so etwas wie Deepfakes oder Cybermobbing. Um Jugendliche darin zu stärken, ihre Rechte zu kennen und zu verteidigen, braucht es eine aktive Auseinandersetzung damit.
Nehmen wir ein paar Beispiele aus dem Kartenset: Da ist Aisha, 16 Jahre alt, die Content Creatorin werden will. Sie postet täglich Fotos und Videos von sich. Sie fragt sich vielleicht nicht, wem diese Bilder eigentlich gehören und was die Plattform damit machen darf. Aber was passiert, wenn jemand daraus einen Deepfake macht? Oder Malik, 14, der in der Schule gemobbt wird und jetzt das Mobbing auch über Social Media läuft. Was sind seine Rechte? Und wer ist dafür verantwortlich, sie zu schützen? Was kann er auch selbst tun?
Wie ist das Kartenset aufgebaut, woraus besteht es?
Caroline Boos: Es gibt 32 Basiskarten, 35 Rollenkarten und 8 Aktionskarten. Die Basiskarten erklären Begriffe. Die Rollenkarten stellen fiktive Jugendliche und Erwachsene vor – Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten, für die digitale Grundrechte ganz unterschiedlich relevant sind. Und die Aktionskarten laden dazu ein, selbst aktiv zu werden. Natürlich gibt es auch eine Anleitung, wie man die Karten nutzt.
Was hilfreich für Lehrkräfte ist: Man kann die drei Karten-Typen beliebig kombinieren und die Komplexität anpassen. Eine Stunde Vertretungsunterricht? Dann reichen die Basis- und Rollenkarten. Ganzer Projekttag? Dann kommen alle drei Typen zum Einsatz.
In unseren Workshops haben wir das Feedback erhalten: Bei der Vielzahl der Basis- und Rollenkarten kann man sich als Lehrkraft einfach die raussuchen, die für die Altersgruppe und Schulform am besten geeignet ist.
Wie kann man denn die drei Kartentypen nutzen?
Caroline Boos: Die Basiskarten sind der Einstieg. Auf jeder Karte steht ein Begriff, der erklärt und durch ein Alltagsbeispiel greifbarer wird. Hinzu kommt ein Hinweis, mit welchem Grundrecht der Begriff zusammenhängt. Die Themen reichen von „Datenschutz“ bis zu „Tracking“.
Im Unterricht läuft das so: Alle bekommen eine Karte, bewegen sich durch den Raum und erklären sich gegenseitig ihren Begriff. Dann werden die Karten getauscht und es geht weiter. Das ist simpel und funktioniert wirklich gut – weil man selbst verschiedene Begriffe erklären muss – oder erklärt bekommt. Man kann einander helfen, wenn etwas unklar ist und versteht so wirklich, worum es geht.
Kartenset
Grundrechte im Digitalen
Wie ist das Kartenset aufgebaut und woraus besteht es? In diesem Video erklährt Caroline Boos, welche Kartentypen es gibt und wie sie in Workshops eingesetzt werden können.
Wie kann man denn die drei Kartentypen nutzen?
Caroline Boos: Die Basiskarten sind der Einstieg. Auf jeder Karte steht ein Begriff, der erklärt und durch ein Alltagsbeispiel greifbarer wird. Hinzu kommt ein Hinweis, mit welchem Grundrecht der Begriff zusammenhängt. Die Themen reichen von „Datenschutz“ bis zu „Tracking“.
Im Unterricht läuft das so: Alle bekommen eine Karte, bewegen sich durch den Raum und erklären sich gegenseitig ihren Begriff. Dann werden die Karten getauscht und der Austausch geht weiter. Das ist simpel und funktioniert wirklich gut – weil man selbst verschiedene Begriffe erklären muss – oder erklärt bekommt. Man kann einander helfen, wenn etwas unklar ist und versteht so wirklich, worum es geht.
Und wie funktionieren die Rollenkarten mit den verschiedenen Charakteren und die Aktionskarten?
Caroline Boos: Jede Karte bringt den Spielenden eine Person näher und macht so viele Perspektivwechsel möglich. Da ist zum Beispiel Luna, 16, die trans ist und deren Posts über LGBTQ+-Themen von Social Media Plattformen gelöscht werden. Oder Pavel, 71, der keinen Arzttermin bekommt, weil das nur online geht – und er kein Smartphone hat. Die Lernenden nehmen diese Rolle an und überlegen: Was bedeutet der Begriff auf meiner Basiskarte für diese Person? Das erzeugt echtes Nachdenken und Empathie.
Mit den Aktionskarten enthalten Schüler*innen Aufträge – für eine Recherche oder konkrete Aktivität. Es geht darum zu zeigen: Ihr seid nicht hilflos, ihr könnt aktiv werden. Zum Beispiel indem eine Gruppe eine echte Petition beim Deutschen Bundestag anschaut und so lernt, selbst eine Petition zu einem Thema zu schreiben, das auf den Karten steht. Eine andere Gruppe recherchiert bei der Organisation Hate Aid, wie man Hassrede im Netz begegnen kann, und überlegt sich eine Art Gegenrede als Hashtag oder kurzes Statement. Wieder eine andere Gruppe erstellt 10 Tipps zur digitalen Selbstverteidigung – zum Beispiel: Welche Messenger sind sicher? Wie erkenne ich, ob eine App meine Daten verkauft?
Was sagst Du, warum sollten Lehrkräfte das Kartenset nutzen – und wo und wie bekommen sie es?
Caroline Boos: Weil es ein Thema aufgreift, das Jugendliche wirklich betrifft – und das trotzdem im Unterricht oft zu kurz kommt. Grundrechte im Digitalen, das klingt erstmal abstrakt, hat aber mit ganz konkreten Situationen und Phänomenen zu tun. Die Karte zu „Digitalen Stalking“ zum Beispiel beschreibt so etwas: Ein Tracker auf dem Smartphone, installiert in einer Beziehung, um die Bewegungen einer Person zu überwachen. Das ist nicht nur gruselig, das ist eine Grundrechtsverletzung.
Das Kartenset macht solche Themen zugänglich – ohne Frontalunterricht, ohne trockene Texte. Die Schülerinnen und Schüler reden miteinander, bewegen sich, nehmen andere Perspektiven ein, werden aktiv. Für Lehrkräfte ist das auch praktisch: Man braucht keine große Vorbereitung. Die Handreichung erklärt alle Einsatzmöglichkeiten der Karten. Und es reichen 45 Minuten für eine erste Einheit.
Und das Allerbeste: Das Kartenset ist komplett kostenlos. Es steht unter einer offenen Lizenz – CC BY SA 4.0 – und kann frei heruntergeladen, ausgedruckt und auch verändert werden.