GLAM in Hongkong

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. In diesem Beitrag geht es um GLAM bzw. Kultureinrichtungen vor Ort. Hongkong ist die schnellste …

  • 9. August 2013

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. In diesem Beitrag geht es um GLAM bzw. Kultureinrichtungen vor Ort.

Hongkong ist die schnellste Stadt der Welt, so sagt man. Hongkong hat eine hohe Luftfeuchtigkeit und Hongkong hat trotz seiner kleinen Fläche eine recht bewegte Geschichte. Vier Faktoren, die selten förderlich für die Entwicklung einer lebendigen GLAM Landschaft sind. GLAM steht auch in Hongkong für Galleries, Liberaries, Archives und Museums. Aber ich war selten in Museen, die von einem derart lebhaften Publikum besucht wurden.

 

Besucher aller Altersstufen interessieren sich für die Mitmach-Experimente im Museum der Wissenschaften in Hongkong.

 

Aber spannender fand ich als GLAM-Kuratorin die GLAM Session auf der diesjährigen Wikisym in Hongkong. Tatsächlich waren sowohl private als auch staatliche GLAM Institutionen da. Allgemein zeigte man sich interessiert, hielt sich jedoch mit konkreten Zusagen eher zurück. Ein wichtiger Aspekt sind natürlich auch hier Freie Lizenzen. Entscheidender waren die Fragen nach dem Aufbau von sinnvollen Metadatenstandards. Hier scheint man in der glücklichen Situation zu sein, dass man nicht verschiedene existierende Systeme harmonisieren muss, sondern die Chance hat, gleich von Anfang an einen gemeinsamen Standard zu entwickeln. Eine Herausforderung wird es sein, Wikipedianer aus Hongkong mit den GLAM Institutionen zusammenzubringen.

Auf der Wikisym traf ich Magdalene Lee. Sie arbeitet für die Terese Coleman Fine Arts Ltd. Diese kommerzielle Galerie hat angefangen, ihre wertvollen textilen Sammlungsstücke überwiegend aus der Qing Dynastie (1616 – 1911) zu dokumentieren. Interessanter Weise kommen die meisten Stücke nicht aus dem chinesischen Mutterland, wie man in Hongkong sagt, sondern aus USA und Europa. Herrlich farbig bestickte Mäntel von konfuzianischen Beamten des kaiserlichen Hofes, Satteldecken aus Tibet oder kaiserlich gelbe Thronpolster gelangten quasi als Souvenirs aus dem alten China in den Westen.

„Drachengewand“ eines kaiserlichen Beamten, blaues Atlasgewebe, bestickt mit Atlasstich, Knötchenstich und Anlegetechnik in Seide, „Pferdehuf-Manschetten“ und Verschluss mit Brokatborte; China, Qing-Zeit; spätes 19. Jh.; Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main, Inv. Nr. 14629 (Schenkung Hermann Reich). Ein sehr ähnliches Drachengewand befindet sich auch in der Coleman Sammlung in Hongkong.

Heute, Generationen später, stehen diese „Mitbringsel“ auf Auktionen zum Verkauf und gelangen durch die Terese Coleman Ltd zurück nach China. Jedoch nicht für immer, denn die Galerie lebt vom Handel. Daher ist es besonders wichtig die gefährdeten Stücke zu dokumentieren, bevor sie wieder in privaten Besitz übergehen. Die sehr hochauflösenden und auch künstlerischen Aspekten genügenden Fotos werden bisher sehr aufwändig gedruckt oder für die Herstellung der Verkaufskataloge verwandt. Aber Magdalene würde gern eine frei zugängliche Datenbank aufbauen um damit das kulturelle Erbe tatsächlich zugänglich zu machen. Magdalene kam gleich auf die Wikimania, um sich weitere Informationen zu holen und um lokale Wikipedianer kennenzulernen, mit denen sie zusammenarbeiten kann. Die ersten Begegnungen haben bereits stattgefunden.

Die letzte chinesische Kaiserin Empress Dowager Cixi ( – ), 1890. Ein Gruß aus der Vergangenheit.

  1. Nachtrag: Interessante Links von digitalen GLAM Projekten in Hongkong
    The Hong Kong Memory
    quoting the site „Hong Kong Memory (HKM) is a multi-media web site that gives free and open access to digitized materials on Hong Kong’s history, culture and heritage. The materials include text documents, photographs, posters, sound recordings, motion pictures and videos.

    HKM is Hong Kong’s response to UNESCO’s Memory of the World Programme which calls for the preservation of valuable archive holdings and library collections all over the world through digitization to guard against collective amnesia.“ Obwohl die Lizenzrechte für die Digitalisate sum Teil sehr unterschiedlich sind von „all rights reserved“ über CC BY NC zu CC BY SA, hat man sich dennoch entschieden das Material zumindest sichtbar zu machen. Beim Dowonload der vielfach sehr schönen historischen Aufnahmen aus der jüngeren Geschichte Hongkongs bitte die Lizenzangaben beachten.

    Hong Kong Visual Arts Archive
    quoting the site: Hong Kong Visual Arts Archive is an online searchable database developed by the University Library System of The Chinese University of Hong Kong. It provides users with easy access to Hong Kong visual arts and artists materials for teaching and research purposes. This Beta Version currently provides citation records of exhibitions and art critics from Hong Kong Visual Arts Yearbook (1999-2005). More resources will be added in the future.“ Auch hier ist das jeweilige Lizenrecht zu beachten.
    Und schließlich für weitere Recherchen das Hong Kong Art Archive.

    Kommentar von Barbara Fischer am 12. September 2013 um 11:16

  2. Kommentar von Barbara Fischer am 12. September 2013 um 11:17

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