#picnic on the carpet

Bericht über eine etwas andere GLAM Konferenz

 

Immer noch prägend. Der Kulturpalast in Warschau. Eine Monument aus einer Zeit in der „bits“ nur „pieces“ waren. Bild von Abu el mot CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Nach zwei langen Tagen in verschiedenen Sprachen, vielen Vorträgen und noch mehr Gesprächen sitze ich auf dem Flughafen in Warschau und überlege, was ist von dem Erlebten interessant für den Leser dieser Zeilen? Natürlich fährt man auf solche Konferenzen um neue Kontakte zu knüpfen, bestehende Kontakte zu vertiefen, um neue Projekte kennenzulernen, die einen in der eigenen Arbeit inspirieren können, und natürlich auch, um mit anderen über die eigene Arbeit zu sprechen. All das habe ich getan, und ich möchte alle Leser einladen, mittels der Linkliste am Ende des Beitrages ein paar der Projekte zu erforschen, die mir besonders gefallen haben. Auf der Konferenz „We are museums“ (WAM), die nun zum zweiten Mal stattfand, ging es mal wieder um das Verhältnis von Museum und Digitalem, das gern mit dem Akronym GLAM umschrieben wird. Dabei steht das englische GLAM für Ausstellungen, Bibliotheken, Archive und Museen. Nächstes Jahr kommt WAM nach Berlin. Daher ist es vielleicht geboten, sich intensiver mit dem Format dieser Konferenz im Verhältnis zur der GLAM-Konferenz „Zugang gestalten“, die Wikimedia Deutschland mit Partnern im November ausrichtet, zu befassen.

 Was war anders?

Es fängt mit dem Publikum an. Im Schnitt deutlich jünger und es ließ sich mit einer lässigen Selbstverständlichkeit auf die zu Hockern umfunktionierten Getränkekästen, auf walking lunch und andere ungewohnte Formate ein. Alle sprachen Englisch, auch wenn manchmal etwas holperig, aber es fühlte sich gut an international zu sein. Es gab Referenten aus Australien, über USA, Frankreich, England, Schweden bis nach Polen. Auch das Publikum war zumindest europäisch, wenn auch mit einem klaren Plus an Einheimischen. Bei „Zugang gestalten“ setzen wir bislang eher auf konventionelle Formate. Der Fokus in Warschau lag hingegen auf dem selber Ausprobieren.

Zum Beispiel der Workshop „Creative Process in a Museum“, der sich über beide Tage zog und dessen Ergebnisse zum Abschluss der Konferenz präsentiert wurden. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Konferenzteilnehmer auf verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt und bekamen die Aufgabe, ein Projekt 2.0 für ein Warschauer Museum zu kreieren. Ich kam in die Gruppe „Museum of Modern Art“. Für unseren „Auftraggeber“ entwickelten wir in kurzweiligen Sessions eine Aktion, mit dem Ziel neue Besuchergruppen jenseits der Hipsters zu erschließen und diese mittels Social Media an das Museum zu binden.

Was kam raus?

Ausgehend von der zentralen und begehbaren Kunstinstallation „prayway“,  auch unter „Flying carpet“ bekannt, des Künstlerduos Slavs and Tartars überlegte unsere zufällige Gruppe mit „Kreativauftrag“, wie wir die Aufgabe lösen könnten. Am ersten Tag besuchten wir während des walking lunch das Museum. Dort erfuhren wir im Gespräch mit einer Museumsmitarbeiterin etwas über das Haus, das Kunstwerk, den vorherrschenden Besuchertypus und über die Wünsche des Museums. Am zweiten Tag erarbeiteten wir mit viel Spaß ein Projekt. Unser Vorschlag:  #picknickontheprayway. Damen aus den umliegenden Bürotürmen laden ihre Freundinnen zum Picknick auf dem fliegenden Teppich des Künstlerduos ein. Sie können ihr eigenes Picknick mitbringen oder eines fertig im Museumscafé erwerben. Mit ihren eigenen gadgets dokumentieren sie ihr Picknick auf dem Prayway. Sie integrieren das Kunstwerk zum Dialog der Kulturen in ihren eigenen Alltag und verbreiten mit ihrem Foto der Aktion, nicht nur diese, sondern auch die Idee des offenen Museums gleich mit. Ob die Idee wirklich taugt und vom Museum umgesetzt wird, weiß ich nicht. Aber uns hat die Erfahrung gefallen, wie leicht man als Außenstehende Ideen zur Lösung einer konkreten Aufgabe finden kann, mit der man sich als Mitarbeiter vielleicht viel schwerer tut. Wir malten uns aus, wie man auch ohne große Budgets das Museum für Social Media Projekte öffnen kann.

Warum ist das wichtig?

Auch in Warschau wurde wieder einmal deutlich, wie weit die GLAMs auch im Jahr 25 der Erfindung des Webs noch von einem offenen Zugang über digitale Medien entfernt sind. In meiner Gruppe waren Mitarbeiter des Botanischen Gartens in Leiden, eine Kuratorin des WRO art center, eine Museologin aus dem Baltikum und zwei junge Museumsmitarbeiterinnen aus Warschau. Und alle hatten wir unsere eigenen Erfahrungen mit dem geschlossenen System Museum gemacht. Ich glaube, aus Warschau sind wir alle mit dem Gefühl nach hause gegangen: Digital ist machbar! Das ist mehr als die meisten Konferenzbesucher nach dem 100. Vortrag über das coole wie auch immer digitale Projekt denken. Und das ist wiederum gut für die mögliche Zusammenarbeit mit Wikimedia-Projekten.

 

Ausschnitt der Projektpräsentation von #picknickontheprayway auf der GLAM Konferenz "We are museums" in Warschau. (Eigenes Bild unter cc by sa)


Ausschnitt der Projektpräsentation von #picknickontheprayway auf der GLAM Konferenz "We are museums" in Warschau. (Eigenes Bild unter cc by sa)

Ausschnitt der Projektpräsentation von #picknickontheprayway auf der GLAM Konferenz „We are museums“ in Warschau. (Eigenes Bild unter cc by sa)

Linkliste:

Tate Gallery, UK

Versailles, F

Cooper Hewitt Museum, USA

Viktoria Albert Museum, UK

Nordiska Museum, S

Culture Themes, webbased

Museum Selfie, do your own

Dokumentation der Konferenz

 

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Freitag, Juni 6th, 2014 um 23:33 Uhr und ist zu finden unter Kultur. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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