The Code to Access – Der Schlüssel zum Schatz

Wie wir versuchen, Freie Inhalte für das Wikiversum zu gewinnen.

Internationale Projekte und Gäste auf GLAM Konferenz Zugang gestalten

Die GLAM Konferenz Zugang gestalten beginnt am 13. November im Hamburger Bahnhof zu Berlin.  Bild von David Jacob CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

In der kommenden Woche findet in Berlin Deutschlands größte Konferenz zum Thema “Kultur- und Gedächtnisinstitutionen im Netz” statt: “Zugang gestalten. Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe.” Die Zusammenarbeit von Kulturinstitutionen mit Akteuren im Netz wird international mit dem Akronym GLAM beschrieben. GLAM steht für Galleries, Libraries, Archives and Museums. Wikimedia Deutschland ist eine der mitveranstaltenden zwölf Partnerinnen der GLAM-Konferenz. Bereits jetzt haben sich über 350 Gäste für die Konferenz angemeldet. Im vergangenen Jahr hatten wir an beiden Tagen ca. 250 Teilnehmer. Für Wikimedia Deutschland ist diese Konferenz eine wichtige Gelegenheit, um sich im Kreis der Kultur- und Gedächtnisinstitutionen als interessanter Kooperationspartner zu präsentieren. Wir bestreiten den Programmblock “Kulturerbe 3.0 – Digitale Weiternutzung”. Dazu gehören drei Keynotes aus den Bereichen Wirtschaft (Google, William Patry), Staat (National Library Norway, Roger Jøsevold) und Zivilgesellschaft (Europeana/Wikimedia, Liam Wyatt) sowie die Podiumsdiskussion mit 5 prominenten Vertretern aus der Kultur und den oben genannten Bereichen. Es wird dargestellt, was bislang erreicht wurde und diskutiert, wie die Bedingungen für die digitale Weiternutzung verbessert werden können. Auf dem Podium sitzen für die Wissenschaft der Leiter der Digital Humanities des MIT, Prof. Kurt Fendt, für die Wirtschaft der Projektleiter von EUROPEANA Creatives, Max Kaiser, für das größte gemeinnützige digitale Weiternutzungsprojekt weltweit die Trägerin der Wikipedia, das Board-Mitglied der Wikimedia Foundation Alice Wiegand, und last but not least Dr. Michael Hollman, Bundesarchiv, und Prof. Johannes Vogel, Museum für Naturkunde, für die GLAM-Institutionen. Jan Engelmann, Vorstand WMDE, moderiert die Diskussion. Die große Werkschau im Museum für Naturkunde zeigt schließlich mit neun spannenden internationalen Projekten die unterschiedlichsten Aspekte der digitalen Weiternutzung von Kulturdaten und Anwendungen im GLAM-Bereich auf.

Coder schließen Türen auf

Coder schließen Türen auf und haben Spaß dabei. Bild von Open Knowledge Foundation Deutschland CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons


Zentrales Projekt der Werkschau ist der Programmierwettbewerb Coding da Vinci, den wir gemeinsam mit unseren Partnern dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt haben. Wir wollten GLAM-Institutionen motivieren, ihre digitalisierten Sammlungen Codern und Entwicklerinnen unter einer Freien Lizenz zur Verfügung zu stellen, damit sie die Kulturdaten miteinander verknüpfen, durch Daten aus der Wikipedia oder mit Geo-Daten anreichern und daraus neue Anwendungen, wie kleine Apps, Websites und selbst Maschinen entwickeln. Die erstaunlichen Ergebnisse stellen wir auf der Konferenz vor. Es war die Neugierde der GLAM-Institutionen zu sehen, was andere mit “ihren” Daten neu gestalten, die sie dazu brachte, Daten unter einer Freien Lizenz zur Verfügung zu stellen. Aus 325.000 Mediendateien von 16 verschiedenen Kulturinstitutionen lässt sich einiges machen. Fotos, Gemälde, Objektscans wie die von Instrumenten, Geräten, Insekten und Pflanzen, des Weiteren Bücher, Karten, Datenbanken – alle denkbaren Sorten von Mediendateien warten jetzt auf ihre Nachnutzung zum Beispiel durch die Wikipedia-Projekte.

Kulturerbe im neuen Glanz

Von den 17 der Jury präsentierten Anwendungen hatten die Hälfte bereits Marktreife bei der Preisverleihung im Juli. Der zzZwitscherwecker ist sehr populär, da er Vogelstimmen und Vogelbilder mit einem spielerischen Ansatz zu einer alltagstauglichen App vereint. Verbrannte und verbannte.de hingegen entreißt von den Nazis verfemte Autoren dem Vergessen, indem die dumpfe Naziliste zum Ausgangspunkt für eine attraktive Wissenslandschaft wird. Persönlich gefällt mir die App Alt-Berlin sehr gut. Museumswissen wird entstaubt. Es wird in meine Realität geholt, indem ich es beim Spaziergang durch die Stadt unmittelbar und an meinen momentanen Standort verknüpft abrufen und die historischen Bezüge zur Gegenwart selbst herstellen kann. Im Zuge des Programmierwettbewerbs hat das Museum für Naturkunde sich entschieden, alle Insektenscans (15 Mio Tiere) unter der  Lizenz CC BY zur Freien Nachnutzung verfügbar zu machen. Das Berliner Stadtmuseum hat weiteres Material für die App Alt-Berlin “befreit”. Etliche GLAM-Institutionen, haben schon jetzt zugesagt, sich 2015 mit neuen Datensätzen unter Freier Lizenz an Coding da Vinci zu beteiligen. Diesen Erfolg gilt es auszubauen.

Klappern gehört zum Geschäft

Daher möchten wir die Gelegenheit nutzen, auf der Konferenz “Zugang gestalten” möglichst viele Kultureinrichtungen für Coding da Vinci zu gewinnen. Auch sie sollen ihre Sammlungen frei nachnutzbar machen. Die frei lizenzierten Mediendateien können in Wikipedia-Artikel und in Wikidata eingebunden werden. Wir können die freien digitalisierten historischen Buchbestände für Wikisource nachnutzen. Um nur ein paar Anwendungen innerhalb des Wikiversums aufzuzählen. Aber bis jetzt sind die Inhalte lediglich abrufbar. Wir werden uns daher im kommenden Jahr noch drängender darum kümmern müssen, Freie Inhalte auch unmittelbar in die Wikimedia-Projekte zu integrieren. Dazu müssen wir eine technische Infrastruktur aufbauen und lernen, Entwickler noch stärker als eine eigene Community zu fördern. Entwicklerinnen und Coder sollen Kulturdaten als einen spannenden Rohstoff für ihre kreativen neue Produkte nutzen können, damit mehr Menschen an unserem gemeinsamen Kulturerbe teilhaben können. Getreu der Idee: Da Vinci – Künftig eben nicht nur im Museum, sondern auch auf deinem Smartphone oder Tablet.

Für uns ist Coding da Vinci der Zugang zu Freien Inhalten und die Konferenz “Zugang gestalten” die zentrale Plattform, um das zu kommunizieren: The Code to Access.

Eines der vielen Musikvideos des Ethnologischen Museums Berlin, die aufgrund von Coding da Vinci für die Nachnutzung zur Verfügung stehen. Video von Andreas Richter CC-BY-3.0, via Wikimedia Commons

 

 

 

 

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Mittwoch, November 5th, 2014 um 16:43 Uhr und ist zu finden unter Allgemein, Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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