Jetzt mitmachen: Frag sie Abi!

Abiaufgaben vergangener Jahre einfach herunterladen? Geht nicht! Eine neues Portal von FragdenStaat und Wikimedia Deutschland erleichtert nun den Zugang. Mach mit!

  • Lisa Dittmer
  • 11. Februar 2019

Abiturprüfungen bedeuten Anstrengung, Stress und gelegentlich Tränen. Darüber hinaus bedeuten sie zusätzliche Kosten, denn auch in Zeiten der „digitalen Schule” sind die Prüfungsaufgaben vergangener Jahre nicht deutschlandweit kostenfrei online abrufbar – und das obwohl sie mit öffentlichen Mitteln erstellt werden. Einige Landes-Bildungsministerien verkaufen die Veröffentlichungsrechte an private Schulbuchverlage, andere scheuen augenscheinlich die Mühen der Veröffentlichung und stellen sie deshalb den vier- bis fünfhunderttausend Abiturienten pro Jahr noch immer nicht kostenfrei zur Verfügung.

Ein neues Portal von von FragdenStaat und Wikimedia Deutschland macht es nun ganz einfach, die Abiaufgaben von 2010 bis 2018 per vorformulierter IFG-Anfrage (Informationsfreiheitsgesetz) einzufordern – bis der freie Zugang zum Standard wird! Je mehr Menschen mitmachen, desto eher bringen wir die Landes-Bildungsministerien dazu, zentrale Prüfungsaufgaben standardmäßig kostenfrei zum Download bereitzustellen.

Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat: „Wer eine Abituraufgabe anfordern will, kann das kostenlos unter fragdenstaat.de/fragsieabi machen. Je mehr Menschen mitmachen, desto höher wird der Druck auf die Verwaltung, Abituraufgaben zu veröffentlichen. Nach dem Informationsfreiheitsgesetz haben ohnehin alle Menschen das Recht, Dokumente vom Staat auf Anfrage zu erhalten.”

Föderalismus in ungerechtester Form

In Bayern genügt es freundlich zu fragen. Berlin-Brandenburg stellt immerhin die Matheprüfungen zum Download zur Verfügung. In Hessen fordert das Kultusministerium dagegen 486,50 € – allein für die Bearbeitung der Anfrage per Informationsfreiheitsgesetz. Bildung ist bekanntlich Ländersache und so gestaltet sich auch die Recherche nach Lage und Begründung der Nicht-Veröffentlichung der Abiprüfungen vergangener Jahre schwierig. Sicher ist: Abiprüfungen werden von ausgewählten Lehrerinnen und Lehrern sowie den Bildungsministerien erstellt, also mit öffentlichen Geldern. Warum sie der Öffentlichkeit dennoch weitestgehend vorenthalten werden, begründen die Ministerien einzelner Länder wahlweise gar nicht, mit Bezug auf einzelne urheberrechtlich geschützte Passagen wie Textauszüge oder Bildmaterial oder auch mit der Lizenzvergabe an private Schulbuchverlage.

Das Abi ist schon stressig genug! Es muss nicht auch noch teuer sein! Foto:  Abhi Sharma from India, Books HD (8314929977), CC BY 2.0

Deshalb fordern wir: Öffentlich finanziertes Bildungsmaterial muss für alle Menschen zugänglich und nutzbar sein. Abraham Taherivand, Geschäftsführender Vorstand von Wikimedia Deutschland, sagt dazu: „Dem Grundsatz „Öffentliches Geld – Öffentliches Gut‟ entsprechend müssen die Abituraufgaben vergangener Jahre Schülerinnen und Schülern freigegeben werden. Sie unter Verschluss zu halten oder sogar nachträglich zu monetarisieren widerspricht dem Grundgedanken der Bildungsgerechtigkeit.”

„Frag sie Abi!”-Portal für mehr Transparenz

Seit dem 11. Februar 2019 ruft die gemeinsame Kampagne von FragDenStaat und Wikimedia Deutschland Schülerinnen, Schüler und alle Interessierten dazu auf, die zur Abivorbereitung nötigen Aufgaben über die „Frag sie Abi!”-Plattform in wenigen Klicks beim jeweiligen Bildungsministerium anzufordern und damit für eine standardmäßige Veröffentlichung im Netz zu lobbyieren.

Mach jetzt mit unter fragdenstaat.de/FragSieAbi

#fragsieabi

 

  1. gutes Meme!

    Kommentar von MEMEMASTER420_xx am 13. Februar 2019 um 14:26

  2. Freies und kostenloses Wissen jedweder Form für alle.

    Kommentar von Frank Hartmann am 16. März 2019 um 10:12

  3. Die Prüfungen der letzten Jahre gehören bei mir an der Hochschule zum Standard-Übungs-Programm incl. Lösungen. Das hätte ich eigentlich bei den Abiturprüfungen auch erwartet. Wenn dem noch nicht so ist, sollte das schnellstens möglich werden.

    Kommentar von Heinz Rolf Vogel am 16. März 2019 um 10:33

  4. Das ist eine vernünftige Forderung, weil sie Wissenserwerb erleichtert und Wissen verbreitet.
    Sie richtet sich gegen elitäres Denken und verringert die Spaltung der Gesellschaft.

    Kommentar von Wilhelm Kraatz am 16. März 2019 um 10:42

  5. Alle Prüfungen für alle Fächer durchzugehen – dafür hat kein Schüler/in Zeit.
    Ich sehe das sogar kontraproduktiv, denn die Lehrer müssen dann davon ausgehen, dass die Schüler das durchgearbeitet haben und „schrauben“ die Anforderungen immer weiter nach oben.
    Spielen Sie das gedanklich durch…. Jeder darf z. B. alle seine Unterlagen zur Prüfung mitbringen – was passiert mit den Anforderungen?….

    Kommentar von Irene Seibert am 16. März 2019 um 11:33

  6. Warum nur die mit öffentlichen Mitteln erstellten Abituraufgaben herausfordern? – Warum nicht gleich die entsprechenden Länder und ihre Bildungsministerien inklusive deren persönlich Verantwortlichen mit Klagen juristisch in die Enge treiben?
    Aber was mir sehr negativ auffällt, ist die Missachtung der deutschen Sprache mit dem nicht erklärten und Gebrochen-Deutsch-Kauderwelsch „FragsieAbi“.
    Aber auch das nichterwähnen der großen Anstrengung zum Erstellen sinnvoller Abi-Aufgaben, die ich z.B. in einer privaten Berufsschule für mittleres medizinisches Personal nebenbei, also praktisch in meiner Freizeit, entwickelt habe bzw. entwickeln musste? – Da mir übrigens die Anerkennung und Bezahlung in keinem Verhältnis zum Aufwand (> 200 h/Monat) stand, habe ich diese Tätigkeit zum Erschrecken meines Schulleiters schon am Ende der Probezeit beendet. Dies zur Erklärung meines Hinweises zur ggf. Einseitigkeit der Forderung, alles schwer erarbeitete Wissen sofort und für jeden (auch den, der sich ins Fäustchen lacht und faul auf die anstrengungslos zu erlangende Leistung freut) und einer objektiveren Diskussion darüber. – Bei allem Lob an die Ersteller von freiem Wissen in der Wikipedia fühle ich mich übrigens erstmalig stark brüskiert, dass nicht auch Leute, wie ich im Dank anlässlich des 18. Geburtstages eingeschlossen wurden, die monatlich regelmäßig einen zweistelligen Betrag zur Finanzierung überweisen. Weiter scheint mir mit der Einladung und Tätigkeit zu vieler Frauen, dass die unmögliche Gender-Verunstaltung sowie „Politische Korrektheit“ in der deutschen Sprache weiter auf Kosten echter Probleme auch bei den „Wikipedianern und Wikipedianerinnen und Wikipedianerdiversen“ um sich greift. Am Ende muss ich in meinem Testament bei angedrohten Stafen fordern, dass ich nicht als Leiche, sondern gender-korrekt nur als „Leicher“ zu bezeichnen bin. Viele herzliche Grüße trotzdem von Jörg Hausbrand (mit 70 J. in den Augen der meisten sicher uralt aber top fitt als Gleitschirmflieger, Skiabfahrtsläufer und Biker).

    Kommentar von Jörg Hausbrand am 16. März 2019 um 11:33

  7. Hallo,
    Gute Idee, aber nicht ganz zu Ende gedacht. Schulen wie Bildungsadministrationen dürfen bei der Erstellung der Prüfungsaufgaben ohne Rücksicht auf das Urheberrecht auf sämtliches Material zurückgreifen. Allerdings eben NUR für die Prüfung. Schon die Verwendung zur Übung für das kommende Jahr und natürlich erst recht die Veröffentlichung sind untersagt, wenn Material verwendet wurde, welches urheberrechtlich geschützt ist. Natürlich macht man es sich gern einfach und nutzt den weiten Rahmen bei der Erstellung von Prüfungsaufgaben. Das aber ist das eigentliche Problem: Die Verwaltungen müssen dazu aufgefordert werden, dass sie Aufgaben für Prüfungen, wie auch sämtliches anderes mit öffentlichen Mitteln finanziertes (schulisches) Material als OER lizensiert und dies dazu natürlich entsprechend produziert. Dieser zusätzliche Aufwand rechnet sich gesellschaftlich auf jeden Fall, aber es ist erst einmal ein Mehraufwand. In Norwegen werden (in 18 der 19 Bezirke) seit 2007 20% der Finanzen für Lernmittel für die Erstellung von OER ausgegeben. In Deutschland gibt die öffentliche Hand jährlich ca. 300 Mio. Euro aus, 20% sind 60 Mio. Euro. Wenn die Länder miteinander kooperieren und ihre ohnehin an den Bildungsstandards der KMK orientierten Rahmenlehrpläne über Metadaten clever verknüpfen würden (wie das Bildungsverlage natürlich auch tun), dann würden wir nach < 5 Jahren alle Schulbücher als freie Materialien online und offen für jede und jeden zum freien Lernen zur Verfügung haben, und gäben danach nur ein Bruchteil aus, um diese Materialien aktuell zu halten. Parallel würden wir das Material dual als Print- und Online-Variante erstellen und dann würden unsere Schulen angemessen digitaler werden und könnten damit auch viel flexibler auf die so unterschiedlichen Ausgangslagen unserer Schüler*innen reagieren.
    Warum tun wir das nicht? Ich bin dabei! (Konzept liegt vor)
    Das Abiturprüfungsproblem haben wir damit gleich mit abgefrühstückt.

    Kommentar von Peter Harych am 16. März 2019 um 12:58

  8. 1.: Bitte eine einheitliche Lösung –> Aufruf an die Kultusministerkonferenz (oder meinetwegen auch die neue KultuRministerkonferenz, Hauptsache das Ergebnis stimmt)!

    2.: Eigentlich gehören m.E. die alten Prüfungsaufgaben überhaupt nicht in die Öffentlichkeit. Wenn ein Gesetz das verlangt, dann sollte aber *Geld* keine Rolle spielen, sondern über den Faktor *Zeit* die Sache nicht zu einfach gemacht werden.

    3.: Im Sinne der Chancengleichheit halte ich jede kommerzielle Verwertung (Veröffentlichung durch Verlage) für ein *Unding*!

    Kommentar von Jochen Schütze am 17. März 2019 um 18:16

  9. Ich möchte Heinz Rolf Vogel voll zustimmen. An der Uni ist das doch eigentlich selbstverständlich, auch Lösungswege oder Stichworte zu den Antworten gehören dazu. Zu unseren Vorlesungen haben wir einen Katalog von ca. 120 Fragen incl. stichw. Antworten – wer das in einer mündl. Prüfung rüberbringen und erklären kann, hat definitiv den Semesterstoff erarbeitet.
    Für Abschlussprüfungen z. B. für das Berufseinstiegsjahr werden Beispielsaufgaben sogar vom Kumi (Min. für Kultus, Jugend und Sport) in BaWü bereitgestellt. Warum dieser Affentanz mit den Abi-Aufgaben?

    Kommentar von PD Dr. Hartmut Grimm am 17. März 2019 um 20:09

  10. Eine sehr tolle Idee für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit bei Abituraufgaben.
    Wir haben dieser Seite in unserem Verzeichnis BildungsTor einen Eintrag gewidmet unter „Qualitätsentwicklung“

    https://www.bildungstor.de/schule/unterricht/qualitaetsstandards/

    Hier findet Ihr auch weitere offizielle Links rund um das Thema Bildungsstandards an deutschen Schulen.

    Viele Grüße
    Matthias

    Kommentar von Matthias Kindt am 29. März 2019 um 14:48

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