Mit Kollaboration durch die Krise – Wie vertrauensvolle Zusammenarbeit das Netzwerk des Fellow-Programms Freies Wissen trotz Corona stärkt

Das Fellow-Programm Freies Wissen stellt derzeit seine Wirkung unter erschwerten Bedingungen unter Beweis. Den Herausforderungen der Pandemie zum Trotz, setzt unsere Open Science Community weiterhin auf vertrauensvolle Zusammenarbeit.

  • Nico Schneider
  • 3. März 2021

Das Fellow-Programm Freies Wissen stellt derzeit seine Wirkung unter erschwerten Bedingungen unter Beweis. Den Herausforderungen der Pandemie zum Trotz, setzt unsere Open Science Community weiterhin auf vertrauensvolle Zusammenarbeit. Sie konnte sich im abgelaufenen Jahr weiter aktiv für offene Forschung und Lehre einsetzen. Drei gemeinschaftliche Initiativen aus dem Netzwerk des Fellow-Programms stehen beispielhaft dafür, dass offene, faire und kollaborative Praxis insbesondere für den akademischen Nachwuchs ein tragfähiges Modell für die Wissenschaft der Zukunft darstellt.   

Die gemeinschaftliche Vermessung der Open-Science-Welt

Offene Wissenschaft ist ein weitläufiges Feld, dessen Grenzen schwer abzustecken sind. Diese Unschärfe nimmt das aktuell laufende Projekt „Mapping Open Science Research“ zum Anlass, Forschungsgebiete der Offenen Wissenschaft systematisch zu vermessen. Fünf der elf kollaborativ arbeitenden Forscher*innen haben sich 2019/20 während der vierten Runde des Fellow-Programms Freies Wissen vernetzt: Jana Lasser, Stefan Skupien und Jürgen Schneider sind allesamt Alumni der gleichen Kohorte. Begleitet und angeleitet wurden sie von den Fellow-Programm-Mentor*innen Tamara Heck und Isabel Steinhardt. Letztere war selbst Fellow im zweiten Durchlauf des Programms 2017/18. Ihr Weg steht beispielhaft für die enge, aktive Vernetzung von wissenschaftlichem Nachwuchs durch das Fellow-Programm. Für den Initiator und Leiter von „Mapping Open Science Research“, Stefan Skupien, besteht die Qualität des Fellow-Programm-Netzwerks vor allem darin, dass „die gemeinsame Arbeit an und für Open Science durch die verschiedenen Erfahrungen, disziplinären und methodischen Hintergründe der Fellows sich auf inspirierende Weise ergänzen. Das merken wir auch im Team, das derzeit die empirische Forschung zu Open Science auswertet, um ein besseres Verständnis von Open Science Praktiken zu erhalten. Das Netzwerk bietet dabei nicht nur den Raum für die Initiation solcher Projekte, sondern auch für Diskussion ihrer Ergebnisse.“ 

Kollaboration und Vernetzung machen selbstverständlich nicht an den Grenzen des Fellow-Programms halt – im Gegenteil. Wikimedia Deutschland ist es daran gelegen, möglichst vielen Forscher*innen eine erste Plattform zu bieten, auf der sie Offene Wissenschaft gemeinschaftlich betreiben, stärken und verbreiten können. Das Projekt ‘Mapping Open Science Research’ ist eines unter vielen Beispielen dieser gelebten Praxis.

Open Science Slam: Offene Wissenschaft als Edutainment

Dass Wissenschaft nicht nur schwer verständliches Fachsimpeln über Spezialthemen sein muss, zeigt eine weitere Initiative aus dem aktiven Netzwerk des Fellow-Programms. Zur Berlin Science Week am 4. November 2020 veranstaltete Svenja Rühland, Community Managerin unseres Kooperationspartners innOsci, gemeinsam mit unserem Alumnus Philipp Schrögel einen launig-informativen Open Science Slam. Svenja Rühland lobt die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Fellow-Programm und hebt das Aktivierungspotential des Netzwerks hervor: „Gute Wissenschaftskommunikation ist essenziell für den Forschungs-Nachwuchs – und damit ein Thema, welches auch vielen Fellows am Herzen liegt. Ganz vorne mit dabei: Alumnus Philipp Schrögel, der Edutainment nicht nur als Forschender, sondern auch als Vollblut-Moderator verkörpert. Er und die anderen Fellows Freies Wissen mit ihrer aufgeschlossenen und kommunikativen Haltung tragen Open Science und ihre Ideen hinaus in die Öffentlichkeit. Der Science Slam war ein voller Erfolg, und im Netzwerk des Fellow-Programms Freies Wissen sehe ich viel Potenzial für einige weitere solcher Formate.“

Vergleichbar mit Poetry Slams, verpacken Science Slams Forschungsthemen jeglicher Disziplin in ein unterhaltsames Bühnenformat, bei dem Forscher*innen in einem Wettbewerb gegeneinander antreten. Jede*r Slammer*in hat zehn Minuten Zeit, um das Publikum auf kreative Art von ihrem*seinem Forschungsthema zu begeistern. Auf der virtuellen Bühne der Berlin Science Week slammten unter anderem Hanjo Hamann, Open-Science-Fellow der ersten Stunde, und Rima-Maria Rahal, Alumna der letztjährigen Runde und Mentorin der laufenden Förderperiode. Wer mehr über Science-Slamming, über Sauerstoffmangel, Gedankenlesen, Offene Rechtswissenschaft oder zu Forschungsdaten in Schlumpf-Blau erfahren möchte, hat Glück, denn die Veranstaltung steht als Mitschnitt zum Nachschauen zur Verfügung.   

Offenheit und Rechtswissenschaft muss kein Widerspruch bleiben

In den offenen Wissenschaften ist die Rechtswissenschaft als konservativ, als eine Bastion von Geschlossenheit und Elitismus verschrien. Umso wichtiger, dass sich eine Gruppe junger Jurist*innen aus dem Umfeld des Fellow-Programms Freies Wissen daran macht, „gemeinsam frei zugängliches, hochwertiges, aktuelles und veränderbares rechtliches Wissen“ zu schaffen. OpenReWi, so der Titel der 2020 ins Leben gerufenen Initiative, erarbeitet frei zugängliche und verwendbare rechtswissenschaftliche Lehrmaterialien. Neben Initiator Maximilian Petras gehört auch Fellow-Programm-Alumni Nikolas Eisentraut zum Kreis der Koordinator*innen und Autor*innen von OpenRewi. Maximilian Petras schätzt vor allem die explizit (zwischen-)menschliche Komponente des Programms: „Mit Hilfe des Fellow-Programms konnten wir die notwendige Vernetzungsinfrastruktur aufbauen. Gerade in Zeiten rein digitalen Community-Buildings braucht es die richtigen Tools, um Vertrauen aufzubauen und verlässlich zu arbeiten.“

Die Projektverantwortlichen laden Interessierte ein, eigene Projektteams zu gründen und neue rechtswissenschaftliche Materialien über die freie Bibliothek Wikibooks verfügbar zu machen. Derzeit befinden sich bereits fertige Werke zum Verwaltungsrecht im virtuellen Themenregal der offenen Rechtswissenschaft. Weitere Projekte von OpenRewi, wie etwa das von Maximilian Petras gemeinsam mit Dana Valentiner herausgegebene Lehr- und Fallbuch zu Grundrechten, ein Lehrbuch zum Strafrecht und ein Fallbuch zum Asylrecht sind fortgeschritten oder in Erarbeitung.  

Die offene Vernetzung von Forscher*innen ist nachhaltig und krisenfest 

Kollaborative Projekte, wie Mapping Open Science Research, der Open Science Slam und OpenRewi, stehen beispielhaft für die Vielfalt aktueller Initiativen, die aus dem Netzwerk gestartet wurden oder eng mit dem Fellow-Programm Freies Wissen verbunden sind. Insbesondere zu Zeiten der Pandemie bietet das Fellow-Programm eine Gemeinschaft, in der junge Wissenschaftler*innen befreit von externen Zwängen des herkömmlichen Wissenschaftsbetriebs und mit Rücksicht auf persönliche Lebenslagen miteinander diskutieren, forschen, lehren und voneinander lernen können. Mit ihrem kontinuierlichen Engagement stärken sich die Projektteilnehmer*innen gegenseitig und stellen unter Beweis, dass Wikimedia Deutschland und Partner*innen mit dem Fellow-Programm Freies Wissen in den fünf Jahren seines Bestehens eine lebendige, widerstandsfähige und eng vernetzte Community of Practice aufgebaut hat.


Für neugierige Neulinge und bereits Aktive hat das Fellow-Programm-Team eine offene digitale Lernplattform entwickelt. Im Lernraum Freies Wissen finden sich Selbstlerneinheiten zu Themen rund um Offene Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation und Wissensgerechtigkeit. Seit Kurzem steht auch eine interaktive Einheit unter dem Titel „Zusammen sind wir stärker“ bereit, die das Netzwerk des Fellllow-Programm Freies Wissen visuell abbildet und Interessierte zur weiteren Vernetzung einlädt.

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