Vom 31.8. bis zum 2.9. empfängt die WikiConvention 2012 die ehrenamtlichen Helfer der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte in Dornbirn. Wikimedia Deutschland ist mit einem Team ebenfalls vor Ort. Hier im Blog blicken wir zurück auf die Veranstaltungstage.

 

Tag Zwei der WikiConvention im Vorarlberger Dornbirn. Es ist eine Sache zu betonen, dass die dreitägige Veranstaltung mit über 200 Teilnehmern von ehrenamtlichen Wikipedianern organisiert wird. Was das eigentlich bedeutet, ist eine ganz andere. Ein kleiner Zwischendank.

Mit ihren roten T-Shirts sind die Frauen und Männer von allen Hilfesuchenden schnell zu erkennen. Sie haben eine Antwort auf jede Frage, vom Internetzugang bis zum Hoteltransfer. Man könnte meinen, sie schüttelten ihre Unterstützung einfach aus der Hand. Tatsächlich liegen aber Monate der Planung hinter ihnen. Gerade in den letzten Wochen vor der WikiConvention dürfte sich der eine oder andere von ihnen gefragt haben: Ist das noch Hobby?

Der Punkt am Ehrenamt ist natürlich, dass die Arbeit gerne und freiwillig gemacht wird. Sicher. Warum wir finden, dass Ehrenamtlichkeit eine gute Sache ist, hat aber einen anderen Grund: Die Arbeit kommt etwas oder jemandem zu Gute. Und so besetzen die Organisatoren heute den ganzen Tag lang den Eingangsbereich der FH Vorarlberg, damit jeder Neuankömmling einchecken und die Veranstaltungsunterlagen in Empfang nehmen kann. Zeit, die zahlreichen Vorträge und Workshops selber zu besuchen, bleibt ihnen wenig oder überhaupt nicht.

Die WikiConvention ist für die Anderen. Unter dem Motto Gemeinschaft finden nacheinander Veranstaltungen, insbesondere zu Partnerschaften zwischen Wikipedia und kulturellen wie wissenschaftlichen Institutionen statt. Da könnte es theoretisch schnell akademisch werden, aber nicht mit Wikipedianern. So verweist der Referent auf ein Museum, dessen Name per Beamer aus der Wikipedia an die Wand geworfen wird. Weil der Name nicht mit einem Artikel verlinkt ist, wird kurzerhand das Publikum gebeten, das mal eben einzubinden. Weiter im Text.

Aha-Effekte und Diskussionen gibt es im Themenstrang Technik. Klingt trocken, ist aber äußerst lebhaft! Im gut besuchten Vortrag zu RENDER haben die meisten Zuhörer noch gar nichts vom Projekt gehört. Kaum erklärt die Referentin einzelne Tools, mit denen Leser und Bearbeiter Hinweise zur Qualität von Artikeln erhalten, muss sie das Plenum auch schon beim Philosophieren über technische Details bremsen.

Auch die gestrige Diskussion über verbessertes Arbeitsklima in der Wikipedia wird in mehreren Workshops engagiert fortgesetzt. Überhaupt finden noch viele Veranstaltungen mehr statt, aber es ging ja um die Frauen und Männer in Rot. Die sind nicht dabei. Während all das Gesagte passiert, übernehmen sie die Kinderbetreuung, kümmern sich um Garderobe und Taschen oder bieten ihre Hilfe bei der Drahtlosverbindung an, bevor der oder die Bedürftige überhaupt bemerkt, dass die nicht geht (mir passiert). Jemand von ihnen bringt mit seinem Auto auf Zuruf Teilnehmer zum Bahnhof. Kein Problem. Wenige Minuten später hält derselbe Helfer die Tür zur Mensa für die wartende Essensschlange auf – und zwar, bis der letzte Hungrige nach einer halben Stunde drinnen ist. Nachfragen, ob das nötig ist, werden lächelnd und mit der Selbstverpflichtung eines Schiffskapitäns abgewiegelt.

Nichts davon müssten die ehrenamtlichen Organisatoren tun, aber all das gehört für sie zu diesem Projekt. Wenn es von den Teilnehmern nicht viel Lob gibt, dann weil sie sich voll auf das Programm konzentrieren können. Ein größeres Lob gibt es für Organisatoren vielleicht nicht. Trotzdem natürlich: Vielen Dank für diesen zweiten Tag! Der Sonntag kann kommen.

 

Orga-Team der WikiCon 2012
Michael Jahn, CC-BY-SA 3.0