Entspannende Industrieklänge, Demokratie für Kinder und visualisiertes Fachwerk – Kultur-Hackathon Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet

Die achte Auflage des Kultur-Hackathons fand in Dortmund statt, die Coding da Vinci-Stipendien sind da und 2020 geht’s nach Saar_Lor_Lux!

  • Claudia Bergmann
  • 13. Dezember 2019

Coding da Vinci bietet Museen, Bibliotheken, Archiven etc. eine Möglichkeit, ihre umfangreichen Datensammlungen miteinander und der Öffentlichkeit zu teilen, sie auf unterschiedliche Art nutzbar zu machen, aufzubereiten, und digital und kreativ zu verknüpfen.

Auf Süd folgt Westfalen-Ruhrgebiet

Nach Coding da Vinci Süd im Mai diesen Jahres war es nun an der Zeit für Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. Mehr als zwanzig unterschiedliche Institutionen öffneten ihre Archive und Depots. So bildeten fast 2.000 Gigabyte Daten u. a. aus dem LWL-Industriemuseum, dem Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Marta Herford Museum für Kunst, Architektur, Design, dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und dem Archiv der behindertenpolitischen Selbsthilfe die Grundlage für neun Projekte.
Knapp zwei Monate nach dem Kick-Off im Oktober tüftelten Entwicklerinnen und Entwickler, Kreative und Kulturbegeisterte an Webseiten, Apps und Spielen. Anfang Dezember stellten sie ihre Ergebnisse im Dortmunder U zur Preisverleihung vor.

VR trifft AR, zerstreuende Geräusche, Kinderrepubliken und weiterentwickelte Ideen

Gewonnen haben ein Virtual und Augmented Reality-Projekt über ein Bürgerhaus in Detmold, ein Online-Spiel zum Thema Jugendbewegung der 1920er Jahre, eine digitale Plattform, die ein kommunales Stadtarchiv für die Bürgerinnen und Bürger öffnet und eine App, die Industrieklänge und Bilder miteinander verknüpft.  

Die hochkarätige Jury setzte sich aus Dr. Lucy Patterson (Projektmanagerin bei Wikimedia Deutschland), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund), Claudia Jericho (Leiterin der Geschäftsstelle, CREATIVE.NRW), Harald Opel (Künstlerischer Leiter des kiU der FH Dortmund) und Katja Grawinkel-Claassen (Dramaturgin am FFT Düsseldorf) zusammen.
Diese Fachleute beurteilten u. a. Kreativität, Design und technische Umsetzung der Ideen und zeichnete Gewinnerinnen und Gewinner in drei verschiedenen Kategorien aus.

Die Preise; Bild: Annette Hudemann (LWL) CC-BY 4.0

Das Publikum konnte nach der Vorstellung aller Projekte die Apps und Spiele ausprobieren und wählte dann auch noch den vierten Preis, everybody’s darling.

Die Gewinner der vier Kategorien:

Most technical: (Blomberg) VARsetzen
Das Haus Blomberg, das im LWL-Freilichtmuseums Detmold wieder aufgebaut wurde, lässt sich mit einer Virtual Reality-Brille an seinem ursprünglichen Platz in dem Ort Blomberg erleben. Augmented Reality ermöglicht zusätzlich eine Visualisierung der Fachwerkstruktur des Gebäudes und eine Vermittlung der Translokation des Hauses.

(Blomberg) VARsetzen. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Best design: Demokratie erLeben
Diese Website vermittelt auf spielerische Weise die Themen Kinderrepublik und Demokratiebildung. Zwei junge Protagonisten befragen verschiedene Verwandte und setzen sich auf unterschiedlichen Wegen mit der Politik ihrer Zeit (1927) auseinander.

Demokratie erLeben. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Most useful: Mein Stadtarchiv
Die persönlichen Geschichten der Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt werden auf einer Plattform allen zur Verfügung gestellt. Das 2017 entstandene digitale Stadtarchiv wurde weiterentwickelt und ermöglicht nun u.a. eine schnelle Volltextsuche durch alle Dokumente und Medien und eine Rückmelde-Funktion.

Mein Stadtarchiv. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Der Publikumspreis: Sounds without meaning
Diese Anwendung komponiert mithilfe einfacher Algorithmen einen unendlichen Strom akustischer und visueller Eindrücke aus verschmolzenen industriellen Geräuschen und Bildern.

sounds without meaning. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Coding da Vinci zeigt das große Potential offener Kulturdaten. Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen stellen ihre Daten dauerhaft unter einer offenen Lizenz zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung. Auch die Ergebnisse werden unter einer offenen Lizenz zur weiteren Nachnutzung veröffentlicht, die Projekte dieses und vorheriger Hackathons können frei genutzt und weiterentwickelt werden.

Die Coding da Vinci-Stipendien sind da

Mit den CdV-Stipendien werden Teilnehmende gezielt dabei unterstützt, ihre im Rahmen von CdV-Hackathons entstandenen Projektideen weiterzuentwickeln – im Team oder als Einzelperson. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten dazu drei Monate lang jeweils 1.250€/Monat als Unterstützung für die Weiterentwicklung ihrer CdV-Projekte. Sie nehmen auch an individuell zugeschnittenen Workshops und Coachings teil, die ihnen neue Skills im Hinblick auf ihre Projekte vermitteln. Gefördert werden die CdV-Stipendien im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes. Bewerbungen für die Coding da Vinci-Stipendien sind bis 17. Januar 2020 möglich.

Auf Westfalen-Ruhrgebiet folgt Saar_Lor_Lux

Und im nächsten Jahr geht es für Coding da Vinci erstmals in die Region Saar_Lor_Lux – wir freuen uns darauf! Neuigkeiten finden sich auf der Website.

Ausblick auf 2020; Bild: Annette Hudemann (LWL) CC-BY 4.0

Der Kultur-Hackathon Coding da Vinci wird von der Kulturstiftung des Bundes als gemeinsames Projekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS), der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland gefördert. Das Projekt unterstützt Kulturinstitutionen auf ihren ersten Schritten in Richtung Open Data.