Wikimedia Deutschland hat eine starke Mission: Antworten auf die Frage zu finden, wie das Wissen endgültig befreit und damit allen Menschen dauerhaft zugänglich gemacht werden kann. So steht es in unserer Satzung. Endgültig und dauerhaft. Nur: das Wissen der Welt und der Zugang zu diesem Wissen wandeln sich laufend. Wenn unsere Antworten gehört und umgesetzt werden sollen, müssen sie mit diesem Wandel Schritt halten. Sie dürfen daher eines genau nicht sein: endgültig.

Für die Steuerung des Vereins zwischen diesen beiden Polen ‒ langfristige Perspektive einerseits und Flexibilität andererseits ‒ brauchten wir einen neuen Ansatz, der den Horizont unserer jährlichen Planung übersteigt und uns doch genügend Raum gibt, künftige Entwicklungen aktiv mitzugestalten. In den vergangenen Monaten haben wir in einem mehrstufigen Zukunftsprozess Formate entwickelt und ausprobiert, in denen wir uns strukturiert mit Zukunftsthemen auseinandersetzen. Ausgangspunkt bildete die 21. Mitgliederversammlung im November 2017. Dort haben die Mitglieder von Wikimedia Deutschland beschlossen, die neue Strategische Ausrichtung der weltweiten Wikimedia-Bewegung mit zu unterstützen. Gleichzeitig haben wir vereinbart, auch ganz konkret und mit Blick auf unseren Verein zu schauen, in welche Richtung es künftig gehen könnte und wie wir heute die Weichen stellen müssen, um unsere Ziele zu erreichen.

Unser Weg zur Strategieentwicklung 

Unsere Handlungsfelder 2018, Bild: annalenaschiller, Wikimedia Deutschland 2018, CC BY-SA 4.0

In einem ersten Schritt haben wir gesellschaftliche und technologische Trends & Entwicklungen identifiziert, die auf uns als Verein und unsere Handlungsfelder einwirken. Im zweiten Schritt wurden die gesammelten Trends gemeinsam auf Wikimedia Deutschland bezogen und mögliche strategische Fragestellungen für den Verein abgeleitet. Im dritten Schritt wurden pro Themengebiet interne Experten mit gutem Fach- und Organisationswissen befragt, um die strategischen Fragestellungen für Wikimedia Deutschland zu priorisieren. Das WMDE Trendbuch 2018 präsentiert die Ergebnisse unserer Trendanalyse und soll zukünftig regelmäßig aktualisiert und weiterentwickelt werden. Zu einigen Themen wie “Vertrauen in Information” und “Digitale Bildung” haben wir zusätzlich tiefergehende Analysen erstellt.

Ausgehend von unserer Trendanalyse und den strategischen Fragestellungen haben wir strategische Optionen entwickelt. In diesen wurden mögliche strategische Richtungsänderungen skizziert und auf ihre Chancen und Risiken hin analysiert. Mit all diesen Materialien im Gepäck ging es in die Strategiewerkstatt im Juli: gemeinsam mit mir und Vertreterinnen und Vertretern aus der Geschäftsstelle machte sich das Präsidium an die Ausarbeitung der Strategien für die künftige Arbeit in unseren drei Handlungsfeldern: Freiwillige, Technologie und Rahmenbedingungen. Für jedes dieser Handlungsfelder wurden strategische Stränge entwickelt.

Die strategischen Richtungen bilden die Ausgangsbasis für die bereits laufende Planung für 2019 und sind eine Richtlinie für Entscheidungen mit strategischer Relevanz. Sie geben uns die langfristige Orientierung, die wir benötigen, um Dinge mit weiterer Perspektive organisationsübergreifend anzugehen.

Mit Strategien ist es jedoch ein bisschen wie mit Enzyklopädie-Artikeln: Man kann sie nicht ein für alle mal festschreiben. Sie müssen sich weiterentwickeln können, überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Deswegen bilden die Strategien zugleich die Grundlage für die weitere strategische Arbeit: sie sind ausdrücklich keine Festschreibung für die kommenden Jahre, sondern sind verbunden mit dem Auftrag an den Vorstand, diese Strategien laufend weiterzuentwickeln und Anpassungen vorzuschlagen. Für mich persönlich stellen die Strategien ein wichtiges und lang vermisstes Instrument der Organisationssteuerung dar und ich freue mich sehr über diesen wichtigen Schritt für unsere Organisation.

Auf der WikiCon in St. Gallen werde ich am 7. Oktober persönlich über das Ergebnis und den weiteren Zukunftsprozess des Vereins berichten. Mehr Informationen zu unseren Stationen im Zukunftsprozess und Zwischenergebnissen wie dem Trendbuch sind außerdem auf Meta-Wiki Zukunftsprozess (Seite ist aktuell noch in Bearbeitung) zu finden.

Die Strategien im Wortlaut (Beschluss des Präsidiums vom 12.09.2018):

Handlungsfeld Freiwillige:

  1. Zusammenarbeit mit der Community: Wikimedia Deutschland unterstützt und begleitet unsere Community aktiv dabei, Freiwillige aufzunehmen und zu integrieren und neue Technologien und Formate einzubeziehen. Wir stoßen Entwicklungen bewusst an.
  2. Freiwillige gewinnen: Wir finden neue Wege, wie wir erfolgreich Freiwillige für die Wikipedia gewinnen können und sichern damit die dynamische Entwicklung der Enzyklopädie.

Handlungsfeld Technologie:

  1. Wikidata: Wir definieren den Kern des Projektes Wikidata und schließen die Entwicklung daran bis 2023 ab.
  2. Wikibase-Ökosystem: Wikibase ist als eigenständige Lösung auch ohne technische Vorerfahrung leicht nutzbar. Sie wird von verschiedenen Organisationen genutzt, um Daten zu speichern, zu bearbeiten und untereinander auszutauschen.
  3. Innovationsmotor: Wir bringen unsere internationale Bewegung voran, indem wir regelmäßig innovative Produkte und Dienste entwickeln, die in den Wikimedia-Projekten genutzt werden.

Handlungsfeld Rahmenbedingungen:

  1. Politik: Wir bewirken politische Veränderungen auf verschiedenen Ebenen und gestalten diese mit.
  2. Digital Literacies: Gemeinsam mit Partnern unterstützen wir Menschen dabei, das Netz als offene und öffentliche Ressource zu nutzen.