AI-Bridges
Brücken bauen für die Zukunft des Wissens: Wie AI-BRIDGES Daten, KI und offene Infrastrukturen verbindet
Zarah Ziadi
29. April 2026
Generative KI verändert grundlegend, wie wir Wissen finden, nutzen und verstehen. Gleichzeitig bleiben viele hochwertige Datensätze aus Kultur, Forschung und Bildung schwer zugänglich oder werden nur selten weiterverwendet. Genau hier setzt AI-BRIDGES an: Das Forschungsprojekt verbindet institutionelle Daten, offene Wissensinfrastrukturen und KI-Systeme – mit dem Ziel, nachhaltige und verantwortungsvolle Lösungen für ein besseres Wissensökosystem zu entwickeln.
AI-BRIDGES wird am Digital Humanities Research Hub der School of Advanced Study der University of London umgesetzt und von der Europäischen Kommission im Rahmen einer Marie Skłodowska-Curie Postdoctoral Fellowship gefördert. Das Projekt läuft über zwei Jahre – von September 2025 bis August 2027 – und ist von Anfang an darauf ausgelegt, Ergebnisse zu schaffen, die über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben. Die Grundlage bildet dafür ein Netzwerk erfahrener Partner.
Das sind die Brückenbauer
AI-BRIDGES entsteht in enger Zusammenarbeit mit einem internationalen Netzwerk aus fünf zentralen Partnern: Wikimedia Deutschland als Partner für Wikidata, Wikibase und offene Dateninfrastrukturen; Wikimedia UK mit Fokus auf institutionelle Kooperationen und öffentliche Vermittlung; Wikimedia Brasilien mit besonderer Expertise in Wikidata und Wikibase, Community-Aufbau und der Arbeit in ressourcenschwachen Kontexten sowie einem inklusiven, nicht-englischzentrierten Ansatz; Wikimedia Schweiz mit Schwerpunkt auf koordinierter Infrastrukturentwicklung; sowie Pleias, ein DeepTech-Startup und KI-Labor, mit Expertise in kulturellem Erbe, offenen Sprachmodellen und KI-Systemen für den öffentlichen Sektor.
Mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich offener Daten und Technologien wie Wikidata und Wikibase stellt Wikimedia Deutschland eine zentrale Infrastruktur bereit, über die umfangreiche, verifizierte, durch crowdsourcing gewonnene Daten ihren Weg ins Netz finden können. Darüber hinaus bringt der Verein bereits Erfahrungen im Brückenbauen mit: Zum Beispiel mit dem Wikidata Embedding Projekt. Hier werden Daten aus dem Wissensgraphen Wikidata in einer Vektordatenbank gespeichert, um sie für KI-Systeme leichter nutzbar zu machen. Ein zentrales Ziel dieses Projekts ist es, der Open-Source-Community die Entwicklung offener KI-Anwendungen zu erleichtern.
Neben diesen Kernpartnern arbeitet AI-BRIDGES mit einem wachsenden Netzwerk aus Einzelpersonen, Communitys, Organisationen und Institutionen zusammen, die ihre Zeit, Expertise und Perspektiven in unterschiedliche Bereiche des Projekts einbringen.
Wie AI-BRIDGES funktioniert
Bei AI-BRIDGES steht im Zentrum Daten, Systeme und Communitys sinnvoll miteinander zu verbinden. Dafür entwickelt das Projekt Workflows, Tools und kollaborative Prozesse, die es Institutionen erleichtern, ihre Daten zu strukturieren, zu teilen und weiterzuverwenden. Eine zentrale Rolle spielen dabei Wikidata und das Wikibase-Ökosystem – eine offene Infrastruktur, mit der Daten modelliert und sowohl für Menschen als auch für Maschinen öffentlich zugänglich gemacht werden können.
Gleichzeitig erforscht Wikimedia Deutschland, wie generative KI sinnvoll auf strukturierte, offene Daten zugreifen kann. Anstatt generative KI als isolierte Black Box zu betrachten, besteht das Ziel darin, sie im öffentlichen Interesse mithilfe transparenter und nachvollziehbarer Methoden mit zuverlässigen Datenquellen zu verknüpfen.
Die Herausforderungen, die wir angehen, können nicht von einzelnen Organisationen oder Disziplinen gelöst werden. Sie erfordern Zusammenarbeit über institutionelle und technische Grenzen hinwegProjektleiterin von AI-BRIDGES, Dr. Shani Evenstein Sigalov
Was dabei entsteht
AI-BRIDGES ist als Forschungsprojekt angelegt, mit dem Ziel, Ergebnisse zu schaffen, die über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung entfalten. Dazu gehören unter anderem:
- Institutionen dabei zu unterstützen, ihre Daten einfacher, verantwortungsvoll und nachhaltig offen zugänglich zu machen
- Ansätze zu entwickeln, wie offene Wissensinfrastrukturen und KI-Systeme besser zusammenarbeiten können
- partizipative Modelle, die auch Communitys und die Öffentlichkeit in die Arbeit mit Daten einbeziehen – hier geht es im Kern um digitale Kompetenz
- die Entwicklung konkreter Tools, Workflows und Datensätze, die in unterschiedlichen Kontexten weiterverwendet werden können
- perspektivisch die Entwicklung eines offenen, auf strukturierte Daten ausgerichteten Sprachmodells in Zusammenarbeit mit Pleias.
Das Ziel: ein vernetztes Ökosystem, in dem Daten nicht isoliert bleiben, sondern sinnvoll genutzt, verstanden und weiterentwickelt werden können.
Für die Zukunft des Wissens
Im aktuellen generativen KI-Boom wird oft übersehen, woher Wissen eigentlich kommt. Viele Systeme greifen auf bestehende Inhalte zurück, ohne deren Herkunft sichtbar zu machen oder sie nachhaltig einzubinden.
AI-BRIDGES will das ändern: Es schafft Verbindungen zwischen den Orten, an denen Wissen entsteht, und den Technologien, die es verbreiten. So trägt das Projekt dazu bei, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verantwortlichkeit im Umgang mit Daten zu stärken.
Oder anders gesagt: Wenn generative KI die Zukunft des Zugangs zu Wissen ist, dann wird genau jetzt entschieden, auf welcher Grundlage dieses Wissen steht.
AI-Bridges lebt von Zusammenarbeit
Institutionen, Forschende, Entwickler*innen, Communitys und Fördernde sind eingeladen, sich einzubringen – sei es durch Datenspenden, Expertise oder gemeinsame Projekte.
Besonders in dieser frühen Phase geht es darum, möglichst viele Daten in offenen und freien Infrastrukturen zusammenzuführen. Wikidata und das Wikibase-Ökosystem ermöglichen es, Daten strukturiert zu erfassen und öffentlich zugänglich zu machen – eine wichtige Grundlage für ihre zukünftige Nutzung, auch im Kontext von generativer KI.
Veranstaltungshinweis
Eine gute Gelegenheit zum Einstieg in die Arbeit mit Wikidata und Wikibase bietet das AI-BRIDGES Symposium am 28. und 29 Mai. Interessierte können dort nicht nur mehr über das Projekt erfahren, sondern auch praktisch lernen, wie sich Daten auf offenen Plattformen strukturieren und teilen lassen. Am 28. Mai finden Workshops statt, an denen auch online teilgenommen werden kann. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der eigentliche Symposiumstag am 29. Mai findet vor Ort im Senate House im Zentrum Londons statt. Die Anmeldung ist bis zum 14. Mai geöffnet, alle sind an beiden Tagen herzlich willkommen.
Wer darüber hinaus Teil des AI-BRIDGES Netzwerks werden möchte, kann sich jederzeit auch direkt an das Projekt wenden: contact@ai-bridges.org