Aufbruchsstimmung? Der Koalitionsvertrag setzt positive Signale für die Arbeit an der Wikipedia

Mittlerweile ist der Koalitionsvertrag beschlossene Sache und setzt wichtige digitale Schwerpunkte. Dass Open Source und offene Standards einen so hohen Stellenwert bekommen haben, setzt nicht nur ein positives Aufbruchssignal für eine bessere Digitalisierung von Staat und Verwaltung, sondern kommt auch der Arbeit an der Wikipedia zugute. Und auch die Stärkung des digitalen Ehrenamts stößt für die Wikipedianer*innen eine positive Entwicklung an.

  • Alexander Möller
  • 8. Dezember 2021

Bisher war der Blick oft noch verstellt: Städtische Essensausgaben oder die freiwillige Feuerwehr wurden wahrgenommen, die Arbeit an Online-Freiwilligenprojekten wie Wikipedia hingegen wurden gern übersehen. Vielfach genutzt und doch zu wenig sichtbar. Viele Tausende Wikipedianer*innen sorgen dafür, dass täglich ca. 1,5 Millionen Menschen in Deutschland auf ihre Wissensfragen eine qualifizierte, fundierte Antwort erhalten.

Gefahr gebannt: Zu viel Bürokratie soll digitales Ehrenamt nicht mehr ausbremsen

Wenn der Koalitionsvertrag eine neue nationale Engagementstrategie aufruft, die auch das digitale Ehrenamt mitdenkt, ist das ein großer Gewinn für die Gesellschaft. Wikipedianer*innen sorgen in ihrer Freizeit dafür, dass alle einen freien Zugang zu Wissen erhalten. Die Gefahr, dass zu viel Bürokratie dieses Engagement ausbremsen kann, haben SPD, Grüne und FDP erkannt und im Koalitionsvertrag für Klarheit gesorgt: „Wir wollen Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren, unterstützen, gerade auch junge Menschen für das Ehrenamt begeistern und daher das Ehrenamt von Bürokratie und möglichen Haftungsrisiken entlasten.“ 

Natürlich muss der von den Regierungsparteien erklärte „Digitale Aufbruch“ jetzt auch umgesetzt werden. Ein wichtiges Stichwort für die Arbeit an der Wikipedia muss auch maßgeblich für eine gemeinwohlorientierte Digitalpolitik der Bundesregierung sein: Transparenz. Die Koalitionsparteien haben in ihrem gemeinsamen Vertrag (Zeile 219) erklärt: „Wir wollen durch mehr Transparenz unsere Demokratie stärken.“

Open Source und offene Standards bekommen höheren Stellenwert

Die Festlegung auf Open Source und offene Standards sind dabei ein wichtiger Schritt, die Weiterentwicklung des Informationsfreiheitsgesetzes zu einem Bundestransparenzgesetz ein weiterer. Die Freiwilligen der Wikipedia profitieren davon, wenn sie nicht nur in ihrer Arbeit mehr Unterstützung erfahren, sondern auch der Zugang zu Daten und Inhalten für sie gewährleistet ist. Ohne offenen Umgang mit Wissen kann Wissenstransfer nicht stattfinden.

Dass dafür Politik und Zivilgesellschaft enger zusammenrücken müssen, ist eine wichtige Erkenntnis des Koalitionsvertrags. Was sich viele in der Wikipedia Aktive sicher jedoch gewünscht hätten, ist ein Bekenntnis zu einer umfassenden Open Educational Resources-Strategie. Denn auch wenn die Regierungsparteien festgehalten haben, digitale Programmstrukturen und Plattformen für Open Educational Resources unterstützen zu wollen, fehlt der Wille für einen offenen Zugang zu Bildungsmaterialien bislang. Dabei nutzt eine moderne Bildungspolitik, die konsequent auf offene Bildungsmaterialien und -praxen ausgerichtet ist, dem Staat, der Zivilgesellschaft und eben auch Online-Freiwilligenprojekten wie Wikipedia.

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Wikimedia Deutschland begrüßt die digitalen Pläne im neuen Koalitionsvertrag. Doch die Ergebnisse lösen den Anspruch einer digitalen Neuausrichtung nicht vollständig ein. Ein konsequentes Bekenntnis zur Freigabe öffentlich finanzierter Inhalte fehlt weiterhin. Mehr dazu in dieser Pressemitteilung.

Auch das Bündnis F5 für gemeinwohlorientierte Digitalpolitik sieht großes Potenzial im Koalitionsvertrag, wenngleich es Baustellen gibt. Die Arbeit der neuen Regierung werde optimistisch und kritisch begleitet, heißt es in einer dieser Stellungnahme

Lizenz Titelbild: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, 2021-12-07 Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 20. Wahlperiode des Bundestages by Sandro Halank–019CC BY-SA 4.0

  1. Liebe Wikipedianer –
    einfach mal ein herzliches Danke schön fuer die (fuer mich) vielleicht wichtigste Seite/n im Internet. Endlich vorbei die Zeit, in der die standardmaessig 3-baendige Lexika-Ausgabe im Buecherregal bei, gelinde gesagt, maeßiger Nutzung vor sich hinalterte und auch Mengen- und Qualitaetsmaessig nie ein Vergleich waren.
    Ihr seid alle eine große und angenehme Hilfe an jedem Tag
    Danke – Georg

    Kommentar von Georg Stitz am 15. Dezember 2021 um 15:02

  2. Besser ein weites Stück mehr Möglichkeiten als den alten Zustand zu lassen.

    Kommentar von Ludger Alofs am 15. Dezember 2021 um 17:13

  3. Wikipedia – der freie Zugang zum Wissen für alle – ist eine super Sache. Ich freue mich, ein Teil davon sein zu können , auch wenn ich nur Geldgeberin bin und nicht selbst Artikel schreibe.

    Kommentar von Ursula Wolter am 15. Dezember 2021 um 18:50

  4. Hallo Christian,
    danke für die Info über den Koalitionsvertrag, diese Zeilen lassen mich hoffen, dass mein Konzept für Wikidata eine Change hat.
    Für mein Lebenssinn habe ich immer Zeit.
    Ich wünsche euch für die Advent- und Weihnachtszeit besinnliche Tage und die Hoffnung
    dass wir unseren Sinn des Lebenens neu beleben.
    In froher Erwartung
    Georg

    Kommentar von Georg Ortloff am 16. Dezember 2021 um 10:17

  5. Die Idee und Realität von Wikipedia – Wissen für alle – sind für mich ein notwendiges und erfreuliches Gegengewicht zu all dem Üblen und Negativen, das sich im Netz breit macht, – ich nutze das Angebot gern und häufig, bin allen Beteiligten dankbar für ihren Einsatz und mit Kleinbeitrag Mitglied geworden, um nicht ausschließlich die Nehmende zu bleiben…

    Kommentar von Gesine Röver am 26. Dezember 2021 um 15:28

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