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Jedes Jahr dürfen wir am 1. Januar einen neuen Schatz an neu gemeinfrei gewordenen Werken heben – für die Communitys der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte können dann neue Inhalte ohne Beschränkungen online verfügbar gemacht werden. Manchmal sind das ikonische Bilder, wie 2025 die Gemälde von Henri Matisses, manchmal alte Fotos und manchmal Musik, wie 2024 die Jazz-Standards von Django Reinhardt.

In diesem Jahr feiern wir am Tag der Gemeinfreiheit (Public Domain Day) einen großen Schriftsteller und einen bahnbrechenden Wissenschaftler: die beiden deutschen Nobelpreisträger Thomas Mann und Albert Einstein. Beide flohen vor den Nazis in die Vereinigten Staaten und hinterließen nach ihrem Tod 1955 jeweils ein gewaltiges Oeuvre: Von Thomas Mann sind die Romane Buddenbrooks und Der Zauberberg sowie die Erzählungen Tonio Kröger und Der Tod in Venedig zu nennen. Albert Einsteins wichtigste Veröffentlichungen Zur Elektrodynamik bewegter Körper und die Allgemeine Relativitätstheorie haben wohl ungleich weniger Menschen selbst gelesen, aber E = m·c2 – die darin enthaltene Formel von der Äquivalenz von Masse und Energie – kennt heute wirklich jeder.

Warum vor allem freie Wissensprojekte vom Gemeinfreiheit profitieren

Für die Wikipedia ist der Ablauf der Urheberrechte an diesen Werken in diesem Fall tatsächlich kein so besonderes Ereignis: Denn sowohl eine physikalische Formel als auch die Inhaltsangabe eines Romans sind vom Urheberrecht gar nicht erfasst – in der Wikipedia war dieses Wissen also auch bisher schon zu finden. Wer aber heute profitiert, sind andere Projekte, die Freie Inhalte in der Originalfassung erschließen und nachnutzbar machen: Zu nennen ist einerseits das Wikipedia-Schwesterprojekt Wikisource oder das einen ähnlichen Ansatz verfolgende Plattform Project Gutenberg. Dort kann ab heute die ehrenamtliche Wissens-Community grundlegende physikalische Abhandlungen oder literarisch anspruchsvolle Erzählungen im ursprünglichen Volltext abrufbar machen.

Es gibt also viele Möglichkeiten, den heutigen Tag der Gemeinfreiheit zu feiern: Entweder man schmökert in den jetzt ohne urheberrechtliche Beschränkungen nutzbaren Original-Werken Thomas Manns, Albert Einstein, oder man sieht sich erst einmal die etwas zugänglicheren Erläuterungen in der Wikipedia an – viel Spaß dabei! Eine ausführliche Liste der ab heute gemeinfreien Werke findet sich, natürlich, in der Wikipedia.

Lukas Mezger ist Wikipedianer und Rechtsanwalt. Bis 2022 war er Vorsitzender des Präsidiums von Wikimedia Deutschland.

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