Verschlusssache Prüfung? Deshalb müssen Prüfungsaufgaben aus dem Vorjahr frei zugänglich sein

Die Aufgaben für zentrale Abschlussprüfungen werden mit Steuergeldern erstellt. Trotzdem sind die Vorjahresaufgaben für Schülerinnen und Schülern oft nicht frei zugänglich. Die Kampagne „Verschlusssache Prüfung“ von FragDenStaat und Wikimedia Deutschland soll das ändern.

  • Bernd Fiedler
  • 26. Januar 2021

Um gut vorbereitet in die Abschlussprüfung gehen zu können, sind Übungen mit Vorjahresaufgaben für Schülerinnen und Schüler besonders wichtig. In der Praxis sind Prüfungsaufgaben aus Vorjahren nur in den seltensten Fällen öffentlich einsehbar – obwohl sie mit Steuergeldern und im öffentlichen Auftrag erstellt wurden.

„Öffentliches Geld – Öffentliches Gut!“ Mit dieser Forderung setzen wir uns dafür ein, dass Inhalte, die mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden, unter freie Lizenz gestellt werden. Denn nur so können alle gleichermaßen von ihnen profitieren, ob in der Wikipedia oder bei der Vorbereitung auf die eigene Abschlussprüfung.

„Verschlusssache Prüfung“: Kampagne für alle Abschlussklassen

Gemeinsam mit FragDenStaat haben wir ein Portal geschaffen, auf dem Schülerinnen und Schüler mit wenigen Klicks eine Anfrage an ihr zuständiges Kultusministerium senden können. Über das Webportal „FragSieAbi“ konnten sich Prüflinge bereits seit 2019 mittels vorformulierten Informationsfreiheitsanfragen (kurz: IFG) an ihr Kultusministerium wenden. In der Folge haben sich einige Bundesländer, etwa Niedersachsen, dazu entschlossen, Abituraufgaben selbstständig zu veröffentlichen – ein echter Erfolg!

Bei „Verschlusssache Prüfung“ geht es dieses Mal nicht nur um Abitur-, sondern um alle zentralen Abschlussaufgaben. Das entlastet vor allem auch Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Familien, die kein zusätzliches Geld für den Erwerb von Lernmaterialien übrig haben. Nicht mehr der Geldbeutel entscheidet über die Abschlussnote. Das wird Zeit, denn in Deutschland gibt es einen starken Zusammenhang zwischen finanziellem Status und Bildung, im internationalen Durchschnitt schneidet das deutsche Bildungssystem beim Punkt Chancengleichheit schlecht ab.

Jetzt mitmachen und Informationsfreiheitsanfrage stellen

Im Vorfeld der Kampagne haben mehrere Bundesländer mit uns Kontakt aufgenommen. Wo es an Personalmitteln fehlt, helfen wir bei der Bearbeitung der Prüfungen, um sie für die Veröffentlichung vorzubereiten. Nur wo sich Länder quer stellen, müssen Schülerinnen und Schüler mit IFG-Anfragen nachhelfen. Das ist ihr gutes Recht.

Unser Appell an Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrpersonen lautet deshalb: Stellen Sie jetzt eine Anfrage, damit Prüfungsaufgaben endlich öffentlich werden. Schreiben Sie Ihrer Kultusministerin oder Ihrem Kultusminister und fragen Sie nach, wieso in Ihrem Land Aufgaben noch nicht veröffentlicht werden. Ganz einfach erstellen lassen sich solche Anfragen über dieses Webportal. Jetzt mitmachen!

  1. Sehr gut, sehr richtig.
    Für IHK-Prüfungen sollte das auch gelten. Diese werden zumindest z.T. aber von Ehrenämtlern geschrieben.
    Besonders krass: Abschlussprüfungen für Mediengestalter.
    Der ZFA schreibt über diese Prüfungen, sie seien der „geheime Lehrplan“.
    Leider kennt man den dann erst nach der Prüfung. Umso wichtiger sind alte Prüfungen, damit man auf die jeweils aktuelle interpolieren kann.

    Hannes Kraeft
    freier Dozent, Medien

    Kommentar von Hannes Kraeft am 26. Januar 2021 um 13:55

  2. Sehr richtig,
    öffentlich geförderte Projekte,sollten auch für jeden öffentlich zugänglich gemacht werden. Leider ist in dieser Republik das Einfache, nicht offensichtlich genug.
    Zwar gibt es viele öffentlich zugängliche Informationen, diese sind aber oftmals an sehr vielen verschieden Stellen verteilt.
    Eine zentrale, einheitlich bedienbare Plattform, mit entsprechend gekennzeichneten – z.B. Wikipedia – Einträgen – , wäre hier durchaus sinnvoll.

    Man könnte aber auch 60 Millionen €, in die Entwicklung einer entsprechenden Plattform stecken, damit das Rad dann wieder erfunden werden kann. :-)
    Wer hier berät, verdient wohl selbst.

    Frank Falkenberg
    Datenschutzbeauftragter (IHK)

    Kommentar von Frank Falkenberg am 5. Februar 2021 um 11:49

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