Mit einem kompakten Rückblick auf ausgewählte Learnings aus drei Jahren Fellow-Programm Freies Wissen (#fellowsfreieswissen) eröffnete das Programmteam verschiedene Perspektiven auf die damit verbundene Wirkungsannahme. Dabei wurden insbesondere Aspekte, wie das wachsende Netzwerk aus Fellows, Mentorinnen und Mentoren und Alumni sowie die Weitergabe an Wissen über Offene Wissenschaft und Freies Wissen an Kolleginnen und Kollegen innerhalb der eigenen Institution, von den Fellows als besonders hilfreich und zunehmend gewinnbringend eingestuft, um für Offene Wissenschaft und Freies Wissen sensibilisieren und argumentieren zu können.

Christopher Schwarzkopf und Sarah-Isabella Behrens stellen die Programm-Highlights vor, Foto: Ralf Rebmann, Abschlussveranstaltung Fellow-Programm 2018-2019 017, CC BY-SA 4.0

Insgesamt sind in den drei Jahren Programm mehr als 200 Einreichungen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingegangen. Davon wurden insgesamt 50 Fellows ausgewählt und für ihre Projekte rund um Offene Wissenschaft gefördert. Die neuen Fellows der vierten Runde werden in Kürze bekannt gegeben.

Demokratisierung von Wissen und Offene Wissenschaft als Wertegemeinschaft

Have we started the fire? Mit dieser Frage eröffnete der Gründer des Open Science MOOC, Jon Tennant, seine Keynote und diskutierte die Bedeutung und Rolle von Open Science und Open Scholarship innerhalb der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen und des Wissenschaftssystems, welches von ausschließlich profitorientierten Wissenschaftsverlagen korrumpiert wird und weit davon entfernt ist, das Open Science als Standard in der Wissenschaft anerkannt wird. Es ist noch ein weiter Weg bis dies Realität sein kann, besonders da die entsprechenden Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene fehlen. Umso wichtiger ist deshalb der Appell an jeden Einzelnen, sich für Offene Wissenschaft einzusetzen und für eine Demokratisierung von Wissen einzustehen, damit qualitativ hochwertige Bildung für alle möglich ist und soziale Gerechtigkeit verwirklicht wird. Dies erfordert Mut, den Zusammen- und Rückhalt aus der Community sowie sichtbares Engagement anerkannter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die weniger Risiko ausgesetzt sind und nicht um ihre Karriere fürchten müssen, wenn sie sich öffentlich pro Offene Wissenschaft aussprechen.

Jon Tennant im Austausch mit dem Publikum, Foto: Ralf Rebmann, Abschlussveranstaltung Fellow-Programm 2018-2019 061, CC BY-SA 4.0

Weiterhin bedarf es der Stärkung bereits bestehender Initiativen, die Offene Wissenschaft als Wertegemeinschaft nicht nur postulieren, sondern auch leben, indem sie gleichermaßen Anreize bieten, damit sich mehr Menschen der langfristigen Förderung Offener Wissenschaft annehmen und sich daran beteiligen einen weit greifenden kulturellen Wandel hervorzubringen. Und damit zurück zur Ausgangsfrage mit folgender Antwort: Yes. The fire rises.

Es folgten Pitches der Fellows in Slam-Manier zu ihren größten Erfolgen und Missgeschicken im Rahmen ihrer Projektarbeit. In kürzester Zeit präsentierten die Fellows in unterhaltsamen Vorträgen, was sie während des Programms bewegt hat, welche Fauxpas auf ewig im Netz zu finden sein werden und welchen Zugewinn an Wissen sie durch ihre Projektarbeit erlebt haben, die auch nach Abschluss des Programms für viele weitergehen wird. Ziel ist es, die Alumni weiterhin in das Programm zu involvieren, indem sie ihre gewonnene Expertise ausbauen und an die neuen Fellows weiter vermitteln können.

Abschlusszeremonie (v.l.n.r: Zackes Brustik, Claudia Müller-Birn, Simon Hirsbrunner, Sebastian Horndasch, Johanna Havemann), Foto: Ralf Rebmann, Abschlussveranstaltung Fellow-Programm 2018-2019 123, CC BY-SA 4.0

Die Fotos zur Abendveranstaltung sind hier zu finden.

Weiterentwicklung Fellow-Programm Freies Wissen

Nach drei vollendeten Programmjahren durfte neben dem gemeinsamen Rückblick der Blick in die Zukunft des Fellow-Programms nicht fehlen. In unterschiedlichen Konstellationen diskutierten die Fellows, Mentorinnen und Mentoren und das Programmteam am Workshoptag über mögliche Kernthemen, Ideen und Szenarien, die die Entwicklung des Programms weiter voranbringen können. Diese Ideen und das weitreichende Feedback werden in den geplanten Workshop, der am 24. Juni bei Wikimedia stattfinden wird, mit einfließen.

Forschungsdatenmanagement: Was gilt es zu beachten?

Der Workshop von Dr. Janna Neumann von der Technischen Informationsbibliothek in Hannover (TIB) fokussierte das Thema Forschungsdatenmanagement. Die TIB ist wissenschaftliche Partnerin im Fellow-Programm Freies Wissen und beteiligt sich an der Qualifizierung der Fellows im Programm. Zunächst wurde diskutiert, wie die Bezeichnung und damit verbundene Strukturierung von Daten, vor allem je nach Arbeitsgruppe innerhalb einer Fachdisziplin und abhängig von Forschungsprojekt, variieren können. Im Weiteren wurde die Speicherung und (Langzeit-)Archivierung von Daten thematisiert. Hierbei wurde diskutiert, welche Rolle lokale und dezentrale Speicherorte spielen und wer eigentlich (berechtigten) Zugang zu entsprechend gespeicherte Daten hat. Dies ist wichtig, wenn man berücksichtigt, dass oftmals nur die Personen fähig sind, Daten aus bestimmten Speicherorten wieder herauszuholen, die diese abgelegt haben. Ein weiterer wichtiger, aber oft unterschätzter Bestandteil des Forschungsdatenmanagements ist die Erstellung von Managementplänen und die Nutzung verfügbarer Checklisten, um einerseits vollständig zu arbeiten und sich darüber klar zu werden, welches Format Forschungsdaten haben sollen, um Nachnutzbarkeit zu ermöglichen. Zudem werden Forschungsdatenmanagementpläne teilweise von Forschungsförderern verlangt. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde insbesondere der nachhaltigen Metadatenspeicherung via DOIs viel Bedeutung nachgemessen, da sie in verschiedenen Repositorien angegeben werden können. Nichtsdestotrotz bestehen in der Wissenschaft Vorbehalte gegenüber dem Mehrwert des Forschungsdatenmanagements, d.h. es mangelt an Anreizen, um Daten zu publizieren, nachnutzbar zu machen und dauerhaft zu pflegen. Was da helfen kann? Kurzum: Peer Pressure. Ein weiteres, aber eher abgeschwächtes Problem stellt die Angst vor scooping bzw. die Angst vor zuvorkommender Erstmeldung der gewonnenen Erkenntnisse durch andere Personen dar. Diese bedeutet in den meisten Fällen jedoch nicht unbedingt eine Gefahr, weil Daten vorab der Nachnutzung einer Interpretation bedürfen, die eine entsprechende Expertise voraussetzt.

Eine Übersicht zu allen Diskussionsthemen des Workshops ist hier zu finden.

Wie geht es weiter?

Die neuen Fellows des Jahrgangs 2019/20 werden in Kürze bekannt gegeben. Die vierte Fellow-Programmrunde wird mit der Auftaktveranstaltung vom 13. bis 15. September 2019 bei Wikimedia Deutschland in Berlin starten.