Künstliche Intelligenz
Russlands Wikipedia-Klon: Wie Desinformation in Chatbots landet
Patrick Wildermann
11. Juni 2026
Das Risiko, Falschinformationen im Netz aufzusitzen, war wohl nie größer als heute. Immer mehr Menschen nutzen bei der Suche nach Antworten generative KI-Chatbots. Doch gerade die großen Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) neigen zu Halluzinationen und spucken nicht selten ungeprüft falsche Antworten aus. Hinzu kommt: KI-Systeme bewerten die Vertrauenswürdigkeit von Quellen nur begrenzt. Werden also manipulierte Inhalte strategisch im Netz platziert und verbreitet, können auch Chatbots sie als vertrauenswürdige Quelle einschätzen und in ihre Antworten an uns übernehmen. Dies passiert schon seit Jahren und wird insbesondere auch für politische Einflussnahme genutzt.
Neuer Wikipedia-Klon: Russland zielt auf KI-Chatbots ab
Aus Russland ist jetzt ein neuer Fall bekannt geworden: Geleakten Berichten zufolge soll eine russische Trollfabrik am Aufbau eines Klons der deutschsprachigen Wikipedia arbeiten. Das Ziel ist dabei besonders perfide: Die manipulierten Inhalte sollen so geschrieben werden, dass insbesondere KI-Chatbots sie als vertrauenswürdige Quellen einstufen und vor allem bei Anfragen aus dem deutschsprachigen Raum in ihre Antworten integrieren.
Ein trojanisches Pferd der Fake News also. Wer beispielsweise Informationen über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine oder den Oppositionellen Alexei Nawalny sucht, könnte von ChatGPT & Co ideologisch verzerrte Darstellungen geliefert bekommen – vermeintlich aus der Wikipedia stammend und mit dem Gütesiegel der Seriosität versehen.
Achtung, Fake-Wikipedia
Portale wie t-online oder watson beziehen sich in ihrer Berichterstattung auf einen Leak interner Dokumente der russischen Social Design Agency (SDA). Die verbreitet seit Jahren im Auftrag des Kremls Falschinformationen über soziale Medien, auch in Deutschland. Die SDA wird unter anderem für die sogenannte Doppelgänger-Kampagne verantwortlich gemacht – eine Serie von Fälschungen der Social Media Accounts und Webseiten großer Nachrichtenportale wie „Bild“ oder „Spiegel“ – mit dem Ziel, darüber antiwestliche Propaganda zu verbreiten und die Stimmung in der Bevölkerung pro Russland zu beeinflussen.
Jetzt legt die SDA offenbar nach – mit eben jenem deutschsprachigen Wikipedia-Klon, auf den Chatbots bei Anfragen in deutscher Sprache zugreifen sollen. 200.000 Seiten umfasse diese Fake-Datenbank bereits, heißt es in den Berichten. Monatlich sollen 500 manuell verfälschte Artikel in die KI-Plattformen eingespeist werden. Noch ist kein Fall bekannt, in dem eine solche Klon-Seite der SDA aufgetaucht wäre. Ähnliche Fälle zeigen aber, wie schnell und wirkungsvoll sich Desinformation mit digitalen Mitteln verbreiten lässt.
Manipulation und Propaganda mit wenig Aufwand im Netz
Jüngst flogen etwa die Machenschaften des prorussischen Social-Media-Bot-Netzes „Matrjoschka“ auf, das in Armenien massenhaft Lügen verbreitet, um Einfluss auf die Parlamentswahlen am 7. Juni im Sinne Russlands zu nehmen. Auch ein von Russland gesteuerter Wikipedia-Klon ist in dem südkaukasischen Land tatsächlich schon aktiv, wie das Portal The Insider nachzeichnet.
Überhaupt besitzt die Propagandamaschinerie des Kremls bereits Erfahrung mit Wikipedia-Kopien. Mit Ruwiki existiert dort seit Januar 2024 ein Klon der russischsprachigen Version der freien Online-Enzyklopädie, der um Einträge zu kritischen Themen bereinigt wurde und zum Beispiel den Begriff „Spezielle Militäroperation“ für den Angriffskrieg in der Ukraine verwendet.
Grokipedia als warnendes Beispiel
Aber Russland ist nicht die einzige Quelle für Desinformationen, die über Chatbots ihren Weg zu uns Menschen finden. Das Portal The Verge hat kürzlich eine Analyse veröffentlicht, der zufolge KI-Systeme eine Vielzahl von Artikeln aus der von US-Milliardär Elon Musk gestarteten Grokipedia abrufen. Bei rund 13 Millionen Prompts an ChatGPT sei Grokipedia etwa 260.000-mal zitiert worden. Auch bei Gemini, dem Chatbot von Google, und Microsoft Co-Pilot wurde die Seite mehrfach als Referenz ausgewiesen. Das Problem: Die von Musk entwickelte Enzyklopädie wird nicht wie die Wikipedia von Menschen, sondern selbst von einer KI geschrieben – dem Chatbot Grok, der u. a. dadurch in Verruf geriet, dass er sexualisierte Bilder generierte und verbreitete.
Und: Grokipedia lässt unter anderem Quellen wie die rechtsextreme Seite Stormfront und das Verschwörungs-Portal Infowars zu. Inzwischen belegen auch zahlreiche Studien, etwa der Cornell University, „eine systematische Verschiebung der politischen Ausrichtung häufig zitierter Nachrichtenmedienquellen nach rechts“ (hier und hier zu finden). Anders als die Wikipedia, die sich dem neutralen Standpunkt verpflichtet hat, soll Grokipedia vor allem die Weltsicht ihres Erfinders transportieren.
Geplante neue Google-Suche: Hochproblematisch für uns alle!
Auch die neuesten Pläne von Google sind besorgniserregend. Die größte Suchmaschine im Netz plant die Transformation zu einer KI-Antwortmaschine. Künftig sollen bei einer Anfrage statt der gewohnten Listen mit Links nur noch KI-generierte Antworten angezeigt werden. Der Gatekeeper wäre Googles eigene KI.
Das Internet könnte damit sein demokratisches Potenzial verlieren: den direkten Zugang zu einer Vielzahl unabhängiger Quellen. Aus Sicht des Freien Wissens ist das hochproblematisch, denn es droht eine Verarmung der Informationsvielfalt, ein Mangel an Transparenz und noch stärkere Machtkonzentration und Abhängigkeit von wenigen Plattformen.Lilli Iliev Leiterin Politik und Öffentlicher Sektor bei Wikimedia Deutschland
Der Informatiker und Publizist Jürgen Geuter spricht deshalb von einem „Krieg gegen das Web“ – so zitiert ihn Deutschlandfunk in einem Beitrag unter dem Titel „Stirbt das Internet, wie wir es kennen?“
Wikipedia: Wissen ist und bleibt menschlich
Das Risiko, mit Fake News und unzuverlässigen Quellen beliefert zu werden, ist heute also größer denn je. Die Wikipedia bleibt bei all diesen Entwicklung die nahezu letzte Bastion für geprüftes und verlässliches Wissen im Netz.
In der ehrenamtlichen Community wird die geplante Desinformationsoffensive aus Russland aufmerksam verfolgt und diskutiert. Handhabe dagegen hat sie selbst freilich nicht – die Verantwortung, Fake News nicht als Quelle heranzuziehen, läge bei den KI-Entwicklern. „Noch ein Grund mehr, wieso unser KI-Verbot absolut der richtige Weg ist“, schreibt Benutzer Chaddy zu den Vorgängen um den Wikipedia-Klon. Er bezieht sich dabei auf die Übereinkunft der Community, das Einstellen von KI-generierten Texten in der Wikipedia zu untersagen.
Schließlich funktioniert die freie Online-Enzyklopädie nach klaren Grundprinzipien – dazu zählen Nachprüfbarkeit, Neutralität und Belegpflicht, also die Plicht, Quellen anzugeben. Ein entscheidender Unterschied zu KI-Programmen. KI-generierte Texte in der Wikipedia würden also die Qualität des Projekts gefährden. Entsprechend engagiert handeln die Ehrenamtlichen aus, wie und mit welchem Aufwand sich solche Artikel abwehren lassen, wie sich KI generierte Inhalte überhaupt erkennen lassen – und welche KI-Tools dennoch hilfreich für die Arbeit in der Wikipedia sein können.
Das alles unter der Maxime: Wissen ist und bleibt menschlich.
Als Wikimedia Deutschland setzen wir angesichts der wachsenden Herausforderungen mehr denn je dafür ein, die Wikipedia-Community und frei zugängliches und geprüftes Wissen zu stärken. Mehr dazu, wie wir uns dafür engagieren und was wir erreicht haben, zeigt unser aktueller Jahresbericht.
Ich möchte auf ein Buch aufmerksam machen, das gut zu dem hier stattgefundenen Meinungsaustausch passt: "Die Wahrheit ist der Feind - Warum Russland so anders ist". Die in Teheran geborene Verfasserin Golineh Atai war von 2013 bis 2018 ARD Korrespondentin in Moskau und konnte sich Quellen erschließen, die offiziell nicht zugänglich sind. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als "Journalistin des Jahres 2014", mit dem Peter-Scholl-Latour-Preis sowie mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis.
Was ich nicht begreife: Der russische Wikipedia-Clon braucht ja auch eine oder mehrere Adressen im Netz. Damit er von den KI-Agenten überhaupt eingesammelt werden kann. Was hindert also die Hersteller der KI daran, diese Adressen einfach nicht zu scannen?
Ja - wieder einmal die bösen Russen. Russische Desinformation? - Dazu will ich gerne mal eine persönliche Perspektive auf unsere jüngere Geschichte teilen: Ich bin Jahrgang 64 und habe den Mauerfall in der DDR live miterlebt bzw. mitgestaltet. Was sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion (der übrigens von einem Idealisten namens Grobatschow bewirkt wurde und eine freiwillige Machtaufgabe war, weil er eine Vision einer besseren Welt hatte) politisch entwickelt hat ist ein einziges Desaster. Die Nato hat sich trotz eine Versprechens und vieler Warnungen und Aufrufe zur Mäßigung von renomierten Leuten hemmungslos bis ans menschen-machbare ausgedehnt und jedes neue Nato-Mitglied unverzüglich bis an die Zähne bewaffnet. Zugleich wurde in den Medien immer extremer ein imperialistisches und aggressives Russländ beschworen - ganz offenkundig, um diese Aufrüstung zu begründen. Mit dem Sturz der demokratisch gewählten Regierung in der Ukraine und dem angekündigten NATO-Beitritts derselben stand Russland der Realität gegenüber, die NATO 500 km vor Moskau zu wissen und Moskau mit NATO-Kurzstreckenwaffen erreichbar in 3 Minuten. Kennt man die Geschichte, ist das Bild, das in unseren Medien insbesondere von Russland gezeichnet wird DIE DESINFORMATION DER LETZTEN 30 JAHRE ÜBERHAUPT. Hinter der NATO-Osterweiterung steckt die Logik der Macht. Recht hat der, der die Macht hat. Gorbatschov hat einen krassen Fehler begangen, als er glaubte, ein Westen würde sich mit einem geschwächten Russland um Verständigung bemühen. Der Westen hat mit der NATO-Osterweiterung alles getan, sich einzuverleiben, was nur irgend ging. Er hat damit den krassen Fehler gemacht, sich Russland zum Feind zu machen und z.B. als Bündnispartner gegen einen wirklich gefährlichen Gegner (China) zu verlieren. Der Westen hat geschafft, was in der Geschichte keiner bisher geschafft hat: dass Russland und China Verbündete werden. Jetzt ist Russland angeblich der schlimmste Feind des "freien Europas" überhaupt. Tatsache ist aber: die NATO hat sich in den letzten 30 Jahren zur existentiellen Bedrohung für Russland entwickelt und nicht umgekehrt. Wie der NATO-Generalsekretär Mark Rutte Ende letzten Jahres sagte (und er muss es ja wissen): "Die NATO ist Russland unendlich überlegen". Aber Ja: wir hören täglich die Nachrichten von der russischen Bedrohung und hybrider Kriegsführung - bei jedem lächerlichen Drohnenabsturz. DAS IST DESINFORMATION - und noch schlimmer: es ist KRIEGSVRBEREITUNG! Wohin geht die Reise? Hin zum Krieg - aber nicht weil Russland so böse ist, sondern, weil das der Logik der Macht entspricht - und weil es - und das ist der Logik der Macht innewohnend - zu viele und zu Mächtige gibt, die den Krieg WOLLEN - und zwar nicht bei den Russen, sondern bei UNS - weil er ein gigantisches Geschäft ist. Kluge Leute wie Richard David Precht oder Ranga Yogeshwar und viele andere versuchen, das ins Bewußtsein zu rücken. Aber das geht leider unter im täglichen Geschrei vom bösen Russen. Ich glaube nicht, dass die Entwicklung umkehrbar ist. Desinformation ist ein wesentlicher Teil davon. Aber eben Desinformation auf beiden Seiten - vor allem auch bei "uns"
Glückwunsch! Als offenbar "gelernter DDR-Bürger" ist es ja klar, dass sie die Perspektive Russlands einnehmen! Der Westen hat zwar eine NATO - aber ganz grundsätzlich haben wir hier alle seit dem Ende des Kalten Krieges abgerüstet (siehe Abschaffung der Wehrpflicht z.B.), weil WIR dem bösen Nachbarn Russland vertraut haben, dass das imperialistische Machtstreben nach dem 2. WK in Europa endlich mal vorbei ist. Aber Russland gehört eben NICHT zu Europa - und ist und bleibt ein gewissenloser Aggressor (soweit man als Staat gewissenlos sein kann), dem nicht zu trauen ist. In der Konsequenz müssen wir leider wieder aufrüsten - was anderes verstehen die Russen ja nicht! Und wenn sie sich so nach dem starken Arm des Staates zurücksehnen, empfehle ich Ihnen ein One-Way-Ticket nach Moskau! Leute wie Sie machen unsere westliche Demokratie KAPUTT.
Als "gelernte westliche Demokratin" tun Sie sich offensichtlich schwer mit dem Aktzeptieren anderer Meinungen. Eine kleine Bemerkung: Militärausgaben der NATO ca. 1,5 Billionen Dollar, Russland ca. 200 Milliarden Dollar (Zahlen von Statista/SIPRI). Soviel zur stattgefundenen "Abrüstung". Angeblich soll Russland UNS um 2029/2030 angreifen, wie von einigen Experten herbeiphantasiert. Dazu eine Bemerkung im Gedenken des unvergesslichen Columbo: "Eine Frage hätte ich noch...wenn der Russe uns angreifen wollte - warum wartet er dann bis wir kriegstüchtig sind?" Zum Schluß, eine Empfehlung spare ich mir, denn Leute wie Sie sind hoffnungslose Fälle. Schönen Tag noch.
Die Balten wollten damals in die NATO und Ukraine will in die NATO so schnell wie möglich. Woran mag das liegen? Weil Russland oder die NATO so demokratisch denken! Die NATO hat niemanden zum Beitritt gezwungen!
Ich kann es nicht mehr hören, das ewige Gelaber von Fake-News. Es dient eigentlich nur dazu die EIGENE Meinung/Position als EINZIGE Wahrheit unter die Menschen zu bringen. Alle Ansichten/Meinungen unliebsamer Personen/Politiker/Staaten als unglaubwürdig niederzumachen. Es wird z.B. so getan als würden Fake-News zunehmen. Dies ist schon die erste Lüge. Fake-News gab es schon immer. Ich bin jetzt 75 Jahre alt und kann mich noch gut erinnern an die verlogenen BILD-Zeitungs-Kampagnen (auch anderer Presseprodukte), Ende der 1960er Jahre, über die Lügen der sogenannten "freien, demokratischen" Presse und Nationen wie die zur Begründung der Angriffskriege gegen Irak, usw.. Letzten Endes dienen alle News/Nachrichten nur der Verächtlichmachung des jeweiligen Gegners. Qualitative Unterschiede der jeweiligen Akteure sind meist nicht erkennbar. In der Regel stellt sich die Frage: "Wem nützt was." Einige gewinnen, viele bezahlen den Gewinn. Zugekleistert wird alles mit schönen Begriffen wie "Freiheit". "FREIHEIT". Die Freiheit des einen ist, zu betteln. Meine Freiheit besteht aus dem geringen Betrag der über bleibt zwischen Lebenshaltungskosten und Erwerbseinkommen. Andere leiden ganz FREI darunter ihr beträchtliches Vermögen vermehren zu müssen. "MEINUNGSFREIHEIT", ich darf frei von einer Meinung sein, oder, ich darf alles erdenkliche MEINEN, außer, ob man grundsätzliche etwas an der Gesellschaft ändern könnte. "GLAUBENSFREIHEIT", ich darf frei von einem Glauben sein, oder auch glauben was ich will, was allerdings schnell gefährlich werden kann. Genau hier setzen FAKE-News aller Art an, auch WIKIPEDIA ist nicht FREI davon. So lobenswert der Ansatz ist, allen Menschen alles Wissen frei zugänglich zu machen, ist auch WIKIPEDIA nicht verschont von Fehlurteilen/Falschnachrichten (die kommen nicht ausschließlich aus Russland oder China), sie liegen am Standpunkt des Betrachters. Deshalb sollten bzgl. einer Sache auch Gegenpositionen zugelassen sein und nicht mit Nachrichtensperren unterbunden werden. Auch wenn der Trend zur "babylonischen Sprachverwirrung" zu gehen scheint, Freiheit von Fake-News gibt es nicht, häufig hat Mensch/in Fake-News auch im eigenen Hirn.
Bitte geben Sie mir ein Beispiel für das, was Sie an "Fehlurteilen/Falschnachrichten" bei Wikipedia gefunden haben.
Lieber Harald, danke für Ihren Beitrag und ich verstehe Ihren Ärger über die inflationäre Verwendung des Begriffs "Fake-News" sogar gut. In einem Punkt bin ich ganz bei Ihnen: Medienkritik wird tatsächlich oft instrumentalisiert, um die eigene Position zu immunisieren und andere Stimmen oder Meinungen pauschal zu diskreditieren. Auch dass es Lügenkampagnen schon lange gibt – BILD Ende der 60er, die Begründungen für den Irak-Krieg – ist historisch richtig und es ist auch überaus wichtig, daran zu erinnern. Trotzdem möchte ich an einer Stelle widersprechen, weil ich glaube, dass sie für die ganze Debatte entscheidend ist: Sie setzen "jemanden runtermachen wollen" mit "Fake-News verbreiten" gleich. Das sind aber zwei verschiedene Dinge. Eine Tatsachenbehauptung ist entweder wahr oder falsch – unabhängig davon, wer sie aufstellt oder wem sie nützt. Ob ein Impfstoff Autismus auslöst, ob das Klima sich erwärmt, ob eine Wahl manipuliert wurde – das sind alles Fragen, die man durch Beweise klären kann. Die Antwort darauf ist dann für alle Menschen gleich, ganz unabhängig vom Standpunkt oder vom Interesse. Wenn jemand dann eine widerlegte Behauptung dennoch wiederholt, ist das in meinen Augen eine Fake-News – nicht, weil sie unbequem ist, sondern weil sie nachweislich falsch ist. Was Sie beschreiben, dass News oft der "Verächtlichmachung des Gegners" dienen, dass man fragen muss "wem nützt was", dann betrifft das die Auswahl der Fakten oder ihre Gewichtung. Vielleicht auch den Rahmen, in dem sie präsentiert werden oder auch wer sie präsentiert (sog. "Experten"). Das alles ist dann aber Interpretation und da haben Sie völlig recht: Hier gibt es keine Wahrheit, sondern unterschiedliche, auch legitime Sichtweisen auf sie. Aber das ist für mich dann eine "alternative Wahrnehmung" und keine "alternative Wahrheit". Denn die gibt es schlichtweg nicht. Zwei Menschen können dieselben Fakten unterschiedlich deuten, gewichten, einordnen. Aber sie können sich nicht aussuchen, ob die Fakten selbst stimmen. Auch Ihr Wikipedia-Beispiel passt da eher zu mir als zu Ihnen: dass Wikipedia Fehler oder Einseitigkeiten enthält, was ich auch überhaupt nicht abstreite, zeigt nicht, dass Fakten relativ sind, sondern nur, dass auch Faktensammlungen menschengemacht und fehlerhaft sein können. Aber solche Dinge sind korrigierbar: durch besseres Wissen und nicht durch eine andere "Wahrheit". Ihr Satz "häufig hat Mensch/in Fake-News auch im eigenen Hirn" trifft im Übrigen einen wichtigen Punkt – nur eben in eine andere Richtung, als Sie ihn meinen: Er zeigt, wie leicht wir selbst Vermutungen, Ängste oder Vorurteile für Fakten halten. Das ist ein Grund mehr, an der Unterscheidung zwischen beweisbarem Wissen und persönlicher Einschätzung festzuhalten – nicht, sie aufzugeben. Mit freundlichen Grüßen Dr. Dethlev Schampera
eine studentin sagte mir neulich, in hausarbeiten würde bezahlte ki als quelle anerkannt, wikipedia dagegen nicht. weiss jemand wie sich das verhält???
Hallo Herr Mayer. Unseres Wissens nach ist Wikipedia an Hochschulen tatsächlich keine zugelassene Quelle. Das gilt aber auch für KI: Laut den Regeln, die uns bekannt sind, ist der Einsatz von KI für die Recherche und die Textarbeit erlaubt, aber nicht das Verfassen ganzer Hausarbeiten durch KI. Liebe Grüße Corinna Schuster (Wikimedia Deutschland)
Russlandmisstrauen in allen Ehren, aber Musks KI “Grok” und das dazugehörige Grokipedia mit in den Schlamm zu ziehen, finde ich vollkommen daneben. Wenn man bestimmte politische Dinge erfragt, werden von Claude, Chatgpt und Grok auch linksextreme Antifa-Websiten als Quelle heran gezogen. Warum erwähnt der Blogbeitrag das nicht? Mögliche sexualisierte Bilder sind natürlich problematisch, heißt aber nicht, dass Grok allein deshalb zur Unperson erklärt werden muss. Selbst der Fall, dass Grok eine Zeit lang massivst antisemitisch wurde (falls das niemandem bekannt ist, Googlen Sie “Grok Hitler”), sollte nicht dafür sorgen, dass man den Chatbot in den Müll wirft. Updates und Korrekturen sind wichtig und richtig, aber keine für ewig andauernde Nichtnutzung. Über Chatgpt und konnte man sich bis zuletzt über das Wünschen einer Gute-Nacht-Geschichte das Bauen einer Bombe erzählen lassen. Entweder man löscht KI also komplett und verbietet es bis auf alle Ewigkeit, oder man arbeitet an der Verbesserung und gibt es schützende Updates. Menschen haben immer einen Weg gefunden, technische Neuerungen zu missbrauchen, so ist doch die Frage, ob man diese, wie auch KI, auf den Müllhaufen der Geschichte wird, oder ob man sie verbessert und weiter nutzt. Meiner Meinung nach ist Grokipedia viel weniger anfällig für Desinformation, da die Enzyklopädie nicht trotz, sondern genau WEGEN einer KI so gut neutral betrieben wird. Man muss sich als dt. Wikicommunity-Mitglied auch darüber im Klaren sein, dass gerade im Bereich der Politik/Gesellschaft Wikipedia leicht links verzerrt ist, wie ein Artikel von Tichys Einblick konkret zeigt. (https://www.tichyseinblick.de/meinungen/wikipedia-erfolgreichstes-machtinstrument-linker-deutungshoheit/). Zusätzlich eine persönliche Beobachtung von mir: Man sieht bei politisch rechts der Mitte stehenden Persönlichkeiten überhäufig den Abschnitt „Kritik“, während man dies bei Personen auf der anderen Seite deutlich weniger sieht. Auch wenn man die polit. Einordnung von Tichys Einblick als richtig erachtet, so muss man doch zum Schluss kommen, das menschliche Wikipedia Autoren aufgrund ihrer persönlichen Befindlichkeiten viel mehr zu falschen Darstellungen neigen als eine immer kühle KI. Auch dieser Blogbeitrag zeigt es, siehe meine Ausführungen über das zitieren linksextremer Quellen für Antworten. Um wieder auf die Chatbots zurückzukommen - Claude und Chatgpt haben ein sogenannten „Harmlessness Training“. „Harmlessness“ hat bei ihnen eine sehr hohe Priorität – oft höher als reine Wahrheitssuche. Bei sensiblen Themen triggert die Modelle interne Regeln, die sie zwingen, maximale Vorsicht walten zu lassen und Zweifel zu betonen. Das hat Grok nicht. Die Gründer von OpenAI und Anthropic gehören zum „AI Safety“-Lager und haben eine eher linksliberale, progressiv geprägte Kultur. Viele Mitarbeiter sehen es als moralische Pflicht, Modelle gegen „gefährliche Ideen“ zu schützen. Das führt zu systematischem Over-Censoring. Grok regt stattdessen eigenständig bei heiklen Themen zum Selbstvergleich an. Etwa „Lese die Originalquelle und die anderen Quellen und mache dir ein vergleichendes Bild“. Auch das machen Claude und Chatgpt nicht. Grok lässt den Nutzer also das eigene kritische Denken anschalten, während die anderen KIs in desinformationsrepressiver Manier einem das Denken vorschreiben. Grok(ipedia) ist daher nicht der Desinformationsbefeuerer, sondern eher der „Wahrheitsmaximizer“ wenn man so will. Das nächste mal bitte besser recherchieren, oder falls geschehen, nicht so tendenziöse Berichte schreiben. Vielen Dank.
Guten Tag, Neutralität ist eines der Grundprinzipien in der Wikipedia, neben vielen anderen wie Belegpflicht, Transparenz und Offenheit, über die Grokipedia nicht verfügt. Wir sind deswegen der Meinung, dass Wikipedia die bessere Informationsquelle ist, wie wir hier dargelegt haben: https://blog.wikimedia.de/2025/10/08/grokipedia-wikipedia/ Viele Grüße
Der Kommentar oben ist Bait, er verlinkt Tichys Einblick, eine Newssite der Nius Bubble. Am Besten auf sowas gar nicht reagieren. Für diese Menschen sind Fakten "links". :)
… Deshalb politisch relevante Informationen ausschließlich von öffentlich-rechtlichen Institutionen und etablierten Nachrichtensendern/Zeitungsredaktionen einholen! Diese müssen natürlich große Anstrengungen unternehmen, damit sie nicht gehackt werden können – öffentliche Mittel müssen hierfür zur Verfügung stehen.
Sicher ist es gut, seine Informationen aus Quellen zu beziehen, die als vertrauenswürdig gelten können. Ausgerechnet das öffentlich-rechtliche Fernsehen gehört dazu aber nicht. Auswahl der Themen und Kommentierungen verfolgen sehr deutlich das Ziel, Zuschauer zu erziehen und nicht zu informieren. Die "öffentlichen Mittel" dafür - also die Fernsehsteuer - sollten abgesenkt oder besser noch abgeschafft werden!
D'accord !
Wer immer noch glaubt, etablierte Nachrichtensender und Zeitungsredaktionen verbreiteten nichts als die die Wahrheit, dem empfehle ich die Lektüre von Noam Chomsky und Edward S. Herman: Manufacturing Consent. Die deutschsprachige Ausgabe trägt den Titel 'Die Konsensfabrik'. Das zuletzt 2008 wieder aufgelegte Werk hat leider nichts an Aktualität verloren.
Danke für die Informationen! Ein riesiges, weiteres Problem für unsere Gesellschaft und Demonkratie.
Das ist echt krass. Danke für die Info!