Bildung und Forschung in der EU-Urheberrechtsrichtlinie – Blaupause für den Rest der Welt?

Die Urheberrechtsreform der Europäischen Union hat einige problematische Veränderungen bewirkt, etwa durch die Einführung verpflichtender Uploadfilter. In anderen Bereichen, insbesondere Bildung und Forschung, hat die 2019 beschlossene EU-Urheberrechtsrichtlinie allerdings längst überfällige Verbesserungen gebracht.

  • Justus Dreyling
  • 7. Februar 2022

Ein digitales Podiumsgespräch

von Wikimedia Deutschland und COMMUNIA.

Dienstag, 15. Februar 2022, 15:00 – 16:30 Uhr

Hier live verfolgen – Diskussion in englischer Sprache:

Erlaubnisse bislang nur in Europa

Die EU-Urheberrechtsrichtlinie führt eine Reihe sogenannter Erlaubnisse ein, um digitale Aktivitäten wie Text und Data Mining zu erleichtern. Diese wissenschaftlichen Verfahren ermöglichen es Forschenden, schnell und automatisiert große Text- und Datenmengen zu analysieren. Auch dürfen zum Beispiel Lehrende an Universitäten ihre Materialien neuerdings auch Kursteilnehmenden zur Verfügung stellen, die aus einem anderen EU-Land an einer Online-Veranstaltung teilnehmen – eine Grundvoraussetzung für grenzüberschreitende Bildungsangebote.

Leider finden diese Bestimmungen nur in Europa Anwendung. In vielen Ländern der Welt, insbesondere im globalen Süden, sind solche Nutzungen urheberrechtlich geschützter Werke weiterhin nicht gestattet. In der Folge können Forscher*innen und Lehrer*innen digitale Aktivitäten nicht oder nicht im gleichen Umfang durchführen wie ihre Kolleg*innen in der EU.

Grenzüberschreitende Bildungsangebote – ein Muss, nicht nur während der Pandemie

Gerade die Pandemie und die mit ihr einhergehende Einschränkung des Reiseverkehrs haben gezeigt: Es braucht dringend internationale Regelungen zum Urheberrecht, damit wichtige Aktivitäten im digitalen Raum rechtssicher stattfinden können. Aber Lernen und Forschen im schulischen wie im universitären Kontext sollten heutzutage nicht nur während einer Pandemie, sondern auch unter normalen Bedingungen online stattfinden können.

Grenzüberschreitende Probleme – wie eben die Bereitstellung von Online-Bildungsangeboten – erfordern grenzüberschreitende Lösungen. Und doch hält das internationale Urheberrecht nicht mit der Digitalisierung Schritt. Verhandlungen über neue globale Erlaubnisse für Bildung und Forschung im Rahmen der Weltorganisation für geistiges Eigentum beispielsweise stagnieren seit vielen Jahren.

Internationale Urheberrechts-Expert*innen im Gespräch

Könnten die neuen Erlaubnisse in der EU-Urheberrechtsrichtlinie Bewegung in die Debatte bringen und als Muster für den Rest der Welt dienen, um einige der drängendsten Probleme in den Bereichen Bildung und Forschung auf internationaler Ebene zu lösen? Über diese Frage wollen wir am 15. Februar mit Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutieren. Gemeinsam mit COMMUNIA, dem internationalen Netzwerk aus Fachleuten, das sich für freien Zugang zu Wissen und Bildung einsetzt, haben wir vier spannende Gäste eingeladen:

Marco Giorello, Leiter des Urheberrechtsreferats der Europäischen Kommission

Ruth L. Okediji, Jeremiah Smith. Jr. Professorin an der Harvard Law School und Co-Direktorin des Berkman Klein Center

Erry Prasetyo, Beauftragter für geistiges Eigentum und Handelskonflikte im Außenministerium der Republik Indonesien

Catherine Stihler, CEO von Creative Commons

Einführung und Moderation: Justus Dreyling, Wikimedia Deutschland, und Teresa Nobre, Vizepräsidentin von COMMUNIA