#schlossopen – kein Twittermärchen

Teilnehmer des Wettbewerbes Wiki loves Monuments sind in das Schloss Caputh bei Potsdam eingeladen

Ein Schloss öffnet sich. Bild von tOrange unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz via tOrange.com

Wenn man über ein Schloss schreiben möchte, dann möchte man den Artikel gern mit einem schönen Foto schmücken. Dieser Artikel handelt von einem schönen Schloss, von dem es kaum schöne Fotos bei Wikimedia Commons gibt. Und der Artikel handelt davon, wie sich das ändern könnte.

Vor einigen Tagen startete ich einen Versuch. Ich wollte via Twitter auf ein Schloss-Foto-Shooting aufmerksam machen. Und da es sich um ein Schloss handelt, und da Twitter nur jeweils 140 Zeichen erlaubt, fing ich an unter dem Hashtag “#schlossopen” , ein Twittermärchen in Fortsetzungen zu schreiben. Ich weiß bis heute nicht, woran es lag, aber plötzlich erlaubte der Twitteralgorithmus es 48 Stunden lang nicht, dass irgendeiner meiner Tweets unter ihrem jeweiligen Hashtag gefunden werden konnten. Und alle 10 #schlossopen-Tweets waren in den Untiefen des Twittergeplappers verschollen. Ein ungelöstes Mysterium, wie es sich für wahre Märchen gehört. Also besann ich mich auf eine konventionellere Methode.

Ein Schloss öffnet sich – für Sie?

Liebe Blogleser, hätten Sie nicht Lust, ein Schloss zu erobern, indem Sie es aus der Nähe, en detail, von Innen wie von Außen fotografieren und Ihre Fotos für Wikipedia zugänglich machen, indem Sie sie unter einer Freien Lizenz auf Wikimedia Commons hochladen? Und wären Sie nicht zusätzlich motiviert, wenn Sie mit Ihren Aufnahmen an dem weltweit größten Fotowettbewerb “Wiki loves Monuments” teilnehmen könnten? Insbesondere, wenn Sie wüssten, dass diese Aufnahmen die besondere Aufmerksamkeit der Jury erfahren werden, da es ja so wenige (es sind 13- wie im Märchen!) Aufnahmen dieses Schloss gibt? Wenn Sie alle drei Fragen mit Ja beantworten, dann melden Sie sich rasch für die Fotosafari auf dem Schloss Caputh am 4. und 5. September 2015 an. Alles was Sie brauchen sind Zeit und ein gutes Auge für fotografische Details. Auch wenn Sie sich eher durch Ihr kunsthistorisches Interesse, denn durch Ihre ausgefeilte Kameratechnik auszeichnen, Sie sind herzlich willkommen. Denn Sie könnten in Teamarbeit Fotografen auf besondere Details aufmerksam machen. Das Programm wächst – auch mit Ihren Vorschlägen – nach und nach auf der Projektseite der 8. GLAM on Tour Station, die Wikimedia Deutschland diesmal gemeinsam mit der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten in Berlin Brandenburg unter der Leitung des erfahrenen Wikimedianers Ralf Roletschek durchführt.

Ein Schloss öffnet sich – Warum?

Die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten in Berlin Brandenburg (SPSG)  ist Eigentümerin des Schlosses Caputh. Vor 17 Jahren ist das Barockschlösschen umfassend saniert worden und ziert so wieder in altem Glanz die Ufer des Schwielowsees bei Potsdam. Es gehört damit zu den mehr als 20 Schlössern, die alle von der SPSG bewahrt, der Öffentlichkeit zugänglich und bewirtschaftet werden. Zur Bewirtschaftung gehört nach bisherigem Verständnis der Stiftung natürlich auch die Inanspruchnahme der Verwertung der Bildrechte. Wer immer eine Aufnahme eines der Schlösser der Stiftung machen möchte und dies nicht nur für sein privates Fotoalbum, braucht eine gebührenpflichtige Genehmigung der Stiftung. Wer jetzt “Halt, die Panoramafreit gilt in Deutschland” ruft, hat recht, so lange er oder sie sich nicht auf dem Gelände der Stiftung befindet. Das gute Recht des Eigentümers ist es aber zu verfügen, ob und wie Abbildungen des Eigentums, die von seinem Grund und Boden aufgenommen wurden, kommerziell verwertet werden dürfen. Das hat der Bundesgerichtshof in dem so genannten Sanssouci- Urteil ausdrücklich bestätigt.

Um so schöner ist es, wenn die Stiftung sich jetzt entschieden hat, das Engagement vieler tausend Wikipedianer zu würdigen. Meist ehrenamtlich und in ihrer Freizeit helfen sie, das Wissen über die Welt um uns herum zu mehren. Sie schreiben enzyklopädische Artikel, wie den ausführlichen zu dem kleinen Schloss Caputh. Und sie machen Fotos wie dieses von Schlössern. Die Fotos des Medienarchivs Wikimedia Commons sind, um ihre Verbreitung und Nachnutzung zu vereinfachen, grundsätzlich auch kommerziell nachnutzbar. Daher gibt es zur Zeit nur wenige Außenaufnahmen des Schlosses aus der Ferne, denn alle anderen Fotos bedürfen der Genehmigung der Stiftung. Damit es künftig tolle Nahaufnahmen vom Schloss Caputh auch in Wikipedia-Artikeln gibt, öffnet die Stiftung für einen Tag die Pforten. Es ist wie im Märchen: #schlossopen. Danke.

 

Historische Ansicht des Schloss Caputh von Friedrich Nagel um 1795, gemeinfrei via Wikimedia Commons

 

Weiterführende Links:

Website der Stiftung

Projektseite der aktuellen GLAM on Tour Station

weitere Wiki loves Monuments Touren in Ihrer Nähe

 

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Dienstag, August 4th, 2015 um 14:05 Uhr und ist zu finden unter Allgemein, Freiwillige, Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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9 Responses to “#schlossopen – kein Twittermärchen”

  1. AndreasP sagt:

    Nein, es ist eben nicht der Stiftung „gutes Recht“, sich als Schlossherren in Junkermanier aufzuspielen. Die Schlösser gehören uns allen, und das Recht, auf das sich die sauberen Herren Geschäftemacher berufen, ist ein ganz klar „schlechtes Recht“, gegen das Wikimedia klar Position beziehen sollte. Auf solche Almosen sind wir Wikipedianer doch nicht angewiesen. Jetzt spielen also eine Handvoll Fotografen die PR-Deppen für ein Schloss, dass sonst kaum jemanden interessiert. Und da, wo es im „Eigentum“ dieser Stiftung wirklich weltkulturerberelevant interessant wird, verklagt uns dann wieder diese Stiftung? Ich finde das ziemlich rückgratlos. Schade, denn bei Wikimedia wird zur Zeit doch die Fahne der freien Inhalte gegen anmaßende staatliche Institutionen zur Zeit durchaus lobenswert hochgehalten!

  2. Dr. Klaus Graf sagt:

    Ich schließe mich dem Vorredner ausdrücklich an: http://archiv.twoday.net/stories/1022464778/

  3. Aalfons sagt:

    „Die Schlösser gehören uns allen“ – bei solcher Unbotmäßigkeit zuckt der preußische Kulturbesitzer zusammen…

  4. Daniel sagt:

    Ich kann AndreasP nur Recht geben und wünsche keine solche „Zusammenarbeit“ mit der SPSG.

  5. tOrange sagt:

    BILD – http://www.torange-de.com

  6. Ralf sagt:

    Man kann sich freilich wunderbar aufregen aber es ist nun mal geltendes Recht in Deutschland. Ob man das nun gut oder doof findet… Ich halte das für einen Justizirrtum, es ist aber ein BGH-Urteil. Wir boykottieren ja auch nicht Frankreich, weil es dort keine Panoramafreiheit gibt sondern behelfen uns, so gut es eben rechtlich möglich ist.

  7. AndreasP sagt:

    Ja, Ralf, wir nennen es aber doch bitte nicht noch „ihr gutes Recht“, und bejubeln dann die Entscheidung, dass sich ausgerechnet diese Stiftung (immerhin der Erzfeind freier Inhalte, die von Steuergeldern ihr angemaßtes Recht wiederholt bis zum BGH durchfocht) dann herablässt, uns armen Untertanen mal ein Schloss zu öffnen.

  8. Leser sagt:

    Ich stimme AndreasP zu, hier wird freiem Wissen ein Bärendienst erwiesen.

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