Umso schöner ist es, wenn sich Forschende aus interdisziplinärer Perspektive diesen Herausforderungen widmen und überlegen, wie sie offene Prinzipien in ihrer alltäglichen Praxis verankern können. Wenn sich diese Netzwerke aus dem Fellow-Programm Freies Wissen ergeben, umso schöner.

Das Fellow-Programm Freies Wissen zielt seit 2016 darauf ab, Offene Wissenschaft zu stärken und den Austausch von Forschenden zu fördern. Im Rahmen dieser Arbeit konnten Sarah-Mai Dang und Simon Hirsbrunner ihre Zusammenarbeit ausbauen. Beide stellten fest, dass sie als Medienwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nicht nur ihre eigene Forschung öffnen wollen, sondern gemeinsam mit anderen den Bereich der medienwissenschaftlichen Praxis verändern und mitgestalten wollen.

Sarah-Mai Dang: “Simon und ich haben uns 2018 auf einem Workshop kennengelernt, der sich mit Fragen digitaler Methoden in der Medienforschung auseinandergesetzt hat. Ich habe Simon dann von dem Fellow-Programm erzählt und wir sind sehr froh darüber, dass uns das Programm bei gemeinsamen Aktivitäten wie etwa dem Workshop unterstützt. Interessant ist also, dass das Fellow-Programm einen Rahmen für Open Science bieten kann, der in dieser Form nicht vorhanden ist. Das Fellow-Programm hilft also nicht nur dabei, ‚Neulinge‘ für die Thematik zu sensibilisieren, sondern bereits vorhandene Interessen und Aktivitäten disziplinenübergreifend auszubauen.”

Um Aufmerksamkeit für offene(re) Praktiken innerhalb der Medienwissenschaft zu gewinnen und herauszufinden, welche Rolle „Offenheit“ innerhalb der Medienwissenschaften haben kann, gründeten Sarah-Mai Dang und Simon David Hirsbrunner gemeinsam mit Adelheid Heftberger (die 2016 ebenfalls am Fellow-Programm teilgenommen hat), Alena Strohmaier und Thomas Waitz die Arbeitsgruppe Open Media Studies der deutschen Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM).

Konkret engagieren sich die Teilnehmenden der AG mit einem Open Media Studies Blog, sowie im Rahmen gemeinsamer Veranstaltungen zu Themen wie Open Access, Peer Review, OER, Urheberrecht, Gender und Technologie, offene Methoden und Open Data.

Für das konkrete Feld der offenen Daten entstand im Zusammenhang der Arbeit in der AG und des u.a. von Wikimedia Deutschland geförderten Fellow-Programms das Konzept für einen Workshop in Berlin.

Idee der Veranstaltung in Berlin war es, mit einer aufgeschlossenen Definition auf offene Daten zuzugehen –  Open Data als Metadaten in digitalen Medienarchiven, ethnographische Feldnotizen im Forschungsprozess, Posts aus sozialen Netzwerken. Sprich Daten, die mit qualitativen, quantitativen und gemischten Methoden gesammelt wurden. Im Workshop wurde beispielsweise von Linda-Rabea Heyden and Jan Dittrich (beide von Wikimedia Deutschland) Wikidata vorgestellt, eine freie Datenbank für strukturierte Daten. Linda and Jan zeigten auf, welche Rolle Wikidata als Forschungsobjekt spielen kann und welche Beispiele es aus der Praxis gibt, darunter z. B. Histropedia, ein Projekt, das basierend auf Datensätzen aus Wikidata die Erstellung themenspezifischer Timelines ermöglicht, oder Factgrid, einem Datenbankservice für die historische Forschung auf einer größeren kollaborativen Plattform.

Wissensaufbereitung mal anders: Histropedia-Timeline wichtiger Fotografinnen, die in Wikidata verzeichnet sind. Bild: Sandra Fauconnier, Histropedia – timeline of female photographers, CC BY-SA 4.0

Anhand der Beispiele wurde dann in der Gruppe diskutiert, inwieweit sich Infrastrukturen wie Wikidata dazu eignen, heterogenes Wissen zu sammeln und für die Analyse durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufzubereiten.

Eindrücke vom Workshop, Bild: Sarah-Mai Dang, CC BY-SA 4.0.

Auf Basis dieser und anderer Diskussionen wurden anschließend vier Themenfelder identifiziert, die in Kleingruppen weiter diskutiert werden konnten: Metadaten, ethnographische Daten, Herausforderungen und Verständnis von Digitalisierung und Datafizierung, und juristische Fragen des Forschungsdatenmanagements.

Nach einem arbeitsreichen Tag blieben viele Fragen offen. Gerade darin, so der Konsens der rund zwanzig Teilnehmenden, lag die Produktivität der Veranstaltung: nicht nur bestehende Konzepte ‘offener Forschungsdaten’ blind anzuwenden, sondern sich neue Fragen zu stellen, bestehende Definitionen und Methoden zu hinterfragen, und damit in der realen wissenschaftlichen Praxis zu mehr Offenheit beizutragen.

Die AG steht Interessierten an Medienforschung aus allen Disziplinen offen. Bei Interesse an der Aufnahme in den eMail-Verteiler: https://www.lists.uni-marburg.de/lists/sympa/subscribe/openmediastudies.

Ein ausführlicher Bericht des Workshops findet sich auf dem Open Media Studies Blog auf der Website der Zeitschrift für Medienwissenschaft (ZfM). Zudem nutzt die AG die Literaturdatenbank Zotero, um sich über aktuelle Forschung auszutauschen. Wenn du Lust hast, dich hier zu beteiligen, dann komme dazu!

Wir freuen uns über die Wirkung, die das Fellow-Programm hier entfalten konnte und freuen uns darüber in Zukunft weiterhin Forschende dabei unterstützen zu können offene Wissenschaft in ihre Forschungsbereiche zu tragen.

Aktuelles zum Fellow-Programm findet sich unter www.fellowsfreieswissen.de und auf Twitter unter #fellowsfreieswissen.

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Beitragsbild: Ben Bernhard, Fellow-Programm Freies Wissen Qualifizierungsworkshop 2019 000, CC BY-SA 4.0