GLAM on Tour im Antikenmuseum der Universität Heidelberg

Dr. Hermann Pflug öffnet die Glasvitrine für die Wikimedia Commons, Foto: Scherben.Bringen.Glück, Fotographische Dokumentation 7, CC BY-SA 4.0

Was sagen zwei Pferde und ein Dreifuß auf einer Tonvase über die Person aus, in dessen Grab sie gefunden wurde? Warum sind am äußerten Rand eines Weinkelchs andere Bildgeschichten erzählt als im Innern? Und was verraten uns die kleinen Löcher in der Vase über die Maltechnik?* Die Antworten darauf bekamen am 4. und 5. Oktober 2016 zehn Wikipedianer und fünfzehn Uniangehörige bei der GLAM on Tour Station im Antikenmuseum der Universität Heidelberg.

Entdeckung der Antike

Das Herzstück der GLAM on Tour Station bildete die Führung des Archäologen Prof. Nikolaus Dietrich und des Sammlungskurators Dr. Hermann Pflug, die anhand von antiken Vasen und Tonscherben Forschungsergebnisse zur Lebenswelt in der Antike teilten. Schnell merkten die Wissenschaftler, dass sie es mit Profis zu tun hatten, die Fachwissen und großes Interesse haben. So durften die Wikipedianer in der letzten Stunde die ehrwürdige Glasvitrine zusammen mit dem Kurator öffnen. Dieser Moment, als die böotische Pyxis von Nahmen inspiziert und für die Wikimedia Commons fotografiert wurde, war sicherlich für die meisten Teilnehmende das Highlight der Station.

Dr. Nikolaus Dietrich führt die Wikipedianer durch das Antikenmuseum der Uni Heidelberg, Foto: Scherben.Bringen.Glück, GLAM Antikenmusem 2, CC BY-SA 4.0

Neben der Museumserkundung standen Vorträge auf dem Programm, die den Teilnehmenden und etwa 40 Interessierten weitere spannende Hintergrundinformationen zur Archäologie in Heidelberg lieferten. So führte Nicolas Zenzen in seinem Vortrag durch die 150-jährige Geschichte des Instituts für Klassische Archäologie der Uni Heidelberg und inspirierte die Wikipedianer zu Artikelerweiterungen. Von den frühen Anfängen der Archäologie als beschreibende Bildwissenschaft des Altertums, zeigte Dr. Hubert Mara vom Interdisziplinären Zentrum für wissenschaftliches Rechnen in Heidelberg in einem zweiten Vortrag, wie die Computertechnik heute Steinskulpturen, Vasen oder andere Oberflächen „liest“. Mit 3D-Technik werden antike Fundstücke an der Uni Heidelberg gescannt und analysiert. Dies erleichtert zum Beispiel die Rekonstruktion der antiken Objekte für Restauratoren. Da die 3D-Scans unter freien Lizenzen stehen, können sie auch von jedem für viele andere Zwecke weitergenutzt werden.

Auf ins Wikiversum

Mit diesem Gedanken des freien Wissens führten Marcus Cyron und ich abschließend Uniangehörige und interessierte Heidelbergerinnen und Heidelberger in das Wikiversum ein. Dank des umfangreichen Programms ist dieses nun um hunderte Bilder und einige Artikel bereichert, für die Uni Heidelberg etwas weiter geöffnet und sogar um einige Neuautorinnen und -autoren gewachsen! Damit lieferte die Station nicht nur neue und freie Inhalte für das Wikiversum, sondern schaffte auch Verbindungen und Kontakte zwischen Wikipedianern, Neuinteressierten und den Forschenden – sowie vor allem viel Material und Motivation, das eigene Wissen zu teilen und frei in den Wikimedia-Projekten zugänglich zu machen.

Der Handapparat dient als Quelle für neue Wikipedia-Artikel, Foto: Scherben.Bringen.Glück, Schreibwerkstatt4, CC BY-SA 4.0

Entstanden ist die Idee zur GLAM on Tour Station auf der WikiCon 2015, wo sich Marcus Cyron, ehemaliger Wikipedian in Residence im Deutschen Archäologischen Institut, und Christian Vater vom Sonderforschungsforschungsbereich 933 (SFB) „Materiale Textkulturen“ der Uni Heidelberg trafen. Eines der Ziele von Christians Teilprojekt ist es, die Mitglieder des SFB 933 darin zu unterstützen, Forschungsergebnisse und Forschungsmaterialien in die Wikipedia einzubringen, in die Wikimedia Commons einzustellen und die Möglichkeiten von Wikidata zu nutzen. Unterstützt wird der SFB dabei von Heiko Fischer, Geschichtsstudent in Heidelberg, und erfahrener Wikipedianer.

Weitere Informationen:
Projektseite
Bisherige Projektergebnisse

* Der auf der Grabbeilage abgebildete Dreifuß in Zusammenhang mit Pferden lässt auf eine Trophäe schließen. Dieses Bild spielt auf ein Ideal der reichen Oberschicht an, die reich genug waren Pferde zu halten und Sport zu betreiben.
* Die Bilder am äußeren Rand eines Trinkgefäßes richten sich an die Teilnehmenden eines Symposiums, die Bilder am Grund des Gefäßes an die trinkende Person.
* Die Löcher auf der Vase deuten darauf hin, dass zum Malen der Kreise Zirkel verwendet wurden.

Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Mittwoch, Oktober 12th, 2016 um 13:00 Uhr und ist zu finden unter Community, Freiwillige, Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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