Die rund 50 Besucher der Mitgliederversammlung 2011 am 19. März in Berlin fanden sich in ungewöhnlichem Ambiente wieder. Ein leergeräumter Gemeindesaal – rechts die Orgel, links ein Kruzifix mit aufgeschlagener Bibel, vorn die Kanzel als Rednerpult. Am Einlass, von Cornelius betreut, lag eine kirchliche Broschüre: „Wenn alle Hoffnungen zerbrechen“. Es wurde nicht das Motto der Versammlung, im Gegenteil.

Sebastian Moleski und Alice Wiegand sind in ihren Ämtern als Erste und Zweite Vorsitzende wiedergewählt. Olaf Kosinsky ist neuer Schatzmeister, Attila Albert neuer Schriftführer. Auch alle sechs Beisitzer-Kandidaten (ein weiterer hatte am Vorabend per Fax aus persönlichen Gründen abgesagt) sind gewählt.

Wichtige Anträge waren erfolgreich: Die Satzungsreform, die Verantwortlichkeit und Haftung zusammenführt (S1 mit Ergänzung A 1), die kollaborative Erstellung des Wirtschaftsplans (A2) und 200 000 Euro für Community-Projekte (A3). Alle anderen Anträge scheiterten (S2, S3, S4) oder wurden zurückgezogen (A4).

In seinem Rechenschaftsbericht hatte Sebastian eindrucksvolle Grafiken präsentiert: Steiler Anstieg bei den Spenden und Mitgliederzahlen (aktuell 700, weitere 300 Anträge liegen vor). Steiler Abstieg bei der Gewinnung neuer Autoren und deren Verweildauer. Gewünscht kurzer Vortrag, für manche wiederum zu kurz. Einige Mitglieder vermissten den Finanzbericht, ein Blick auf die Vereinswebseite brachte die gewünschten Vermögenszahlen zutage.

Pavel gab eine Übersicht über die Vielzahl der Projekte, jeweils mit Fazit und dem, was wir daraus gelernt haben: „Scheitern ist erlaubt.“ Im Ausblick: Ausbau der Geschäftsstelle auf 20 Mitarbeiter (Voll- und Teilzeit) sowie eine Neupositionierung der Zedler-Medaille.

Es gab Klagen, die Akustik wäre „sehr schlecht“ – tatsächlich war sie, wie in einer Kirche, so gut, dass selbst leises Flüstern im ganzen Raum zu hören war. Das verschärfte sich, als die Zählkommission unter Debora Weber-Wulffs Leitung auf der Empore, wo sonst der Chor sitzt, ihre Arbeit aufnahm. Vorteil dieser Lösung allerdings: Bei Abstimmungen brauchten die Kommissionsmitglieder nur kurz an die Balustrade zu treten und den Arm zu heben.

Strittig war, ob der komplette Vorstand entlastet (vom Verein für die Arbeit des vergangenen Jahres von Schadenersatzansprüchen freigestellt) werden konnte. Einige ausgeschiedene Mitglieder hatten es versäumt, ihren Rechenschaftsbericht abzugeben. Nach längerer Diskussion die Einigung: Vorstand insgesamt entlastet.

Neuneinhalb Stunden hat diese Mitgliederversammlung gedauert, unterbrochen vom Mittagessen (Käse-Hackfleisch-Suppe und vegetarisches Ratatouille, Brot, frisches Obst) sowie diversen kurzen Pausen.

Abschließender Dank an die Zählkommission unter bewährter Leitung von Debora, die Versammlungsleiter Martin Zeise und Thomas König, der sich darin ausgesprochen talentiert zeigte – und nicht zuletzt an alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle, darunter Henriette Fiebig, Cornelius Kibelka, Sebastian Sooth, Boris Marinov und Gerrit Holz.

P.S. Einige abwesende Mitglieder hatten beklagt, dass es keine Live-Tweets aus der Versammlung gab. Diese Möglichkeit war diskutiert, aber verworfen worden, um den Diskussionen einen „geschützten Rahmen“ zu erhalten.