Bereits zum zweiten Mal richtete der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 das große jährliche Treffen der Open Science-Szene bei Wikimedia Deutschland aus. Forscherinnen und Forscher von der Soziologie bis zur Krebsforschung, Vertrende des Verlagswesens und interessierte Studierende trafen sich zum Open Science Barcamp #oscibar, um in interaktiven „Sessions” in den Austausch zu treten, zu diskutieren und Erfahrungen aus der Praxis zu teilen.

Eingeläutet wurde das Treffen durch einen „Ignition Talk” von Lambert Heller, Leiter des Open Science Labs der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover. In einem leidenschaftlichen Plädoyer warb Heller für eine Abkehr von den etablierten, elitären Netzwerken der Wissenschaftspublikation hin zu mehr Fokus auf Peer-to-Peer-Netzwerke. Es sei sowohl eine moralische Pflicht der Wissenschaft, Zugang zu wissenschaftlichen Prozessen und Ergebnissen zu maximieren, als auch Teil zukunftsgewandten Denkens, Ergebnisse für wirtschaftliche Innovation nachnutzbar zu machen.

Lisa Dittmer (WMDE), Barcamp Open Science 2018 (1), CC BY-SA 4.0

Dass Offenheit aber nicht alleine eine Frage des Zugangs ist, zeigte sich in der Bandbreite der Themen, die in den nachfolgenden Sessions behandelt wurden. Diskutiert wurde unter anderem über Methoden und „Tools” des offenen Forschens, Lizenzfragen und Softwarelösungen, aber auch über gesellschaftliche Fragen: Wie kann Transparenz in der Wissenschaft verantwortlich gelebt werden? Wie „Citizen Science” (Bürgerwissenschaft) in universitäre Forschung einbinden? Und global gedacht, wie Menschenrechte und offene Wissenschaft zusammen denken? Weit jenseits der Metaebene wurde aber auch in Sessions und auf Fluren lebhaft über Sichtweisen, Argumente und Überzeugungsstrategien im alltäglichen Umgang mit Skeptikerinnen und Skeptikern gesprochen. Denn auch wie offene Wissenschaft Spaß machen und den Alltag erleichtern kann, war ein wiederkehrendes Thema.

Meist ist es nicht der Mangel an Ansätzen, Tools und Strategien, der die Umsetzung von Offenheitsidealen in der Praxis erschwert. Als dezentralisierte Bewegung hat die Open-Gemeinschaft zahlreiche Antworten auf all diese Fragen erarbeitet, häufig scheint es aber gerade die Fülle an Möglichkeiten, die engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überfordert. „Spannend am Barcamp ist für mich, einen Überblick zu Open Science Tools zu bekommen. Es gibt schon so viel, häufig ist es jedoch schwierig einzuschätzen, was für die eigenen Zwecke das richtige ist”, erzählt Alina Kokoschka, Islamwissenschaftlerin und Stipendiatin des Fellow-Programms Freies Wissen.Open Science-Methoden sind in ihrer Arbeit entscheidend: „Für meine Forschung existiert häufig nicht die Literaturbasis, die ich bräuchte, um manche Symbole und Motive aus der Feldforschung richtig interpretieren oder bestimmen zu können. Der offene Austausch ist deswegen für mich wichtig, schon lange vor dem Publikationsprozess.”

Lisa Dittmer (WMDE), Barcamp Open Science 2018 (2), CC BY-SA 4.0

Die vielen positiven Erfahrungen, von denen insbesondere junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an diesem Tag berichteten, stimmen optimistisch, was die zunehmende Akzeptanz der Prinzipien der Offenen Wissenschaft innerhalb akademischer Institutionen betrifft. So erklärt dann auch Teilnehmerin Alina Kokoschka: „Als ich begann, mich mit Open Methoden zu beschäftigen, hatte ich viel mehr Widerstand erwartet. Tatsächlich habe ich aber festgestellt, dass diese Herangehensweise einen Nerv trifft, mindestens bei meiner Generation.“

Alle Sessions wurden live in Etherpads festgehalten.

Viele weitere spannende, persönliche Einblicke ins Barcamp sind auf der Seite des Open Science Radios zu finden unter http://www.openscienceradio.org/