Preistragende von Coding da Vinci Rhein-Main; Vanessa Liebler für mainzed, CC-BY 4.0

Coding da Vinci öffnet Museen, Universitäten, Bibliotheken, Archiven etc. eine Tür, um ihre umfangreichen Datensammlungen miteinander und mit der Öffentlichkeit zu teilen, sie auf unterschiedliche Arten nutzbar zu machen, aufzubereiten und kreativ digital verknüpfen zu lassen. Anfang Dezember wurden 16 technisch hoch ausgereifte Prototypen, die offene Kulturdaten und digitales Kulturgut nutzen, vorgestellt und fünf dieser Projekte wurden von Jury und Publikum zu Gewinnern gekürt. Gewonnen haben u.a. ein Chatprogramm, das Gespräche mit Kaiser Friedrich III. ermöglicht und ein Browser-Spiel, bei dem man Monster mithilfe von Melodien besiegen kann.

Kulturerbeeinrichtungen sind wie Fallschirme: Erst wenn sie sich öffnen, haben sie ihren Zweck erfüllt

Das Jahr 2018 hat wieder sehr viele innovative und kreative Ergebnisse für Coding da Vinci hervorgebracht. In den letzten Monaten lag der Schwerpunkt auf dem Rhein-Main-Gebiet. Viele verschiedene Kultur- und Bildungseinrichtungen aus der Region haben sich zusammengeschlossen und ihre Schätze (u.a. digitalisierte Gemälde und Photos, Handschriften, Drucke, Filmaufnahmen, Töne und Metadaten) zur Verfügung gestellt. Hackerinnen und Hacker, Kreative und Kulturbegeisterte fanden sich in Teams zusammen und stellten zur Preisverleihung ihre Ergebnisse vor.

Die hochkarätige Jury setzte sich dieses Mal aus Jeanne Charlotte Vogt (Kuratorin & Festivalleiterin, NODE Forum for Digital Arts), Prof. Magnus Pfeffer (Informatiker, Hochschule der Medien Stuttgart), Prof. Dr. Verena Kuni (Professorin für Visuelle Kultur & Analogitalkultur-Nerd, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main), Mag. Thomas Just (Archivar, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien) und Prof. Florian Jenett (Künstler & Medieninformatiker, Hochschule Mainz) zusammen. Die renommierten Fachleute beurteilten u.a. Kreativität und technische Umsetzung der Ideen und zeichnete Gewinnerinnen und Gewinner in vier verschiedenen Kategorien aus. Der fünfte Preis, everybody‘s darling, wurde vom Publikum verliehen.

Jury & Preise Coding da Vinci Rhein-Main; Vanessa Liebler für mainzed, CC-BY 4.0

Joachim Kemper, Historiker und Wissenschaftlicher Archivar des Stadt- und Stiftsarchivs der Stadt Aschaffenburg, der den Kick-Off im Oktober mitorganisiert hatte, war gespannt auf die Projekte. „Als Leiter des deutschlandweiten Arbeitskreises Offene Archive ist es mir ein zentrales Anliegen, die gesellschaftliche Relevanz aller Kultureinrichtungen der Öffentlichkeit bewusst zu machen. Diese zeigt sich im Hackathon und ganz sicher auch bei der Preisverleihung. Kulturerbeeinrichtungen sind wie Fallschirme: Erst wenn sie sich öffnen, haben sie ihren Zweck erfüllt.”

Wandelnde Antlitze, Reisen durch vergangene Zeiten und Kunstwerke für den persönlichen Geschmack

Die Gewinner der fünf Kategorien:

Most technical & most innovative: ANTLITZ.NINJA

Coding da Vinci Rhein-Main, CC-BY 4.0

Gleich zweifach wurde ANTLITZ.NINJA prämiert! Leander Seige erschuf eine spielerische Webanwendung, die es ermöglicht, im virtuosen und vom Zufall inspirierten Umgang mit historischen Gemälden Unbekanntes zu entdecken und Neues zu erschaffen. Teile von Gesichtspartien aus Kunstwerken des Städel Museums, des Metropolitan Museum of Art und der National Gallery of Art verschmelzen auf kreative Weise miteinander und lassen so ganz neue Gesichter entstehen.

Most useful: Friedrich III. spricht

Coding da Vinci Rhein-Main, CC-BY 4.0

Mithilfe des Chatprogramms „Friedrich III. spricht“ kann man sich mit dem deutschen Kaiser Friedrich III. unterhalten, da seine reiche Hinterlassenschaft an Urkunden und Dokumenten über eine Sprachsuche zugänglich gemacht wurde. So können z. B. die Reisen und Aufenthaltsorte des Kaisers nachvollzogen werden, und Nutzerinnen und Nutzer können via Twitter oder der Sprachassistentin Alexa herausfinden, was der Kaiser wann wo gemacht hat. Die Datensätze stellte die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

Most performing – past forward

Coding da Vinci Rhein-Main, CC-BY 4.0

past forward ermöglicht Nutzerinnen und Nutzern ein eigenes Geflecht von Dichtung und Wahrheit, Fiktion und Dokumentation zu inszenieren. Die Webanwendung basiert auf Javascript-Framework React und die bereitgestellten Filme aus dem Datenschatz des Deutschen Filminstituts zeigen digitalisierte Momentaufnahmen aus der Zeit um 1897 bis etwa 1922. Am Ende jedes Filmausschnitts ergeben sich neue Erzählstränge und Anknüpfungspunkte, die dazu anregen, eigene Interpretationen und Eindrücke zu entwickeln.

Everybody’s darling – Der Publikumspreis: Artific & Monster Melodies

In dieser Kategorie gab es dieses Mal zwei Preisträger!

Coding da Vinci Rhein-Main, CC-BY 4.0

Ziel von Artific ist es, Unsicherheiten im Umgang mit Kunst abzubauen. Man muss sich mit Kunst nicht auskennen, um sie entdecken zu können. Eine Reproduktion kann der Anfang einer Gedankenreise sein – und früher oder später auch ins Museum führen. Anhand der Farbpalette und des persönlichen Geschmacks empfiehlt die browserbasierte Anwendung den Nutzenden ausgewählte Kunst. Denn: Warum schlechte Bilder aus Möbelhäusern an die Wand hängen, wenn so viele Kunstwerke in einer spektakulären Auflösung und unter freier Lizenz digitalisiert sind? Die Datensätze lieferte das Städel Museum.

Coding da Vinci Rhein-Main, CC-BY 4.0

Bei Monster Melodies lernt man sehr, sehr hungrige Monster kennen. Um die Untiere daran zu hindern, alles und jeden aufzufressen, kann man ihnen ihre Lieblingsmelodien vorspielen. Denn alle Monster in den Bibeln der Sammlung der Martinus-Bibliothek Mainz hören am liebsten Stücke der Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner. Nur welche Melodie ist die richtige? Das gilt es bei „Monster Melodies“ herauszufinden.
Die Idee hinter dem Projekt ist es, verschiedene Datenquellen zu verbinden und diese auf eine spielerische Art Nutzerinnen und Nutzern zu präsentieren.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter…

Die Ergebnisse werden unter einer offenen Lizenz für die weitere Nachnutzung veröffentlicht, die Projekte des Hackathons können frei genutzt und weiterentwickelt werden. Coding da Vinci zeigt das große Potential offener Kulturdaten….die Erfolgsgeschichte geht also weiter.

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert als gemeinsames Projekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS), der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland.
Coding da Vinci Rhein-Main 2018 wird gemeinschaftlich vom mainzed – Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften, der Universitätsbibliothek Mainz, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, dem Fachinformationsdienst Darstellende Kunst, der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, dem Stadt- und Stiftsarchiv der Stadt Aschaffenburg, dem Historisches Museum Frankfurt, Wikipedia Frankfurt sowie dem NODE Forum for Digital Arts veranstaltet.