Vor zwei Wochen enstand aus einem Twitter-Austausch zwischen Jens Best, dem Social Media-Team der Deutschen Bahn und mir ein offener Brief über die Bitte um Freigabe von Fahrplandaten unter einer nachnutzungsfreundlichen Lizenz. Die Antwort der Bahn war schnell, freundlich und aus unserer Sicht nicht zufriedenstellend. Wir wissen, dass es hier nicht um ein primär technisches Problem geht, sondern eine Reihe von rechtlichen Fragen zusätzlich zu den Aspekten Qualitäts- und Imagesicherung zu klären sind. Solange Open Data mit der Gefahr verstanden wird, daß Onkel Ernst an einem Sonntag Abend an einem Regionalbahnhof strandet, weil er sich auf veraltete oder falsch formatierte Fahrplandaten verlassen hat, erscheint es für ein in der Öffentlichkeit stehendes Unternehmen als Risiko, nicht als Chance.

Wer nicht darauf hoffen will, daß die Bahn in Sachen Open Data ihren Kollegen in anderen Ländern folgt, kann Petitionen schreiben, sich für eine nationale Open-Data-freundliche-Gesetzgebung engagieren, mit ausländischen freigegebenen Daten experimentieren und mithelfen, die Vorteile greifbarer zu machen. Keine dieser Maßnahmen wird jedoch kurzfristig deutsche Fahrplandaten verfügbar machen. Diese Situation kann für jemanden so unbefriedigend wirken, dass Selbsthilfe legitim erscheint, zum Beispiel das Scrapen von Daten aus offiziellen Quellen. Der Wikipedia-Artikel listet bereits eine Reihe von Gründen auf, warum die Rekonstruktion von Datenbanken via Scraping problematisch sein kann.

Die Deutsche Bahn hat sich heute mit einem Offenen Brief an das Projekt openPlanB gewandt. Sie erklären dort, warum sie den von openPlanB gewählten Weg der Extraktion von Planplandaten aus einer CD-ROM für rechtlich unzulässig halten. Sie weisen auf das Risiko für Nachnutzer hin, die sich auf das von openPlanB gesetzten Label einer freien Datenbanklizenz verlassen und bringen die naheliegenden Qualitätsprobleme von alternden Daten an. In eindeutiger Sprache schreibt die Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Vertriebs GmbH, Birgit Bohle, dass man auf rechtliche Schritte für die zurückliegende Aktion verzichte, sich aber rechtliche Schritte bei zukünftigen Verstößen vorbehalte.

Die Bahn schreibt, daraus die Konsequenz gezogen zu haben, in Zukunft auf die Mitarbeit von openPlanB verzichten zu wollen und kündigt an, das Gespräch mit anderen Open-Data-Förderern suchen zu wollen.

An diesem letzten Satz wird man die Deutsche Bahn messen können, denn mögliche Kooperationspartner für das Unternehmen sind bekannt und auch nach Abzug der Probleme, z.B. von Datensätzen anderer Verkehrsverbünde, gibt es weiterhin noch eine Reihe von Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch und zur Zusammenarbeit zu kommen.

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