Ein von einer Kamera fehlerhaft abgespeichertes Bild, es bleiben JPEG-Artefakte

Seit Anfang März 2014 bewirbt die Firma Getty Images eine Funktion zur Einbindung von bestimmten Bildern aus dem Getty-Bildrepertoire in eigene Webseiten und Blogs. Die Nutzung dieser Einbindungsfunktion von Getty-Bildern ist kostenlos für nichtkommerzielle Zwecke. Wikimedia Deutschland e.V. wurden von verschiedenen Seiten um eine Stellungnahme oder Einschätzung dieses Dienstes gebeten.

Eingeschränkte Nutzungsrechte

Getty Images erlaubt in seinen Nutzungsbedingungen im Abschnitt „Embedded Viewer“ das Einbinden ausgewählter Bilder aus dem Getty-Gesamtbestand. Getty behält es sich jedoch vor, Bilder aus dieser Auswahl wieder herauszunehmen. Das Einbinden darf nur zu einem „redaktionellem Zweck“ erfolgen, nicht jedoch für kommerzielle, diffamierende, pornografische oder sonstige ungesetzliche Zwecke. Umgekehrt lässt sich Getty Images für sich und für beauftragte Dritte das Recht zur Erhebung von Nutzungsdaten einräumen sowie das Recht, Werbung am Einbindungsort zu schalten oder diese Technik auf andere Weise zu monetarisieren. Ein Anspruch auf Umsatzbeteiligung ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Hier werden bereits die Unterschiede gegenüber der Einbindung von Inhalten unter Freier Lizenz deutlich: Diese erlaubt das Speichern, Vervielfältigen, Veröffentlichen und Bearbeiten von Inhalten, auch zu kommerziellen Zwecken, ohne dazu eine Gegenleistung wie Nutzerdaten oder Werbeeinblendungen einzufordern.

Verborgene Risiken

Bei der Einbindung von Getty-Bildern sind Chancen und Risiken sehr ungleich auf beide Vertragspartner verteilt. Für die Möglichkeit, niedrig aufgelöste Versionen von handwerklich in der Regel sehr guten Bildern auf der eigenen Seite eingebettet darstellen zu können, verliert ein Seitenbetreiber ein großes Maß an Kontrolle über das, was auf seiner eigenen Seite abläuft, und wofür er im Zweifel auch juristisch geradestehen muss. Bedenklich ist der durch die technische Umsetzung erzeugte große Abfluss an Nutzungsdaten an eine Vielzahl an Firmen. Alleine hier sollten Seitenbetreiber ausführlich auf die Einhaltung anwendbaren Datenschutzrechts achten und auf mögliche Verpflichtungen, Besucher der eigenen Seite über diese Datenerhebung zu informieren oder ihnen gar die Option zum Widerspruch gegen diese Art der Datenerhebung und -verarbeitung einzuräumen.

Die Prüfung, ob ein Seitenbetreiber vom Verbot der Nutzung zu kommerziellen Zwecken betroffen ist, obliegt dem Seitenbetreiber selbst. Unterschiedliche Auffassungen zwischen Seitenbetreiber und Getty darüber, wo diese kommerzielle Nutzung anfängt, könnten indes Quelle künftiger Auseinandersetzungen werden. Dem gegenüber gibt es diese Unsicherheit nicht bei Lizenzen, die von vornherein auch die kommerzielle Nutzung erlauben und zudem nicht noch über moralisch auszulegende Verbote (diffamierend, pornografisch) Unsicherheit schaffen.

Geschichte wiederholt sich

Ebenfalls gravierend ist die mangelnde Nachhaltigkeit des Angebots, das ohne Fristen eingestellt oder verändert werden kann. Gerade bei Getty gibt es hier den Präzedenzfall einer fast baugleichen Anwendung namens „Picapp“, die ab 2008 die Einbindung unter anderem von Getty-Bildern für nichtkommerzielle Zwecke erlaubte. Dieses Angebot wurde nach der Übernahme der Picapp-Mutter “Picscout” eingestellt; alle Webseiten, die Bilder auf diese Weise eingebunden haben, sind mit dem Szenario konfrontiert, dass damals schön anmutende Seiten inzwischen von ungültiger Auszeichnungssprache verunstaltet werden (wie beispielsweise diese Seiten, die Picapp verwendeten und nun quasi trocken gelegt wurden). Es gibt bislang keine Hinweise von Getty, dass man bei dem aktuellen Angebot anders verfahren möchte als beim Picapp-Angebot.

Demgegenüber erlauben Inhalte unter Freier Lizenz das Speichern auf eigener Infrastruktur. Wird der ursprünglich bereitstellende Dienst eingestellt, reißt dies keine Löcher in die Webseiten dritter.

Die Tücke der Technik

Getty-Bilder werden dauerhaft über einen Dienst auf  embed.gettyimages.com eingebunden, neben dem Bild selbst werden je eine javascript-Datei, eine CSS-Datei und Buttons zum Teilen der Bilder über Tumblr und Twitter ausgeliefert. Die Bilddateien selbst kommen in fester Größer über einen Amazon-Dienst namens CloudFront. Technische Konsequenz: Es ist damit neben Getty auch Amazon, Yahoo, Twitter und Goolge grundsätzlich möglich, jeden Besuch eines Nutzers auf einer Seite nachzuvollziehen, die ihrerseits ein Getty-Bild eingebunden hat und möglicherweise auch mit anderen Nutzerinformationen, die bereits vorliegen, zu verknüpfen.

Kontrast zu Open Content

Das Getty-Angebot steht damit in starkem Kontrast zu den unter Freier Lizenz veröffentlichten Bildern von Wikimedia Commons, dem inzwischen beeindruckend großen freien Medienarchiv. Unter einer freien CC-Lizenz bereitgestellte Bilder dürfen lokal gespeichert werden, es findet kein Datenabfluss an Dritte statt, insbesondere bezüglich der Nutzungsdaten von Seitenbesuchern. Bei Verwendung unter Einhaltung der jeweiligen Lizenzbedingungen ist bei Wikimedia Commons eine zeitlich unbeschränkte Nutzung – auch zu kommerziellen Zwecken – erlaubt. Das Risiko nachträglicher, unerwünschter Effekte auf eigenen Webseiten, etwa unzugänglicher Getty-Bilder, entfällt damit. Ebenso wird das Risiko ausgeschlossen, dass Seitenbesucher mit Werbung konfrontiert werden, über die der Seitenbetreiber keine Auswahlmöglichkeit hat und an deren Schaltung er darüber hinaus nicht finanziell beteiligt ist.

Zusammenfassung

Beim Embedding-Werkzeug von Getty handelt es sich um ein Geschäftsmodell, das die verhältnismäßig einfache Nutzung von Bildern für bestimmte Seitenbetreiber verspricht. Gettys Angebot ist dabei “free” im Sinne der Kostenfreiheit, es sind jedoch keine Nutzungsfreiheiten damit verbunden, wie sie für Freie Inhalte gelten.

Wikimedia Deutschland e.V. rät zur Freigabe und Verwendung frei lizenzierter Inhalte. Projekte wie Wikimedia Commons können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Werkschaffende mit Nutzerinnen und Nutzern zusammenzuführen und den Zugang zu qualitativ hochwertigen Medieninhalten erheblich zu vereinfachen. Seit nunmehr 10 Jahren steht Wikimedia Commons für die Verfügbarmachung von Archivbeständen und leistet  einen wichtigen Beitrag für die Verbreitung von Bildungs- und Kulturinhalten. Projekte, die auf Freien Lizenzen basieren, sind auf Nachhaltigkeit ausgelegt und stehen nicht im Widerspruch zu kommerziell arbeitenden Unternehmungen. Es stünde Getty ausdrücklich frei, im Rahmen der freien Creative-Commons-Lizenzen auch die darunter lizenzierten Bilder zu verbreiten und sie gleichzeitig kommerziell zu verwerten.

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Literaturhinweise