OpenCon in Washington, D.C.: Wikimedians sind als Open Advocates dabei!

Ein Bericht über die OpenCon 2016, eine internationale Konferenz zum Thema Open Access, Open Data und Open Education.

Der Raum gefüllt von Spannung, Neugierde und Freude. Eine Community von über 200 Bibliothekaren, Wissenschaftlern, Community-Organisatoren, Open-Begeisterten, Projektleitenden, darunter mindestens 10 Wikimedians, traf sich in der US-Hauptstadt zur seit 2014 jährlich stattfindenden OpenCon. Diese etwas andere Konferenz will vor allem Vernetzung- und Fortbildungsplattform sein für Berufseinsteigende aller Disziplinen, die an Projekten für Offene Daten, OER, Open Science arbeiten und generell im Sinne des Paradigmas von Freiheit, Gemeingut und Inklusivität etwas bewegen wollen. Die Berufseinsteigenden will die OpenCon dabei unterstützen, zu streitbaren Open Advocates zu werden, die erfolgreich Einfluss zugunsten Openness als Prinzip nehmen können.

Aus insgesamt 60 Ländern kamen die Teilnehmenden, die alle irgendetwas mit freiem Wissen machen und gemeinsam und voneinander lernend die Sache weiter voranbringen wollen. Denn manchmal, das wurde schnell klar aus Erzählungen, fühlt man sich im Kampf irgendwie allein gelassen. Ich – noch relativ neu in dem Spiel und voller Tatendrang, fand es wichtig, den Erfahrungen zu lauschen und schnell wurde klar, dass sich letztendlich niemand hier von Hindernissen stoppen ließ und die vielen Projekte und Initiativen gaben einem als Anfänger Sicherheit und Energie, dass da doch viel geht und wir gemeinsam Schritt für Schritt dem großen Ziel von Open Everything näher kommen können.

Foto: Slobodan Radicev, CC0 1.0 Universal

Die Stimmung war am ersten Tag spürbar angeschlagen, nur zwei Tage nach den US-Präsidentschaftswahlen und ihrem für Openness und Toleranz nicht gerade mutmachenden Ausgang. Doch schnell weckte die Begeisterung für die Projekte der anderen gegenseitig die Energie. Am meisten begeisterten mich die vielen kurzen aber prägnanten Projektpräsentationen, in denen die vielfältigsten Ideen und Wege vorgestellt wurden, wie und in welcher Form man freies Wissen nutzen und fördern kann. Herausheben will ich nur das Projekt Open Development Cambodia, bei dem es darum geht, Daten aus verschiedensten Quellen zu kombinieren und für die Bürger Kambodschas zugänglich zu machen, damit sie die Entwicklungstrends in ihrem Land nachvollziehen und kontrollieren und Misswirtschaft aufdecken können.

Es gab viel Zeit zum Austausch und gefühlt konnte man mit jedem zumindest einmal kurz reden. Denn vor allem bei den vielen Open-Data-Projekten  ist es bekanntlich wichtig, dass man sie so verwirklicht, dass die Daten miteinander verknüpft werden können und jeder daran denkt, dass sie so frei verfügbar sein sollten, dass auch andere Projekte damit neues Wissen schaffen und neue Lösungen finden können.

Interessenvertreter, die mehr Zugang brauchen

Viel wurde natürlich über die Nutzbarkeit und Zugänglichkeit des Freien Wissens geredet und nicht von ungefähr war die Wikimedia Foundation eine der Unterstützerorganisationen der OpenCon 2016. Nicht alle Communities haben gleich guten Zugang zu digitalen Ressourcen und einige Gruppen sind in Gremien und Debatten unterrepräsentiert. Hierzu wurden zum Beispiel Menschen genannt, die kleinere Sprachen sprechen oder die keinen guten Zugang zu digitalen Mitteln haben. Die Diskussionen darüber, wer diese Gruppen sind und wie wir sie besser erreichen könnten, gab uns Anlass unseren geplanten Workshop zu Interessenvertretern von freiem Wissen etwas abzuändern.

Gemeinsam mit dem Teilnehmenden überlegten wir, welche Zielgruppen von Open Projekten noch nicht gut genug erreicht werden und wie wir den Zugang erleichtern und sie dadurch in die Open Community einladen können. Es wurden vor allem Gruppen genannt, die besonders von freiem Wissen profitieren könnten, aber zum Teil noch gar nichts darüber wissen. Hier entstand eine Theorie des Lauffeuers mit Lücken. Freies Wissen verbreitet sich in manchen Kreise ganz von alleine, aber es gibt Gruppen, denen fehlt ganz schlicht der Anschlusspunkt und sie werden folglich nicht erreicht. Um sie einzubeziehen ist mehr Proaktivität gefragt, um auch vor allem die Hürden zu überwinden, die eine funktionierende Kommunikation zu diesen Gruppen blockieren. Das können zum Beispiel Sprachbarrieren sein. Eine unterrepräsentierte Gruppe ist entsprechend die der kleinen Sprach-Communities. Hier könnte Wikidata als Hilfsmittel zur sprachenübergreifenden Darstellung von Wissen viel helfen. Auch andere Projekten, außerhalb des Wikiversums können Wikidata nutzen, um ihr freies Wissen an diese Communities heranzubringen, was mich zum nächsten Punkt führt.

Foto: Slobodan Radicev, CC0 1.0 Universal

Advocacy Training: Hawaii und Amerikas Open Government Data Gesetz

Politiker brauchen immer wieder Fälle und konkrete Beispiele, um ihre Gesetze mit Geschichten und vor allem Nützlichkeit zu untermauern. Daran mangelt es noch, wurde uns bei einem Meeting mit den Mitarbeitenden des Senators Brian Schatz aus Hawaii mitgeteilt. Er ist maßgeblich mit für den Erfolg bei der Öffnung von US-Regierungsdaten verantwortlich und war einer der Politiker, mit deren Büros im Rahmen eines “Advocacy Day” vorab organisierte Treffen möglich waren. Dazu wurden die OpenCon-Teilnehmenden in Gruppen eingeteilt und es wurde erklärt, wie solche Gespräche ablaufen und wie sich Interessenvertretende darauf strukturiert vorbereiten sollten. Uns wurde zum Beispiel mit auf den Weg gegeben, dass wir einen Anknüpfungspunkt zur Arbeit von Senator Schatz finden sollten, um unsere Anliegen möglichst anschaulich vermitteln zu können. Das war nicht schwer. Wikidata könnte, wenn die Community das wollte, manche Daten, die durch das von Senator Schatz propagierte Open-Data-Gesetz freigegeben werden, in Hawaiianisch übersetzen helfen. Gerade auch zur visuellen Nutzung von Informationen ist das sehr gut geeignet. Wir werden uns als Follow-Up zum Termin bei Schatz jetzt proaktiv mit der Hawaiianischen Wikipedia-Community vernetzen und so versuchen, neue Verbindungen zwischen den Wikipedians und ihrem Senator in Washington herzustellen.

Die OpenCon hat mich definitiv zu einer besser vorbereiteten Open Advocate gemacht. Jetzt kann es von mir aus richtig losgehen!

Auch Lust bekommen auf einen internationalen Austausch zu Open Access, Open Data und Open Education? Dann nimm doch bei einem der vielen Community Calls teil oder halte die Augen offen für OpenCon 2017 und lokale OpenCon Satellite Events.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Dienstag, Januar 10th, 2017 um 16:44 Uhr und ist zu finden unter Freies Wissen, Internationales, Politik. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sie können einen Kommentar hinterlassen.
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