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Frag sie Abi! – Die Bilanz
Unsere Kampagne "Frag sie Abi!" geht in die Sommerferien. Wir ziehen Bilanz: Einige Bundesländer veröffentlichen als Reaktion jetzt ihre Abiklausuren, andere mauern weiter – und wir haben eine Klage eingereicht.
Sebastian Schröder
21. Juni 2019
Prüfungen sind deshalb so scheußlich, weil der größte Trottel mehr fragen kann, als der klügste Mensch zu beantworten vermag. Charles Caleb Colton
Liebe Jenny, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Die von Dir angeführten Beispiele sind ja deswegen in ihrem Zugriff durch alle eingeschränkt, weil eine Nutzung durch "jede x-beliebige Bürger*in" mit Zusatzkosten verbunden wäre. Bei Schulhäusern sind es mindestens die Nebenkosten und Versicherung, bestimmt auch Wach- und Aufsichtspersonal etc. Aber Schulhäuser werden durchaus bspw. für Sportvereine oder bei Wahlen zugänglich gemacht, wenn das möglich ist (aber auch das verursacht Zusatzkosten. Auch die Einschränkungen bei der Feuerwehr basieren auf Zusatzkosten (Sprit, Bereitstellung im Notfall, Kontrolle der Fahrerlaubnis) und in diesem Punkt auch besondere Kompetenzen, die ein Feuerwehreinsatzfahrzeug mit sich bringt. Eben diese Kosten gibt es bei den Abituraufgaben bis auf den Einsatz von Originalquellen nicht. Bei letzteren gibt es Lösungen über Schwärzungen, wie in SH gezeigt. Die Aufgaben werden von Lehrkräften erstellt, die von Steuergeldern bezahlt werden. Doch bisher war es gelebte Praxis, dass nicht etwas die Steuerzahler*innen als Auftraggeber*innen darauf zugreifen konnten, sondern Verlage (bspw. Stark) die Aufgaben in Bücher gedruckt hat, damit Abiturienten sie (erneut) bezahlen können, wenn sie sich auf ihre Prüfungen vorbereiten. Das ist doch absurd und verstärkt die Chancen-Ungleichheit. Die digitalen Verbreitungswege ermöglichen es aber, dass der Zugriff auf die Aufgaben keine variablen Kosten mit sich bringt. Die Rechte der Urheberinnen und Urheber können trotzdem gewahrt bleiben. Und auch wenn Deine Vergleiche sehr gehinkt haben: jede*r Bürger*in profitiert von öffentlich finanzierten Schulen (selbst als Schüler*in oder auch durch die kostenfreie Bildung der eigenen Kinder) und die Feuerwehr ist ebenso für jede*n abrufbereit – eben weil wir alle das gemeinsam bezahlen.
"Selbstverständlich verlangen die Rechteinhaber Honorare, wenn ihre Texte außerhalb der Prüfungen veröffentlicht werden." - Warum? Ist es normal, dass man mehrmals bezahlt wird für einmal geleistete Arbeit? Wenn Sie gerne für Dinge bezahlen, die über Ihre Steuergelder bereits bezahlt wurden, gerne!
Der Slogan "Öffentliches Geld - Öffentliches Gut" ist doch seltsam naiv. Es gibt tausende von Fällen, in denen Sachwerte oder Produkte mit staatlichen Geldern beschafft oder angefertigt werden, ohne dass jede x-beliebige Bürger*in darauf unbeschränkten Zugriif hätte. Jedes Schulgebäude wird nach Schulschluss abgeschlossen, die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr dürfen eben nur von der Feuerwehr benutzt werden. Wenn es bei den Abituraufgaben sachliche Gründe gibt, sie nicht öffentlich zu verbreiten, nämlich die urheberechtlichen Beschränkungen, dann muss man das akzeptieren. Selbstverständlich verlangen die Rechteinhaber Honorare, wenn ihre Texte außerhalb der Prüfungen veröffentlicht werden. Dies schlichtweg auszublenden ist Verblendung.