Warum Kaffeetrinken eine sinnvolle Arbeit sein kan

Eindrücke von der GLAM Konferenz in Den Haag vom 10. bis 12. April 2015

In a nutshell at the end.

Letztes Wochenende war ich für Wikimedia auf Reisen. Am Freitag und Samstag war ich eingeladen, im Rahmen der GLAM Wiki Con  an zwei Sessions teilzunehmen. Im internationalen Kontext fasst man die Zusammenarbeit im Netz mit Kultur- und Gedächtniseinrichtungen unter dem Akronym GLAM, für Galleries, Libraries, Archives & Museums, zusammen. Die GLAM Wiki Con war demnach eine internationale Konferenz in Den Haag zur Zusammenarbeit der Wikimedia-Bewegung mit Kultur- und Gedächtnisinstitutionen, ausgerichtet von Wikimedia Nederlands.

Aus der ganzen Welt kamen Menschen zusammen, die sich über ihre Erfahrungen in der GLAM-Arbeit austauschen wollten. Venus Lui aus Hong Kong, Liang Shang Kuan aus Taiwan, Whiteghost.ink aus Australia oder Jaime Amstee aus San Francisco hatten vermutlich den weitesten Anreiseweg. Aber auch aus Afrika, Indien und natürlich aus Europa waren sie gekommen, um sich in Workshops und Podiumsdiskussionen gegenseitig zu informieren und um zu lernen. Das Programm der drei Tage war entsprechend dicht und reichhaltig.

Alle sind sie da! Foto von Ziko van Dijk (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

 

Was nehme ich mit nach Hause?

In der ersten Session “Pitching” unter der Leitung von Jaime Anstee (WMF) und Beat Estermann (WM Schweiz) ging es um Tipps, wie Wikimedianer GLAM-Institutionen als Kooperationspartner auswählen sollten. Sehr anschaulich schilderten Whiteghost.ink (Wikipedianerin) und Mylee Joseph Mylee (Mitarbeiterin der State Library of New Southwales) ihre Erfahrungen in dreijähriger Zusammenarbeit miteinander. Gemeinsam erschließen die Bibliothek und die Freiwilligen der australischen Community das Zeitungsarchiv und unterrichten sich gegenseitig. Die einen zeigen, wie man Wikipedia-Artikel schreibt. Hier zeigte sich, dass Artikel zu Zeitungen besonders dankbar für Wikipedia-Neulinge sind, da man sich an einer einfachen Struktur orientieren kann. Die anderen, die Mitarbeitenden der Bibliothek, vermitteln inhaltliches Wissen zu den Zeitungen. Gleichzeitig werden über die Artikel die Zeitungsarchivinhalte auf Wikimedia Commons besser erschlossen.

Für die Erfahrungen aus Deutschland stellte ich als Kuratorin für Kulturpartnerschaften die Programmformate “GLAM on tour”, “Coding da Vinci” und “Zugang gestalten” vor. Die drei Formate verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte. Orte der Begegnung schaffen: Bei GLAM on Tour steht die unmittelbare Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Kulturinstituionen und den Freiwilligen der Wikimedia-Bewegung im Zentrum. Der Ansatz ist attraktiv und fruchtbar. Für die Zusammenarbeit werben: Als Partnerveranstalter von “Zugang gestalten” kann Wikimedia Deutschland eine große Zahl von GLAM-Institutionen in Deutschland über die Konferenz erreichen und für die Idee des Freien Wissens und die Zusammenarbeit mit der Wikimedia-Bewegung werben, indem wir über gelungene Kooperationen berichten. Inhalte befreien: Über den Programmier-Wettbewerb Coding da Vinci motivieren wir gemeinsam mit unseren drei Partnern GLAM-Institutionen dafür, digitalisierte Sammlungsbestände unter einer Freien Lizenz für die Nachnutzung durch Entwickler bereit zu stellen. Die Entwicklerinnen und Coder programmieren im Rahmen des Wettbewerbs neue Anwendungen. Sie mischen die Kulturdaten untereinander, reichern sie mit weiteren Daten an und präsentieren sie in überraschenden Kontexten neu. So erleben die GLAM-Institutionen das Potenzial von Freien Lizenzen für “ihre” Inhalte ganz unmittelbar. In diesem Jahr beteiligen sich 28 Kultureinrichtungen mit über 40 Datensets am Wettbewerb; das sind doppelt so viele, wie im letzten Jahr. Um die Nachnutzung für Wikimedia-Projekte zu erleichtern, haben eine erste Auswahl der Datensätze auf Wikimedia Commons hochgeladen.

1,2,3 – Punkte Liste

Unabhängig von den konkreten Projekten wurde deutlich, dass der Schlüssel zum Erfolg an drei Punkten festgemacht werden kann:

  1. GLAM-Arbeit ist Beziehungsarbeit
  2. GLAM-Arbeit braucht Geduld
  3. GLAM-Arbeit funktioniert umso besser, je klarer für beide Seiten der gegenseitige Nutzen formuliert ist.

Auch die zweite Session am Samstag “GLAM and Wiki relationship therapy” wies in diese Richtung. Mit von der Partie waren vonseiten der Kulturinstitutionen Lizzy Jongma für das Rijksmuseum Amsterdam, Ewa Majdecka und Aleksandra Janus von der neuen polnischen Plattform Open Monument Project, auf der Seite der Wikimedianer Venus Lui (Hong Kong) sowie Liang-chih Shang Kuan (Taiwan), die jeweils über ihre z. T. wenig ermutigenden Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den GLAMs vor Ort berichteten, und schließlich ein große Anzahl von GLAM-Aktivisten der Wikimedia-Bewegung im Publikum. Vor allem Lizzy Jongma konnte schon auf eine längere Zeit der Zusammenarbeit zurückschauen. Sie, aber auch Majdecka und Janus, klagten über die Barrieren, die sich durch aus ihrer Sicht intransparente Vorgänge in der Wikimedia-Community ergäben, und die den GLAM-Einrichtungen das Integrieren von Wissen und Inhalten schwer machten. “Es ist frustrierend”, sagte Jongma, wenn ein Mitarbeiter des Hauses mit viel Mühe zu einem Objekt in der Wikipedia einen Artikel mit Belegen verfasst hat, und dieser von einem Wikipedianer mit der knappen Bemerkung gelöscht werde, die Belege seien Eigenbelege und zählten daher nicht. Fakt ist aber, dass eben nur dieser Wissenschaftler zu genau diesem Objekt forscht und daher Publikationen eben auch aus seiner Feder stammen.” Eine Erfahrung, die alle bestätigen konnten.

Daher sollte die obigen Punkte um einen weiteren wichtigen Punkt ergänzt werden:

  1. Wikimedia-Chapter und deren Mitarbeitende sind in der GLAM-Arbeit immer nur Vermittler. In der Wikimedia-Bewegung agieren Individuen. Das macht die Bewegung stark, kann aber auch frustrierend wirken. GLAM-Institutionen müssen lernen, sich selbst als einen Teil der Bewegung zu sehen und entsprechend zu agieren. Wir sollten sie dabei aktiv unterstützen.

Nach einer teilweise auch emotionalen Diskussion kam schließlich der vielleicht konzilianteste Vorschlag zur Verbesserung der Zusammenarbeit: “Öfter einfach mal gemeinsam einen Kaffee trinken.”

Öfter mal einen Kaffee zusammen trinken. Image name: cup of coffee. Photographer: Jon Sullivan. Public domain image

In a nut shell

What to consider when working with GLAMs as Wikimedians.

  1. GLAM-work is relation building.
  2. GLAM-work needs patience.
  3. GLAM work roles better if the benefit for both sides is well defined and shared.
  4. Wikimedia Chapters and their staff are intermedians. The Wikimedia-movement consists in individuals. It is its strength but may cause frustration. GLAMs should try to become active part of the movement. We should try to encourage them the best we can.
  5. Share more often a cup of coffee together.

Veranstaltungsfotos

Dokumention Session 1

Dokumentation Session 2

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Donnerstag, April 16th, 2015 um 18:21 Uhr und ist zu finden unter Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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