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Ein kraftvolles Zeichen für mehr Sichtbarkeit

Noch immer sind Frauen in der Filmbranche weniger sichtbar – ob als Regisseurinnen, Produzentinnen, Kamerafrauen, Tonfrauen oder Drehbuchautorinnen. Und das spiegelt sich auch in der Wikipedia wider.

Ende vergangenen Jahres waren 36,8 Prozent aller Wikipedia-Biografien zu Filmschaffenden Frauenbiografien. „Während Frauen vor der Kamera mit 45,8 Prozent beinahe paritätisch vertreten sind, sind Frauenbiografien in den Gewerken „hinter der Kamera“ wie Drehbuch, Kameraführung, Tontechnik, Sounddesign deutlich unterrepräsentiert,“ erläutert Grizma, eine der Organisatorinnen des Edit-a-thons.

Der Filmfrauen Edit-a-thon wirkt diesem Ungleichgewicht seit 2020 entgegen. Was als engagierte Initiative begann, ist inzwischen zu einer festen Größe im Terminkalender der Wikipedianer*innen geworden. Jedes Jahr kommen filminteressierte Wikipedia-Aktive und die, die es werden wollen, zusammen, um die Präsenz von Frauen in der Filmgeschichte zu stärken: Gemeinsam werden Artikel und Einträge in Wikidata neu angelegt, ergänzt, mit Quellen belegt, strukturell verbessert und bebildert.

Highlights aus sieben Ausgaben Berlinale-Edit-a-thon

  • Insgesamt sind in der deutschsprachigen Wikipedia über die Jahre 249 Artikel zu Filmen und 248 Artikel zu Filmfrauen entstanden.
  • Hinzu kommen 149 Artikel in der alemannischen Wikipedia sowie über 700 Bilder
  • Einige der entstandenen Artikel beschreiben Filme, die später renommierte Awards gewonnen haben: Beispielsweise der Teddy Award Preisträger „Playback. Ensayo de una despedida“ (2020) und „Walchensee Forever“ (2020), der später den Bayerischen Filmpreis gewann.
  • Gleichzeitig sind auch Filmfrauen, die keine Hollywoodgrößen sind, jetzt dank der Edit-a-thons in der Wikipedia vertreten – etwa das Berlinale-Team selbst: Mariette Rissenbeek, Linda Söffker, Marie Losier, Paz Lázaro, Cristina Nord (2020).

Mehr als Editieren: Gemeinschaft, Begegnung und neue Impulse beim Edit-a-thon

Das gemeinsame Bearbeiten von Artikeln macht Spaß, und auch der ein oder andere Löschantrag konnte in Gemeinschaftsleistung abgewehrt werden. Dabei geht es um noch viel mehr als das reine Editieren: Auch persönliche Begegnungen spielen eine große Rolle. Die Teilnehmenden, die aus ganz unterschiedlichen Regionen des DACH-Raumes anreisen, sehen sich wieder, tauschen sich aus und schmieden neue Pläne. Einige sind erst durch den Edit-a-thon zur Wikipedia gekommen und inzwischen seit mehreren Jahren dabei. Und auch Fortgeschrittene nehmen jedes Jahr etwas Praxisnahes mit. So lag 2025 beispielsweise der Fokus auf Filmtonfrauen. Die Teilnehmenden lernten, wie eine Tondatei mit der Aussprache eines Filmtitels oder Namens Schritt für Schritt in einen Artikel eingebaut werden kann.

Wie Wikipedia-Aktive und Filmfrauen voneinander lernen

Die Organisatorinnen Grizma, und Reisen8 freuen sich sehr, dass der Edit-a-thon sich verstetigt hat, schließlich konnte er pandemiebedingt 2021 nur online und 2022 nur unter strengen Auflagen stattfinden.

„Mir gefällt die Verbindung zu anderen Wikipedia-Projekten aus der Community,“ so Reisen8. So wurden Artikel, die während des Edit-a-thons entstanden sind, auch bei den 100WomenDays präsentiert, einem Wettbewerb, der jedes Jahr 100 Tage vor dem internationalen Frauentag beginnt und sich zum Ziel gesetzt hat, so viele Wikipedia-Artikel mit Frauenbezug wie möglich zu erstellen oder zu überarbeiten. Auch ist der Berlinale Edit-a-thon inzwischen zum Vorbild für ähnliche Formate geworden: Letztes Jahr fand in München ein Edit-a-thon zum DOKfest nach ähnlichem Muster statt. „Mir gefällt, dass wir so viel Freiheit bei den Themen haben – uns also auch auf Artikel über Kurz- oder Kinderfilme stürzen können“, erzählt Reisen8 weiter.

Mir gefällt, dass wir so viel Freiheit bei den Themen haben – uns also auch auf Artikel über Kurz- oder Kinderfilme stürzen können. Gleichzeitig zeigt zum Beispiel der Artikel „No Other Land“, den ich 2024 angelegt habe, wie schnell unsere Arbeit ins gesellschaftliche Rampenlicht rücken kann.
Reisen8 Wikipedianerin

Was sich in den letzten Jahren ebenfalls verstetigt hat, ist die Zusammenarbeit zwischen erfahrenen Wikipedianer*innen und Expertinnen aus der Filmbranche. So war etwa in diesem Jahr Sabine Jainski zu Gast. Die Filmemacherin und Journalistin betonte, wie hilfreich die Arbeit der Wikipedianer*innen sei – gerade in Zeiten, in denen die Rechte von Frauen auch in der Filmbranche immer noch beschnitten würden. Vom Austausch profitieren beide Seiten gleichermaßen: Die Filmemacherinnen freuen sich über gewonnene Sichtbarkeit in der Wikipedia und Wikipedianer*innen erhalten Expert*innenwissen aus der Branche.

25 Jahre Wikipedia – und warum Edit-a-thons so wirkungsvoll sind

Gerade im Jahr des 25. Geburtstags der Wikipedia kommt diesem Engagement eine besondere Bedeutung zu. Seit 2001 hat sich die Plattform zur größten Enzyklopädie der Welt entwickelt. In der Wikipedia spiegeln sich jedoch gesellschaftliche Strukturen wider – sowohl was ihre Inhalte, als auch was die Zusammensetzung der Ehrenamtlichen-Community betrifft. Und hier setzen Initiativen wie der Berlinale Edit-a-thon an. Viele Initiativen und Gruppen aus der Wikipedia-Community setzen sich erfolgreich für mehr Diversität ein – in der Filmbranche, in Wikipedia-Artikeln und unter denen, die mitmachen.

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