Digitalpolitik ist heute auch Datenpolitik. Die Einberufung der Datenethikkommission zur Beratung der Bundesregierung und Vorstöße etwa für ein Daten-für-alle-Gesetz zeigen: Der Umgang mit Daten wird immer mehr zur zentralen politischen Zukunftsfrage und ist auf dem Radar gesellschaftspolitischer Debatten angekommen.

Mit jedem Pumpen füllt sich das Becken – und auf dem Monitor erscheinen Daten aus der freien Datenbank Wikidata. Datenpumpe von Wikimedia Deutschland. CC BY-SA 4.0

Es gibt jedoch eine problematische Fixierung innerhalb datenpolitischer Debatten: Sie drehen sich meist um die Frage, wer wie mit Daten Geld verdienen darf. Unvermeidlich ist dabei seit Jahren die Metapher von Daten als Rohstoff der Zukunft. Die Konzentration auf wirtschaftliche Aspekte von Datenpolitik bewirkt eine Verengung der Thematik, die wichtige Fragen für das freie Wissen schlicht ausblendet: Wann sind Daten Gemeingut? Wem sollen öffentliche Daten und ihre Verarbeitung eigentlich zu Gute kommen? Wem “gehören” sie? Wie können Schutz und Bewahrung von Daten sichergestellt werden?

Das Bild von Daten als dem Öl des 21. Jahrhunderts (das auch Wikimedia Deutschland mit der Datentankstelle teils bedient hat) ist über die Jahre in eine arge Schieflage geraten. Gleichwohl wird es von Politikerinnen und Politikern weiterhin bemüht, wodurch eine einseitige Bildsprache und eine problematische Grundlage für datenpolitische Entscheidungen verfestigt wird.

Wikimedia Deutschland setzt sich für vernünftige Nutzbarkeit von Daten als Grundlage Freien Wissens ein

Je häufiger Metaphern in der politischen Kommunikation genutzt werden, umso wirkmächtiger werden sie. Wer von Daten als dem neuen Öl spricht, liefert einen ganzes Bilderspektrum mit: Preis- und Verteilungskämpfe, Goldgräberstimmung, Monopolbildung und ein unvermeidlicher Machtkampf um Ressourcen, geführt von Staaten und mächtigen Unternehmen. Daten werden medial meist als potenzielle Ware dargestellt, von der einerseits jegliche wirtschaftliche Innovation und Zukunft abhängen soll, gegen deren Extraktion aber zugleich überall die Privatsphäre der Menschen verteidigt werden muss.

Das Bild von Daten als „neuem Öl“ befeuert diese viel zu simple Dichotomie. Es verspricht unermesslichen Reichtum für diejenigen, die erfolgreich in die Datenwirtschaft einsteigen, und Datendiktatur für den Rest der Menschheit. Gerade bei Debatten rund um Datenpolitik und -ökonomie ist die dazugehörige Bildsprache also essentiell, um Tragweite und Bedeutung datenpolitischer Entscheidungen zu verstehen und sie aktiv zu gestalten.

Wir meinen, das Bild von Daten als Öl braucht dringend ein Update. In der Datenpolitik muss es viel mehr um Gemeinwohl gehen. Dafür schlagen wir eine neue Daten-Metapher vor: Daten sind das neue Grundwasser!

Erlebbares bleibt in Erinnerung: Die Datenpumpe in Action. Lisa Dittmer für WMDE. CC BY-SA 4.0

Daten über die Welt sollten der Allgemeinheit grundsätzlich frei zur Verfügung stehen, wie Grundwasser sollten sie allen Menschen nützen. Daten entstehen jederzeit neu, wandeln sich, ohne sich zu verbrauchen und dürfen nur unter bestimmten Bedingungen zur Ware werden. Für die Informationsgesellschaft sind Daten daher viel eher wie Grundwasser. Genau wie eine Welt ohne Wasser nicht denkbar ist, bilden Daten die Grundlage für Freies Wissen wie z. B. in der Wikipedia.

Moderne Datenpolitik braucht passende Bilder: Die Daten-Grundwasserpumpe

Um den Zugang zu Freiem Wissen erlebbar zu machen, hat Wikimedia Deutschland 2014 die Datentankstelle gebaut, an der freie Daten “getankt” werden konnten. Diese erfreut sich seitdem großer Beliebtheit als Ausstellungsstück bei Konferenzen wie der re:publica oder Zugang gestalten.

Daher möchten wir ein neues Bild für Daten und Informationen setzen – Daten als Grundwasser – und dafür wieder ein physisches Objekt als Mittler unserer Botschaft realisieren: die Datenpumpe. Als international und intuitiv verständliches Objekt, das Grundwasser für alle verfügbar machen kann, bietet sich dafür eine Schwengelpumpe an. Eine solche Pumpe dient in vielen Ländern noch immer der Wasserversorgung und ist in regionaler Nähe noch häufig am Wegesrand zu finden.

Ertüftelt, gebaut und programmiert wurde die Datenpumpe im Auftrag durch die Berliner Medienkünstler und Netzbastler Georg Werner, Moritz Metz und Kaspar Metz. Unsere Daten-Grundwasserpumpe zeigt bei jedem Pumpvorgang zufällig ausgewählte Daten der freien Wissensdatenbank Wikidata. Das macht erlebbar: Daten über unsere Welt (wie Wetter- oder Verkehrsdaten) sollten politisch nicht allein als Ware behandelt werden, sondern als Gemeingut allen Menschen frei zur Verfügung stehen.

Berühmte Katzen oder Flaggen mit Sternen: All diese Daten sind als Freies Wissen in Wikidata zu finden. Datenpumpe von Wikimedia Deutschland. CC BY-SA 4.0

Die umgebaute Garten-Wasserpumpe steht auf einem manövrierbaren und feststellbaren Podest. Davor steht ein Eimer, auf dem per LED ein Wasserstand angezeigt wird. Ein in den Eimer eingelassener Bildschirm zeigt Ergebnisse von Datenabfragen an. Wer die Pumpe betätigt, hört ein typisches Wasserpump-Geräusch, kombiniert mit dem Modem-Einwähl-Sound, den viele von uns noch in Erinnerung haben. Mit jedem Pumpstoß füllt sich ein Wassereimer mit Daten aus der freien Datenbank Wikidata.

Wasser und Daten: Alles fließt….

Der Vergleich von Daten und Öl ist hilfreich, um sich die Auswirkungen von Ölpreisen und der Verfügbarkeit von Öl auf die Umwelt sowie weltwirtschaftliche und soziale Ungleichheit zu vergegenwärtigen. Das Bild einer ähnlichen Entwicklung mit Daten an der Stelle von Öl kann als Mahnung fungieren, mit Daten anders umzugehen, Monopole zu vermeiden und allen einen möglichst gleichberechtigten Zugang zu Daten zu ermöglichen.

Die Metapher von Daten als Öl ist jedoch auch in mehrerer Hinsicht problematisch. Zunächst impliziert das Bild von Daten als Öl die Vorstellung eines Rohstoffes als Vorprodukt, das raffiniert werden muss und durch starke Nutzung knapp werden – oder künstlich verknappt werden kann. Während Öl jedoch nur einmal verbrannt werden kann, sind Daten unendlich wiederverwendbar bzw. nachnutzbar.

Während der Zugang zu Rohöl und die Aufstellung der verarbeitenden Industrie von politischen und wirtschaftlichen Interessen gelenkt wird, soll der freie Zugang zu (öffentlichen, nicht-personenbezogenen) Daten eine Selbstverständlichkeit sein, die dem Gemeinwohl dient und dem Individuum die Freiheit lässt, Informationen und Wissen daraus abzuleiten.

Wir möchten, entsprechend der Prämisse von Bildung als Menschenrecht, das Bild von (öffentlichen) Daten als Grundwasser setzen, das zu frei verfügbaren Informationen verarbeitet werden kann. Damit kontern wir die gegenwärtige Daten-Goldgräber-Mentalität und verschieben das entsprechende Framing Richtung Gemeinwohlorientierung. Daten als Grundwasser symbolisieren eine für die Informationsgesellschaft lebensnotwendige und schutzbedürftige Ressource, deren größtmögliche “Reinheit” anzustrebendes Ziel sein soll. Wie Grundwasser sollten Daten jedoch nicht allein dem Profit großer Unternehmen dienen, worauf wir mit dem neuen Framing aufmerksam machen möchten.

 

Lust, sie selbst auszuprobieren? Die Daten-Pumpe stellen wir öffentlich am 21. September 2018 auf der Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ vor.

Die Datenpumpe in der Presse: https://www.sueddeutsche.de/news/service/internet-wikimedia-daten-sind-das-neue-grundwasser-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180914-99-960203