Es überrascht nicht, dass es einen Wikipedia-Artikel über den Mond gibt. Es gibt sogar einen eigenen über Mond-Landungen. Eigentlich sind es sogar 32 Artikel, weil das Thema in über 32 Sprachcommunitys der Wikipedia einzeln beschrieben worden ist. Was den einen oder anderen hingegen durchaus überraschen mag, ist, dass es mehr Artikel über angezweifelte Mondlandungen gibt als über stattgefundene. 32 gegenüber 39. Liebes „Wissen der Welt“, was soll man nun damit anfangen?

Die Erde geht über dem Mond auf. Wikipedia kann diesen Blickwinkel bald einnehmen. (Bild: public domain)

Vielleicht, dass man selbst mitmachen muss, um Dinge ganz genau wissen zu können. Als Wikipedia vor 15 Jahren online ging, bezweifelten viele Menschen, dass eine frei bearbeitbare Enzyklopädie zu irgendetwas Gutem führen könne. Anderen war das egal – sie fingen einfach an zu (be-)arbeiten. Das Ergebnis ist bekannt: Noch nie in der Geschichte der Menschheit war so viel gesammeltes Wissen frei zugänglich und verfügbar wie jetzt. Heutzutage ist es für die meisten Leute nur noch schwer vorstellbar, nicht jederzeit und an jedem Ort Wikipedia zu Rat ziehen zu können. Wer demnächst volljährig wird, hat nie eine Welt ohne Wikipedia gesehen.

Ok, aber wie ist das jetzt mit den Mond-Landungen? Da ist das mit dem „selbst Mitmachen“ doch eine ganz andere Nummer als einfach den Bearbeiten-Knopf eines Wikipedia-Artikels zu drücken, richtig?

Falsch! Es ist buchstäblich genauso einfach: Klicke auf diesen Link zum Meta-Wiki, und schon kannst du mitdiskutieren, wie Wikipedia auf den Mond kommt. Das ist kein verspäteter Aprilscherz, sondern ein Geburtstagsgeschenk an all diejenigen, die schon einmal Wikipedia verbessert haben. Zum Jubiläum „15 Jahre Wikipedia“ haben wir die Chance, tatsächlich einen Teil der Wikipedia einer privaten Mondmission mitzugeben. Und das kam so:

Der Weltraum… Fragen über Fragen!

Einer der letzten Teilnehmer im internationalen Wettbewerb Google Lunar XPRIZE ist ein Team aus Berlin, die „Part-Time Scientists“. Die Aufgabe: in privater Mission einen Rover sicher auf der Oberfläche des Mondes zu landen, auf der er 500 Meter fahren und Fotos zur Erde zurückschicken soll. Die Part-Time Scientists sind seit 2007 dabei und befinden sich jetzt in der finalen Phase ihrer Planungen. Nun konnten sie auch intensiver darüber nachdenken, was sie ihrem Rover neben wissenschaftlichen Experimenten eigentlich an Gepäck mitgeben können. Eine Sache kam ihnen sofort in den Sinn: Wikipedia!

Also schrieb das Team eine E-Mail an Wikimedia Deutschland, in der sie uns vorschlugen, einen Datenträger aus Keramik für die freie Enzyklopädie zu reservieren – wenn wir es schafften, Wikipedia auf die verfügbaren 20 GB Platz zu zwängen. Darin liegt nämlich die Herausforderung: Allein die deutschsprachige Wikipedia würde den Datenträger bereits ausfüllen – ohne ein einziges Bild, und ohne die Versionsgeschichten aller knapp zwei Millionen Artikel. Aber Wikipedia gibt es mittlerweile in fast 300 verschiedenen Sprachen weltweit, in bald 40 Millionen Artikeln unterschiedlichsten Inhalts. Was soll man denn da auswählen? Und vor allem, wer kann das eigentlich entscheiden, bei so einem globalen Projekt, das vom Engagement so vieler Ehrenamtlicher lebt?

Diese letzte Frage schien uns bei Wikimedia Deutschland am einfachsten zu beantworten zu sein: Wenn es um die internationale Gemeinschaft von Autorinnen und Autoren geht, sollte diese Gemeinschaft auch entscheiden. Klingt wahrscheinlich logisch, ist trotzdem nicht ganz einfach: Immerhin reden wir potenziell von mehreren Zehntausend Aktiven, weil es sich nicht um eine einzelne Sprachcommunity handelt. Davon abgesehen ist die Herausforderung auch überaus „unwikipedianisch“, denn Fristen und Platzmangel gibt es sonst nicht in einer offenen Online-Enzyklopädie. Man kann schreiben, solange man möchte – in diesem Vorhaben gibt es jedoch eine Frist. Man kann in der Wikipedia auch so viel schreiben, wie man möchte – hier ist der Platz limitiert. Kurz, Wikipedia auf den Mond zu bringen, ist eine ganz neue Herausforderung, die deshalb offen für alle sein muss, von Anfang bis Ende.

Ein paar Edits bis zum Mond

Also, machen wir es nach Wikipedia-Art: Oben steht der Link zur Seite im Meta-Wiki, auf der alle weiteren Details stehen und Raum für Fragen ist. Einfach klicken und bearbeiten! Lasst uns on-wiki diskutieren und entscheiden, wie diese knifflige Aufgabe gelöst werden kann und wie Wikipedia als Ausschnitt des Wissens der Menschheit auf dem Mond liegen soll. Wir haben etwa ein halbes Jahr Zeit, um Meinungen auszutauschen, zu diskutieren, zu entscheiden, wie wir es machen wollen, und letztlich die Inhalte zusammenzustellen.

Seit fast 40 Jahren ist die „Golden Record“ mit der Voyager2-Mission im All. Darauf sind Grüße, ein paar Tonaufnahmen und Bilder. Aber natürlich nicht Wikipedia. (Bild: public domain)

1972 haben Enthusiasten schon einmal versucht, die Menschheit für den Weltraum auf ein Speichermedium zu pressen. Damals schickte die NASA die so genannte Golden Record mit Grüßen, ein paar Fotos, Geräuschen und klassischer Musik in die Tiefen des Alls. Daran, dass man einmal eine von Menschen aus der ganzen Welt geschriebene Enzyklopädie als Symbol in den Weltraum schicken könnte, war damals nicht zu denken. Womöglich hätte man sich weniger Sorgen um den riesigen Speicherplatz gemacht und vielmehr bei dem Gedanken an eine kollaborativ erarbeitete Enzyklopädie abgewunken.

Aber heute gibt es so eine Enzyklopädie, und zwar weil Menschen einfach damit angefangen haben. Deshalb passt auch heute noch das Community-Motto „Sei mutig!“. In diesem Sinne, lasst uns loslegen und Wikipedia auf den Mond bringen. Hier geht es lang!

Das Mond-Team

Cornelius, Elisabeth, Jan, Martin, Micha

 

TL;DR: Wem der Text zu lang ist: Alle Wikipedianerinnen und Wikipedianer sind eingeladen, einer privaten Mond-Mission eine Auswahl von Wikipedia-Inhalten als Gepäck mitzugeben. Es gibt nur Platz für 20GB an Daten. Was da wie aus welchen Gründen drauf sollte, kann die weltweite Community entscheiden. Eine erste Diskussionsphase ist bis zum 3. Juni geöffnet, danach folgt eine Abstimmung. Es wird von Juli bis Oktober möglich sein, an den ausgewählten Inhalten zu arbeiten, damit pünktlich zum “International Volunteers Day” am 5. Dezember ein Paket für den Mond geschnürt werden kann. Man kann in allen Phasen mitmachen, und zwar hier.