Open Paradigm – Die Konferenz „Zugang gestalten!“ diskutierte einen Paradigmenwechsel beim Zugang zu Kultur & Bildung

Dr. Christine Kolbe, Foto: Harald Krichel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Gastbeitrag von Christine Kolbe, die bei medialepfade.org – Verein für Medienbildung e.V. das Projekt edulabs.de – Lernen im Digitalen Wandel koordiniert. Zusammen mit der Open Knowledge Foundation Deutschland sollen Labore für OER und neue Projektideen in der digitalen Bildung entstehen. Der Beitrag wurde als Vortrag bei der Konferenz „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ am 20.10.2017 gehalten.

Seit einigen Jahren begleitet und fasziniert mich ein zentraler Teil des gesellschaftlichen Wandels in meiner Arbeit als Projektentwicklerin unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Initiativen: Ich nenne es Open Culture, Openeverything. Es geht um das Open Paradigm.

Als ich vor 9 Jahren mit meiner gerade publizierten Dissertation über die Digitalisierung im Gepäck nach Berlin zog, zog ich zugleich in eine Stadt in der die Digitalisierung in einer ihrer zentralen Dimensionen für mich überhaupt erst verstehbar wurde: Facebook lief gerade so warm, Twitter war ein sehr überschaubares Community-Tool, die re:publica mauserte sich zu einer Diskursplattform für Digitalkultur. Ich traf auf sehr netzaffine Menschen, die viel ausprobierten, erforschten, neue Ideen voranbrachten und vor allem teilten: in Blogs, auf offenen Konferenzen, an offenen Arbeitsorten. Das digitale Format wurde für mich zum Schlüssel einer Empfehlungskultur, die mich durch ihre Passgenauigkeit kulturell bereicherte politisierte (man sprach noch nicht abfällig von einer Filterbubble).

Mit einer Gruppe Gleichgesinnter begannen wir auf Initiative von Andrea Goetzke dieser Kultur des Teilens auf den Grund zu gehen und uns dem kleinen aber feinen globalen Eventformat Openeverything anzuschließen, um auch in Berlin die Kunst, Wissenschaft und den Geist all jener Initiativen zu durchdenken, die sich die Bezeichnung ‚free‘ oder ‘open‘ auf die Fahnen schrieben. Wir wollten der Frage nachgehen, ob Offenheit – ein neues Skill-set für das 21. Jahrhundert sei. Und herausfinden, welche Ideen offener Ansätze wir sinnvoll finden, um unser soziales, ökonomisches und kulturelles Leben zu gestalten. Einige dieser Überlegungen aus dieser Zeit habe ich heute mitgebracht, angereichert durch weitere Betrachtungen, die ich in den letzten Monaten durch meine aktuellen Projekte im Bereich offener Bildungsressourcen anstellen konnte.

Bereits vor zehn Jahren war deutlich: ein völlig neues Ordnungs- und Handlungsmuster im Umgang mit Wissen, Information und kreativen Ausdrucksformen begann sich im Internet auszubreiten – sich in einigen Feldern deutlich zu etablieren, in anderen zaghaft zu erproben. Was mit der Offenlegung des Quellcodes für das gemeinsame Bearbeiten und Weiterentwickeln von Computerprogrammen in den 1980er Jahren begann, setzte sich mit einiger Verzögerung auch in anderen Bereichen als Open-Source-Praxis durch. Eng verkoppelt mit einem Umdenken von Urheberschaft und Nutzungsrechten in der digitalisierten Welt. In irgendeiner Weise mit dem Merkmal der Offenheit, mit ‘open’ assoziiert werden fortan so unterschiedliche Initiativen und Projekte wie Open Access, Open Data, Open Knowledge, Open Education, Open Government, nicht zu vergessen die offene Enzyklopädie Wikipedia, bis hin zu Open Design, sowie Kunst und Kultur Initiativen für frei verfügbare Musik, Bilder und Filme. Eine Reihe neuer Geschäfts- und Organisationsmodelle entstehen, die darauf abzielen, durch offene Beteiligungsstrukturen Wissen zu bündeln, Informationen zu verwalten und aufzubereiten, Aufmerksamkeit für bestimmte Werke und Themen zu generieren. Oder einfach soziale Ziele verfolgten.

Was ist das Open Paradigm?

Die Konferenz „Zugang gestalten!“ fragt jährlich nach der Verantwortung von Kultur- und Gedächtnisinstitutionen in der vernetzten Gesellschaft. Foto: David Jacob, CC BY-SA 3.0

Doch was ist es genau, was diese Modelle und Strategien verbindet? Ist es überhaupt gerechtfertigt, nach einem einheitlichen Fokus zu suchen? Gibt es einen konstitutiven Zusammenhang zwischen den Entwicklungen in den verschiedenen Anwendungsbereichen, in denen ein Konzept von Offenheit verfolgt wird? Auf der Suche nach Grundprinzipien, die in allen offenen Ansätzen – gleichwohl in unterschiedlichem Maße – eine Rolle spielen könnten, eröffnet sich zunächst einmal eine diffuses Begriffsfeld mit Schnittmengen zwischen, offener Zugang, Zusammenlegen, gemeinschaftlich Nutzen, Teilen, Kollaboration und Vernetzung.

Eine prägnantere Bestimmung verspricht die Annäherung über den Eigentumsbegriff: Offene Initiativen brechen ein Eigentumsverständnis auf, das uns in abendländischen Gesellschaften, seit Jahrhunderten prägt und alle wesentlichen Bereichen des öffentlichen Lebens über viele Jahrhunderte hinweg bestimmte. Die Zuweisung von Besitz und Vermögen, die Bezugnahme auf Eigentum – insbesondere auch geistiger Werke und das Bemühen um seinen Schutz dominieren unseren Praktiken des Haushaltens und Wirtschaftens, unsere Rechtsformen und Modelle der gesellschaftlichen Organisation.
Zieht man den Eigentumsbegriff heran, um das Wesen offenen Engagements zu verstehen, scheint es zunächst hilfreich, einen Schritt zurück zu gehen und nach den Ursprüngen der Eigentumsidee und ihrer deutlichen Vorrangstellung im gesellschaftlichen Gefüge zu fragen. Spätestens seit der Fixierung eines Katalogs individueller Freiheitsrechte in der Neuzeit wird dem Eigentum – in materieller aber auch geistiger Form – der größtmögliche Schutz garantiert. Der Hintergrund, vor dem sich eine solche Eigentumsordnung etablieren konnte und bis heute unverzichtbar erscheint, ist klar zu ersehen: zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse ist der Mensch auf Gebrauchsgüter angewiesen, die nicht in ausreichendem Maße verfügbar sind.

Ganz anders gelagert scheint jedoch die Frage, wenn man Herkunft und Begründung von Eigentumsrechten in den Blick nimmt, die sich auf solche Güter beziehen, die über die rein existenzielle Grundsicherung hinausgehen – insbesondere diejenigen die seit der Neuzeit als geistiges Eigentum bezeichnet werden. Hierzu setzen sich offene Strategien immer noch in eine überraschende Opposition: Der Gedanke nach einem freiwilligen Abtreten der zentralen Schutzrechte von geistigem oder materiellem Eigentum begegnet vielen, die in ganz unterschiedlichen Kontexten mit den beschriebenen Initiativen in Berührung kommen, bei aller Faszination immer noch kontraintuitiv und fremd. Warum gibt ein Designer Baupläne, Anleitungen oder Schnittmuster seiner Objekte preis, hält sie nicht unter Verschluss und verkauft das Endprodukt, wenn er sich doch eine Nachfrage auf konventionellem Wege verspricht? Warum fühlen sich weltweit Hundertausende dazu berufen, eine Enzyklopädie zu schreiben und zu überarbeiten, hierfür Wissen, Zeit und Energie zu investieren? Ein derart gemeinschaftliches und geradezu gemeinwohlorientiertes offenes Handeln erscheint den meisten zunächst einmal als die fernere Handlungsoption – es begegnet als Ausnahme, als etwas geradezu Exotisches.

Entsprechend geraten die Akteure der Open-Culture-Szene nach wie vor eher in die Rolle sich rechtfertigen zu müssen, als dass das, was sie tun als selbstverständlich aufgenommen wird. Warum ist das so? Und warum ist es nicht gerade umgekehrt, dass wir das Abschotten, Schützen und Zurückhalten von Dingen, die sich im Prozess des Teilens nicht vernutzen – von Ideen, Wissen und Werken –, nicht als merkwürdig empfinden? Warum wird ihr Beitrag für die Gemeinschaft allzu oft nicht gesehen. Nicht erkannt?
Interessant ist es, an diesem Punkt noch einmal zurück zu fragen: wie tief wurzelt eigentlich das etablierte herkömmliche Eigentumsverständnis, inwieweit prägt es unser Denken und Handeln und die Weisen gemeinschaftlicher Gestaltung? Es scheint kein Zufall, dass die Eigentumsordnung liberaler Marktwirtschaften mit der Herausbildung des modernen Individuums und seinem Selbstverständnis als autonome Person, zusammengeht. Dabei liegt der Gedanke nahe, dass eine Person erst aufgrund einer gewissen Verfügungsmasse an Besitztümern in die Lage versetzt wird, durch Tauchgeschäfte in rechtliche Beziehungen zu anderen Personen einzutreten. Indem sich die Menschen im Europa der liberalisierten Märkte und bei gleichzeitiger Überwindung der ständischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert in einer Eigentumsordnung wiederfinden, innerhalb derer sie freien Handel treiben können, wird ihnen also überhaupt erst die Möglichkeit gegeben, sich als autonome Rechtssubjekte zu erfahren. [Habermas 1990: Strukturwandel der Öffentlichkeit] Eigentum – auch geistiges – hat also ganz viel damit zu tun wie wir uns als Person herausbilden und wahrnehmen. Dies spiegelt speziell das deutsche Urheberrecht in besonderem Maße – der starke Rekurs auf das persönlichkeitskonstitutive Moment einer Urheberschaft macht dies deutlich.

Zusätzlich zu dieser Bedeutung für das Individuum wird auch die gesellschaftliche Kommunikation in hohem Maße durch Tauschverhältnisse vermittelt. Der Sozialstaat setzt in diesem Gefüge das Recht auf Sicherung der Grundbedürfnisse nicht bloß über Schutzrechte um, sondern wirkt auf der Ebene der Güterverteilung. Er wird zum Wirtschaftsakteur der zwar durch jeden seiner Teilhaber autorisiert ist, gleichzeitig aber einen bürokratischen Apparat erforderlich macht, der die Teilhabe nur noch am Rande erfahrbar macht und die Identifikation mit dem Gemeinwesen erschwert: Was mir nicht gehört, dafür fühle ich mich nicht verantwortlich.
Der Trend zu einer neuen Offenheit und ein wieder erstarkendes Bewusstsein für die Commons, die Gemeingüter gerät vermutlich gerade deshalb ins Blickfeld, weil die rein zweckrationale Perspektive in Bereichen verlassen wird, die ursprünglich nur innerhalb dieser Kategorien gedacht werden konnte:
Nutzungsrechte abzutreten, scheint auf den ersten Blick nicht rational. Diese Ansicht versuchen die offenen Formate in Frage zu stellen und zu widerlegen: nicht allein der Markt nützt der Gemeinschaft, sondern zusätzliche Kategorie wie geteiltes Wissen, zusammengeführte Schaffenskraft, Austausch und gleiche Zugangschancen.

Über den Fokus eines veränderten Eigentumsbegriff hinaus, scheint hieran anschließend ein weiteres Merkmal einer Open Culture, an Kontur zu gewinnen: Überall dort, wo sich offene Initiativen etablieren, ist ein deutlicher Aufforderungscharakter mit im Spiel. Wenn Werke und Ideen von ihrem Urheber freigegeben werden, ergeht an den Nutzer der Appell, sich in irgendeiner Weise mit einzubringen und sich zum Teilhaber an der gemeinsamen Sache zu machen. Projekte, die sich von ihrem Selbstverständnis her als open bezeichnen, geht es nicht um das reine Verkonsumieren, sondern darum, den Nutzer zum Mitgestalter zu machen. Er soll das erhaltene Gut oder Werk, weiterentwickeln, eigene Beiträge zur Verfügung stellen oder an Ideen weiterdenken.
Der Blick auf solche Austauschformen, die sich bewusst mit dem Zusatz open identifizieren zeigt: Im Mittelpunkt stehen Foren der Partizipation, des Bereitstellens und Teilens, die nicht nur als allgemeiner Handlungsappell für einen bestimmten Bereich Geltung beanspruchen, sondern ganz konkrete Räume bereitstellen, in denen sich der Gedanke der Openess realisieren kann. Der optimale Raum hierfür ist der digitale. Er schafft die Bedingungen, dass sich Personen ohne die Grenzen raum-zeitlicher Distanz begegnen und durch die digitalisierte Form zugleich auch ihre Werke und Ideen in den offenen Austausch eingeben können. Er birgt die Möglichkeiten der unendlichen Kopie ohne Qualitätseinbußen, strukturiert Wissen durch Hyperlinksstandards als rhizomatisches Gebilde, die Kompression von Daten auf immer kleinere Datenträger und wachsender Rechenleistung realisiert ins Unermessliche wachsende Datensammlung. Der Wikis-Standard bringt den Prosumenten hervor. Hat man diese Paradigmenwechesel im Blick, verwundert es nicht, dass auch eine bestimmte Form der Vergemeinschaftung im Netz entsteht.

Besondere Herausforderungen von offenen Strategien für die Bereiche Bildung und Kultur

Der Blick auf die verschiedenen Anwendungsfelder, in denen das Open Paradigm zum Tragen kommt, macht deutlich, dass die technischen Kriterien zentral, aber nicht hinreichend sind, damit offene Prozesse angestoßen werden, Sharing-Ökonomien greifen und soziale Wirkung entfalten.
Gerade im Bereich Kultur/Bildung geht es in der Frage um die Gestaltung offener Zugänge und nicht ausschließlich um die Garantie eines Open Access im Sinne von rein technischen Zugriffsmöglichkeiten und die Vermeidung proprietärer Beschränkungen. Geht es um Teilhabe an Kultur und Bildung müssen weitere Zugangskriterien in den Blick genommen werden: An erster Stelle ist sicherlich die Auffindbarkeit und Bedienbarkeit zu nennen, in die ganz konkrete Kriterien wie zielgruppengerechte Ansprache/Sprache, das Usability-Design eines Zugangs mit hineinfallen.

Weiterer Punkt ist die Nachnutzbarkeit. Oder Remixbarkeit. Die Möglichkeit, Neues und Eigenes zu destillieren. Ins-Machen-Kommen. Teilhabe an Kultur im eigentlichen Sinne bedeutet ja nicht ein reines Konsumieren sondern ein Mit-Ihnen-In-Beziehung-Treten. Es ist eine Nutzung dieser Art von Gemeingüter, welche die eigenen Potentiale anregt, sich zu entfalten. Es scheint eng mit einem Recht auf Persönlichkeitsentwicklung und adäquaten Ausdrucksmöglichkeiten verknüpft.
Und auch wenn wir vom kulturellen Erbe sprechen, seinem Schutzanspruch und den Maßnahmen es zu schützen, spielt die Nachnutzbarkeit eine große Rolle: Sie ist eine Form der Nutzung – über die rein rezeptiv-konsumierende Haltung hinaus – welche vielleicht am stärksten den verbindenden Charakter kultureller Güter hervorhebt: In der aktiven Sammlung, Neuzusammenstellung, Interpretation, im Re-Mix haben gemeinschaftliche Erfahrungen ihren Ort. Hier entfaltet das kulturelle Erbe sein volles Potential und wächst weiter. Es ist ein gemeinschaftliches Handeln, das sich außerhalb zweckrationaler Kategorien bewegt und zielt mehr auf das gute Zusammenleben als auf das bloße Funktionieren von Gesellschaft.

Wie gelingt der Paradigmenwechsel hin zu diesem ‚open‘ beim Zugang zu Kultur und Bildung?

Wie öffnen sich mehr Einrichtungen, Bildungs-, Kultur- und Gedächtnisinstitutionen und passen ihre Strategien zur Bereitstellung Content, den Prinzipien freien Wissens an? Für einige Ausblicke auf die Frage, möchte ich mich schwerpunktmäßig auf den Bereich Bildung beziehen – da ich hier in den letzten Jahren am meisten gelernt habe. Aber auch weil ich denke, dass sich aus ihm einiges Gehaltvolles für das kulturelle Erbe und ihre Gedächtnisinstitutionen ableiten lässt.
Gerade in Deutschland finden wir eine Situation vor, in der – anders als in anderen Teilen Welt – Bildung immer noch nicht selbstverständlich als Gemeingut angesehen wird. Das ist eigentlich ein bisschen seltsam, da wir bei der formalen Bildung auf eine lange Tradition staatlich verankerter Teilhabe und Organisation blicken. Bildung für alle! Durchlässig, ‚zweiter Bildungsweg‘, ‚lebenslanges Lernen‘. Doch in der Wiege des Buchdrucks hat sich gleichzeitig ein geschlossenes System für die Bereitstellung von Bildungsressourcen etabliert, das durch ökonomische Interessen getrieben wird – das Verlagswesen.
Die Forderung, diesen Widerspruch aufzuheben und Bildungsressourcen stärker zu öffnen liegt auf der Hand. Sie ist dabei nicht etwa aus einem überschwänglichen Enthusiasmus für Open Culture motiviert, sondern ein dringliches Gebot auch im Angesicht der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bildung kann durch eine größere Offenheit und Vielfalt ihrer Zugänge besser in der Breite wirken.

Ich möchte hier noch einmal auf die sehr klar formulierte Open Definition , ein Projekt der Open Knowledge International verweisen: „Wissen ist offen, wenn jeder darauf frei zugreifen, es nutzen, verändern und teilen kann – eingeschränkt höchstens durch Maßnahmen, die Ursprung und Offenheit des Wissens bewahren.“
Durch freie Nachnutzbarkeit von Ressourcen, mit denen sich der Lernende Kompetenzen und Wissen aneignen kann, wird sie besser und nachhaltiger. (Ich werde diese Art von Bildungsressourcen im Folgenden als Open Educational Ressources, kurz als OER bezeichnen)
Wie dies gelingen kann? Dazu fallen mir zwei Hauptstrategien ein: Erstens, den praktischen Alltagsnutzung von OER für Lernende und Lehrende erfahrbar machen. Zweitens, gute Geschichten darüber erzählen, wie aus Offenheit Neues und Besseres wird. Wo gibt es bereits gute Beispiele für die Bereitstellung und Nutzung von OER. Was entsteht wenn, etwa das Amsterdamer Rijksmuseum 190.000 Bilder in höchster Qualität und unter gemeinfreier Lizenz im Netz zur Verfügung stellt? Was machen die Menschen damit? Was passiert, wenn die Macher der europeana collections dazu aufrufen die bereitgestellten Bildmaterialien in animierte Gifs zu verwandeln. Also mit altehrwürdiger Kunst einem Internethype zu folgen?

Auch mit dem Projekt edulabs.de, wollen wir gute Geschichten von dieser Kultur des Teilens, von Nachnutzbarkeit und Bildung als Gemeingut – kurz: OER – erzählen. Edulabs ist eine Engagementinitiative, die an verschiedenen Standorten Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenbringen möchte, um Ideen für #zeitgemäßeBildung umzusetzen: in den Edulabs Berlin, Köln und Karlsruhe entstehen durch freiwillig Engagierte aus den Bereichen Pädagogik, Programmierung, Design und Making Unterrichtsmaterialien und Methoden, die einem mündigen Lernen in digitalen Lebenswelten gerecht werden. Sie werden nach hohen Open-Sourcen-Standards aufbereitet und im Internet zu Verfügung gestellt. Neben den Kriterien der Open Definition, soll besonderes Augenmerk auch auf den niedrigschwelligen Zugang durch ein unterstützendes Design und Usability eine Rolle spielen.

Fazit

Für Bildungs- und Kultureinrichtungen, also jene Stellen, die Wissen kuratieren und verwalten gilt im gleichen Maße, der Blick muss geöffnet werden für eine Perspektive, die ihre Angebote, Sammlungen Exponate als Gemeingüter denkt, also als Bildungsressourcen im weitesten Sinne. Je mehr sie geöffnet werde, umso mehr setzen sie etwas in Bewegung. Beim Einzelnen und als Verfügungsmasse gelingender, guter Vergemeinschaftung.
Abschließen möchte ich ein paar Wünsche loswerden: Ich wünsche den Einrichtungen Mut, sich auf den Weg zu machen und weiterzudenken, ihren Akteuren Elan und Energie, die in ihrer Verantwortung liegenden Sammlungen und Ressourcen mithilfe kluger Strategien zu öffnen. Klar ist für einen gelingenden Paradigmenwechsel muss die öffentlichen Hand unterstützen: Es müssen Ressourcen und Mittel bereitgestellt werden, um die Gedächtnis-institutionen hierbei zu unterstützen, im Sinne von Beratung, konkrete Mittel für gute OER-Publikationen, die sich wie alle Publikationen durch ein gutes Informationsdesign auszeichnen. In diesem Sinne: open up!

 

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Freitag, Oktober 27th, 2017 um 12:04 Uhr und ist zu finden unter Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sie können einen Kommentar hinterlassen.
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